Ob beim Wohnen oder im Auto - Familien mit Kindern brauchen Platz. Und der Nachwuchs kostet Geld. Es kann also nicht schaden, wenn das Familiengefährt möglichst günstig ist, das Urlaubsgepäck für vier oder den Wocheneinkauf samt Kinderwagen schluckt und - das macht die Sache kompliziert - ab und zu auch für den Ausflug mit den Großeltern oder ein, zwei Freunden taugt. Fünf Sitze sind dafür zu wenig, aber Autos mit dritter Sitzreihe sind unter 20.000 Euro dünn gesät.
Dacia Logan: Viel Platz für wenig Geld
Doch es muss ja kein Van sein. Beispiel Dacia: Der geräumige Dacia Logan Kombi, selbst in der stärksten Version mit 105 PS lediglich 11.650 Euro teuer, bringt in seinem 700-Liter-Gepäckraum bei Bedarf zwei weitere Mitfahrer unter. Die zusätzliche Bank kostet nur 500 Euro und bietet auch erwachsenen Insassen eine menschenwürdige Sitzhaltung - sofern sie ausreichend gelenkig sind, um den mühsamen Ein- und Ausstieg zu meistern, wozu die geteilte Bank der zweiten Reihe mit umgeklappter Lehne gegen die Vordersitze gefaltet werden muss.
Natürlich sitzt man ganz hinten nicht so luftig wie in der Mitte, zumal die Füße nicht unter die vordere Sitzbank geschoben werden können. Auch der Gurt für den Mittelplatz in Reihe zwei stört, da er mittig am Dachende befestigt ist und deshalb genau zwischen den Köpfen der hintersten Insassen verläuft. Wenn Ladekapazität statt Sitzplätze gefragt ist, lässt sich die Zusatzbank gegen die Fondsitze falten und beeinträchtigt kaum das Gepäckvolumen. Ausbauen ist ebenfalls möglich, aber wegen der sperrigen Bank etwas mühsam.
Der Citroen Berlingo kostet 8.000 Euro mehr
Im Citroën Berlingo funktioniert das mit den Einzelsitzen einfacher, allerdings ist der französische Hochdachkombi mit vergleichbarer Motorisierung viel teurer. In der Multispace-Ausführung ab 18.250 Euro kommen zu den drei gleich breiten Fondsitzen beim Kauf des 1.900 Euro teuren Family-Pakets zwei weitere für den 650 Liter großen Gepäckraum hinzu. Der hohe Aufpreis relativiert sich, da neben einer Klimaanlage auch so praktische Extras wie seitliche Sonnenrollos, Klapptische im Fond oder ein üppiger 13-Liter-Staucontainer in der Mittelkonsole enthalten sind.
Der Dacia Logan bietet effektiv mehr Platz
Anders als der Dacia Logan unterscheidet sich der Citroen Berlingo für sieben in einigen wesentlichen Punkten vom Fünfsitzer-Modell. Zum einen ist der Ladeboden im hinteren Bereich erhöht, damit man auf den beiden Zusatzplätzen einigermaßen sitzen kann. Darunter befinden sich mehrere Staufächer, die auch das Gepäckraumrollo aufnehmen können. Zum anderen ist die zweite Sitzreihe deutlich weiter vorn montiert als im Fünfsitzer-Berlingo. Das schränkt hier für Erwachsene die Kniefreiheit spürbar ein, selbst wenn die zwei hintersten Sitze nicht benötigt werden. Alle Einzelsitze können umgeklappt und ausgebaut, aber nicht in Längsrichtung verschoben werden. Bei Nichtgebrauch ragen die Zusatzsitze auch zusammengeklappt mit ihrer zerklüfteten Unterseite platzraubend in den Gepäckraum. Im Fond des Citroen Berlingo geht es also deutlich enger zu als im Dacia Logan, der Zustieg nach ganz hinten ist ebenso mühsam. Doch die Einzelbestuhlung und Schiebetüren machen den Citroën Berlingo zum besser nutzbaren Transporter.
Funktionale Ausstattung im Citroen Berlingo
Beim Ambiente kann der teurere Citroen Berlingo hingegen kaum Vorteile verbuchen, Funktionalität ohne Schnickschnack steht bei beiden klar im Vordergrund. Robuste Materialien sind Trumpf, eine solide, klapperfreie Verarbeitung ist trotzdem inklusive. Einfach muss also nicht schlecht sein. Und keinen Verzicht bedeuten - zumindest beim Citroen Berlingo. Das fängt bei zahlreichen Extras wie Parksensoren oder Tempomat an, die die Franzosen vorzugsweise im Paket, aber immerhin optional bereithalten, und hört bei der Sicherheitsausstattung nicht auf, wie das serienmäßige ESP und die sechs Airbags beweisen. Das kann man heute selbst von einem Hochdachkombi mit Nutzfahrzeug- Charakter erwarten - jedoch nicht voraussetzen, wie der Dacia Logan zeigt.
Kein ESP für den Dacia Logan
Nur zwei Frontairbags an Bord und Seitenairbags als Option (280 Euro) mögen bei dem niedrigen Grundpreis noch akzeptabel sein. Aber dass gerade für ein Familienauto weder Kopfairbags noch ESP zu haben sind? Im Grenzbereich bleibt der Dacia Logan zwar weitgehend gutmütig und leicht beherrschbar, doch auf Lastwechsel reagiert er bereits ohne volle Zuladung mit spürbarem Eindrehen. Eine unterdurchschnittliche Bremsleistung und ein mäßiges Abblendlicht passen da ins Bild. Der Citroen Berlingo zieht sich hier achtbar aus der Affäre. Seine Bremsen packen ordentlich zu, das ESP greift frühzeitig und konsequent ein. Dynamische Ambitionen unterbinden jedoch auch die gefühllose, stößige Lenkung, das träge Handling und nicht zuletzt das üppige Gewicht von mehr als 1,5 Tonnen.
Der Citroen Berlingo kommt nur langsam auf Touren
Das sind fast 250 Kilo mehr als beim Dacia Logan, an denen der 1,6-Liter-Benziner des Citroen Berlingo schwer zu schleppen hat. Ohne häufige Gangwechsel kommt der 109 PS starke Hochdachkombi kaum in Schwung, wobei das unpräzise Fünfganggetriebe mit seinen langen Schaltwegen wenig Freude macht. Der Vierzylinder lässt sich seine Arbeit im Test mit durchschnittlich 9,6 L/100 km vergüten, bleibt jedoch akustisch dezent, so dass sich auf der Autobahn die Windgeräusche in den Vordergrund drängen. Im Dezember wird der Motor durch den nach Euro 5 schadstoffarmen VTi 120 abgelöst, der aus ebenfalls 1,6 Liter Hubraum etwas mehr Leistung (120 PS) und Drehmoment (160 Nm) entwickelt sowie im Normzyklus knapp einen Liter weniger verbraucht. Aufpreis: 350 Euro.
Mangelhafte Sicherheitsausstattung wirft den Dacia Logan zurück
Beim Dacia Logan bleibt alles beim Alten, und das reicht, um spürbar sparsamer (8,5 Liter) und flotter unterwegs zu sein. Abseits aller Transportaufgaben vermittelt der Dacia Logan (der Dacia Logan MCV 1.6 MPI LPG im Fahrbericht) mit seiner angenehm direkten Lenkung und der zwar knochigen, aber ausreichend exakten Schaltung durchaus so etwas wie Fahrspaß. Komfortansprüche werden hingegen nur in bescheidenem Maß erfüllt. Sein 105-PS-Benziner bleibt selbst bei gleichmäßigem Tempo kaum überhörbar; unbequeme Sitze und die vergleichsweise steif ansprechende Federung verleiden längere Autobahntouren. Unter den unprätentiösen Nutzfahrzeug-Ablegern kann sich der Dacia Logan damit erstaunlich gut gegen den Citroen Berlingo behaupten - vor allem, wenn öfters alle sieben Sitze genutzt werden. Der 8.000 Euro geringere Basispreis des Dacia Logan ist für Familien ein wichtiges Argument, die mangelhafte Sicherheitsausstattung spricht allerdings gegen ihn.






