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Drei Generationen Maserati Quattroporte

Bella Famiglia - der Dreizack mit vier Türen

Drei Generationen Maserati Quattroporte Foto: Hardy Mutschler 19 Bilder

Vor mehr als 40 Jahren prägte der Maserati Quattroporte eine neue Art von Automobil – und er war der Start einer Modellreihe, die bis heute existiert und zu den schnellsten viertürigen Limousinen der Welt gehört.

20.10.2009 Bernd Woytal Powered by

Was für ein Banause muss das gewesen sein, der einen Quattroporte in den Hühnerstall stellt? Offenbar kein Maserati -Fan. Denn wer in der Geschichte der italienischen Marke das Jahr 1963 aufschlägt, entdeckt dort ein für diese Zeit einzigartiges Automobil, das dank Renntechnik unter der Haut zur „schnellsten viertürigen Limousine der Welt“ avancierte.

Der Unscheinbare: Ein Quattroporte spielt mit seinem Understatement

Diesem Modell, das der Urahn einer bis heute fortgeführten Baureihe ist, gebührt sicherlich ein Ehrenplatz. Ähnlich dachte Heinz See aus Friedrichsdorf, als er jenen total verdreckten Quattroporte sah, auf dem die Hühner herumtanzten. Kurzerhand holte er das gute Stück wieder auf die Straße - mit überraschend geringem Aufwand. „Offenbar hatte der Vorbesitzer noch das Blech gerichtet, bevor er das Auto ausrangierte“, berichtet See. Dennoch bereitete die Aufarbeitung des schwarzen Lacks, der durch die Exkremente des Geflügels stark gelitten hatte, viel Mühe. 

Aber es lohnte sich. Das Schwarz lässt die von Pietro Frua gestaltete Karosserie noch unscheinbarer erscheinen - ein Effekt, den die Käufer dieses Fahrzeugs eher begrüßten. Denn der Quattroporte I besticht mit einer zurückhaltenden Eleganz, die damals keine extrovertierten Playboys, sondern Menschen mit gutem Geschmack ansprach - wie Fürst Rainier von Monaco oder Marcello Mastroiani. Sie alle genossen es, die Fahrleistungen eines Sportwagens in Gestalt einer fünf Meter langen, geräumigen Limousine zu erleben.

Das Platzangebot kann sich wahrlich sehen lassen. Allein der Gepäckraum beeindruckt mit stattlichen Dimensionen. Die hinten links und rechts in den Kotflügeln positionierten Benzintanks erlaubten eine bis zur Rücksitzlehne reichende Ladefläche, die selbst die größten Louis-Vuitton-Koffer problemlos aufnimmt.

Der Passagierraum bietet mittleren italienischen Großfamilien genügend Lebensraum, aber den Platz an der Sonne hat zweifellos der Fahrer. Ihn erwartet der faszinierende Blick auf eine reichhaltige Smith-Instrumentensammlung und ein schmuckes Holzlenkrad, durch dessen blanke Alu- Speichen sich hölzerne Hupentasten schieben. Und auf eine exakt ausgerichtete Garde filigraner Kippschalter, die „jeden Pianisten erfreuen“, wie einer der berühmtesten Fahrer eines Quattroporte schmunzelnd meinte - Sir Peter Ustinov.

Traum-V8: Der Maserati wird von einer Skulptur angetrieben

Aber es bedarf nicht nur einer gewissen Fingerfertigkeit, um die Schalter zu bedienen. Vor Antritt der Fahrt empfiehlt sich auch ein Studium ihrer Funktionen, um zum Beispiel bei sinkendem Kraftstoffvorrat rechtzeitig auf den zweiten Tank umschalten zu können. Schließlich ist so ein schnelles Auto kein Kostverächter, aber wer könnte es ihm übel nehmen? Was sich hier nach dem Drehen des Zündschlüssels grollend zu Wort meldet, ist kein gewöhnlicher Motor, sondern eine in Leichtmetall geformte Skulptur.

Sie beherbergt acht Zylinder und vier oben liegende Nockenwellen und ist ein direkter Ableger der im Rennsportwagen 450 S verwendeten Maschine, mit dem Maserati 1957 um ein Haar die Marken-Weltmeisterschaft gewonnen hätte. Den Quattroporte befeuert eine Version mit 4,2 Liter Hubraum und einer Power von 260 PS, die seinerzeit respektable Fahrleistungen ermöglichten. „Noch auf dem Werksgelände beschleunigte er auf 145 km/h“, schwärmte ein Journalist von einer Fahrt mit dem legendären Cheftester Guerrino Bertocchi. Die Geraden der Autostrada erlaubten sogar 230 km/h, dabei wehte es die überholten Fiat-Kleinwagen fast von der Straße.

Das Exemplar von Heinz See ist ein Quattroporte I der zweiten Serie, also ein Tipo 107/A mit dem als Option erhältlichen 4,7-Liter-Motor, der 290 italienische Rassepferdestärken bereit stellt. Auch denen lässt man am besten auf Autobahnen oder gut ausgebauten Landstraßen freien Lauf.

Denn das schwergängige Kupplungspedal und die indirekte Lenkung schmälern etwas die Lust am strammen Galopp über kleine, kurvenreiche Straßen. Das Fahrwerk bereitet in dieser Beziehung keine Probleme. Mit vorderer Einzelradaufhängung und hinterer De-Dion-Achse, wie sie auch im Formel-1-Weltmeisterauto Maserati 250 F Verwendung fand, beurteilte Rennfahrer Paul Frère den Wagen als etwas z u stark untersteuernd, bescheinigte aber den Hinterrädern eine „hervorragende Bodenhaftung“.

Dem Tipo 107/A wurde dann allerdings hauptsächlich wegen der unangenehmen Geräuschübertragung des Radantriebs auf den Fahrzeugaufbau eine hintere Starrachse verpasst, was jedoch die Kurvensicherheit kaum schmälerte.

Alejandro De Tomaso lässt den Quattroporte III entstehen

Grundsätzlich war aber der Quattroporte nicht dafür gedacht, sich innerorts Haken schlagend den Weg zwischen Piaggios und Lambrettas zu bahnen. Viel mehr gebührte ihm die Rolle eines exklusiven und schnellen Reisewagens – was er mit Bravour erledigte. Sein Nachfolger, der Quattroporte II, ein Kind der Ehe zwischen Maserati und Citroën, ging nie in Serie. Aber nachdem Alejandro De Tomaso die Geschicke des Werkes leitete, begann 1979 mit dem Quattroporte III ein neues Kapitel in der Geschichte dieser unvergleichlichen Typenreihe.

Der mit 1,89 Meter für die damalige Zeit ungewöhnlich breite und von Designer Giorgetto Giugiaro sehr klar und kantig gezeichnete Wagen mit dem grimmigen Blick folgte zwar teilweise der durch den Tipo 107 vorgegebenen Spur, setzte aber auch einige neue Akzente.

Wie sein Vorläufer blieb er eine Rarität, obwohl er in einer für Maserati recht hohen Stückzahl von 2.088 Exemplaren entstand. Die meisten davon gingen in die USA. Hier zu Lande fanden sich dagegen nur wenig „Männer mit ausgeprägtem Sinn für Schönheit und Qualität, die den Mut zum Besonderen haben“, wie Auto König-Chef Rüdiger Czakert die entsprechende Klientel  für das 100.000 Mark teure Gefährt beschrieb.

Dieser letzte handgefertigte Maserati hatte auch nie den Ehrgeiz, die schnellste viertürige Limousine zu sein, sondern begeistert mit inneren Werten. Nach dem Öffnen der Tür gehört es zum Pflichtprogramm, andächtig eine Weile zu verharren, um dieses üppig mit feinem Holz und Leder ausstaffierte Passagierabteil mit der gebührenden Ehrfurcht zu betrachten. Das Gestühl erinnert an eine noble Couchgarnitur der 70er Jahre – und die Einladung zum Platz nehmen nimmt man nur zu gerne an.

Neben einer gewaltigen Mittelkonsole gleitet der Fahrer in das Polster des Sitzes. Fast kommt er sich in diesem hallenartigen Innenraum ein wenig verloren vor. Im Bereich der Rücksitze beträgt die Innenbreite stattliche 1,56 Meter, was heutzutage weder Mercedes S-Klasse noch 7er- BMW bieten können. Das weniger steil angeordnete Lederlenkrad, die Druckschalter, die elektrische Sitzverstellung und eine Digitaluhr verdeutlichen den zeitlichen Abstand zu seinem Vorfahren.

Die Handlichkeit des Maserati Quattroporte ist erstaunlich

Nicht ganz so revolutionär vollzog sich der Generationswechsel unter der vorderen Haube. Hier meldet sich im Prinzip der altbekannte V-Achtzylinder zum Dienst. In 51 Exemplaren war der 4,2 Liter eingebaut, doch die meisten kamen in den Genuss der auf 4,9 Liter aufgebohrten Maschine. Die klingt noch eine Tonlage tiefer und voller und ist vor allem auch etwas besser bei Kräften.

Denn immerhin gilt es, rund 2,1 Tonnen Gewicht in Schwung zu bringen. Wird das Gaspedal in den Bodenteppich gedrückt, schlägt der 280 PS starke Motor eine schärfere Tonart an, und das Wohnzimmer kommt in Fahrt. Allerdings nicht übermäßig zügig. 10,7 Sekunden ermittelte auto motor und sport für den Sprint auf 100 km/h, für ein Exemplar mit ZF-Fünfganggetriebe stoppte sport auto versöhnlichere 9,0 Sekunden. Das dreigängige automatische Chrysler-Torqueflitegetriebe schluckt einiges an Leistung. Aber De Tomaso konnte es günstig einkaufen und änderte dafür sogar den Motorblock.

Lob verdient sich der rundum mit Einzelradaufhängung versehene Luxuswagen bei der Bewertung der Fahreigenschaften. Die Handlichkeit ist erstaunlich, „und selbst mit vier Personen an Bord meistert er schnell und sicher jede Kurve“, sagt Rolf Schiemenz aus Bonn-Bad Godesberg, der seit 24 Jahren auf Lang strecken das hier abgebildete Exemplar einsetzt. Auch der damalige italienische Staatspräsident Sandro Pertini schätzte den Quattroporte III. Er gönnte sich allerdings einen Royale, die letzte und etwas luxuriösere Ausführung, von der nur 53 Exemplare entstanden.

Einen ähnlich guten Geschmack beweist Italien derzeitiger Präsident Carlo Azeglia Ciampi, der seit Juli 2004 in einem aktuellen Quattroporte unterwegs ist. Das im vorigen Jahr präsentierte Modell führt nach einem von 1994 bis 1997 dauernden Gastspiel des Quattroporte IV die Historie dieser Baureihe erfolgreich weiter.

Pininfarina hat das Thema eines sportlich luxuriösen Viersitzers mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Die großen Räder und die betonten Radläufe spiegeln die aktuelle Designsprache wider. Die markante Front lässt Kenner einen Hauch von A6 GCS erahnen, ein Maserati der 50er Jahre mit einem atemberaubend schönen Kleid von Pininfarina.

Für einen Großteil der Faszination im Quattroporte V sorgt der Achtzylindermotor mit seinen temperamentvollen 400 Pferdestärken und dem mitreißenden Sound. Seine Position hinter der Vorderachse und die Transaxle-Bauweise verdeutlichen das Bemühen um gute Traktion und optimales Handling. Das Schalten der sechs Gänge des elektrohydraulischen Getriebes mit den Paddeln an der Lenksäule erfordert jedoch etwas Übung. Dann entpuppt sich der Maserati jedoch als reiner Sportwagen im Limousinenformat – genau wie sein Urahn. Selbst wenn nach Ansicht eingefleischter Marken-Fans in der Seele dieses Maserati zu viel Ferrari steckt, hat auch er einen Ehrenplatz verdient.

Technische Daten
Maserati Quattroporte IMaserati Quattroporte IIIMaserati Quattroporte V
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5000 x 1720 x 1360 mm4910 x 1890 x 1385 mm5052 x 1895 x 1483 mm
Hubraum / Motor4928 cm³ / 8-Zylinder4928 cm³ / 8-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit230 km/h214 km/h275 km/h
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