So amerikanisch wie ein fetter Hamburger sind sie beide. Mit mächtigen Motoren unter den Hauben, mit gewaltigen PS-Zahlen und mit Formen, die alle Blicke auf sich ziehen. Aber damit hat es sich auch schon. Denn die US-Interpretation des offenen Sportwagens fällt bei General Motors und Chrysler völlig anders aus. Die Corvette bemüht sich in ihrer nunmehr sechsten Generation mehr denn je um europäische Finesse, während der Dodge Viper dem klassischen Muscle Car-Ideal huldigt.
Was zählt, ist schiere Power, alles andere ist Nebensache. Es beginnt schon beim Innenraum-Odeur des Viper- Testwagens. Dort, wo andere Preziosen im sechsstelligen Euro-Bereich Essenzen von Leder, gemixt mit geahnten Nuancen von Holz, verströmen, riecht die Schlangenhöhle wie eine Mischung aus Rugby-Umkleide- und Examens-Prüfungsraum – nach vier Stunden bei geschlossenen Fenstern.
Der Angstschweiß hat Spuren hinterlassen, wie das zart salzgehärtete Leder an Lenkrad und Billardkugel-Schaltknauf verrät. Tja, selbst unerschrockenen Testern geht gehörig die Muffe, sobald sie sich über die breiten Schweller, die bei der US-Version Sidepipes beherbergen, hinters kleine Lenkrad gefädelt haben. Spätestens aber, wenn sich der Lkw-artige Anlasser rabiat auf die Kurbelwelle stürzt und die zehn Kolben auf ihre Zehn-Zentimeter-Reise schickt.
Energisch vibrierend, bei jedem Gasstoß provokant zur Seite nickend. 506 PS und 711 Newtonmeter aus 8,3 Liter Hubraum. „Built with pride at Conner Avenue Assembly Plant, Detroit.“ Vorn zwei offen schnüffelnde Luftfilter- Dosen, dahinter die massige Ansaugbrücke, daneben schrumpflack-rote Zylinderkopfdeckel. Testarossa made in USA. Natürlich mit einer untenliegenden Nockenwelle, Stoßstangen und zwei Ventilen pro Zylinder.






