Fahrbericht Citroen C4 vs. Opel Astra

Kann der Mini-Turbo den Sauger schlagen?

Citroen C4 Vti 120 und Opel Astra 1.4 Turbo im Vergleich

Dem bislang bei den Käufern des Opel Astra äußerst populären 1,6-Liter-Saugmotor steht nun ein minimal stärkerer Turbo-Benziner zur Seite. Seine Leistung von 120 PS entspricht der des Citroën C4 VTi, der allerdings auf die Zwangsbeatmung verzichtet.

Ein sanftes Himmelblau? Oder ein kräftiges Veilchenblau? Oder doch lieber unverbindliches Blassweiß? Kurz bevor der Fahrer des Citroën C4 VTi 120 den Verlust sämtlicher markentypischer Schrullen beweint, entdeckt er die zwei Knöpfe zwischen Tacho und Drehzahlmesser, mit denen sich die Farbe der Instrumentenbeleuchtung regulieren lässt - und zwar für die Skalen und Zentraldisplays der drei Rundinstrumente getrennt.

Neuer Saugmotor im Opel Astra fünf PS stärker

Der Opel Astra 1.4 Turbo kann das auch, ein bisschen zumindest. Wenn das 980 Euro teure adaptive Fahrwerk die Dämpfer zu bedarfsgerechter Arbeit animiert, lässt ein Druck auf die Sport-Taste die Instrumente in Rot aufflammen. Das verspricht Dynamik - die der neue, 120 PS starke Turbomotor mit entsprechenden Fahrleistungen manifestieren soll.

Der Vierzylinder des Opel Astra mit 1,4 Liter Hubraum ersetzt mittelfristig den fünf PS schwächeren 1,6-Liter-Sauger, der aktuell noch angeboten wird. Das maximale Drehmoment steigt von 155 auf 200 Newtonmeter, die erforderliche Drehzahl sinkt von 4.000 auf 1850/min. Die Eckdaten sprechen also durchaus für die derzeit angesagte Form der Motorisierung.

Citroën C4 um zwei Zehntel schneller auf 100 als Opel Astra

Bei genauem Hinsehen offenbaren sich allerdings zwei potenzielle Störenfriede: Mangels Direkteinspritzung könnte es schwer werden, besonders niedrige Verbräuche zu erzielen, und das gegenüber dem Citroën C4 VTi 120 um 170 Kilogramm höhere Leergewicht bedroht den Triumph bei den Fahrleistungen. Und tatsächlich: Bei der Beschleunigung von null auf 100 km/h verpasst der Opel Astra 1.4 Turbo mit 10,4 Sekunden um zwei Zehntel den Anschluss, bei der Elastizitätsmessung behält der Citroën C4 VTi 120 ebenfalls den charakteristischen Doppelwinkel vorne.

Als schuldig im Sinne der Anklage erweist sich das speziell in den Gängen fünf und sechs lang übersetzte Schaltgetriebe. Immerhin lässt es sich einigermaßen exakt bedienen, wenngleich das Fünfganggetriebe des Citroën C4 VTi 120 keinen echten Gegner darstellt. Wie in einem altgedienten Gebrauchtwagen flaniert der knuffige Schalthebel durch die weit auseinanderliegenden Gassen, zudem lässt sich ohne besondere Mühe die Sperre des Rückwärtsgangs überwinden. Dabei könnte der Franzose durchaus eine zusätzliche Fahrstufe vertragen, denn bei Tempo 140 liegt ein beachtlicher Drehzahlunterschied von 1.100 Umdrehungen zwischen Opel Astra 1.4 Turbo und Citroën C4 VTi 120.

Verbrauch des Citroën C4 VTi 120 nur minimal höher

Da das 1,6-Liter-Triebwerk ohnehin zum Dröhnen neigt, wird es auf flotten Reiseetappen schnell ungemütlich im Citroën C4 VTi 120. Immerhin hält das serienmäßige Audiosystem mit erstaunlich kräftigem und ausgewogenem Klang dagegen. Es muss außerdem den Ärger über den höheren Verbrauch übertönen. Mit 8,2 L/100 km ist der Zuschlag gegenüber dem Opel Astra 1.4 Turbo (8,1 L/100 km) jedoch minimal, der profitiert hier von seinem langen sechsten Gang.

Ansonsten bietet der Citroën C4 VTi 120 kaum Grund zum Nörgeln. Um neun Zentimeter kürzer als der Opel Astra 1.4 Turbo, bietet er nur marginal weniger Innenraum, schluckt bei aufgestellter Rückbank sogar etwas mehr Gepäck. Allerdings lässt sich die Ladung nicht vernünftig sichern, denn die Verzurrösen sind an der Bodenmatte statt im Blech verankert. Einzig das großflächige, aber nicht zu öffnende Glasdach (Aufpreis 990 Euro) schränkt die Kopffreiheit im Fond spürbar ein.

Auch ohne diese Option lässt der Citroën C4 VTi 120 mehr Licht in sein schnörkelloses, sauber verarbeitetes Interieur und bietet daher speziell nach schräg hinten eine deutlich bessere Übersichtlichkeit als der Opel Astra 1.4 Turbo. Vorne fühlen sich dagegen auch groß gewachsene Fahrer wohl, finden in den weich gepolsterten, bequemen Sitzen eine nahezu optimale Position zum Lenkrad. Die Bedienung will allerdings erlernt werden, doch das gilt ebenso für den Opel Astra 1.4 Turbo, der erneut mit seinen perfekt ausgeformten Optionssitzen überzeugt. Den Aufpreis von 685 Euro sollten sich jeder Astra-Käufer und sein Beifahrer wert sein.

Opel Astra 1.4 Turbo trumpft mit optionalen Spezialitäten

Das gilt ebenso für die bei der getesteten Innovation-Ausstattung serienmäßigen Bixenon-Scheinwerfer des Opel Astra 1.4 Turbo, die ihren Lichtkegel der jeweiligen Fahrsituation anpassen. Dazu zählt je ein Modus für den Stadtverkehr, verkehrsberuhigte Zonen, Landstraße, Autobahn und schlechtes Wetter.

Da kann der Citroën C4 VTi 120 nicht mithalten, ganz zu schweigen von den weiteren optionalen Opel-Spezialitäten wie einer Frontkamera zur Verkehrszeichenerkennung oder dem im hinteren Stoßfänger integrierten Fahrradhalter. Wenn beim Astra-Kauf schon gespart werden soll, bleibt das aber ebenso entbehrlich wie das adaptive Fahrwerk. Es löst zwar jede Aufgabe nahezu perfekt, lässt den Opel Astra 1.4 Turbo lässig über große und kleine Unebenheiten gleiten und bugsiert ihn gleichzeitig ohne störende Karosseriebewegungen selbst bei flottem Tempo völlig unaufgeregt durch Kurven. Früher getestete Modelle mit Standard-Fahrwerk erledigten ihre Arbeit jedoch kaum schlechter, zumindest wenn keine 18- oder gar 19-Zoll-Räder montiert waren.

Auch die konventionellen Dämpfer des günstigen Citroën C4 VTi 120 verstehen ihr Handwerk, konzentrieren sich allerdings vorwiegend auf den Komfort. Agiles Handling halten sie für entbehrlich, lassen den Citroën C4 stark wankend früh über die Vorderräder schieben. Die - wie im Opel Astra 1.4 Turbo - gefühllos arbeitende Lenkung verstärkt diesen Eindruck. So zieht der Opel Astra 1.4 Turbo am Citroën C4 VTi 120 vorbei, allerdings eher trotz und nicht wegen des neuen Motors. Sein Temperament fühlt sich auch bei gedrückter Sporttaste eher himmelblau als feuerrot an.

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Jens Dralle

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