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Citroën E-Mehari im Fahrbericht

So fährt das französische Playmobil

Citroen E-Mehari Fahrt Vorne Seite Foto: Wolfgang Gröger-Meier 18 Bilder

Ein elektrischer Plastikbomber auf Citroën-Cactus-Basis mit großen Abstrichen bei der Ausstattung. Warum der E-Mehari trotzdem Spaß macht und was er einer S-Klasse voraushat, klären wir im Fahrbericht.

09.06.2016 Natalie Diedrichs 2 Kommentare

Der Citroën E-Mehari ist kein Auto im klassischen Sinne, sondern ein Spielzeug. Natürlich hat er vier Räder, ein Lenkrad, einen Antrieb und Bremsen. Aber das haben die kleinen Plastik-Elektroautos, von denen viele beim Toys-R-Us-Besuch als Kind geträumt haben, ebenfalls. Der E-Mehari ist sozusagen die XXL-Version eines solchen Playmobils. Wer schon damals zu alt für den Quatsch war, der kann sich aber vielleicht noch an den Ursprungs-Mehari von 68 erinnern – ebenfalls ein Grund, um sich den Neuen mal anzusehen.

Der Citroën fällt auf. Das fängt schon bei der Farbwahl an: Er lässt sich in „Ozeanblau“, „Yellow Submarine“ oder „Leuchtend Rot Orange“ bestellen – für gediegene Spielkinder gibt’s ihn auch in „Dromedar-Beige“. Vorne grinst er wie ein Cactus, wirkt aber ohne Fenster, ohne Dach und ohne sichtbare Türgriffe wie ein Strandmobil à la Baywatch. Ähnliches suggerieren die knallroten Neopren-Sitzbezüge mit Blumenmuster, die Pamela Anderson als im roten Badeanzug gewandete Rettungsschwimmerin sicherlich gefallen hätten. Wie beim Ursprungs-Mehari hat auch der neue einen Stöpsel im Unterboden, durch den angesammeltes Regenwasser abfließen kann – beispielsweise nach einer Reinigung mit dem Wasserschlauch oder nach einem spontanen Regenschauer. Lediglich der fehlende Allradantrieb holt den sonnenverliebten Fahrer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ganz so nah sollte man damit dann also doch nicht im tiefen Sand ans Wasser fahren.

Citroen E-Mehari MitzieherFoto: Wolfgang Gröger-Meier
Mit seinem Automatikgetriebe schafft es der neue Citroën E-Mehari auf 110 km/h.
Citroëns lebensgroßes Elektro-Playmobil 38 Sek.

Pragmatischer, aber funktionaler Innenraum im Citroën E-Mehari

Drinnen schlägt Pragmatismus jeden überflüssigen Luxus: Die Sitze sind nicht höhenverstellbar, sondern lassen sich nur nach vorne oder hinten rücken – trotzdem haben sowohl 1,90 Meter als 1,53 Meter große Fahrer durch die stur grade Windschutzscheibe alles im Blick. Das Lenkrad ist klein, handlich und in einem sehr effizienten Maß multifunktional ausgestattet: es kann lenken und besitzt eine Hupe. Dahinter blickt man nicht wie sonst auf schicke Armaturen, die einem von der durchschnittlichen Turbinendrehzahl des Abgasturboladers bis zum Blutzuckerspiegel des Fahrers alle nötigen und unnötigen Informationen offenbaren, sondern auf schwarzes Plastik. Die doch recht nützlichen Kennzahlen wie Geschwindigkeit oder den Ladestand der Batterie finden sich in einem schlichten Display oberhalb der Mittelkonsole.

Ansonsten besitzt der E-Mehari eine Heizung, die sich mit einem manuellen Drehknopf warm oder kalt einstellen lässt – so manch einer kennt das vielleicht noch von seinem ersten Golf oder von ähnlichen Modellen aus Zeiten des Eisernen Vorhanges –, eine Handbremse, eine Warnblickanlage, einen Zigarettenanzünder sowie eine Freisprechanlage der Marke Parrot. Auf ein serienmäßiges Autoradio, Navigationssystem oder gar Türschlösser muss der weltgewandte E-Mehari-Fahrer allerdings verzichten. Aber ohne richtige Türen braucht man einen solchen Schnickschnack ja auch eigentlich nicht.

Citroen E-Mehari Cockpit fahrend mit FahrerFoto: Wolfgang Gröger-Meier
Im schlichten Cockpit hat man einen guten Überblick und kann sich auf's Wesentliche konzentrieren.

Keine Türschlösser, dafür Sensor an der Windschutzscheibe des E-Mehari

Damit das schicke Spaßcar nicht doch das Objekt der Begierde von bösen Langfingern wird, muss man vorm Losfahren vorne links an der Windschutzscheibe die Wegfahrsperre deaktivieren. Dies geschieht mittels Sensor, der das baumelnde Kärtchen am Citroën-Schlüsselbund erkennt – ganz ohne geformtes Metall ist dieser dann aber auch wieder nicht: ein Zündschlüssel wird im Serienumfang mitgeliefert.

Sperre entriegelt, Schlüssel gestartet, Handbremse gelöst – bleibt dem Fahrer noch die Auswahl zwischen den drei wasserfesten Knöpfen „D“, „R“ und „N“ des Automatikgetriebes und der E-Mehari saust geräuschlos von dannen. Geräuschlos auch, weil eben ein praktisches Ablagefach das Radio ersetzt. So lauscht man eben dem brausenden Wind, der sich übrigens für Zartbesaitete durch anknöpfbare Plastikfenster reduzieren lässt, und konzentriert sich voll und ganz auf das Fahrverhalten des elektrischen Spaßmobils.

30 kW/h-Lithium-Batterie von Bolloré

Angetrieben wird es von einer 30 kW/h starken Lithium-Metall-Polymer Batterie des französischen Herstellers Bolloré, die im Unterboden des Mehari verbaut ist. Sie bringt den Mehari zwischen 100 und 200 Kilometer weit, wobei sich 200 Kilometer wahrscheinlich nur mit Rückenwind und auf einer Tartanbahn meistern lassen. Nach 100 Kilometern sollte man also besser nach einer geeigneten Ladestation und nach einer sinnvollen Beschäftigung für die nächsten acht bis 13 Stunden suchen – so lange dauert es angeblich, bis der Mehari wieder voll aufgeladen ist.

Citroen E-Mehari LadebuchseFoto: Wolfgang Gröger-Meier
In acht bis 13 Stunden ist die 30 kW/h-Lithiumbatterie laut Citroën wieder aufgeladen.

Ohne zu Kuppeln, ohne zu Schalten und ohne Motorengeräusche ähnelt der Citroën tatsächlich eher einem Golfcar als einem Kraftfahrzeug. Im Gegensatz zur Caddy-Kutsche schafft er es aber locker auf 110 Kilometer die Stunde. Wirft man im Geschwindigkeitsrausch dann allerdings einen Blick auf den fast im Sekundentakt sinkenden Zählerstand der Batterie, zügelt das selbst eingefleischte Bleifüße – diese Ermahnung funktioniert besser als jeder fest installierte Blitzer.

Mehr Kopffreiheit im E-Mehari als in einer Mercedes S-Klasse

Ansonsten macht der E-Mehari einfach Spaß, cruist entspannt und löst Urlaubsgefühle aus. Er federt zwar nicht ganz so komfortabel wie eine S-Klasse, bietet dafür aber umso mehr Kopffreiheit – sogar im Fond. Die Rückbank lässt sich mit zwei Handgriffen umklappen, sodass die potenzielle Zielgruppe genügend Platz hat, um ihre Surfbretter oder Wasserski zu verstauen.

Mit einem Einstiegspreis von 27.000 Euro ist der E-Mehari ein teures Spielzeug. Da sollten die monatlichen 87 Euro Mietgebühr für die Batterie den Cactus auch nicht stacheliger machen. Zumindest betuchtere Küstenbewohner oder Inselbesitzer sollten über einen E-Mehari als Dritt- oder Viertwagen nachdenken. Oder strandnahe Autovermietungen, die portable Navigationshilfen besitzen. Oder gut trainierte Surflehrer, die ihr Brett auch ohne fahrbaren Untersatz vom Parkplatz zum Wasser schleppen können. Für sie und alle anderen verspielten Interessenten gibt’s den E-Mahri ab Juli in Deutschland zu kaufen.

Technische Daten
Citroën E-Mehari
Grundpreis24.790 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3809 x 1728 x 1653 mm
KofferraumvolumenVDA200 bis 800 L
Höchstgeschwindigkeit110 km/h
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    Neuester Kommentar

    Lustiges Auto, keine Frage. Mein Vater hatte früher mal den alten Mehari, der war klasse. Was ich allerdings nicht ganz verstehe: Einen Airbag hat das Auto nicht, dafür aber eine Klimaanlage. Ein Auto ohne Fenster und Dach...

    AndreLei 10. Juni 2016, 14:18 Uhr
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