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Diesel im 7er

Bayerische Dampfansage

Dampf in allen Lagen und Drehmoment im Überfluss – mit diesen starken Charaktereigenschaften überlässt BMW seine Diesel-Flaggschiffe 730d und 740d der Straße. Erster Fahrbericht.

27.08.2002

Diesel und Oberklasse – vor Jahren undenkbar, heute unverzichtbar, zumindest wenn man in den Genuss der Selbstzünder-Interpretation von BMW kommt. Durch den Einsatz der Common Rail-Einspritzung der zweiten Generation und einer konsequenten Weiterentwicklung in vielen Details legten der bayerische Sechs- und Achtzylindermotor kräftig zu.

Leistung zwischen 218 und 258 PS

Der nun nach EU 3 abgasgereinigte Reihensechszylinder des BMW 730d leistet jetzt 160 kW (218 PS) bei 4.000/min und verfügt über ein Nenndrehmoment von 500 Nm zwischen 2.000 und 2.750 Umdrehungen pro Minute. Damit liegt der Neue fast 15 Prozent über seinem Vorgänger. Der ebenfalls EU 3-taugliche V8 des BMW 740d kommt jetzt auf 190 kW (258 PS) bei 4.000/min und erreicht ein maximales Drehmoment von 600 Nm zwischen 1.900 und 2.500 Touren. Ein Plus von 13 PS und 40 Nm.

Ganz nebenbei verweisen die Selbstzünder damit den leistungsstärksten Benziner im 7er, den Viereinhalb-Liter-V8 mit 333 PS, mit einem Drehmomentrückstand von 50 beziehungsweise 150 Nm deutlich ins zweite Glied.

Drehmoment ohne Ende

Geprägt von der büffelartigen Motorcharakteristik gestaltet sich dann auch die Fahrt im Luxusliner. Egal ob Sechs- oder Achtzylinder, die neue Sechsstufenautomatik ist beinahe zur Untätigkeit verurteilt, bügeln die Drehmomentberge der Selbstzünder doch nahezu alle topografischen Hindernisse platt, wie die Nase eines Kindes an der Spielwarenauslage zu Weihnachten.

Schade eigentlich, schaltet die ZF-Entwicklung bei Bedarf doch präzise, ruckfrei und beinahe unmerklich zwischen den Schaltstufen hin und her. So gut, dass man sowohl auf den Sportmodus und auf die Handschaltoption mittels zweier Lenkradtasten getrost verzichten könnte.

Aber in punkto Geräuschentwicklung ist der Diesel unterlegen, werden jetzt die Kritiker ihren vermeintlich letzten Trumpf in die Diskussion werfen. Fehlanzeige! Wenn auch der Sechszylinder akustisch beim scharfen Beschleunigen etwas deutlicher sein Bauprinzip verkündet als der Achtzylinder, so bleibt das Geräuschniveau insgesamt im verträgichen Bereich. Selbst in Sachen Laufkultur müssen sich Diesel nicht hinter der benzinbefeuerten Konkurrenz verstecken. Man hört sie nicht, man spürt sie nicht und sie bewegen sich doch.

Reisen statt rasen

Und wie sie sich bewegen. Rund zwei Tonnen Leergewicht zum Trotz spurtet der 730d nach Werksangaben in 8,0 Sekunden auf Tempo 100 und wird von den Fahrwiderständen erst bei 235 km/h eingebremst. Der Achtender soll den Standardsprint gar in 7,4 Sekunden absolvieren und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreichen. Wer die Freude am Fahren allerdings auch auf kleinen und kleinsten Nebenstraßen erleben will, wird bald erkennen müssen, dass das nicht die Spielwiese der Luxuslimousine ist. Die fahrdynamischen Grenzen sind dank zahlreicher elektronischer Helfer hoch gesteckt, eine zu große Leibesfülle und eine für diese Fahrzeuggröße zwar ungewöhnliche, aber doch eingeschränkte Handlichkeit fordern hier ihren Tribut. So bleibt das bevorzugte Terrain des Siebeners das flotte Reisen, und das beherrscht er in Perfektion. Mehr als angemessen erscheinen dabei die angegebenen Verbrauchswerte, soll doch der Kleine mit im Schnitt 8,5 Liter und der Große nur mit 9,7 Liter am Kraftstoffreservoir von 88 Litern nippen.

Dieselpreise: einmal billig, einmal teuer

Erfreulich für Interessenten eines 730d, markiert dieser doch ab Oktober mit 58.000 Euro zudem den günstigsten Einstieg in die 7er-Baureihe. Ob der niedrige Spritkonsum allerdings auch ein ausreichendes Kaufargument für den ebenfalls ab Oktober verfügbaren 740d ist, scheint angesichts des Einstandspreis von 75.700 Euro – damit ist der 740d der teuerste 7er mit kurzem Radstand – ungewiss. Ähnlich scheinen es auch die BMW-Marketing-Leute zu sehen, sollen doch bei einem 35 Prozent-Anteil am Modellmix insgesamt rund 80 – 85 Prozent auf den kleinen Diesel entfallen.

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