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Triumph TR 6, Mercedes 350 SL und Alfa Bertone

Preis gekrönt - drei Klassiker für 15.000 Euro

Alfa Romeo 1750 GTV, Mercedes-Benz 350 SL, Triumph TR 6 Foto: Uli Jooß 19 Bilder

Drei etablierte Klassiker als Krönung des Fuhrparks. Jeder für 15.000 Euro in pflegeleichtem Zustand. Alfa Romeo 1750 GT Veloce, Mercedes-Benz 350 SL und Triumph TR 6 gibt es zwar für das gleiche Geld, vom Charakter sind die Oldtimer jedoch völlig verschieden.

28.10.2009 Alf Cremers Powered by

Der Universalschlüssel kostet 15.000 Euro. Mit ihm lassen sich so gut wie alle Türen in die bezahlbare Klassiker-Welt öffnen. Preziosen wie ein Flügeltürer oder ein Porsche 911 Carrera 2.7 kosten natürlich mehr.

Frage: Was kriegt man noch für 15.000 Euro? – Antwort: Eine große Auswahl an Oldtimern

Einen 77er 911 Targa mit Sportomatic und in wenig begehrtem Palisanderbraun-metallic dürfte man für dieses Geld allerdings ebenso finden wie einen Mercedes 300 SL, natürlich nicht den W 198, sondern seinen späten Namensvetter aus der Langzeit-Baureihe R 107. Beide wird es für 15.000 Euro nicht im Top-Zustand geben. Aber ein guter Dreier wäre drin, nach der Devise: Einsteigen, Losfahren und Pflegen.

Was kriegt man noch für 15.000 Euro? Bevor wir mit drei Referenz-Kandidaten konkret werden, ein kleiner Exkurs: Renault Alpine A 310 V6, Audi Quattro, BMW 3.0 CS , Jaguar XJ 12 Serie III, aber auch Älteres wie eine große Heckflosse, einen Porsche 912, einen VW Karmann-Ghia, einen Opel GT oder einen Citroën DS 21 . Definiert man die 15.000 als oberstes Limit, fallen sogar Ford-Badewannen, Opel-Kapitäne und Alfa-Schlauchboote (Duetto). Wer gerne einen urigen Oldtimer haben möchte, der kauft einen Mercedes 170 S-D. Konstruktiv und formal ein echtes Vorkriegsauto. Mit mildem Temperament und dem Mythos der Unzerstörbarkeit gesegnet.

Aber Exoten sind eine schwierige Geldanlage mit ungewisser Prognose. Unsere drei 15.000 Euro Auto-Aktien schwimmen auf der sicheren Welle des Mainstream. Einen Alfa Romeo Bertone, einen Mercedes 350 SL oder einen Triumph TR 6 hat sich jeder Autoenthusiast einmal eingebildet. Außerdem spiegeln sie ideal die drei Konstitutionstypen der Klassiker-Klientel wider.

Die Kandidaten: Triumph TR 6, Alfa Romeo Bertone und Mercedes-Benz 350 SL

Der rustikale Triumph TR 6, hier die Schrauber freundliche Vergaserversion, ein USA-Modell von 1974, steht für den anglophilen Abenteurer, der auch an einem frostigen Wintertag offen fährt. Hauptsache, die Sonne scheint. Manchmal steht noch ein altes Motorrad gleichen Namens (Bonneville, Trident?) in der Garage, und die Ölflecken auf seiner gewachsten Barbour-Jacke stören ihn nicht weiter, weil sie sie noch besser imprägnieren.

Das Alfa Romeo Bertone-Coupé, in unserem Fall ein früher 1750 GT Veloce mit stehenden Pedalen, gibt sich schon viel feingeistiger als der knorrige Brite. Hübsch eingekleidet in italienischem Chic, von technisch anspruchsvoller Machart mit einem brillanten Motor unter der Haube und in seinen Schwächen weit weniger extrem als der Triumph, spricht er sogar die Damenwelt an und quält seine Liebhaber nur mit der ewig jungen Entscheidung, Pininfarina oder Bertone, Coupé oder Spider, 1750 GT Veloce oder 1750 Duetto?

Auch Mercedes-Liebhaber plagt manchmal diese existenzielle Frage: Offen oder geschlossen? SL oder SLC lautet sie beim Typ 107, meist wird sie zugunsten des weit teureren SL entschieden, denn mit Hardtop ist er beides. Entweder zweisitziges Cabriolet, die offizielle Bezeichnung „Roadster“ mag für so ein opulentes Luxusmöbel gar nicht passen, oder mit konkav gewölbtem Dach als zweisitziges Coupé. Die typischen Liebhaber dieser eigenwillig gestylten Mercedes-Sportwagen, sind wohlhabende, erfolgsorientierte Leute, die in ihrer Freizeit alles tun, nur nicht schrauben. Sie waren noch Kinder, als sie das breite, chromblitzende Lächeln der eindrucksvollen Frontpartie nachhaltig prägte.

Die Hollywoodschaukel – Mercedes 350 SL

Der Stern, SL-like im und nicht auf dem Kühlergrill, steht für Extravaganz in Stil und Linie, für Reichtum in Villenvororten und für Charme und Temperament weit jenseits eines verhärmten 240 D, Baureihe W 123 in Kaledoniengrün. Der dunkelblaue 350 SL auf diesen Seiten sonnt sich mit üppiger Velourspolsterung und feinem Wurzelholzfurnier in diesem Glamour, obwohl er mindestens Lenkrad und Schalthebel mit seinem armen Diesel-Vetter teilt. Mercedes nennt die 107er in seinen Prospekten etwas euphemistisch „Sportwagen“; wer vom Triumph TR 6 auf den 350 SL umsteigt, wundert sich.

Dagegen ist der 350 SL eine Hollywood-Schaukel. Denn Sport hat immer noch etwas mit körperlicher Ertüchtigung zu tun, mit Härte und Disziplin nahe an der Schmerzgrenze, von der die Lust bekanntlich nicht weit entfernt liegt. Der TR 6 ist ein Sportwagen, man zwängt sich in ihn hinein, ja man zieht ihn sich über.

Das Lenkrad, klein und dünn wie eine Langspielplatte, will energisch festgehalten werden, sobald schlechte Straßen drohen. Die knochige Viergang-Schaltung mit kompromisslos engen und kurzen Schaltgassen erfordert beim Gangwechsel entschlossenes Zupacken und der Motor mit dem Zweirohr-Sportauspuff klingt zwar sonor und kraftstrotzend, kann aber auf Langstrecken nerven. Bei welligen Autobahnabschnitten stellt sich schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb ein Speed-Limit von 120 km/h ein, zu heftig versetzt der dank Kastenrahmen verwindungssteife Roadster mit Vorder- und Hinterachse. Die Räder sind zwar einzeln aufgehängt, aber man glaubt mangels Federwege an einen Starrachse. Vom Bremsservo lesen wir in den technischen Daten, man glaubt er hätte keins. Mercedes spricht im 350 SL-Prospekt von „Konditionserhaltendem Komfort“.

Triumph TR 6 – Low-Tech-Sechszylinder sorgt für jede Menge Fahrspaß

Beim TR 6 erhält mangelnder Komfort die Kondition. Sekundenschlaf ist in dem kleinen Roadster unmöglich, es fordert alle wachen Sinne, der Fahrer ist stets gespannt auf die Reaktionen des Autos, jeder 1.000er-Sprung auf dem Drehzahlmesser hat sein eigens Klangbild. Wenn der TR 6 vom Charakter her ein Motorrad ist, klein, schwarz, stark, gibt der 350 SL eine Luxus-Limousine und der Alfa 1750 GT Veloce den kultivierten Reisewagen ab.

Der kleine Brite mit der schmalen Karosserie, dem kurzen Radstand und den großen Rädern, die vor Entschlossenheit beinahe aus den Radkästen dringen, ist, anders als es seine von Michelotti lieblich gestylte Karosserie vorgaukelt, ein kleines Biest. Knapp 100 PS Leistung genügen, um mit dem TR 6 wild auf Landstraßen zu reiten. Der Low Tech-Sechszylinder holt die Kraft aus dem Keller, ab 1.500 Touren brummt er zufrieden bollernd los, röhrt bei 2.000 unternehmungslustig und trompetet über 3.500/min zornig. Lediglich vier Kurbelwellenlager lassen noch genügend Spielraum für Vibrationen.

Tausend Umdrehungen später verliert er plötzlich die Lust am Toben, aus reinem Selbsterhaltungstrieb wegen der hohen Verschleiß fördernden Kolbengeschwindigkeiten. Sechs Fanfaren tönen eben besser als vier, eigentlich müsste er TR Sex heißen, soviel Fahrspaß entspringt dieser simplen Technik. Jeder Schaltvorgang  macht Laune, wenn der zweite sich sträubt, nehmen wir gleich den dritten, und das Blaskonzert geht von vorne los.

Der Mercedes 350 SL ist der Langstereckenläufer unter den Dreien

Solch deftige Äußerungen von Lebensfreude sind dem Mercedes 350 SL fremd. Zwar erlaubt das Viergang-Schaltgetriebe, das sich übrigens exakter schalten lässt, als es Tester einst kolportierten, die ausgeprägte Drehfreude des vergleichsweise kleinen Achtzylinders zu genießen. Mehr als ein zorniges Rauschen dringt jedoch nie aus dem Motorraum. Dann hört es sich so an, als ob ein heftiger Sturm ums Haus fegt. Ist es der Motor oder nur der Visco-Lüfter? Nur über 5.000 hämmert der Motor das typische Achtzylinder-Stakkato, aber ihn so hoch zu drehen, passt einfach nicht zum gediegenen Naturell des Wagens.

205 PS zerren an den 1.600 Kilo, das sorgt zwar für ordentlichen Vortrieb, aber für die Führung in diesem 15.000 Euro-Trio reicht es nicht. Er ist kein Leichtathlet, sondern der ausdauernde Langstreckenläufer mit leisem Motor, souveräner Kraftreserve und hohem Komfort. Er ist das genaue Gegenteil vom TR 6. Man sitzt im 350 SL nicht auf der Straße wie im bockigem Engländer, duckt sich nicht tief im vorbeirauschenden Verkehrsgewühl und ist weder angreifbar noch verletzlich.

Geborgen lebt es sich im großen, schön möblierten Wagen. Der dicke Windschutzscheibenrahmen gibt einem auch offen fahrend das wohltuende Gefühl von Sicherheit. Auch die Zweifel, die einen im TR 6 gelegentlich überkommen, wenn man im Regen den Scheibenwischerschalter betätigt oder bei einsetzender Dämmerung das Fahrlicht, sind dem 350 SL-Fahrer völlig fremd. Die großen, mit präzisem Klick rastenden Schalter können gar nicht anders als funktionieren. Diese Bestimmung ist ihnen ins Material diktiert.

Der beste Kompromiss – Alfa Bertone

Der Alfa Romeo 1750 GT Veloce liegt irgendwo dazwischen, was ihm zu Unrecht den lustlosen Stempel des Kompromisses aufdrückt. Er führt nämlich einen durchaus leidenschaftlichen Dialog mit dem Fahrer, was ihn näher an den TR 6 rückt. Motor und Fünfganggetriebe des kleinen Coupés sorgen stets für gute Unterhaltung, alles geschieht viel sanfter und gefühlvoller als im rauhbeinigen TR 6. Die Schaltung ebenso exakt wie im Triumph, aber von jener sensiblen Response, welche die Vorsicht und Behutsamkeit des Fahrers belohnt.

Der Motor, betont langhubig in der Auslegung und mit der Raffinesse eines aufwendigen Ventiltriebs und der Effizienz optimaler Brennraumgestaltung gesegnet, kann beides: dumpf grollend ohne zu Murren aus dem Drehzahlkeller kriechen, oder auch jenseits von 5.000/min mit heller Stimme nach mehr schreien. Dabei liegt sein Verbrauch erstaunlich niedrig. Anders als der trinkfeste Triumph TR 6 (13 Liter bei max. 4.000/min) und der kaum als besonders sparsam gerühmte Mercedes 350 SL (13,5 Liter bei sanfter Fahrweise) ließ es der Alfa bei den Fotofahrten bei nur elf Litern bewenden.

Der Triumph röhrte wie ein Platzhirsch, trotzdem fuhr der Alfa Romeo leichtfüßig allen davon. Was sicher auch an seinem günstigen Leistungsgewicht liegt, die 118 PS aus knapp 1.800 Kubik Hubraum müssen nur 1.040 Kilogramm stemmen, selbst der kleine Triumph wiegt 1.150 kg. Viel Gusseisen am Motor und der solide Leiterrahmen fordern ihren Tribut. Auch im Innenraum gibt sich der Alfa keine Blößen. Das üppig instrumentiertes Cockpit und das einladende Holzlenkrad mit matt polierten Aluspeichen sorgen für ein typisches sechziger Jahre Ambiente, die neckischen Dreiecksfenster grüßen von links und rechts.

Geborgenheit im Mercedes, sportliche Härte im Triumph und gutmütiger Alfa mit dem Flair der Sechziger

Das im Detail aufwendig konstruierte Starrachs-Fahrwerk des Alfa kann im Fahrkomfort keine Wunder vollbringen, vermeidet aber Härten wie beim Triumph. Dafür zeigt sich der Alfa sehr kurvenwillig und gutmütig, der Grenzbereich kündigt sich sanft an. Zwar konnte man der hinteren Schräglenkerachse des Triumph die labile Mitlenkfunktion durch geeignete Stoßdämpfer abgewöhnen, aber bei Nässe gibt er sich gerne hinterhältig. Kreisverkehre mit Mosaikpflaster bringen sein Hinterteil, beherzt pilotiert, zum Wegwischen. Die direkte Zahnstangenlenkung erlaubt dabei ein präzises Parieren der Situation. 
 
Dem Mercedes möchte man so etwas gar nicht zumuten, er ist eben kein Spielzeug, mit dem man nur so zum Spaß aus Übermut fährt. Trotzdem machen gerade mit ihm lange Reisen an den Gardasee oder ins Tessin offen besondere Freude mit intensiv erlebtem Marschtempo von 120 km/h. Der Verbrauch ist niedrig, der Genuss ist hoch, die Sinne sind heiter, weil man nie daran denkt liegenzubleiben. Und selbst wenn, ist das benötigte Ersatzteil am nächsten Morgen da. Was einem der SL an elementarem Fahrspaß vorenthält, gibt er einem an Geborgenheit wieder zurück.

Mehr zum Thema 100 Jahre Alfa gibt‘s bei unserer Schwesterseite www.auto-motor-und-sport.de - mit aktuellen Autotests, News und Stories rund um die Marke Alfa Romeo.

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Technische Daten
Triumph TR 6
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3940 x 1470 x 1270 mm
Höchstgeschwindigkeit180 km/h
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