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BMW 02, Mercedes /8 und VW Käfer

Relativitäts-Theorie

Foto: Rossen Gargolov 23 Bilder

Was haben ein luxuriöser Mittelklassewagen, eine kompakte Sportlimousine und ein sind im Alltag problemlos, kosten fast gleich viel und bieten eine Menge Fahrspaß

26.09.2007 Alf Cremers Powered by

Es sind Seelenverwandte. Zumindest auf den zweiten Blick. Trotz unterschiedlicher Konzeptionen, Designmerkmale und Käuferzielgruppen sind BMW 02, Mercedes Strichacht und Käfer Cabriolet in ihrem Charakter sehr deutsch, sorgfältig gereift und vom Perfektionismus geprägt. Zudem fordern sie in ihrer Klasse jeweils den Führungsanspruch.

Der Wandel vom Gebraucht- zum Liehaberwagen

Der VW 1303 als höchste Entwicklungsstufe des Käfers über die Eigenschaften Karosseriequalität und Viersitzigkeit, der Mercedes über seine einmalige Eignung als kommoder Dauerläufer, für den 200 000 Kilometer nur eine längere Einfahrstrecke bedeuten. Schließlich löst der fahraktive BMW 02 mit seiner schnörkellosen Darbietung typischer BMW-Attraktionen wie Schräglenkerachse und Hochleistungs-Vierzylindermotor das Versprechen von der Freude am Fahren überzeugend ein. Alle drei vollzogen die Wandlung vom Gebrauchtwagen zum Liebhaberstück recht schnell. Beim Käfer Cabriolet geschah das sogar noch während des letzten Produktionsjahres 1980, als viele Fans noch eins frisch vom Karmann-Band kauften (vorzugsweise in Brasilbraun-metallic) und es für ihre Töchter wegstellten.

Sein Nachfolger, das wenig charismatische Golf-Erdbeerkörbchen, wirkte auf sie wie ein Kulturschock. Auch den 02-Freunden fiel die Umstellung auf den üppigen, konsequent auf passive Sicherheit konstruierten 3er schwer. Die übermütige Leichtfüßigkeit kam dem kleinen BMW abhanden, die Übersteuerneigung wurde ihm abgewöhnt, und die auf Normalbenzin umgestellten Motoren verloren anfangs spürbar an Temperament. Ebenso war der Wandel zum W 123 eine Zäsur. Die klassische Mercedes-Linie der sechziger Jahre – geprägt von Stilist Paul Bracq –, mit den Vertikalscheinwerfern, den schmalen Dachpfosten und klar gezeichnetem Heck wich der Sicherheit suggerierenden Gigantomanie der Siebziger. Wie jeder klassische Mercedes vermittelt auch der Strichacht die Souveränität des großen Reisewagens – speziell als leistungsfähiger 280, dessen drehzahlhungriger Doppelnockenwellen-Motor den etwas rauen, zähen Lauf der kleineren Sechszylinder vergessen lässt. Selbst der Käfer blieb nicht mehr der Alte.

Käfer – Die späte Verwandlung

Verglichen mit einem VW 1500 Cabriolet von 1970 wirkt der offene Superkäfer 1303 mit seiner vollbusigen Kofferaumhaube und der gewölbten Windschutzscheibe wie Sophia Loren neben Audrey Hepburn. Auch die riesigen Rückleuchten, Elefantenfüße genannt, passten ebenso wie die bunten Farben Marinogelb, Phoenixrot oder Viperngrün zum Zeitgeist der Siebziger, der von der Pop-Art geprägt war. Der viersitzige Windjammer aus Wolfsburg mit dem aufgeschlagenen Verdeckkragen als Brüstung wirkt optisch jedenfalls deutlich präsenter als der zierliche BMW 2002. Dessen formale Harmonie fasziniert den Betrachter auf den zweiten Blick. Sein Styling, nach wie vor von Michelottis Neuer Klasse inspiriert, ist eine gelungene Mischung aus strenger Trapezform und verspielten Corvair- Elementen wie der umlaufenden Seitenwulst. Alle drei Klassiker sind als Klassiker für Einsteiger prädestiniert. Da ist es relativ egal, für welchen sich der Neuling aus Sympathie entscheidet.

Die Qual der Wahl ist bei aller Verschiedenheit durchaus denkbar, eine unberechenbare Vorliebe für jeden von ihnen lässt sich schnell entwickeln. Ein großes Angebot, die entspannte Ersatzteillage und eine zu erwartende hohe Zuverlässigkeit bieten alle drei. Außerdem muss man sich nicht wegen eines Exoten rechtfertigen. Anders als ein VW 411, ein Simca 1501 oder ein BMW 2000 CS genießt unser Trio beim Publikum, speziell bei den Frauen, eine breite Akzeptanz. Auch der Drang zum Spitzenmodell ist bei 02 und Strichacht nicht zwingend. Ein 200er tut es auch, ebenso ein BMW 1602 – der Zufall hat uns die Topstars 280 E und 2002 tii in die Hände gespielt. Nur die Diesel sind eine andere Welt, für diese Art von Biedermeier- Phlegma muss man geboren sein. Der erste Klassiker ist als Kontrast zum Alltagswagen gern ein offenes Auto. Da schlägt die Stunde des Käfers. Seine familientauglichen vier Sizte sind dabei von besonderem Charme, kein Bügel trübt das Himmelblau.

02-Welt völlig anders

Der Boxermotor rauscht mit dem Fahrtwind um die Wette, und die recht tiefe Sitzposition mit den wattierten Verdeckkissen im Rücken sorgt für eine wohlige Geborgenheit. Das Fahrgefühl im Käfer-Cabriolet ist deshalb unvergleichlich – der Mann hinter dem Steuer freut sich. Der 50 PS starke Big Block hängt gut am Gas, klingt von unten heraus angenehm sonor. Er mag gern drehen und will fleißig geschaltet werden, weil Durchzugskraft nicht gerade seine Stärke ist. Das Vierganggetriebe agiert exakt und leichtgängig. Okay, die Wege sind etwas lang, aber das ist eben Käfer-typisch. So charakteristisch wie die beim Einkuppeln schnalzende stehende Pedalerie, die etwas Gewöhnung bedingt. Das neue, von Kunststoff umschäumte Instrumentenbrett mit dem glupschigen Zyklopentacho wirkt für das übrige Auto eine Spur zu modern. Ein vom Besitzer nachgerüstetes Ölthermometer fügt sich harmonisch ein und beruhigt die Nerven.

Die neue, Raum sparende McPherson- Federbeinachse und die hintere, fast spur- und sturzkonstante Doppelgelenk-Konstruktion an Schräglenkern machen den Käfer zum souveränen Kurvenkünstler. Das Fahrwerk ist stets weit schneller als der Motor, mühelos verträgt es zwei Liter Hubraum und über 100 Tuning-PS. Das einst gefürchtete Übersteuern muss man schon durch bewusstes Anstellen provozieren. Dank der präzisen, gefühlvollen Zahnstangenlenkung aus dem Golf, die der 1303 noch auf seine alten Tage spendiert bekam, ist auch das kein Problem. Die handschuhweiche Echtleder-Ausstattung und das mit Leder bezogene Prallplattenlenkrad zaubern einen Hauch von Luxus ins opulente Cabriolet. Das steht ihm gut, ebenso wie die Farbe Cockneybraun – ein selten georderter Uni-Ton. Der Umstieg in den fjordblauen BMW 2002 tii fühlt sich an wie der harte Schnitt in einem Video Clip. Bis auf die stehenden Pedale und die Ausstellfenster neben den hier rahmenlosen Seitenscheiben ist die 02-Welt völlig anders. Der BMW spricht schon nach dem Start die Einladung aus, allein ein paar schnelle Landstraßenrunden zu drehen. Beim Käfer ist es eher der Familienausflug mit Etappenziel Eiscafé. Gierig dreht der Einspritzmotor hoch und entfacht dabei den typischen BMW-Klang. Schon ab 2000/min beißt er kräftig zu und kann bei 5000 Touren längst noch nicht genug kriegen. Dann spielt er plötzlich Alfa mit sonorem Auspuffbrummen.

Kein Landstraßenräuber und kein Boulevard-Cruiser
 
Der Fahrer muss sich zwingen, den Fjordblauen zu schonen, statt seiner Lebensfreude nachzugeben. Geradezu spielerisch lässt sich der 2002 tii schnell fahren. Die Lenkung arbeitet ausgesprochen direkt. Die Fahrwerksauslegung mit leichter Übersteuerneigung gibt sich sehr kurvenfreudig. Manches Mal wünscht man sich ein Fünfganggetriebe – als ob Colorglas, Metalliclack, Alu-Räder, Schiebedach und ein Becker GP-Radio für einen 02 nicht schon opulent genug wären. Vorbildlich exakt und präzise lassen sich die Gänge sortieren. Aber weil 120 km/h bereits bei 4000/min anliegen, wäre ein Fünfter eben doch wünschenswert. Auch deshalb, um in den Haarnadelkurven der Alb zwischen Stufe zwei und drei schnell zu wechseln. Selten war die Freude am Fahren so ursprünglich wie in diesem 02. Er gibt sich keineswegs kleinwagenhaft, wie befürchtet, sondern verströmt die Selbstsicherheit eines kompakten Luxusautos. „Format ist eben keine Frage von Größe“, kommentierte treffend eine BMW-Anzeige von 1975. Und stellte im Übrigen „eine Verwandtschaft ersten Grades“ zwischen der 02er-Baureihe und den großen fahrerorientierten Sechszylinder- Limousinen E3, sprich 2500 bis 3.0 Si, fest. Genau diesen sollte der 280 E ab 1972 Konkurrenz machen – mit „überlegener Leistung und einem komfortablen Scherheitsfahrwerk mit hohen Reserven“, wie die Werbe-Replik von Daimler-Benz lautete.

Der 280 E mit Viergang-Automatik und um die Mittellage etwas indifferenter Servolenkung ist kein Landstraßenräuber wie der 02 und ebenso wenig ein Boulevard-Cruiser wie das Käfer Cabriolet. Der Mercedes ist die richtige Wahl, wenn man spontan morgens um fünf mit ein paar Freunden von München nach Wien fahren will. Auch heute noch. Solch ernste Aufgaben bewältigt er mit Bravour. Der Innenraum gibt sich gemütlich wie ein Wohnzimmer, die Sorgen bleiben spätestens dann zurück, wenn die Fondtüren satt ins Schloss fallen. Das Raumgefühl ist licht und üppig, der Stern auf der Motorhaube trägt einen überall hin, so lange Benzin im 78-Liter-Tank ist. Selbst Regen wird plötzlich schön, weil der langsame Takt der Schmetterlingswischer so beruhigend wirkt. Strichacht Fahren sollte es auf Rezept geben, gegen Nervosität. Wer jetzt noch unentschlossen ist und sich zwischen diesen drei völlig verschiedenen Autos nicht entscheiden kann, wird wohl feststellen, dass sie sich doch relativ ähnlich sind. Auf eine ganz bestimmte Art.

Technische Daten
BMW 2002 tiiMercedes 280 CEVW Käfer 1303 Cabriolet
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4230 x 1590 x 1410 mm4680 x 1790 x 1395 mm4080 x 1685 x 1500 mm
Hubraum / Motor1990 cm³ / 4-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit190 km/h200 km/h135 km/h
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