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Corvette C6 Cabrio im Fahrbericht

Stoffdach-Cabrio mit 437 PS und V8-Motor

Foto: Hans-Dieter Seufert 27 Bilder

Auch nach der Überarbeitung des Corvette Cabrios lebt der Rock ’n’ Roll - im offenen Cabrio schwillt der Fahrtwind bis auf Konzertlautstärke an. Und noch immer bocken die Blattfedern bei derben Bodenwellen.

28.03.2008 Marcus Peters

Der erste Kontakt irritiert: Die Corvette C6 Cabrio riecht ganz anders als gewohnt im Innenraum: harzig, würzig, herb. Nach Gerbstoffen statt Kunststoff-Dunst. Es wird doch nicht ... Doch, es ist Leder. Nicht nur auf den Sitzen, sondern auch auf dem Armaturenbrett. Selbst Teile der Türverkleidung schmeicheln den Sinnen. Schon dieser neue Luxus für Nase, Augen und Haut ist den Aufpreis von 3.890 Euro wert. Erst der Blick auf die Mittelkonsole der Corvette C6 Cabrio bremst den Freudentaumel - er fällt auf fast linkisch imitierte Karbon-Blenden rund um Schalthebel und Bedienfeld.

Corvette Cabrio C6 mit 585 Newtonmetern

Tuner hilf und sende den Corvette-Jüngern ein Formteil aus echtem Kohlefaser- Kunststoff. Dann werden alle umso mehr rätseln, wie man so viel Leistung so günstig verschleudern kann. Ein Achtzylinder-Sportwagen ab 65.290 Euro, das Corvette C6 Cabrio für kaum 10.000 Euro mehr: Einen Porsche 911 gibt es dafür nur gebraucht. Das versteht man unter einem anständigen Preis-Leistungs-Verhältnis. Mehr denn je zuvor ist der V8 über Vortriebs- Zweifel erhaben. 437 statt 404 PS, 585 statt 546 Nm - allein das Wissen sorgt für ein zufriedenes Gefühl. Vielleicht lässt es sich sogar messen. Aber aufspüren?

Das Corvette C6 Cabrio geht höllisch

Feststellung nach dem ersten Mal Gasgeben: Die Corvette ging bereits höllisch und geht auch nach der Modellpflege - richtig: höllisch. Der Hubraum wuchs noch einmal von sechs auf 6,2 Liter und reifte damit endgültig zum Kuriosum heran - Smallblock nennt das Land des Supersize-Wahns den dicken Motor aufgrund seiner technischen Herkunft. Man stelle sich die Frage unter Asphalt-Cowboys vor: Na, auch so einen putzigen Kleinen unter der Haube? Hierzulande dagegen steht der Ballermann für Bigblock, Burnout und Blattfedern. Ihre Erdigkeit verwurzelt die Corvette innerhalb der Fangemeinde.

Corvette Cabrio ist ein Mann-Mobil

Auch anno heute bleibt das Holzfällerhemd unter den Sportwagen ein Mann-Mobil. Vor allem das hier vorgestellte Corvette C6 Cabrio: Sein Dachentriegelungshebel fordert den entschlossenen Griff. Mechanik nach alter Väter Sitte, erst dann übernehmen die Elektromotoren und packen das Stoffverdeck in weniger als 18 Sekunden zusammen. Das kann als Handarbeit bereits reichen; für 3.600 Euro darf sich die Rechte wie im aktuellen Testwagen zur Ruhe betten. Dafür gibt es die überarbeitete Automatik - kürzer übersetzt und weicher schaltend. Geblieben ist ihre Eigenwilligkeit beim Aussuchen des passenden unter den sechs Gängen - die Fahrerhand würde meist anders entscheiden. Sie würde die Arbeit viel häufiger im hohen Gang ans Drehmoment delegieren - zum stampfenden Nashville-Beat rottet der V8 aus jeder Lage genügend Schub zusammen, um selbst nassforsche Feinstaub-Rußer außer Geruchweite zu bringen. Dann fließt der Energiestrom als Magma aus dem dunklen Reich der Kurbelwelle.

Die Dichte des Vortriebs der Corvette C6 Cabrio verschafft Respekt, weniger als 1,5 Tonnen Leergewicht verharren nicht lange in Trägheit. Automatik-Fans rasten den Wählhebel auf S wie Sport und nutzen die serienmäßigen Schaltpaddel am Lenkrad. Drücken bedeutet Hochschalten, Ziehen das Gegenteil. Der fünfte Gang ist eine Empfehlung für Stadt und Überland, der sechste für die Fernreise. Dann lehnt man sich in die flauschigen Sitze zurück und fühlt sich auf Omas Knautsch-Couch.

Mehr Rock’n’ Roll im Corvette C6 Cabrio: Kein Problem

Die Arme machen es sich auf den Ablagen bequem. Mehr Rock ’n’ Roll? Okay, die Stellmotoren des Stoffverdecks entfernen mit dem Dach auch die Knarzgeräusche. Dann übernimmt der Fahrtwind - km/h gleich Dezibel, zumindest gefühlt; das Gaspedal der Corvette C6 Cabrio wird während des Fahrberichtes zum Lautstärkeregler. Aus allen Richtungen wühlt sich der Tempo-Taifun herein, übertönt den ein wenig zu verhalten bollernden Auspuff. Kaum gemildert weht die ländliche Frische ins Cockpit, traktiert die Ohrläppchen mit drei Grad Außentemperatur. Sie partizipieren schließlich nicht von der wärmenden Fürsorge der zweistufigen Sitzheizung, die den Rücken vor Frostbeulen bewahrt.

Immerhin dienen die Seitenscheiben an sonnigen, aber kalten Wintertagen als Zugluft-Regulator und Einfriedung. Noch immer befreit eine Corvette C6 Cabrio innerhalb weniger Kolbenschläge von den engen Grenzen der Bürgerlichkeit, schürt die Sehnsucht nach weiten amerikanischen Landschaften. Gut möglich, dass man im verklärenden Gemütszustand sogar die Jahreszeit idealisiert und kurze Wolkenlücken zur ersten Frühlingssonne erklärt.  Wer friert, sollte sich warmlenken. Zumindest kurzzeitig feuert dabei das Adrenalin die Körpertemperatur an, ausgelöst von der neuen Lenkung. Achtung C6-Fahrer: Teigiges Gefühl und gemächliches Ansprechen, das war einmal. Vor allem bei hohem Tempo setzt die neue, direktere Lenkung Befehle so direkt und spitz um, dass der Fahrer überrascht den zu engen Radius korrigiert - um seine Vorstellung der Ideallinie doch noch durchzusetzen.

Die Corvette C6 bringt Adrenalinschub

Auch die neue Corvette C6 Cabrio muss man sich erst zureiten; mit Augenmerk auf das Eigenleben der Hinterachse. Wenn der Pilot bereits eingelenkt hat, meldet sich das Heck mit einem zarten Knicks zu Wort, der nicht mit einem Drift zu verwechseln ist. Als ob die Corvette C6 Cabrio damit ihr Einverständnis übermitteln wollte. Erst wenn man die dreistufige Fahrdynamik-Regelung deaktiviert, hat man bei Vollgas alle Hände voll Driftwinkel zu tun. Immer noch satten Schräglauf lässt die Zwischenstellung "sportliches Fahren" zu. Und selbst wilde Freizeit-Einreiter fühlen sich vom komplett eingeschalteten System nicht ans Lasso genommen.

Nach wie vor vermittelt ein engagiert gefahrenes Corvette Cabrio das Gefühl, ein Wildpferd zu zähmen, es zu bändigen und ihm seinen Willen aufzuzwingen. Wer sich mit der Corvette C6 Cabrio gemessen hat, wird an der Wärme unter den Achseln spüren, dass es sich dabei tatsächlich um eine körperliche Herausforderung handelt. Doch anders als früher wabert der Geruch des Zweikampfes nicht mehr durch die Kabine - das Lederpaket hüllt nicht nur das Armaturenbrett, sondern auch etwaiges Adrenalin-Aroma ein.

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