Im Herz, das ein Motor ist, steckt – soviel unterscheidet einen Alfa von menschlichen Romeos – auch die Seele dieser Marke. Der Seele des sportlichsten Alfa drohte Ungemach, noch dazu aus dem eigenen Haus. Kaum muß sich Alfa aus dem großen Rennsport des Internationalen-Touren- Wagen Cups zurückziehen, schon schickt sich das ebenfalls aufregend gestylte, rund 50 000 Mark teure Fiat Coupé mit dem neuem 220 PS starken 20 V-Turbomotor an, mit den Fahrleistungen eines reinrassigen Sportwagens an traditionellen Hierarchien zu rütteln. Die Vierventilversion des Dreiliter- V6-Motors, bisher dem Prestigeobjekt Alfa 164 Q4 vorbehalten, soll deshalb ab Januar dafür sorgen, daß die Typenbezeichnung GTV – Gran Turismo Veloce – am Heck immer noch gilt: Der knapp unter 60 000 Mark teure GTV V6 24 V erreicht laut Werksangaben über 240 km/h Höchst- geschwindigkeit, und er beschleunigt in 6,7 Sekunden von null auf 100 km/h.
Der V6, seit Anfang 1988 mit 2959 cm3 und 60 Grad Zylinderwinkel für Alfas guten Ruf in der Sechszylinderbranche zuständig, leistet im GTV 220 PS bei 6300/min auf jene betont spielerische Art, die aus dem 4,28 Meter langen 2+2-Sitzer ein Spielzeug für Erwachsene macht. Drehfreudig bis zum bei 7000/min beginnenden roten Bereich, gleichzeitig durchzugsstark ab 2000/min, zwingt die Laufkultur des V6 24 V niemandem jene berufsjugendliche Hektik und Nervosität auf, die Fahrern von roten Alfa-Sportwagen oft als serienmäßiger Gemütszustand unterstellt wird. Das Fahrwerk des Fronttrieblers erweckt den Eindruck, die Stärken munter galoppierender Pferde ebenso fest im Griff zu haben wie ein britischer Meister-Jockey. Die Abstimmung der Stoßdämpfer wurde geändert, hinten werden Federn mit neuer progressiver Kennlinie verwendet. Die Hinterradaufhängung mit oberen Dreieckslenkern und unteren Doppellenkern bekam Uniball- Gelenke, neue Gummilager und eine neue Auslegung, die Spurveränderungen verringert. Dementsprechend wurde auch die Geometrie der McPherson-Vorderachse geändert. Im Vertrauen auf diese Fahrwerksmodifikationen und im Geiste Tazio Nuvolaris, der dem durchdrehenden Rad stets den Vorzug vor dem gebremsten gab, verzichtet Alfa auf eine elektronische Antriebsschlupfregelung.
Zumindest auf trockener Straße scheint sich zu bestätigen, daß der Fahrer nicht nur das Volant, sondern auch Lenk- und Antriebskräfte im Griff hat. Alfa-Experten erkennen den GTV 3.0 V6 24 V nicht nur an den vielen V in der Typenbezeichnung, sondern auch am schlanken Kranz des neuen Lenkrads. Sonst ist der Dreiliter-Vierventiler unter den Alfa-Coupés auch an den neuen Bremssätteln zu erkennen, die vorn geradezu unverschämt rot durch die 16 Zoll-Leichtmetallfelgen blitzen. Und weil Alfa auch unter Fiat Alfa bleibt, kommt im GTV nun schon die dritte Vierventilvariante des Dreiliter-V6 zum Einsatz. Der Alfa 164 leistet sich bereits einen 3.0 V6 24 V mit entweder 210 oder 232 PS Leistung. Aber nur die neue 220 PS starke Version würde laut Alfa mit Aerodynamik und Fahrwerk des GTV ebenso harmonieren wie Romeo mit Julia. Der neue GTV soll in Deutschland ab Mitte Januar im Handel sein.






