Unter den Honoratioren der oberen Mittelklasse bleibt dem Citroën C6 nur der undankbare Part des Barden Troubadix: Er darf nicht mitspielen. Dabei wäre der verkannte Schöngeist auch mal gerne ein Großer wie Majestix oder Miraculix.
Ein neuer V6-Turbodiesel soll den Citroen C6 noch souveräner machen
Doch mit bescheidenen 19 151 Exemplaren seit dem Start 2005 - davon gerade mal 3341 in Deutschland - ist er eher ein Appendix. Macht nix. Als Gallier hat er schließlich genügend Größe und Charakterstärke, um nicht klein beizugeben. Im Gegenteil: Ein neuer, flüsterleiser V6-Turbodiesel soll die elegante Limousine noch souveräner machen. Dazu wurde der bisherige 2,7-Liter-HDi auf klassenübliche drei Liter vergrößert, und die Einspritzung per Common Rail der dritten Generation erfolgt nun mit höherem Druck (2000 statt 1600 bar) sowie über acht statt sechs Piezo-Düsen noch präziser. Neben weiteren Details versprechen diese Maßnahmen mehr Kraft und Leistung bei weniger Verbrauch und Emissionen, dank Vor- und Nacheinspritzung zudem eine weiter verbesserte Laufkultur.
Die Insassen des Citroen C6 gleiten auf einer Drehmomentwoge dahin
Mit Erfolg: Während der von zwei Turboladern beatmete Sechszylinder nach dem Kaltstart und in der Stadt noch leise vor sich hin summt, bleibt er auf Landstraßen und Autobahnen praktisch lautlos. Schließlich rotiert die Kurbelwelle bei 130 km/h gerade mal mit 2000 Umdrehungen, bei Tempo 160 sind es nur 600 mehr. Das Innengeräusch beträgt dabei diskrete 71 dB(A), der Pulsschlag vermutlich noch weniger. Denn die sanft, aber etwas träge schaltende Sechsgangautomatik sorgt mit der stets passenden Übersetzung dafür, dass die Insassen auf einer Drehmomentwoge dahingleiten. Weil das von Zulieferer Aisin stammende Getriebe weniger als das von ZF verkraftet, erreicht das mit Jaguar und Land Rover entwickelte Triebwerk jedoch nicht die Bestwerte der Briten (500 bis 600 Nm). Dafür stehen seine 450 Nm über den weiten Bereich von 1600 bis 3600/min zur Verfügung.
Der Citroen C6 kommt mit einem Plus an Leistung bei reduziertem Verbauch
Selbst eine Anfahrschwäche wie beim Vorgänger ist nicht mehr spürbar. Abgerundet wird die überzeugende Vorstellung von einem Plus an Leistung (241 statt 204 PS) und Temperament bei reduziertem Verbrauch. Mit 9,5 L/100 km und Euro 5-Einstufung muss sich die mindestens 1,9 Tonnen schwere Limousine nicht hinter dem deutschen Premium-Trio verstecken, im Ausstattungs-, Raum- und Federungs-komfort kann es der Citroën C6 sogar teilweise überflügeln. Denn schon im Grundmodell sind meist kostspielige Extras wie Bi-Xenon-Scheinwerfer, Navigationssystem, 18-Zoll- Alufelgen oder elektrisch verstellbare Ledersitze ebenso serienmäßig wie die marken-typische Hydropneumatik mit Niveauausgleich bei Beladung.
Der Citroen C6 bietet ein einzigartiges Komfort-Erlebnis
Beim V6-Motor kommt eine elektronisch geregelte Dämpfung hinzu, doch die straffere Fahrwerksabstimmung per S-Taste macht den C6 nicht wirklich dynamischer, sondern einfach nur härter. Dabei zeichnet ihn gegenüber der gesamten Konkurrenz vor allem jenes ganz spezielle Schwebegefühl aus, das die Insassen mit sanftem Wogen über lange Wellen trägt. Auf kurzen Querfugen oder Kanaldeckeln werden sie zwar bisweilen unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, doch das Komfort-Erlebnis bleibt einzigartig.
Der großzügig geschnittene Innenraum wirkt nicht ganz so besonders, allerdings auch nicht so verspielt wie bei früheren Citroën. Defizite gibt es zwar bei Bedienung, Kofferraum und Zuladung, nicht aber bei der umfangreichen Sicherheitsausstattung bis hin zu den höchst effektiven Bremsen. Frei nach Miraculix: Citroën kann zwar nicht zaubern, aber bezaubern.






