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DMC De Lorean

Run DMC

Foto: Hardy Mutschler, defd(1), cinetext(1) 12 Bilder

Zeitreise zum Futur II Konjunktiv: Alles würde anders gewesen sein, wenn der DeLorean DMC-12 durch den Film "Zurück in die Zukunft" nicht erst berühmt werden würde, als schon alles zu spät ist. So aber rast die Story der DeLorean Motor Company nicht auf ein Happy End zu, sondern ins Unglück.

02.10.2008 Sebastian Renz Powered by

Die Zukunft verspätet sich um drei Jahre. Als der DeLorean 1985 in "Zurück in die Zukunft" seinen großen Durchbruch schafft, ist er schon fast drei Jahre Vergangenheit. Dass ausgerechnet der DMC-12 als Zeitmaschine auftritt, könnte man für etwas pietätlos halten. Denn John DeLorean wäre sicher mehr als nur ein Tag in der Vergangenheit eingefallen, an dem er gern noch mal etwas geradebiegen würde. Mehr dazu gibt’s hier.

Doch dass Steven Spielberg und Robert Zemeckis den Sportwagen zur Zeitmaschine erwählen, hat praktische Gründe: Ursprünglich soll ein Kühlschrank die Zeitreisen von Doctor Emmet L. Brown (Christopher Lloyd) und Marty McFly (Michael J. Fox) ermöglichen. Doch dann bedenken die beiden Filmemacher, dass auch Kinder und US-Amerikaner den Film sehen könnten. Damit die sich dann nicht danach in ihren Kühlschrank hocken, um nach 1955 zu reisen und sich dabei den großen Zeh anfrieren, übernimmt der DeLorean DMC-12 die Rolle der Zeitmaschine in "Zurück in die Zukunft". Ein Kühlschrank müsste sich auch sehr anstrengen, um dermaßen cool daherzukommen wie der DeLorean. Zudem hätte Doc Brown wohl über ein Haushaltsgerät kaum gesagt: "Ich sehe es so: Wenn man schon eine Zeitmaschine baut, dann auch mit Stil."

Ethischer Sportwagen als Filmstar

In allen drei "Zurück in die Zukunft"- Filmen tritt der nordirische Sportwagen auf. Im ersten reist Marty McFly eher ungewollt ins Jahr 1955, spannt seinem Vater fast seine Mutter aus und muss dann versuchen, dass die beiden dann doch zusammenfinden, damit er in der Zukunft überhaupt existiert. Im zweiten Streifen fliegt Marty mit seiner Freundin Jennifer und mit Doc Brown in die Zukunft. Im Jahr 2015 muss er seine Familie vor einer Katastrophe retten. Der letzte Teil der Trilogie spielt im Wilden Westen. Dort lebt Doc Brown inzwischen und steht auf der Abschussliste eines Ganoven. Marty reist ins Jahr 1885, um den Mord an seinem alten Freund zu verhindern.

Selbst 1989, als "Zurück in die Zukunft III" gedreht wird, sieht der DeLorean noch futuristisch genug aus, um als Zeitmaschine durchzugehen. Daher muss er auch nur kurz in die Maske. Innen bekommt er einen Kasten, in dem der Fluxkompensator vor sich hinblinkt. Außen baumeln ihm ein paar Leitungen an den Flanken herum. Statt der Motorklappen- Jalousie hockt etwas auf dem Heck, das zwei zerrupften Heizlüftern ähnelt. Dazwischen sitzt der Reaktor, mit dem sich der DMC-12 durch die Zeit schießt.

Dazu muss er aber zuerst auf 88 Meilen pro Stunde beschleunigt werden. Bei den drei Filmautos müssen die Tachoblätter geändert werden, weil sie serienmäßig maximal 85 Meilen anzeigen. Das ist dann doch mal was erfrischend Neues bei einem Auto, das sich Sportwagen nennt. Aber der DeLorean entsteht in den späten Siebzigern, als die Ölkrise das Höchsttempo in den USA auf 55 mph drosselt.

John DeLorean will mit dem DMC-12 seinen Traum von einem "ethischen Sportwagen" erfüllen - sportlich, sparsam, sicher, kompakt, hochwertig und langlebig. Obwohl der DMC-12 einige Vorgaben ganz erheblich verfehlt, ist er keineswegs so furchtbar und inkompetent, wie es die Legende gern hätte.

Das verhindert schon die enge Verwandtschaft mit dem Lotus Esprit. Mit dem teilt sich der DMC-12 das Unterzeug und einige technische Komponenten. Über einem Doppel-Y-Rahmen sitzt ein Plastik-Body, den rostresistente Edelstahl- Karosserieteile verkleiden. Vom ursprünglichen Mittelmotor-Konzept rücken die Lotus-Entwicklungshelfer ab und setzen den Motor ins Heck.

Schwacher Motor sorgt für Schweiß auf der Stirn

Dort pocht er dann also, der von Peugeot, Renault und Volvo (PRV) gemeinsam, aber ohne kollektive Begeisterung entwickelte Europa-V6. In seiner aktiven Zeit, von 1974 bis 1998, muss sich der PRV-2,8-Liter vieles nachsagen lassen. Doch nie hält ihm jemand vor, ein auch nur im Ansatz sportliches oder überaus fortschrittliches Triebwerk zu sein.
Mit leichtem Röcheln der Gasdruckdämpfer öffnen die schweren Flügeltüren des DeLorean und geben einen bequemen Einstieg auf die lederbezogenen Sitze frei. Innen sieht der DMC-12 nicht gerade spacig aus - so ganz ohne den Bildschirm, ohne die Tastatur wie im Film und mit dem tristgrauen, dick gepolsterten Guckkasten-Cockpit.
Mit Wucht klatschen die Flügeltüren ins Schloss. Nur weil sie oben ausgebuchtet sind, fallen sie den Passagieren, die größer sind als Michael J. Fox, dabei nicht auf den Kopf. Pilot und Co. trennt ein massiver Mitteltunnel. In ihm verkehrt auch das Wasser, wenn es vom Kühler zum Motor pendelt. Weil zudem die Hitze des Sechszylinders nach vorn strahlt und sich nur ein winziger Teil der Seitenscheiben versenken lässt, mangelt es im Cockpit nie an Wärme.
Der linke Fuß legt sich mit dem Kupplungspedal an. Es ist breit wie in einem Volvo 240 und verteidigt seine Ruhestellung mit Gewalt. Auf den ersten Schlüsseldreh startet der V6 - ganz anders als im Film, in dem es ein Running- Gag ist, dass der DeLorean nicht anspringt. Knochig, aber präzise rastet der erste Gang der Renault-Fünfgangbox ein. Mit seinem frühen Drehmoment kämpft der Motor gegen die lange Getriebeübersetzung. Ein Renntriebwerk wird die PRV-Maschine in diesem Leben nicht mehr. Es wäre schon riskant, sich auf ein Beschleunigungsduell mit einem verkaterten Golf I GTI einzulassen.

Immerhin geht es zumindest subjektiv ganz ordentlich voran. Um diesen Eindruck zu fördern, hat sich der V6 einen Ton antrainiert, von dem er wohl annimmt, er klinge angemessen spektakulär. Das fällt dem Europa-V6 nicht schwer, denn sein Zylinderwinkel von 90 Grad sorgt ohnehin schon für ein leicht kerniges Laufgeräusch. Doch ebenso verhalten wie das Temperament bleibt auch die Geräuschentwicklung. So kann man sich den DeLorean gut für die gelassene große Strecke vorstellen - besser jedenfalls als für fittes Kurvensteppen.

Das liegt vor allem an der schwergängigen Lenkung. Sie verzichtet auf die Unterstützung einer Servoeinrichtung und macht den DMC-12 mit dem mächtigen Wendekreis von gut 13 Metern viel sperriger, als er eigentlich ist. Ansonsten vermeidet er aber schlimmste Unfreundlichkeiten gegenüber dem Fahrer. Die Reifen mit dem 60er-Querschnitt rollen etwas holperig ab, dämpfen aber zumindest mal die gröbsten Brocken. Viel mehr Komforttalent hat allerdings auch die nicht übermäßig hart, aber doch energisch abgestimmte Federung nicht.


Aus einer fernen Zeit: Miserable Verarbeitungsqualität

Andererseits besteht nie die Gefahr, dass der Motor das Fahrwerk aus der Reserve locken könnte. Nur bei heftigen Lastwechseln hängt der DeLorean in Kurven sein Heck mal ein bisschen nach außen. Aber für die wirklich fiesen Heck- Kicks fehlt dem Sechszylinder der Biss.
Der Verarbeitung mangelt es dagegen an deutlich mehr als nur an der Liebe zum Detail. Weil Plastikformteile wie etwa die Kofferraumwanne nur mit Toleranzen von bis zu zwei Zentimetern gefertigt werden konnten, ließen sie sich oft nicht bündig mit dem Karosseriekörper verschrauben. So kommt es schon mal vor, dass die improvisationstalentierten DMC-Werker den Abstand zweier Teile mit einem halben Dutzend Unterlegscheiben überbrückten. Deswegen rappelt und klappert der DeLorean selbst auf guten Straßen ganz erheblich.
Etwas zickig, unzuverlässig und vielleicht auch ein wenig zu selbstverliebt mag er sein, der DMC-12. Aber er ist doch ein Star, dem eine blühende Zukunft hätte gehört haben sollen - nicht nur eine tragische Vergangenheit.

Technische Daten
DeLorean DMC-12
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4267 x 1990 x 1140 mm
Hubraum / Motor2849 cm³ / 6-Zylinder
Leistung97 kW / 132 PS (220 Nm)
Höchstgeschwindigkeit198 km/h
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