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Dodge Challenger R/T und Shelby Mustang GT 500

Zwei Pony-Cars mit dicken Muskeln

Dodge Challenger R/T 383, Baujahr 1970, Shelby Mustang GT 500, Baujahr 1969 Foto: Hardy Mutschler 36 Bilder

Shelby Mustang GT 500 und Dodge Challenger R/T - die letzten Überlebenden einer aussterbenden Rasse. Ihre Wildheit und ihre Gier nach Freiheit war ihnen ins Gesicht geschrieben. Heute sind sie lebendige Legenden.

18.07.2012 Franz-Peter Hudek Powered by

Die zwei Pony-Car-Prototypen Dodge Challenger R/T und Shelby Mustang GT 500 treten gegeneinander an. Der Herausforderer, der Dodge Challenger, rollte ziemlich spät auf die Galopp-Rennbahn, fast schon zu spät. Erst 1970, fünfeinhalb Jahre nachdem Ford den Mustang eingeführt hatte, präsentierte Dodge sein Pony-Car, das voller Stolz "Challenger" (Herausforderer) genannt wurde.

Der Challenger, das Dienstauto von James Kowalski

Neben dem Mustang, dem Namensgeber der neuen, kompakten US-Sportcoupés, traf der Challenger auf noch vier weitere etablierte Gegner: Plymouth Barracuda (Debut 1964), Chevrolet Camaro und Pontiac Firebird (beide 1967) sowie AMC Javelin (1968). Trotz aller Konkurrenz der Pony-Cars konnte Dodge im Premierenjahr vom Challenger 88.032 Einheiten absetzen.

Dodge verdankte diesen Erfolg auch James Kowalski, gespielt von Barry Newman, der in dem Roadmovie-Klassiker "Vanishing Point" (Fluchtpunkt San Francisco) am Steuer eines Dodge Challenger in 15 Stunden von Denver an die Westküste düst und sich nicht nur mit einer Menge Polizeiautos anlegt. Als staubige Schlüsselszene zum Selbstverständnis der Pony-Car-Generation bleibt vor allem das Rennen mit einem E-Type-Roadster in Erinnerung, in dem ein feister Möchtegern-Rennfahrer mit rotem Helm am Lenkrad sitzt. Kowalskis mächtiger, weißer Dodge Challenger drängt den Jaguar von der Straße ab und befördert ihn in einen Fluss. Klare Botschaft: So gehen wir heute mit britischen Sportwagen und deren arroganten Fahrern um.

Nein, an Zurückhaltung mangelte es dem Dodge Challenger R/T, dem jüngsten und zugleich letzten Spross der familientauglichen Sportcoupés, sicher nicht. So orientierte sich der Dodge Challenger R/T mit seiner aggressiven Frontoptik eindeutig am Tyrannosaurus Rex der damaligen Sportwagen-Szene, neben dem eine Corvette wie ein Alpensalamander wirkt: Shelby Mustang GT 500 - sieben Liter Hubraum (428 Cubicinches), 360 SAE-PS, fast fünf Meter lang und 1.750 Kilogramm schwer.

Ein Maul, das nach englischen Sportwagen giert

Gemeinsames optisches Merkmal des Platzhirsches Shelby Mustang GT 500 und seines frechen Herausforderers Dodge Challenger R/T ist die chromumrandete Frontpartie, die streng genommen nur aus einem riesigen Maul besteht, das beständig nach Luft und gelegentlich nach einem Jaguar E-Type giert. Als gemeinsames technisches Merkmal zischelt natürlich auch bei der R/T-Sportversion des Challenger ein potenter, 6,3 Liter (383 Cubicinches) großer V8 unter der langen Motorhaube, der stramme 335 SAE-PS leistet.

Und jetzt begegnen sich die Rivalen im Gewerbegebiet des Baden-Airpark wieder, PS-stark und selbstbewusst wie eh und je; denn heute sind beide inzwischen auch in Europa gesuchte Klassiker, die zu Preisen zwischen 50.000 und 100.000 Euro gehandelt werden. Der Käufer eines solchen Prachtcoupés muss sich jedoch daran gewöhnen, im öffentlichen Straßenverkehr mindestens so viel Aufsehen zu erregen wie eine Minirock-Blondine im weißen Porsche Turbo Cabriolet.

Auf der Fahrt zur Foto-Location durch südbadische Rheintal-Ortschaften zieht zunächst der vorausfahrende Mustang alle Blicke auf sich. Menschen in einem Eiscafé springen von den Stühlen auf, um der dumpf grollenden Fata Morgana hinterherzublicken. Dass dem Mustang ein mindestens ebenso attraktiver Dodge Challenger R/T folgt, bekommen die Gäste, die sich bereits wieder auf ihre Alu-Stühle niederlassen, zunächst gar nicht mit. Umso gestenreicher sind die Reaktionen, als der pflaumenblaue Dodge Challenger R/T vorbeirollt: Schau doch mal, da ist noch so einer!

Fährt sich so ein Pony-Car auch so brutal, wie es aussieht?

Drei Dinge lassen diese beiden Macho-Cars auf der Straße so sympathisch erscheinen: einmal der wunderbare Originalzustand mit bescheidenen Reifenformaten und viel Chrom-Zierrat; dann die gedeckten und doch kräftigen Serien-Farbtöne der Karosserien, beim Dodge Challenger R/T das Plum Crazy Purple Metallic und beim Shelby das Gulfstream Aqua Metallic. Schließlich und zum Dritten dieser herrlich verspielte Racing-Appeal der beiden Highway-Boliden: die Rennsport-Haubenverschlüsse, die Heckspoiler - in die Karosserie integriert oder als aufgesetzter Flügel -, die Vierkant-Auspuff-Endrohre und die unvermeidlichen Lufteinlässe in der Motorhaube. Alles originale Ausstattungsdetails.

Fährt sich denn so ein potentes Pony-Car auch so brutal, wie es aussieht? Beginnen wir mit dem Dodge Challenger in der ungewöhnlichen R/T SE-Variante. R/T steht für Road and Track - das Coupé taugt also sowohl für die Straße als auch für die Rennstrecke. SE bedeutet "Special Edition" und beinhaltet zusätzlich zum R/T-Paket mit härterem Fahrwerk und hoch verdichteter V8-Maschine noch ein Vinyl-Dach mit kleinem Heckfenster, Ledersitze und eine dekorative Dachkonsole mit Warnleuchten für Tank, Sicherheitsgurte und Türen.

Die sind jetzt geschlossen. Der Motor des Dodge Challenger R/T wummert schon ungeduldig vor sich hin und versetzt die Karosserie mitsamt dem Fahrer auf seinem dünn und weich gepolsterten Pilotensessel in Good Vibrations. Das Lenkrad mit dem fingerdünnen Kranz ragt relativ weit in den Innenraum - ebenso die schwarze Sicherheitspolsterung des Instrumentenbretts, unter der vier große, in Plastik-Holz eingelassene Anzeigen hervorlugen. Ganz rechts im Dodge Challenger R/T die Uhr, deren größte Ziffern nicht etwa die zwölf Stunden, sondern die 60 Sekunden und Minuten anzeigen, damit sich die Beschleunigungswerte auf einen Blick überwachen lassen: Sieben Sekunden vom Stand auf 100 km/h sollten machbar sein, und für die Viertelmeile eine niedrige Fünfzehn.

Der Dodge Challenger-Motor ist ein gewaltiger Beißer

Im Dodge Challenger R/T sitzt der Fahrer genau wie Kowalski ziemlich aufrecht und nah am Lenkrad, damit er die Kupplung gut durchdrücken und den Pistol Grip des kurzen Schalthebels energisch nach hinten reißen kann. Wie Kowalski eben. Die Kupplung des Dodge Challenger R/T kommt sehr spät und dafür voll, weshalb man zuvor den V8 besser mit etwas Gas bei Laune hält, zumal sich 1.615 Kilogramm in Bewegung setzen sollen. Während der ersten Kilometer im Dodge Challenger R/T heißt es, sich an die indirekte, widerstandsarme Lenkung zu gewöhnen und an das etwas störrisch zu schaltende Vierganggetriebe. Der Motor des Challenger ist ein gewaltiger Beißer, der Drehzahlen braucht, erst ab 2.500/min zur Sache kommt und ab 3.500/min richtig gierig hochjubelt.

Wenn man mit dem Getriebe des Dodge Challenger R/T in diesen Drehzahlbereich hineinschaltet, ungeniert Gas gibt und von vorn ein bedrohliches, metallisches Knurren ertönt, dann geht es im Challenger auch für heutige Maßstäbe zügig voran. Sogar bremsen kann der Dodge Challenger ganz gut. Nur enge, schnell gefahrene Kurven mag er nicht. In diese muss das schwere Coupé mit der butterweichen, extrem wenig Kontrolle vermittelnden Lenkung gezwungen werden. Filmheld Kowalski fuhr deshalb mit seinem Dodge Challenger R/T bis zum bitteren Ende fast nur geradeaus.

Der Mustang GT 500 - Carroll Shelbys Renn-Pferd

Auch der Shelby Mustang GT 500 wird stets mit einer Person in Verbindung gebracht - mit einer realen, noch lebenden sogar: Carroll Shelby. Dem heute 87-Jährigen gebührt die große Ehre, mit seinem 1962 gegründeten Rennstall Shelby American erstmals die europäischen Topmarken wie Aston Martin, Ferrari, Jaguar und Porsche vom Siegerpodest verdrängt zu haben. Ganz nebenbei torpedierten sein Mustang GT 350 sowie die AC Cobra-Roadster und -Coupés mit ihren Ford-V8 auch die einheimische Konkurrenz: Die 1963 vorgestellte neue Corvette ging im Rennen reihenweise unter. Zu den größten internationalen Shelby-Erfolgen zählen der Gewinn der GT-Weltmeisterschaft 1965 und der Dreifach-Erfolg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1966 mit dem Ford GT 40, an dessen Entwicklung und Einsatz Shelby American maßgeblich beteiligt war.

Ein Teil dieser Rennsporterfahrung steckt auch im Shelby Mustang GT 500 von 1969, dem letzten und wohl auch extremsten von Shelby aufgebauten Ford Mustang-Modell: Die Frontpartie mit der messerscharfen Chromumrandung und die darin integrierten, großen Scheinwerfer kennzeichnen den 69er Shelby Mustang GT 500. Die vorderen Kotflügel und die Motorhaube mit insgesamt fünf Be- und Entlüftungsschlitzen sind aus Kunststoff geformt. Auch die Bremsen erhielten an der Karosserie seitliche Belüftungshutzen. Alu-Felgen und die zentralen, doppelten Vierkantendrohre komplettieren den ultrasportlichen Auftritt des GT 500. Als Antriebsvariante arbeitet im schwächeren, identisch ausgestatteten GT 350 der Windsor-V8 mit 5,8 Liter Hubraum und 290 SAE-PS.

Der Siebenliter-V8 im Shelby Mustang ist eine Waffe

Das Cockpit des Shelby Mustang GT 500 entspricht mit Ausnahme der beiden Zusatzinstrumente auf der Mittelkonsole für Öldruck und Ampereleistung der Serie. Ein Überrollbügel und dort angebrachte Automatik-Hosenträgegurte laden, so scheint es, im Shelby Mustang GT 500 zum hemmungslosen Gasgeben ein: Daytona, Sebring, Silverstone und Le Mans - Straße frei, jetzt kommen wir!

Tatsächlich brauchen wir im Shelby Mustang GT 500, bis man sich an die indirekte Lenkung, die stramm gehende Kupplung und die hoch aufragende, schwarze Plastikpolsterung des Instrumentenbretts gewöhnt hat, zunächst die ganze Fahrbahnbreite. Doch dann stellt sich ein gewisses Vertrauen in das einfach gestrickte Starrachs-Fahrwerk des Shelby Mustang GT 500 ein. Mit seinen verstärkten Federn und verstellbaren Stoßdämpfern sowie vorderen Scheibenbremsen bemüht es sich wenigstens um einen Hauch von Fahrdynamik.

Der Sieben-Liter-V8 im Shelby Mustang GT 500 dagegen liefert wie erwartet einen wahren Leistungssturm. Man sagt der Cobra-Jet-Maschine bis zu 400 SAE-PS nach, mit denen Ford und Shelby lieber nicht protzten, um Versicherungen und sonstige Spaßbremser nicht aufzuwecken, denn der Cobra-Jet ist eine Waffe. Speziell im Zusammenspiel mit dem Schaltgetriebe, wenn der Shelby Mustang GT 500-Fahrer vom dritten in den zweiten Gang herunterschaltet, der Motor mit etwa 4.000/min die Hinterachse packt, und bei Vollgas die acht Kolben und das Differenzial in direkter, stahlharter Verbindung stehen, kommt der aus Angst erhaltene Adrenalinschub gerade recht: Oh Sch..., das Pferd haut ab!

Boulevard-Renner für Beverly-Hills-Pensionäre

Die Motorhaube des Shelby Mustang GT 500 hebt sich etwas an, und das wilde Gefährt zieht nach links. Gegenlenken, nicht zu viel, mit beiden Händen die sanfte Zickzack-Fahrt kontrollieren und natürlich: Schalten! Alles in etwa zwei Sekunden. Mit gemessenen 5,5 Sekunden von null auf 60 Meilen (98 km/h) zählte der Shelby Mustang GT 500 im Jah 1969 zu den spurtschnellsten Sportwagen auf der Welt.

Kleiner Schönheitsfehler: Der preisgünstigere, hausinterne Konkurrent Ford Mustang Mach 1 428 war nicht langsamer, weshalb dem Shelby Mustang GT 500 bald der Ruf eines Boulevard-Renners für Beverly-Hills-Pensionäre anhaftete. Besonders im direkten Vergleich mit den frühen, leichtgewichtigten GT 350 urteilte die Motor-Fachpresse zum Teil negativ über den spektakulären 69er Shelby Mustang GT 500. So hat am Schluss der Dodge Challenger R/T doch gesiegt. Er hielt in dieser Form immerhin bis 1974 die Pony-Car-Flagge hoch, während Shelby die Produktion des GT 500 im Jahr 1969 einstellte.

Technische Daten
Dodge Challenger R/T 383Shelby Mustang GT 500
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4860 x 1930 x 1290 mm5 x 2 x 1 mm
Höchstgeschwindigkeit210 km/h220 km/h
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