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Daihatsu Copen & Suzuki Cappuccino

Winzige Roadster machen Riesenspaß!

Daihatsu Copen, Suzuki Cappuccino, Draufsicht Foto: Arturo Rivas 25 Bilder

Lang und breit sind andere. Die raren Leichtgewichte Suzuki Cappuccino und Daihatsu Copen zeigen Größe im kleinen Format. auch mit nur 68 bzw. 87 PS bieten die Winzlinge einen riesigen Fahrspaß.

14.10.2015 Michael Orth Powered by

Wo ist er denn? Da vorn auf der Straße zieht das Auto vorbei, aber von ihm ist fast nichts zu sehen außer der Kappe. Nur die Kappe, wie kann das sein, ist er selbst so winzig, ein Zwerg? Er ragt nicht einen Zentimeter oben raus, komisch. Runterschalten, zwei Mal, dann biegt der Wagen in die Einfahrt, zackig rechts weg, 90 Grad, als wäre das nichts, ändert er einfach die Richtung. Mit dem kleinen Dreizylinder, der gerade noch so dreckig röhrte, rollt er nun verhalten brummelnd und grummelnd über den Parkplatz.

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Fahrbericht mit Kaufberatung Daihatsu Copen & Suzuki Cappuccino
Motor Klassik 05/2015
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Der Suzuki Cappuccino bringt einen zum Grinsen

Von ganz weit unten schaut Karl Lutz nach oben und sagt Hallo. Bei diesem Hallo schon lächelt er und ist - die Reaktion auf das Gesicht seines Gegenübers - amüsiert, so wie die ganze Zeit über, wenn er von seinem Suzuki Cappuccino spricht.

Die Tür schwingt auf, Karl stemmt sich hoch und steigt aus. Sehr groß ist er tatsächlich nicht, aber so kurz, wie er der Erwartung nach hätte sein müssen, um so in dieses Wägelchen zu passen, nun auch wieder nicht. Er grinst immer noch verhalten und verschmitzt, weil er genau das weiß, weil er sein Auto kennt und die Reaktion der Leute ebenfalls. Denn der Suzuki Cappuccino ist nicht klein. Es ist kürzer als ein VW Lupo und schmaler als ein französisches Bett. Aber die Räume, die es eröffnet, sind riesig, nicht nur im übertragenen Sinne.

Der Suzuki Cappuccino ist eigentlich ein großes Go-Kart

Das macht schon die Sitzprobe in dem Suzuki Cappuccino zu einem verblüffenden Erlebnis: Wie weit die Beine sich strecken können, wie wenig beengt nebeneinander die drei Pedale, wie weit unten das schmale bisschen Schalensitz. Das Gras am Straßenrand muss nur ein wenig in die Höhe geschossen sein, und schon sieht man nicht mehr drüber, sondern mittenrein in Stängel und Blüten.

Noch näher als der Natur bringt einen der Suzuki Cappuccino der Straße. "Der ist", sagt Karl, "so problemlos und direkt zu fahren, der Cappuccino ist ein Gokart." Es erübrigt sich fast, Karl zu fragen, warum er, ein Jahr ist das her, den Wagen nach langer Suche in Holland gekauft hat. Das Ding ist selten, es wirkt zunächst ein bisschen, nun ja, spielzeugartig, so als käme es aus einer Welt, in der andere Maßstäbe gelten, Maßstäbe, die in der deutschen Autowelt nicht wirklich viel zählen.

Nur 65 PS - aber auch nur 725 kg

So ist es auch. "Er hat ja nur rund 65 PS", sagt Karl, und so, wie er dabei wieder grinst, ist gleich klar: Das ist egal. "Das ist ein affengeiles Auto, tolle Technik, exzellente Leichtbauweise. Ich fahre einfach unheimlich gern mit ihm. Die meisten wollen viel PS. Der hier macht es besser, er macht mit wenig PS viel mehr Spaß."

Das bringt es auf den Punkt. Jede winzige Rinne, Kuhle oder Unebenheit auf der Straße wirkt plötzlich bewegend, auf jeden noch so kleinen Impuls am Lenkrad reagiert das Ding sofort und präzise, schnell dreht der Dreizylinder hoch, am besten fühlt er sich jenseits der 5.000, und dann fühlt und hört er sich auch am besten an. Ausdrehen, dritter Gang, ausdrehen, vierter, beruhigend wirkt der Suzuki Cappuccino nicht. Er fordert, er putscht auf, er stachelt an.

Umstieg auf das Luxus-Kei-Car

Der Daihatsu Copen von Martina Weiss nicht. Der Daihatsu ist kaum größer als der Cappuccino, tut aber erwachsener. Sein Vierzylinder läuft ruhiger, seine Sitze ragen höher auf, sein Dach öffnet und schließt auf Knopfdruck elektrohydraulisch. Trotzdem ist der Copen in erster Linie ein Auto, das die Leute spontan niedlich finden. Es liegt weniger am Format des Wägelchens als an seinen runden Scheinwerfern und an der Form des Kühlergrills.

Im einen sehen die Leute Kulleraugen, im anderen ein Lächeln. Deshalb bemühen sie gerne Ausdrücke wie "süß" oder "knuffig", um den Daihatsu Copen zu beschreiben, obwohl sie so mehr sich selbst charakterisieren. Im welpenhaften Charme, diesem Spiel mit dem Kindchenschema, dem unwiderstehlich Emotionalen, liegt die größte Stärke dieses Klappdach-Roadsters. Auch Martina ist dem erlegen, kaum dass es den Copen, bis dahin mit 660er-Turbo-Vierzylinder ausschließlich mit dem Steuer rechts, 2006 als Linkslenker mit 1,3-Liter-Motor gab.

Der Daihatsu Copen wird unterschätzt

"Das Auto", sagt Martina, "ist wie ich: klein, wendig, emotional, und es wird gerne unterschätzt." Nicht von ihr, sie weiß, was sie an ihrem Daihatsu Copen hat: "Spaß am Fahren und die Zuverlässigkeit im Alltag, das ist Bombe." Richtig gezündet hat die in Deutschland bei nicht so sehr vielen. Vielleicht lag das am Preis, vielleicht an dem bei offenem Dach minimalen Kofferraumvolumen, vielleicht an der nicht so besonders steifen Karosserie, am fehlenden ESP, dem eher harten Abrollen - mithin an langweiligen Kriterien der Vernunft?

Muss wohl. So blieb der Daihatsu Copen trotz guter Bremsen, drehfreudigem Motor, unterhaltsam- gutmütigem Handling, sensibler Lenkung und umfassender Ausstattung ein Exot in Deutschland. Zumindest das hat er mit dem Suzuki Cappuccino gemeinsam.

Außerdem teilen Daihatsu Copen und Suzuki Cappuccino ihre eigentliche Bestimmung. Für Europa, geschweige denn für Deutschland, wo selbst Fiat Panda oder Renault Twingo als Kleinstwagen gelten, waren beide ursprünglich weder gedacht noch gemacht. Sondern für den heimischen, den japanischen Markt. Dort macht die Klasse der Kei-Jidosha, die Klasse der leichten Automobile, rund ein Viertel der Neuzulassungen aus, weil ihre Halter steuerliche und andere Vergünstigungen genießen. Sie müssen zum Beispiel keinen Parkplatz nachweisen, wenn sie in Städten ein Kei-Car zulassen. Das darf nicht länger als 3,4 und nicht breiter als 1,48 Meter sein, und es darf maximal 660 Kubik und 63 PS haben.

Gute Laune jeden Tag

"In Japan sind die Kult", sagt Karl von seinem Suzuki Cappuccino. Das gilt für viele andere Kei-Cars ebenfalls, denn die Regierung macht zwar Auflagen hinsichtlich der Maße und der Motorleistung, nicht aber, was technische Raffinesse, Sorgfalt der Fertigung - beide, Daihatsu Copen und Suzuki Cappuccino entstanden weitgehend in Handarbeit - und Ausstattung der Autos angeht. Ihre Vollwertigkeit hängt nicht am Format. Im Gegenteil. Geht es um das Fahrerlebnis und die Freude daran, hängen Copen und Cappuccino viele Größere locker ab.

Karl zum Beispiel hat auch einen schön restaurierten Triumph TR2. Vom Suzuki Cappuccino sagt er allerdings: "Mit dem fahre ich lieber." Er zieht in der Mittelkonsole an dem Hebel, der den Targabügel entriegelt, und meint: "Sieh mal, wie schön das gemacht ist." Der Alubügel schiebt sich an der Glasheckscheibe vorbei, und beides zusammen verschwindet ineinander geschoben hinter den Sitzen. "Da ist nichts einfach zusammengebastelt, damit es irgendwie funktioniert."

Daihatsu Copen als Alltagsauto

Martina, für die "so was wie ein VW Polo viel zu langweilig" wäre, meint von ihrem Daihatsu Copen schlicht: "Ich liebe dieses Teil." Die Liebe hängt an Bedingungen. In diesem Fall: Dass sich das Auto auch eignet, um täglich 100 Kilometer damit zu pendeln. Martina wusste nämlich gleich, dass sie den Wagen auch im Alltag bewegen will. Was sie mittlerweile seit mehr als 100.000 Kilometern tut. Und der Daihatsu macht mit. "Und zwar ohne Probleme", wie sie sagt.

Eines aber findet sie noch wichtig zu erwähnen, es sei gewissermaßen eine charakterliche Grundvoraussetzung, um mit dem Daihatsu Copen zurechtzukommen: "Kontaktscheu darfst du mit diesem Auto nicht sein. Immer wieder kommen die Leute und sprechen dich an. Die wollen wissen, was das ist, und mir ist noch keiner begegnet, dem der Copen nicht gute Laune gemacht hätte." Bei ihr selbst jedenfalls funktioniere das mit der Laune nach wie vor jeden Tag.

Mehr ist von einem Auto, egal welcher Größe, nicht zu erwarten.

So viel kosten Daihatsu Copen und Suzuki Cappuccino heute

Die beiden Kei-Cars gehören in Deutschland seit jeher zu den Exoten. Von dem Daihastu Copen wurden hierzulande nur 2.476 Exemplare verkauft, von dem Suzuki Cappuccino kamen über den britischen Importeur gerade einmal 120 Stück nach Deutschland.

Kein Wunder also, dass die beiden Winzlinge recht preisstabil sind - die Nachfrage ist größer als der Markt. Im guten Zustand kostet der Daihatsu Copen rund 10.350 Euro, wie Classic Analytics angibt. Der noch seltenere Suzuki Cappuccino kostet mit 13.570 Euro rund ein Drittel mehr. Im Zustand 4 stehen 5.750 respektive 4.255 Euro in der Liste.

Fazit

Weniger ist entgegen der weit verbreiteten Annahme nicht mehr. Weniger ist weniger. Oft aber mehr als genug. Dass sie einem das vor Augen führen, darin liegt der Reiz dieser beiden Kleinstautos: etwas wilder der Suzuki, ein Tick erwachsener der Copen.

Technische Daten
Daihatsu CopenSuzuki Cappuccino
Grundpreis17.090 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3395 x 1475 x 1245 mm3295 x 1395 x 1185 mm
KofferraumvolumenVDA210 L
Hubraum / Motor1298 cm³ / 4-Zylinder
Leistung64 kW / 87 PS (120 Nm)
Höchstgeschwindigkeit180 km/h180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,5 s8,0 s
Verbrauch6,0 L/100 km
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