Citroen C3 VTI 95 und Renault Clio TCE 100 im Test

Die VW Polo-Konkurrenten im Vergleich

Citroen C3 VTI 95, Renault Clio TCE 100

Es muss nicht immer Polo sein. Interessante Alternativen bietet die französische Automobil-Industrie. Der ganz neu gestaltete Citroen C3 zählt dazu, aber auch der bewährte Clio von Renault.

Ganz so unbeugsam, wie uns das Asterix & Co weismachen wollen, sind sie doch nicht, die Gallier. Die klassischen Eigenschaften ih­rer Autos - alltagspraktisch und höchst komfortabel, aber etwas lässig zusammenge­schustert - haben sie längst ad acta gelegt. Heute geht es, wie überall sonst auch, in erster Linie um qualitative Hochwer­tigkeit. Wobei in erster Linie Produkte aus Deutschland als Vorbilder in Sachen Ferti­gungsperfektion gelten. 

Der Citroen C3 bietet mit dem Panoramadach Cabrio-Feeling

Der Citroen C3, jüngster Spross der durch geniale Konstruktionen legendär gewordenen Firma Citroen, macht da keine Aus­nahme. Immerhin leistet er sich gegen Aufpreis den stilistischen Gag eines riesigen Pa­noramadachs aus Glas. Das sorgt, wenn der Dachhimmel mit den beiden Sonnenblenden nach hinten geschoben wird, für ein ungewöhnliches Raum­gefühl - fast wie in einem Ca­brio. 400-Euro-Schnapsidee, werden manche sagen. Wir meinen: Wenn Citroën, dann auch richtig.  Wobei wir nicht vergessen, dass die Übersichtlichkeit der neuen C3-Karosserie trotz der gewaltigen Glasfläche in jenen Bereichen, wo es wirklich wichtig ist, der des Renault Clio unterlegen ist.

Der Citroen C3 wirkt modern und stylish

Beim Ran­gieren und Einparken fällt es hier leichter, die Begrenzungen der Karosse abzuschätzen. Das Bemühen, in einem klei­nen Auto den Eindruck eines großen hervorzurufen, zeigt auch die Gestaltung des Ci­troen-Interieurs. Das auf der rechten Seiten nach vorn aus­geschnittene Armaturenbrett schafft dem Beifahrer Luft. Er kann seinen Sitz weit nach vorn schieben, was eventueller Fondbesatzung zugute kommt. Der gesamte Innenraum des Citroen C3 wirkt modern und stylish, präsentiert aber nebenbei eine durchaus ansprechende Qualität von Material und Verarbeitung.  

Bequeme Sitze bieten Renault Clio und Citroen C3

Renaults Erfolgs-Kleinwagen, der Clio, tritt da vergleichswei­se bieder und nüchtern auf. Nach den Design-Eskapaden der jüngsten Vergangenheit hat Renault zu einem sehr sachlichen Stil gefunden - auch was die Gestaltung des Innenraums angeht.  Der optische Eindruck führt aber in die Irre. Was die Ergonomie der Bedienungsele­mente angeht, ist der Citroen eindeutig besser. Im Renault Clio verzweifelte nicht nur ein Fah­rer an der Bedienung des in dieser Variante serienmäßigen Navigationssystems. Bequeme Sitze bieten beide, hinten genießt man im Citroen C3 wegen der größeren Innenbrei­te etwas mehr Bewegungsfrei­heit. Aber das sind nur Nuan­cen, wie auch die Differenzen beim Volumen der Gepäckräu­me.

Mit dem Citroen C3 empfehlen sich keine langen Reisen

Beide können in der üb­lichen Weise durch Umklappen der Rücksitzlehne für den Transport sperriger Gegen­stände erweitert werden.  Wir sind unterwegs, und dabei zeigen sich nun Unterschiede zwischen den beiden Konkur­renten, die eine eventuelle Kaufentscheidung nachhaltig beeinflussen können.  Der Citroen, das ist der erste Eindruck, präsentiert den typischen Komfort à la française. Seine Federung schluckt vor allem kleine Unebenheiten mit hoher Geschmeidigkeit. Erst wenn langhubige Bodenwellen anstehen, kommt es zu kräfti­gen Vertikalbewegungen der Karosserie, die zeigen, dass mit kurzem Radstand und klassenüblich einfacher Fahr­werkskonstruktion keine Wun­der zu vollbringen sind. Trotz­dem bleibt der Citroen C3 ein Auto, das eine lange Reise zu einem stressarmen Vergnügen ma­chen kann.

Der Renault Clio ist handlich wie ein Wiesel

Der Renault Clio spielt ein Kon­trastprogramm, wie es klarer nicht sein könnte. Als habe sich bei der Fahrwerksabstim­mung die Tradition der sport­lichen Gordini-Modelle einge­schmuggelt, beweist der Renault Clio unmissverständlich, dass ihm dynamische Fahreigenschaften wichtiger sind als weichlicher Federungskomfort. Er fährt sich handlich wie ein Wiesel, mit einer zielgenauen Lenkung und nur geringen Ka­rosseriebewegungen bei schnellen Richtungswechseln. Das macht Spaß, solange sich die Straße im ebenmäßigen Idealzustand befindet. Aber wenn die raue Wirklichkeit in Form von Bodenwellen an­steht, nimmt das Vergnügen ein abruptes Ende. Die straff ausgelegte Federung ist damit schlicht überfordert, Stöße kommen ansatzlos und hart durch. Selbst auf der Autobahn kommt der Clio nicht zur Ru­he, sondern plagt seine Insas­sen mit ständigen kleinen Ver­tikalbewegungen. Darunter haben vor allem Fondpassa­giere zu leiden, die nahe der besonders stoßempfindlichen Hinterachse sitzen. Der Citroen wirkt mit seiner sehr stark servounterstützten Lenkung, die speziell im un­teren Geschwindigkeitsbereich nur wenig Gefühl für die Fahr­bahn vermittelt, nicht so fahr­aktiv wie der Renault, ist aber nicht weniger sicher.

Mehr Durchzugskraft mit dem Renault Clio

In extre­men Situationen zeigt auch er keine tückischen Reaktionen, wobei wie im Renault das ESP so wohldosiert eingreift, dass Fahrfehler im Rahmen des physikalisch Möglichen keine schwerwiegenden Folgen ha­ben. Die Bremsen sorgen in beiden Fällen für gute Verzöge­rung und nehmen sehr hohe Beanspruchung gelassen hin - mit leichten Vorteilen für den sportlich orientierten Renault.  Der verfügt auch über die mo­derner anmutende Motoren­technik. Unter der Haube sitzt ein mit nur 1,2 Liter Hubraum sehr bescheiden dimensio­nierter Vierzylinder, dem per Turbo-Aufladung auf die Sprünge geholfen wird. Das Ergebnis: mehr Leistung und mehr Drehmoment als bei der Maschine des Citroen C3, die oh­ne Aufladung, dafür aber mit größerem Hubraum antritt. Die Differenzen in den Mess­werten mögen gering erschei­nen, aber der Fahreindruck spricht eine eigene Sprache. Der Turbo des Renault Clio vermit­telt mehr des Gefühl stäm­miger Durchzugskraft.

Beide Franzosen leisten sich einen recht hohen Test-Verbrauch

Die dämpfende Wirkung des La­ders im Abgastrakt macht sich zudem in einem unaufdring­lichen Lauf des Vierzylinders bemerkbar, der lediglich bei vollem Ausdrehen ein nen­nenswertes Brummgeräusch verursacht. Der Citroen-Vierzylinder wirkt weniger leistungsfreudig und ist akustisch präsenter. Vor allem bei hohem Tempo, denn der Citroen C3 besitzt ebensowenig wie der Renault Clio einen langen sechsten Gang und ist deshalb mit relativ hoher Drehzahl unterwegs.  Nicht zuletzt daraus resultieren in beiden Fällen Verbrauchs­werte, die akzeptabel, aber wahrhaftig nicht vorbildlich sind. In diesem Punkt sollte gerade ein neuer Citroen deut­lich avantgardistischer sein. Denn im wirklichen Leben ist es nicht nur der Renault Clio, den es zu schlagen gilt.

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Götz Leyrer

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