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Das Experiment

Ferrari Mondial als Familienauto

Foto: Hardy Mutschler 13 Bilder

Kinder umherfahren, einkaufen, der Ausflug am Abend: In der Regel muss dafür ein Kombi herhalten. Heute ist aber nicht die Regel - denn heute steht für diese Aufgaben ein Ferrari Mondial Cabriolet vor der Tür.

05.08.2008 Michael Schröder Powered by

Im Rennwagen zum Kindergarten - die Aussicht auf dieses Ereignis lässt Luca an diesem Morgen alles andere vergessen. Zum Beispiel, dass er es ansonsten nie pünktlich aus den Federn schafft. Oder dass Anziehen ein unglaublich langwieriger Prozess ist. Heute regelt sich dagegen alles wie von selbst. Und dazu noch so rasend schnell, dass der Rest der Familie kaum hinterherkommt. Offensichtlich ist nichts unmöglich, wenn die Fantasie eines Sechsjährigen Purzelbäume schlägt und aus einem Ferrari Mondial gleichzeitig auch noch einen Formel-1-Boliden macht.

Dass dieser Wagen als so ziemlich der bravste und unscheinbarste aller Ferrari gilt - Schwamm drüber. Der Günstige ist er allemal, zumindest in der Anschaffung: Seit der ursprüngliche Mondial 8 in Genf im Jahr 1980 präsentiert wurde, gilt dieses Modell bis zum heutigen Tag als Aschenputtel des Hauses. Ein gestreckt und bieder wirkendes, viersitziges Coupé mit einem Achtzylinder, der wegen strengerer Abgasgesetze zudem auch noch recht zahnlos daherkam. Nur noch 215 PS - Medien und Kunden hatten von einem Produkt aus Maranello deutlich mehr erwartet.

Der Mondial - Aschenputtel von Ferrari

Um die Verkaufszahlen anzukurbeln, versuchte Ferrari es ab 1982 mit einem kräftigeren Dreiliter-Vierventil-Triebwerk (Quattrovalvole). Doch mit einem Plus von 25 PS war es allein nicht getan - erst die 1983 präsentierte Cabrio-Variante brachte den Mondial zumindest ansatzweise zurück ins Rampenlicht. Seit der Einstellung des Daytona Spider zehn Jahre zuvor gab es nun also wieder einen vollkommen offenen Ferrari. Zudem war die Verwandlung vom Coupé zum Cabriolet formal recht gelungen: Die keilförmige Linie kommt ohne Überrollbügel und - trotz Mittelmotor - ohne übergroßen Rucksack-Aufbau fürs Verdeck aus. Pininfarina muss einen guten Tag gehabt haben, auch wenn das Design immer noch stark polarisiert.

Einziges Zugeständnis im Vergleich zur geschlossenen Version ist der in Tiefe und Breite um wenige Zentimeter verkleinerte Innenraum im Fond. Egal. Die beiden hinteren Plätze eignen sich noch immer gut für den Nachwuchs, der Wagen verfügt über einen rund 300 Liter fassenden Kofferraum, und das V8-Triebwerk im Heck geht ohnehin voll in Ordnung. Gegen so einen offenen Spaßmacher mit Nutzwertcharakter hat es der Familienkombi naturgemäß sehr schwer und muss heute in der Garage bleiben.

Der Tag beginnt mit einem anerkennenden "Übelst Krass"

8:30 Uhr. Luca und seine zwei Jahre jüngere Schwester Lea können es inzwischen kaum noch aushalten. Tür auf, Beifahrersitz nach vorn und rein mit der Brut (Achtung: Beckengurte sind nicht mit jedem Kindersitz kompatibel). Wenige Zentimeter hinter den beiden melden sich im nächsten Moment acht Zylinder zu Wort. Ein dezentes Standgas-Röcheln, das bei der Besatzung auf Anhieb für gute Laune sorgt ("Übelst krass, Papa!").

8:40 Uhr. Gang rein, und los geht’s. Erster Eindruck: Ein Ferrari Mondial Quattrovalvole fährt sich sogar im kalten Zustand fast wie ein modernes Großserienauto: Mühelos gleitet diese Flunder durch den Berufsverkehr, kein Ruckeln, kein Zicken, keine Mätzchen. Hektische Schaltmanöver, um das Triebwerk bei Laune zu halten? Absolut unnötig. Ab 1.500 Umdrehungen könnte sein Chauffeur entspannt im dritten oder vierten Gang durchs Zentrum rollen - diese Übung beherrschen längst nicht alle Ferrari so souverän.

Zweiter Eindruck: Mit so einem Wagen besser nicht direkt vor dem Kindergarten parken (was eigentlich klar war). Denn es dauert, bis zumindest der engste Freundeskreis von Luca und Lea einmal in dem mit Connolly-Leder ausgeschlagenen Interieur Probesitzen durfte. Und einem interessierten Vater aus der Nachbarschaft verwehrt man selbstverständlich auch nicht einen kurzen Blick auf die Maschine aus Leichtmetall, die sich in einem engen Schacht zwischen Rücksitzen und Kofferraum tief unter einem roten Luftsammler verbirgt.

Kinder abgegeben - der V8 darf sich austoben

9:05 Uhr. Nun darf dieses Kraftpaket endlich zeigen, wozu es fähig ist. Der Weg raus ins Grüne dauert gottlob nur kurze Zeit - vermutlich endet keine Großstadt so abrupt im Grünen wie Stuttgart. Jetzt rasch noch einmal durchatmen - und die Gänge durchladen. Blitzsauber zieht der Motor hoch und drückt den Wagen dabei recht flott aus jeder Ecke heraus. Mit seinen 240 PS und einem Gewicht von 1,4 Tonnen trägt der Mondial QV in der leistungsorientierten Ferrari-Familie zwar für immer und ewig die rote Laterne. Doch das einzigartige, heißere Röhren, das sich ab etwa 4.500 Umdrehungen einstellt und bis 8.000/min anhält, hinterlässt beim Fahrer (und der Umwelt) ganz bestimmt keinen Zweifel daran, dass es sich bei diesem Auto nach wie vor um ein reinrassiges Produkt aus Maranello handelt.

9:45 Uhr. Die verschlungenen Wege im Schwäbischen Wald entpuppen sich dann auch rasch als perfektes Terrain für den Mondial. Der Wagen scheint sich auf dem Asphalt regelrecht festzusaugen und giert mit seiner flachen Schnauze förmlich nach jeder Biegung. Kein Wunder bei dieser Figur, schießt es einem am Steuer durch den Kopf - wer so lang, breit und flach daherkommt und dazu noch über einen im Vergleich zum Coupé leicht verstärkten Gitterrohrrahmen verfügt, muss einfach ein Kurvenstar sein.

12:30 Uhr. Einmal richtig in Fahrt, kann es passieren, dass man für andere Dinge plötzlich weniger Lust verspürt. Den Einkauf zum Beispiel. Na gut, dann also rasch zum Supermarkt. Auf dem Zettel stehen zwei Getränkekisten, Grillkohle und der übliche Wochenendbedarf für eine vierköpfige Familie - der tiefe Laderaum im Heck des Mondial schluckt alles mit Würde. So gesehen macht Einkaufen plötzlich sogar großen Spaß.

13:30 Uhr. Tanken. Gut 17 Liter pro hundert Kilometer. Nun ja. Ein Pferd, das rennt, muss eben saufen.

14:00 Uhr. Die Kinder wollen abgeholt werden. Der Mondial wird sicherheitshalber weiter weg geparkt.

14:01 Uhr: Probesitzen (für diejenigen von Lucas Freunden, die am Morgen nicht drangekommen sind und den Wagen natürlich sofort entdeckt haben). Und mit zwei Vätern über die horrenden Unterhalts- und Reparaturkosten eines Ferrari diskutieren.

Der Mondial taugt als komfortabler Familien-Cruiser

14:30. Luca und Lea werden ungeduldig. Der versprochene Ausflug ins Grüne soll endlich losgehen. Eine große Decke, ein gut gefüllter Picknick-Korb, ein Fußball und die Jacken für den Abend - alles hinten drin. Dass die heiß geliebten Fahrräder der Kinder nicht reingepasst haben, wird in diesem Moment noch verschwiegen.

15:30 Uhr. Der Mondial entpuppt sich als recht komfortabler Familien-Cruiser. Bis Tempo 90 herrscht hinter der großen, sehr schräg gestellten Frontscheibe und den hochgefahrenen Seitenscheiben im gesamten, limousinenhaft anmutenden Innenraum nahezu Windstille. Das Fahrwerk lässt zudem nur gröbste Blessuren im Teer bis zu den Passagieren durchgehen. Die Kinder schlafen seit zehn Minuten tief und fest. Eine höhere Auszeichnung für diesen Wagen? Undenkbar.

Der einzige Kompromiss in Sachen Bequemlichkeit: kein Platz für die Füße. Trotz eines im Vergleich zum technisch nahezu identischen GTB/GTS um 30 Zentimeter verlängerten Radstands war es erforderlich, die erste Sitzreihe weiter nach vorn zu rücken, um Platz für vier zu schaffen. Fahrer und Beifahrer sitzen nun also direkt vor den großen Radhäusern und müssen ihre Beine leicht schräg zur Wagenmitte falten. Wer mit mehr als mit Schuhgröße 43 antritt, steht sich an den Pedalen da schon mal selbst im Weg.

16:15 Uhr. Picknick auf einer Wiese. Luca und Lea turnen im Cockpit herum und vermissen nicht einmal ihre Fahrräder, ohne die sonst nichts geht.

19:00 Uhr. Ich muss versprechen, die beiden morgen wieder mit dem Rennwagen zum Kindergarten zu fahren.

Technische Daten
Ferrari Mondial Quattrovalvole CabrioletFerrari Mondial Quattrovalvolve Coupé
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4580 x 1790 x 1260 mm4580 x 1790 x 1260 mm
Hubraum / Motor2927 cm³ / 8-Zylinder2927 cm³ / 8-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit243 km/h243 km/h
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