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Das Raketenauto Cadillac Cyclone

Die ausgefallene Schöpfung des Harley J. Earl

Cadillac Cyclone, US-Studie, Reportage, USA Foto: Dani Heyne 26 Bilder

Bereit für eine Reise in die Zukunft von gestern? Es wird Sie umhauen, was dieses Raketenauto draufhat. Nein, es stammt nicht aus einem Comic. Es wurde 1959 von GM präsentiert – da gab’s vom Porsche 911 gerade die ersten Zeichnungen.

25.01.2017 Dani Heyne Powered by

Kommen Sie, steigen Sie ein, wir fliegen los. Zurück in der Zeit. In die 50er-Jahre, nach Detroit. Damals, als die Stadt noch nicht am Boden lag. Im Gegenteil: Sie strahlt hell und schmeckt nach goldener Zukunft. Seit Henry Ford hier ganz in der Nähe Autos auf Fließbändern produzieren ließ, ist Detroit zur Brutstätte des amerikanischen Automobils geworden. Mehr noch: Hier ist der amerikanische Traum zum Greifen nah.

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Reportage Cadillac Cyclone
auto motor und sport 01/2017
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Cadillac Cyclone, US-Studie, Reportage, USA Foto: auto motor und sport
Harley Earl war erster Leiter des GM-Designzentrums.

Sichere Jobs gibt es auch bei Chrysler und General Motors – der Erfolg der großen drei Autohersteller (Big Three) nährt die Gegend und die Zeit, in der wir gleich landen werden.

Die Zukunft des Automobils in den 50er

Here we are: Detroit 1955. Auf den ebenso breiten wie blitzsauberen Straßen cruisen Ford Thunderbird, Chrysler New Yorker als Town & Country und bunte Chevy Bel Air – in den Clubs tanzen junge Damen in Petticoats und engen Bleistiftröcken. Marilyn Monroe heißt das Sexsymbol jener Tage – das mit ihrer Tablettensucht ahnte damals ja keiner. Dean Martin jedenfalls fasst das Gefühl jener Zeit im Song „Memories Are Made of This“ zusammen. Ein Number-One-Hit.

Mit Hits beschäftigt sich in jenen Tagen auch ein gewisser Harley J. Earl, der bei General Motors regelmäßig und professionell in die Zukunft schaut. GM-Boss Alfred P. Sloan hatte Earl deswegen Ende der 1930er-Jahre zum Chef der neu gegründeten Abteilung „Art and Color Section“ berufen – heute würde man von einem Designzentrum reden. Jenem Harley J. Earl wurde die Ehre zuteil, das erste seiner Art zu leiten. Ganz recht, zuvor hatte kein Automobilhersteller der Welt eine solche Abteilung.

Wir wollen derweil die Scheinwerfer auf sein wichtigstes Projekt schwenken: den XP74. Er sollte nicht nur das Vermächtnis von Earl werden, der damit in den Ruhestand ging: Der XP74 sollte zeigen, wie klar und visionär sich der größte Autohersteller der Welt die Zukunft des Automobils vorstellte. Noch mal zur Erinnerung: Wir befinden uns in den späten 1950er-Jahren. Hierzulande krabbeln Käfer umher, 911 ist eine unbedeutende Zahl, und in den USA tragen Straßenschlitten teilweise noch Holzverkleidungen.

Auftritt Cadillac Cyclone

Als Schauplatz wählt Harley J. Earl den PS-Tempel von Daytona, hier will er die Autofans mit seiner letzten mobilen Zukunftsaussicht überraschen, Tausende Unterkiefer aushängen. Als Bühne kommt ihm die für General-Motors-Fahrzeuge exklusiv durchgeführte Messe „Motorama“ gerade recht – dort will er höchstpersönlich den Cadillac Cyclone landen lassen.
Die Menge traut ihren Augen nicht: Mucksmäuschenstill starren sie auf dieses perlmuttweiße automobile Raumschiff – rund fünf Meter lang, aber gerade mal 1,12 Meter hoch. Unter einer Glaskuppel sieht ihnen ein vertrautes Gesicht zu, doch das nehmen nur die wenigsten wahr.

Cadillac Cyclone, US-Studie, Reportage, USA Foto: Dani Heyne
Der Cyclone wirkt nicht nur wie aus der Zukunft sondern auch wie von einem anderen Stern.

Ihre Blicke tasten ungläubig über dieses flache Flugobjekt. Es trägt schwarze Raketenköpfe an der Front, einen breiten Luftschlitz in der Haube, eine kleine Frontscheibe und vier riesige Flossen am Heck – die sich um zwei tellergroße Jetdüsen spannen.

Keine Frage, das muss ein Raketenauto sein. Aus der Zukunft. Ihrer Zukunft? Bevor dieser Gedanke in Daytona ein Ende finden kann, klappt das gläserne Kuppeldach auf, surrt eine flache Schiebetür nach hinten. Dem Cyclone entspringt ein Typ mit bekanntem Gesicht, der sich als ehemaliger Designer vorstellt. Kein Außerirdischer – es ist Harley J. Earl. Jubel bricht aus.

GM in der Vorreiterolle

56 Jahre später wissen wir – die Geschichte hatte ihre eigene Meinung zur Entwicklung des Automobils. Es ist – mit ein paar Ausnahmen – bis jetzt nicht geflogen, trotz des Cyclone. Aber darum ging es Earl ja auch nicht wirklich. Bei all seiner Begeisterung für Flugzeuge gab er mit seinen extrovertierten Konzeptfahrzeugen General Motors stets neue Impulse. Nicht selten war die Marke damit ihrer Zeit und der Konkurrenz um Jahrzehnte voraus. Mehr noch: Earl konzipierte Einzelstücke wie den Cyclone völlig alltagstauglich und setzte Technik ein, die erst viel später in Großserie kam.

Wer die Vergangenheit von GM kennt, weiß, wie schmerzlich die Marke Typen wie Earl vermisst. Umso größer die Freude, dass wir jetzt und hier sein größtes Meisterwerk exklusiv fahren dürfen.

Cyclone mit Auffahrwarner

Hochspannung im Tech Center – dem einstigen Spielplatz von Harley J. Earl. Auf dem wunderschönen Gelände mit dem riesigen See und der metallischen Designkuppel holt man nicht oft die kostbarsten Konzeptfahrzeuge der Geschichte hervor. Der Cyclone ist eines davon – und wir dürfen ihn in wenigen Minuten fahren. Jedoch nicht ohne zuvor noch eine eingehende technische Einweisung zu bekommen.

Die flache Rakete wartet auf einer abgesperrten Straße direkt am See. Vögel zwitschern, der Himmel strahlt blau und ist wolkenlos – vermutlich, weil der gesetzte Herr Earl von oben alles beobachten will und nicht einen Moment verpassen möchte.

Dass der Cyclone mittlerweile silbern funkelt, dürfte ihn weniger stören als die gekürzten Heckflossen. Sie wurden auf Befehl seines Nachfolgers William L. Mitchell verkleinert.
Der Rest? Unangetastet. Daher versteckt sich hinter den schwarzen Raketenköpfen der Front ein Radarsystem zur Erkennung von Hindernissen – vergleichbar mit Auffahrwarnern von heute. Scannt der Cyclone einen drohenden Unfall, warnt er optisch und akustisch. Die Raketendüsen am Heck sind dagegen nur große Bremslichter, den Vortrieb übernimmt ein 6,4-Liter-V8 mit 325 PS.

Cadillac Cyclone, US-Studie, Reportage, USA Foto: Dani Heyne
Unter der Haube des Cyclone steckt natürlich ein V8.

Teile des Abgasanlage ließ Earl unter die Haube packen, dafür kam das Getriebe nach hinten. Das Transaxle genannte Bauprinzip war nicht neu, ab damals selten. Genau wie die seitlichen Schiebetüren und das Kuppeldach aus Plexiglas. Auf Knopfdruck ließ es sich automatisch im Heck ablegen – auf einem Luftpolster. Damit sich der Innenraum bei geschlossenem Dach nicht aufheizt, wurde es speziell beschichtet. Anstelle von Seitenscheiben ließ Earl ein Lautsprechersystem installieren – so konnte der Fahrer mit der Außenwelt Kontakt aufnehmen.

Ready when you are

Sprachlos umrunden wir den Cyclone – der mit seiner scharfen Optik und den technischen Tricks noch heute wie ein Raumschiff wirkt. Wie muss das vor 56 Jahren gewesen sein.
Die Schiebetür rastet sauber ein, der Anlasser schnurrt. „Ready when you are!“, ruft eine Stimme. Tief im Auto verankert tastet der Fuß aufs Gaspedal, Schubstufe eins. Der Cyclone legt ohne Gedenksekunde los, zieht leichtfüßig und souverän über die Gerade. Die Gänge wechseln sich sauber ab, das dünne Lenkrad lässt sich gut dirigieren und erzählt von der Straße. Im aufgeräumten Cockpit gibt’s einen tief angeordneten Rückspiegel – dort rahmen die Flossen das wuchtige Heck.

Nach zehn Minuten fühlt sich der Wagen bereits vertraut an. So provokant er auftritt, so steif und satt liegt er auf der Straße. Er ist kein Luftikus, mit ihm kannst du sofort bis nach Kalifornien durchbrennen.

Als die Fahrt zu Ende ist, wissen wir: So muss sich ein Meilenstein in der Geschichte des Automobils anfühlen. Und Earl? Der grinst von oben runter – schließlich hat er dieses Stück Zukunft erschaffen. Provokant, mutig, technisch vorausschauend. Schade, dass es bei diesem Einzelstück blieb.

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