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Test Corvette ZR1

Test 647 PS zum Geburtstag

Corvette ZR1 Foto: Richard Prince

Zum 100. Geburtstag von General Motors ließ Entwicklungschef Bob Lutz eine Super-Corvette entwickeln. Mit 647 PS bei 1.508 Kilogramm platziert sich die neue ZR1 mitten im Supersportwagen-Establishment.


08.02.2009 Bernd Ostmann Powered by

GM wurde 100. Zu runden Geburtstagen gibt es große Geschenke. Aber frei nach dem Motto: Die besten Geschenke macht man sich selbst, präsentiert GM zur Geburtstagsparty das Hybrid-Modell Volt, das erstmals in seiner endgültigen Form enthüllt wurde.

Wichtig für die Zukunft, für Car-Guy Bob Lutz, den GM-Entwicklungschef, aber nicht wichtig genug für die Gegenwart. Der Volt kommt erst 2010. Und so stellte Lutz, der als 76-Jähriger immer noch jedes Wochenende einen Kampfjet pilotiert, an Corvette-Chefentwickler Tom Wallace die einfache Frage: „Was könnt ihr mir in einem 100.000-Dollar-Auto darstellen?“ Wallace, ein Vollgas-Hero auf der Rennstrecke, der Rallye-Piste und selbst auf dem Drag-Strip, beantwortete die Frage auf seine Art. Mit der schnellsten und schärfsten Corvette, die es je gegeben hat: der ZR1, 647 PS stark und 1.508 Kilogramm schwer. Was unterscheidet die ZR1 von der normalen Z06-Corvette? Optisch sind es eher kleine Retuschen.

Motorhaube mit Sichtfenster

Die Kohlefaser-Motorhaube mit Kunststoff-Fenster, durch das der Betrachter das Kraftwerk der ZR1 erahnt, zumindest den Ladeluftkühler sieht. Dazu kommen der Frontspoiler, die Seitenschweller, das Dach aus kohlefaserverstärktem Kunststoff und der dezente Spoiler am Heck. Das Fahrverhalten wurde durch einen leicht abgesenkten Schwerpunkt, dickere Stabis und straffer ausgelegte Dämpfer des in zwei Stufen verstellbaren Magnetic-Ride-Fahrwerks weiter in Richtung Sportlichkeit optimiert. Und wie fährt sich die Super-Vette?

Testfahrt auf dem Milford Proving Ground

Wir treffen uns auf dem GM Milford Proving Ground in der Nähe von Detroit, quasi dem Kinderzimmer der ZR1. Entwickler Tom Wallace, der auch beim 24-Stunden-Rennen in Daytona startete, ist leicht als Nürburgring-Fan auszumachen. Den Streckenverlauf hat er auf seinen weißen Helm geklebt. Und auch seine Teststrecke auf dem Milford Proving Ground hat einige Gemeinsamkeiten mit der Nordschleife. Eine Berg-und-Tal-Bahn, „die wir eigentlich allein Bob Lutz verdanken“. Es gibt sogar ein Karussell – „nur höher und schneller als am Ring“, wie der Entwickler verrät. Er übernimmt zunächst das Volant, präsentiert Auto und Piste. Die hat es in sich. Blinde Kuppen, über die man direkt in die nächste Biegung fällt. Kurven, die man gefälligst innen anfahren sollte – und die am Kurvenausgang übel zumachen. Und die, die am Ende weit aufmachen, enden in einer Kuppe, über der die Hinterhand übel nach außen drängt. Man muss wissen, was einen hinter den Kuppen erwartet – und man braucht ein Auto, mit dem man messerscharf die Ideallinie ziehen kann. Wenige Zentimeter zu weit von den Curbs entfernt – und man schafft die nächste Biegung nicht, landet im Grün.

Ordentliche Verzögerung

Die ZR1 lenkt ausgesprochen präzise ein. Über die Kuppen wird der US-Sportler leicht, landet aber satt, keine Spur von Schwammigkeit, präzise und gut beherrschbar. Dazu gesellt sich eine Bremse der Superlative. Brembo-Renntechnik, Karbon-Keramik-Material. Vorn Scheiben mit einem Durchmesser von 394 Millimetern, hinten im 380-Millimeter-Format. Vorn gibt es Sechskolben-Bremssättel im XXL-Format, hinten kommen Vierkolben-Sättel zum Einsatz. Es ist schwierig, sich bei solchen Top-Bremsen schnell ans Limit zu tasten. Die Verzögerung ist irre. Auf dem Highspeed-Teil des Parcours haben die GM-Mannen eine künstliche Schikane mit Pylonen aufgebaut. Sie trauen mir wohl nicht. In der dritten Runde versuche ich hier, das Limit der Bremse auszuloten. Neben mir feixt Wallace: „Ich hab gewettet, dass du hier abräumst.“ Ein paar Pylonen sind tatsächlich gefallen. Trotzdem, die Verzögerungswerte in Verbindung mit den Michelin Pilot Sport 2, die eigens für die Corvette optimiert wurden, sind phänomenal. Ich bin gespannt, welche Verzögerungen die Brembos in einem späteren Test tatsächlich ergeben werden.

Pole-Position unter den Supersportwagen

Und die Beschleunigung? Der Smallblock-V8 schöpft seine Kraft aus einem Hubraum von satten 6,2 Litern. Damit nicht genug: Ein mechanischer Lader, der sich im Zylinder-V verschanzt, sorgt für eine Beatmung mit 0,72 bar Überdruck. So leistet der Zweiventil-V8 nicht nur 647 PS, er wuchtet auch 819 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Genug, dass eigentlich in allen Drehzahllagen ausreichend Vortrieb vorhanden ist. Voll ausgedreht bis 6.600 Touren schnellt die Corvette förmlich nach vorn. Der Chauffeur hat alle Hände voll zu tun, die Gänge hurtig zu wechseln, so schnell springt die Drehzahlmessernadel in Richtung roter Bereich. Voll aus dem Stand beschleunigt, ist die 100-km/h-Marke in 3,4 Sekunden erreicht. Tempo 200 liegt bereits nach 11,7 Sekunden an. Womit der ZR1 die Pole-Position unter den Supersportlern gehört: Kein anderer Supersportwagen, ob Porsche 911 GT2 (3,6/330), Lamborghini Gallardo LP 560-4 (3,7/324) oder Dodge Viper STR-10 (4,5/319) kann beim Spurt auf Tempo 100 oder bei der Höchstgeschwindigkeit mithalten. Diese liegt nach Highspeed-Messungen von auto motor und sport auf der italienischen Teststrecke in Nardo bei satten 332 km/h.

Fahrlehrgang für Corvette-Käufer

Das manuelle Sechsganggetriebe schaltet sich etwas hakelig. Aber auf dem „Nürburgring-Track“ des Milford Proving Grounds bewegt man sich ohnehin fast nur im Dritten und Vierten. Und wie. Nach der Bremsschikane wird voll beschleunigt, nach der folgenden Rechtskurve geht es im Vierten nach links – natürlich blind über eine Kuppe. Die geht voll. Theoretisch, denn danach geht es in der Senke gleich wieder rechts-links in Richtung nächster Kuppe. Die Berg-und-Tal-Fahrt hat ihre Tücken. Wenn man die Ideallinie nicht richtig trifft, fliegt man hier heftig ab. Nach der zweiten Runde bleibe ich voll am Gas, Luft anhalten, Hintern zusammenkneifen und den rechten Fuß ans Bodenblech genagelt. Die Corvette pfeilt kometenhaft über die blinde Kuppe, landet immer noch voll beschleunigt in der folgenden Rechts und treibt in Richtung nächste Kuppe. Neben mir jauchzt Wallace: „He did it.“

Dies klingt wie ein Ritterschlag. Die folgende Kuppe geht auch noch voll. Erst dann muss die Corvette heftig eingebremst werden, damit man den engen Links-Rechts-Bogen noch elegant schafft. Hier hat man alle Hände voll zu tun, den Sportler unter- und übersteuernd auf dem schmalen Asphaltband zu halten. Danach wird durchbeschleunigt bis zum Startpunkt. Die 4,67 Kilometer sind eine kleine Nordschleife im Zeitraffer-Tempo. Hier hat die Super-Vette ihre ersten Runden gedreht. Auf der richtigen Nordschleife des Nürburgrings hat sie offensichtlich schon ihre Reifeprüfung abgelegt: Mit stehendem Start soll die ZR1 den Kurs bereits in 7.26,4 Minuten umrundet haben. Das ist momentane Bestzeit für Großserienautos. Noch in diesem Jahr werden 50 Kunden in Europa in den Genuss des bei uns 135.990 Euro teuren Sportlers kommen. Im nächsten Jahre folgen noch einmal 150. Und weil man die Kunden sicher auf die Straße lassen möchte, wird GM einen exklusiven Fahrerlehrgang im südfranzösischen Paul Ricard spendieren. Ein wirklich schönes Geburtstagsgeschenk.

Technische Daten
Corvette ZR1
Grundpreis135.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4459 x 1927 x 1246 mm
KofferraumvolumenVDA634 L
Hubraum / Motor6162 cm³ / 8-Zylinder
Leistung476 kW / 647 PS (819 Nm)
Höchstgeschwindigkeit320 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,6 s
Verbrauch14,9 L/100 km
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