Nissan 370Z im Fahrbericht: Neues Sportcoupé mit 331 PS

Erstmals stand mit dem Nissan 370Z der Nachfolger des Nissan 350Z zu einem Probegalopp zur Verfügung. Mehr Leistung, weniger Gewicht und eine kompaktere Karosserie machen Hoffnung auf eine Extraportion Fahrspaß

Die Tachonadel hängt bei 100 km/h, die nächste Kurve naht. Der Nissan 370Z-Fahrer hält wacker drauf zu. Anbremsen, herunterschalten in den dritten Gang mit einer wohldosierten Prise Zwischengas, einlenken, früh wieder beschleunigen.

Der Nissan 370Z spendiert Zwischengas aus dem Rechner

Zwischengas? Der Pilot wundert sich. Die Prozedur wird aber schnell klar: Trotz der für die Hacke-Spitze-Technik günstigen Schuhgröße 46 und halbwegs sportlicher Gangart kann es nicht der Fahrer sein, der immer zum richtigen Zeitpunkt kurz vor dem Einkuppeln den 331 PS starken V6 mit einem Spritzer Gas bei Laune hält.

Es ist der natürliche Spieltrieb der Japaner, der jeden 370Z-Eigner auf Wunsch zum versierten Sportpiloten mutieren lässt. In der Version mit manuellem Sechsganggetriebe sorgt die S-Taste neben dem Schalthebel nicht nur für ein noch gierigeres Ansprechverhalten des 3,7-Liter-Triebwerks, sondern zugleich für die Zwischengas-Show. Werden nämlich Kupplung und Schalthebel betätigt, steuert der 370Z-Motor eine Zieldrehzahl an, die sich aus der Geschwindigkeit und dem neu eingelegten Gang errechnet. Daran kann das System auch erkennen, ob eine Kurve angebremst oder auf eine Gerade beschleunigt wird. Synchro Rev Control, kurz SRC, nennt Nissan dieses Gimmick.

Mehr Leistung für den 370Z

Doch nicht nur SRC hilft dem Nissan-Piloten, sich zwischen Bad Tölz und Bad Wiessee wie zwischen Bergwerk und Brünnchen zu fühlen. Bereits die Eckdaten lassen zu Helm und Handschuhen greifen: Eine gegenüber dem Vorgänger kompaktere und 32 Kilogramm leichtere Karosserie, ein um 18 PS stärkerer Motor mit variablem Ventilhub statt Drosselklappe sowie Heckantrieb - das alles klingt nach einer Herausforderung für den Fahrer.

Wie befürchtet fordert die Kupplung schon beim Starten eine trainierte Wadenmuskulatur. Glücklicherweise erspart das serienmäßige Zugangssystem des Nissan 370Z das fummelige Einführen eines Schlüssels in einen Schlitz. Ein Druck auf den Startknopf, und der Sechszylinder-Sauger bellt los. Der erste Gang will wie gehabt mit Nachdruck eingelegt sein, aber die Wege sind kurz und die Anschlüsse passend. Schaltmuffel können als eine der wenigen Optionen ein Automatikgetriebe ordern, diesmal mit sieben Stufen.

Unter den lauten Abrollgeräuschen der optionalen 19-Zoll-Räder mit Bridgestone RE050-Bereifung auf spektakulären Rays-Leichtmetallfelgen setzt sich der Z in Bewegung. Überhaupt das Z: Der letzte Buchstabe des Alphabets präsentiert sich so dominant wie noch nie. Nicht nur groß auf der Lenkradnabe und etwas kleiner an den Vorderkotflügeln, auch die Scheinwerfer und Heckleuchten bekamen einen Schwung verpasst, als habe ihn Zorro persönlich mit seinem Degen geschlitzt.

Der Nissan 370Z stürmt in 5,3 Sekunden auf 100 km/h

Gibt der rechte Fuß den Befehl zum Angriff, soll der Spurt von null auf 100 km/h in 5,3 Sekunden erledigt sein. Ebenso beeindruckend wie dieser Wert ist der vielschichtige Klang, den der V6 zusammen mit der neu entwickelten, gegenüber dem Vorgänger gewichtsreduzierten Auspuffanlage seiner Umwelt aufzwingt. Mit dem tiefen Brummen eines gurgelnden Walrosses bei niedrigen Drehzahlen bis zum Brüllen eines heiseren Löwen beim Ausdrehen imitiert der 370Z das Tierreich. Zumindest bis eine rote Lampe im zentralen Drehzahlmesser und spätestens bei 7.500/min der Begrenzer zum Hochschalten mahnt.

Der 370Z bietet Sportwagenfahrdynamik für unter 40.000 Euro

Die erste schnelle Kurve naht, in der die Sportsitze Unterstützung und guten Seitenhalt geben. Doch bis man eine optimale Position im Cockpit des Nissan 370Z gefunden hat, dauert es - zum einen wegen der umständlichen Sitzverstellung, zum anderen, weil das Sportlenkrad nur in der Höhe, dann aber mitsamt Drehzahlmesser, Tacho und Bordcomputer verstellt werden kann. Die drei Zusatzinstrumente informieren über Batteriespannung, Öltemperatur und Zeit.

Blick zurück nach links auf den Tacho, 100 km/h stehen an. Anpeilen der nächsten Kurve, eine enge Links. Anbremsen, herunterschalten und - Showtime - Zwischengas geben. So laut und unkomfortabel die Bereifung auch sein mag, dem Einlenkverhalten und der Agilität ist sie sehr zuträglich. Beim Herausbeschleunigen aus den Kehren flackert verdächtig oft die Warnlampe der Traktionskontrolle, doch das Heck des Nissan 370Z zuckt kaum. Schließlich hilft der Elektronik ein Lamellen-Sperrdifferenzial. Klassische Sportwagen-Technik also, gewürzt mit Spielzeugen aus dem Reich der Bits und Bytes. Das alles für deutlich unter 40.000 Euro. Der Fahrer freut sich. Und peilt mit dem Nissan 370Z die nächste Kurve an. 

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Jens Dralle

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