Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Chrysler ME Four-Twelve

Schwarz-Brenner

Foto: Andreas Lindlahr 6 Bilder

Die Flache Flunder ist das jüngste Mitglied im exklusiven 400-km/h-Club. Ob der Straßenrenner in Serie geht, ist im Daimler-Chrysler-Konzern auch eine politische Entscheidung.

28.09.2004

Wie er so am Boden kauert, aggressiv, mattschwarz und böse, müsste eigentlich Darth Vader, der dunkelmächtige StarWars-Lord, am Steuer sitzen. Stattdessen ist der Fahrerplatz des ME Four-Twelve für einen Journalisten reserviert. Und als Copilot fungiert ein schmaler, hellblonder 43-jähriger Manager namens Dan C. Knott.

Knott hat sich schon per Vierpunktgurt in der zwölf Kilogramm leichten Rennschale verzurrt und die vier Automatik-Feuerlöscher geprüft. 248 Meilen – das sind umgerechnet 400 km/h. Die Maschine, die das schafft ist sechs Liter groß und stammt aus dem Mercedes SL 65 AMG, hat vier statt zwei Turbos und leistet deshalb 862 anstelle von 612 PS. Dadurch türmt sich die Drehmoment-Kurve (eigentlich eher ein Berg) auf 1150 statt 1000 Newtonmeter.

Und weil der ME Four-Twelve auch schneller durch die Kurve fahren soll (Querbeschleunigung: 1,5 g), installierten die AMG-Techniker eine Trockensumpfschmierung.

Erinnerung an den Stealth-Bomber Lockheed F-117A

Die aufwendige Technik sitzt in einem Monocoque mit einer speziellen Wabenstruktur aus Aluminium und Carbon. Ein Hilfsrahmen aus hoch vergütetem Stahl macht das Chassis extrem steif. Darüber legt sich eine attraktive Hülle, deren Form streng der Funktion folgt. Die aerodynamisch günstige Skulptur mit einem unauffälligen Heckspoiler, die bei 300 km/h satte 420 Kilogramm Abtrieb erzeugt, erinnert mit ihren dreieckigen Flächen an den Stealth-Bomber Lockheed F-117A, mit dem sich der ME auch die mattschwarze Lackierung teilt.

Mit einem Druck auf den roten Starterknopf in der Mittelkonsole brüllt der V-Zwölfzylinder auf. Der Motor klingt brachial und noch etwas roh aus seinen vier armdicken Auspuffrohren.

Der dicke schwarze Knopf neben dem Starter muss nach rechts von N auf D gedreht werden, damit wird der erste Gang des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes eingelegt.

Mit Rücksicht auf das noch nicht ganz standfeste Getriebe haben die AMG-Techniker das Drehmoment auf rund 750 Newtonmeter reduziert. Doch das genügt, um den Chrysler per Gasstoß katapultartig nach vorne schnellen zu lassen. Die 20 Zoll großen Michelin-Hinterreifen im Format 335/30 ZR 20 erzeugen dabei mangels Antriebsschlupfregelung beim Anfahren eine Wolke wie eine Dampflok.

Von Null auf 60 Meilen in unter drei Sekunden

Die Maschine dreht blitzartig hoch, so dass schon einen Atemzug später bei 6200/min in den zweiten Gang geschaltet werden muss. Für diese Aufgabe ist das rechts vom Lenkrad stehende Schaltpaddel verantwortlich, mit dem sich verzögerungsfrei und überraschend weich der nächsthöhere Gang hineinklicken lässt. In unter drei Sekunden soll der Chrysler von null auf 60 Meilen (96,5 km/h) beschleunigen.

Das Herunterbremsen ist dank der Sechskolben-Festsattelbremsen mit belüfteten Scheiben aus Keramikverbund ein ebenso leichtes und gut dosierbares Spiel wie die Beschleunigung. Beim Herunterschalten (Paddel links) arbeitet das Getriebe aus unerfindlichem Grund mit einer gewissen Verzögerung, durch einen automatisierten kleinen Zwischengasstoß wird aber kein – in der Kurve besonders gefährliches – Bremsmoment an die Hinterräder weitergegeben. Die Lenkung ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Sie ist leichtgängig und wirkt äußerst sensibel.

Anfangs neigt der ME zu einem leichten, eindeutig definierten Untersteuern. Mit dem Gasfuß hat es der Pilot aber jederzeit in der Hand, dies nach Belieben in ein Übersteuern umzuwandeln. Leistung ist jedenfalls im Überfluss vorhanden.

Begehrenswert für jeden Autoliebhaber


Auf der Rahal Straight-Geraden lässt sich zum ersten Mal das Gaspedal voll durchtreten. Die Hinterreifen haben enormen Grip auf der mittlerweile abgetrockneten Piste. Die Gerade mündet in die berüchtigte Corkscrew-Kurve, eine schnelle Links-Rechts-Bergab-Kombination.

Dabei drückt es die Passagiere heftig in die engen Schalensitze, die Kinnladen zieht es nach unten. Der Chrysler scheint sich geradezu am Boden festzusaugen – ein Eindruck, der sich auch auf Kuppen bestätigt.

Das Coupé folgt der Asphaltdecke, ohne nennenswert auszufedern. Und wenn er so knisternd abkühlt, weckt er die Begierde jedes Autoliebhabers. Nach Gummi riechend, aggressiv, mattschwarz und böse.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden