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Fahrbericht Citroën CX

Eine sentimentale Reise nach Paris

Citroën CX 25 GTI, Heckansicht, Eiffelturm Foto: Ingolf Pompe 11 Bilder

Der Abend ist vorüber, doch die Müdigkeit will nicht kommen. Und draußen wartet ein Citroën CX. Früher fuhren wir in solchen Nächten kurzerhand zum Frühstück nach Paris. Warum eigentlich nicht heute?

24.06.2014 Michael Harnischfeger Powered by

An lauen Sommerabenden stehe ich gern auf der Eisenbahnbrücke am Lohring in Bochum und schaue auf meine Stadt. Ich sehe das Mercedes-Hochhaus am Bahnhof, die Fiege-Brauerei, das neue Hochhaus der Stadtwerke (das ein bisschen aussieht wie der Monolith aus `2001´), die Türme der Propstei- und Christuskirche, und ganz rechts erkenne ich sogar noch den Förderturm des Bergbau-Museums. Und dann denke ich: "Boah! Schön ist das nicht."

Frank Goosens Liebeserklärung ans Ruhrgebiet hat Widerhaken, klar. Und auch wir, die Ende der 70er durchs erste eigene Auto so richtig mobil geworden waren, fühlten: Hier ist Heimat, doch die Welt ist größer und oft schöner als diese stolze Region, die ganz grau ist vor Arbeit am Hochofen und Maloche unter Tage.

Irgendwann dann fing es an, auf einer Party. Udo Lindenberg sang die Geschichte vom Malocher, der nicht mehr auf den Lottogewinn hoffen mag und lieber nach Paris fährt, um im Alcazar Sekt zu trinken. Neues Leben. Im zerschraddelten Käfer, Simca oder Ford 12M machten sich von da an nach langen Abenden immer wieder einige auf an die Seine, zum Frühstück.

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Flashback in Duisburg

Unter dem Sitz lag ein zerfledderter Straßenatlas Europa, Willkommensgabe des ADAC. Aus dem Handschuhfach fand eine Kassette den Weg in das Gelhard-, Blaupunkt- oder Pioneer-Radio, es konnte losgehen Richtung Croissant und Kaffee irgendwo in Paris. Eingezwängt in die ollen Kisten, eingelullt, vom warmen Pochen der kleinen Motoren schaukelten wir durch unser eigenes Roadmovie.

Das alles ploppt plötzlich hoch in dieser Nacht im Duisburger Innenhafen, der mit Glanz und Lifestyle das alte Ruhrgebiet vergessen machen will. Statt unserer Rest-TÜV-Autos steht da dieser wunderschöne Citroën CX 25 GTI, den uns die CX-Basis in Karlsruhe für eine ganz andere Geschichte zur Verfügung gestellt hat. Der fliegende Teppich, Traum unserer Fernfahrten, wenn er uns damals wie ein silberner Fisch überholte in der Nacht, unwirklich beleuchtet vom fahlen Licht der belgischen Autobahnlaternen.

Kurzer Blick auf die Uhr und in den Terminkalender des Smartphones. Morgen, also im Grunde schon heute, liegt nichts an, was sich nicht auch übermorgen erledigen ließe. Sentimental Journey? Paris reloaded? Kann das gut gehen? Lässt sich Geschichte mit dem Citroën CX wiederholen, lassen sich Stimmungen, Abenteuer erneut erleben? Versuch macht klug (sprich: kluuch), sagt man hier. Und wir halten uns daran.

Mit dem Citroën CX in Richtung Paris

Der kleine Schlüssel findet hakelnd ins Zündschloss, der Anlasser weckt den großen 2,5-Liter, der mit seiner seitlichen Nockenwelle weit weniger modern ist als der Citroën CX selbst. Der liftet erst majestätisch den Po, dann folgt die Schnauze. Wie erheben sich Kamele, diese braven Tiere, die Beduinen als Begleiter für lange Strecken so schätzen? Merkwürdige Assoziationen.

Wir folgen der breiten Schnauze Richtung Autobahn A 40, gleiten durch die Nacht, die immer wieder heftige Schauer über uns ergießt. Die Niederrhein-Region zieht an uns vorbei, als bei 4.000 nicht besonders dröhnigen Umdrehungen Reisetempo 150 anliegt. Der Einarmwischer schaufelt unwillig die Wassermassen von der großen Scheibe, die Heizung pustet warme Luft ins Auto, die genau so riecht, wie nur warme Luft in alten Autos duften kann.

Die Routine der Nachtfahrt stellt sich allmählich ein, während die weißen Fahrbahnmarkierungen im funzeligen Licht der großen Scheinwerfer am Auto entlanghuschen und uns überholende Sattelschlepper Gischt auf die Scheibe spritzen. Termindruck, alle Aufgeregtheiten des Tages fallen von uns ab, während das silberne Schiff uns weich wiegend Richtung Venlo trägt. Hier kam früher die erste Unruhe auf, einer hatte ja immer den Perso vergessen. Gulden dagegen waren nie das Thema, denn der kleine Grenzverkehr war gelebter Alltag.

Der Citroën CX spielt noch Kassetten

Die mit dickem Leder überzogenen Sitze mit ihren gewaltigen Kopfstützen wirken wie aus der Requisitenkammer von "Raumpatrouille", laden zum Reinfläzen und Rumrutschen ein. Ganz automatisch fällt nur eine Hand auf das Einspeichenlenkrad, das im Stadtverkehr und in den ersten Autobahnkurven noch mit zackigen Reaktionen überrascht hat. Nun zieht der Fronttriebler majestätisch seine Bahn, im Dunkel des Cockpits glimmen einige Kontrollleuchten matt, die Zeiger der Analoginstrumente signalisieren perfekte Vitalfunktionen. So müssen sich Jumbo-Piloten fühlen bei nächtlichen Transatlantik-Flügen.

Unser Raumschiff Orion ist auf dem Weg, das Philips-Radio zwischen den Vordersitzen spielt tatsächlich noch Kassetten. Und wie damals kommt auch in dieser Nacht jener magische, unerklärliche Moment der weiten Strecke: Irgendwo Höhe Maastricht scheint das Gehör die Fahrgeräusche und das Prasseln des Regens einfach wegzudimmen. Die leise Musik gewinnt die Oberhand wie vor 35 Jahren, als Peter Gabriels raue Stimme plötzlich hell und klar im Raum stand, begleitet von Steve Hacketts Gibson Les Paul und Mike Rutherfords Bombast-Bass. Reales surreales Abenteuer am Broadway: eindringlicher als unter dem besten Kopfhörer.

Zurück in Paris. Bonjour!

Über die Périphérique geht es in die Stadt, Paris begrüßt uns mit zartem Morgenrot und zäh fließendem Verkehr. Diese Stadt schläft wohl nie, Rücksicht gegenüber alten Damen kennt sie nicht. Im großen Kreisel um den Triumphbogen gilt das Recht des Entschlosseneren, mühsam tasten wir uns von ganz innen wieder nach außen, um atemlos abzubiegen. Am Marsfeld erweisen wir dem Eiffelturm unsere Reverenz. Er reckt sich stumpf, aber illuminiert in den Himmel. Dann geht es bergan Richtung Montmartre, vorbei an den Nachtclubs des Boulevard de Clichy.

An einer engen Kreuzung parken wir den Citroën CX wie hier üblich, also im Halteverbot, vor einem Café. Frühe Passanten machen ohne Meckern einen Bogen ums Auto, die Sonne blinzelt auf Korbstühle. Der Kellner bringt warme Croissants und heißen, starken Kaffee. Frühstück in Paris wirkt – noch immer.

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