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Fahrbericht BMW Z3

Roadster mit BMW-typischer Dynamik

So exotisch die Herkunft, so bayerisch das Produkt: Der nur im US-Bundesstaat South Carolina gefertigte Z3 unterstreicht die Erfahrung der Marke im Bau offener Autos - ein erstklassiger Roadster mit BMW-typischer Dynamik zu einem günstigen Einstandspreis von 43.700 Mark.

02.04.1995

Uncle Sam macht’s möglich: Ausgerechnet die Bayerischen Motoren Werke, die selbstbewusst stets den Einklang zwischen hochwertigem und hochpreisigem Produkt fanden, lancieren ein Auto mit einem aggressiven Preis. Der in Spartanburg im amerikanischen Bundesstaat South Carolina gebaute und von dort in alle Welt vertriebene Roadster Z3 kostet in der Basisversion 43 700 Mark – inklusive einer berückenden Optik und aller Anstrengungen, die BMW für sich in Fragen der Verarbeitungsqualität, Fahrdynamik und Sicherheit zum Standard erhoben hat. Bei diesem günstigen Preis, der allen Mazda MX-5, Fiat Barchetta oder Alfa Spider empfindlichen Käuferschwund bescheren dürfte, entstehen aber auch wieder einmal ernsthafte Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit des Produktionsstandorts Deutschland. „Im Werk Dingolfing wäre ein Z3 zu diesem Geld nicht herstellbar“, bekräftigt BMW-Entwicklungschef Wolfgang Reitzle die einzigartige Stellung des amerikanischen Werks in Spartanburg, das überdies für weitere expansive Produktionspläne von BMW eine Pilotfunktion erfüllt.

Das Label Made in Germany erhält zunehmend Risse. Reitzle: „Dem Z3 entsteht im weltweiten Vertrieb kein Nachteil daraus, dass er in den Vereinigten Staaten gebaut wird. Unsere Kunden vertrauen dem Ruf der Marke BMW und darauf, dass wir an allen Standorten dieser Welt dasselbe Qualitätsniveau durchsetzen wie in deutschen Werken.“ Schlanker Preis, schlanke Entwicklung: Der BMW Z3 wurde in neuer Rekordzeit zur Fließbandreife gebracht. Von der Design-Verabschiedung bis zum Serienanlauf vergingen nur 34 Monate, mithin „eineinhalb Jahre weniger Entwicklungsvorlauf als bei jedem anderen BMW-Modell zuvor“, betont Chefvordenker Reitzle. Der Z3 wird bei BMW als ein Auto der etwas anderen Art empfunden, das den High Tech- Pfad der übrigen Modellreihen verlässt und Innovation durch Emotion ersetzt. Ein klassischer Roadster eben, der vom Verzicht auf Entbehrliches eine Brücke schlagen soll zu einer BMW eigenen Tradition namens 328 und 507. Ein Alu-Fahrwerk wie beim neuen Fünfer? Weit gefehlt – der Zweisitzer besitzt konventionelle Aufhängungen mit der Schräglenker-Hinterachse des Dreier Compact, einem Derivat des ersten BMW M3.

Navigationssysteme wie beim neuen Siebener? Keine Spur, schließlich ist der Horizont im rundum offenen Z3 breit genug, sich am Stand der Sonne oder der Sterne zu orientieren. Doch schon beim knapp geschnittenen, ungefütterten und manuell zu betätigenden Verdeck- Käppi kommen sanft die Ansprüche eines Zeitgeists zum Vorschein, dem ein elektrischer Schließmechanismus unentbehrlich erscheint. So enthält das Handbuch der Z3 schon heute Hinweise auf die Bedienungsanleitung eines elektrischen Verdecks, das im Herbst nächsten Jahres zusammen mit einem Hardtop ins Optionsangebot aufgenommen werden soll. Obwohl Entwicklungschef Wolfgang Reitzle schon Maß genommen und entdeckt hat, dass „für einen Sechszylinder durchaus Platz wäre, falls der Markt dies verlangt“, wird die geplante Jahresproduktion zwischen 20 000 und 30 000 Autos, die zur Hälfte in den USA verkauft werden sollen, jedenfalls mit Vierzylindermotoren ausgeliefert.

Als Basis-Antrieb sitzt unter der elegant geschwungenen Motorhaube der 115 PS starke Zweiventiler mit 1,8 Liter Hubraum aus dem 318i, während die vorläufige Speerspitze ein in weiten Teilen überarbeiteter 318is-Vierventiler mit auf 1,9 Liter erhöhtem Hubraum, aber gleicher Leistung von 140 PS bildet. Der mit einigen Extras ab Werk besser ausgestattete Z3 1.9 kostet in der Grundversion 48 700 Mark. Die Botschaft von einem properen Neuzeit-Roadster übermittelt der Z3 ohne Verlust der Markenidentität. Die seitlichen Lufteinlässe verteilen Honneurs an den BMW 507, der schnittige Keil auf der Motorhaube samt der typischen BMW-Niere entspricht der Formensprache von Dreier und Fünfer. Auch die Architektur des Innenraums läßt keinen Zweifel aufkommen, in einem BMW zu fahren.

Die Drehschalter für Heizung und Lüftung, die Rundinstrumente in einer sanft geschwungenen Einfassung, ein griffiges Lenkrad – alles im Stil des Hauses und höchst funktionell. Eine Neuentwicklung sind die beiden Sitze, die in der Höhe und längs elektrisch verstellbar sind. Sie besitzen integrierte Kopfstützen und können gegen Aufpreis mit Lederbezug und Sitzheizung geordert werden. Das Fauteuil auf der Beifahrerseite ist im übrigen mit einer Sitzbelegungs-Erkennung ausgestattet, um ein Auslösen des davor liegenden Airbags bei Solofahrt zu verhindern. Die beiden Airbags des BMW Roadsters gehören ebenso zur Serienausstattung wie Antiblockiersystem und Servolenkung. Besonders auch BMW hat im Handel mit Optionen immer gutes Geld verdient, deshalb gibt es natürlich wieder ein breitgefächertes Angebot zur weitergehenden Aufwertung des Z3. Die Liste der Extras ist lang und umfasst Bekanntes wie elektrische Fensterheber, Klimaanlage und Leichtmetallfelgen, aber auch Roadster-Spezialitäten wie ein Windschott und einen Heckklappen- Gepäckträger. Ein Aerodynamikpaket mit Front- und Heckspoilern sowie Seitenschwellern war wohl unvermeidlich, ebenso ein Optik-Set, bei dem die Einfassungen der Instrumente, die A-Säulen, der Lichtschalter und die Türgriffe mit Chrom-Überzug glänzen. Auch Fahrdynamik lässt sich individuell gestalten.

Statt der Fünfgang-Handschaltung hält BMW – vor allem für die US-Kundschaft – auch eine Viergangautomatik bereit oder die Antriebsschlupf-Kontrolle ASC+T. Behende wie ein Kart, kurvengierig und agil sei sein jüngstes Produkt, verrät der sonst betont distanziert formulierende Reitzle über seine eigenen Fahreindrücke. Breite Spurweiten, langer Radstand, eine Gewichtsverteilung von annähernd 50 zu 50 Prozent und der tiefe Schwerpunkt seien die Mittel gewesen, diesen BMW noch um einen Deut dynamischer zu gestalten als die Limousinen. Mit einer Länge von 4,02 Metern ist der Z3 auch 20 Zentimeter kürzer als ein BMW Compact, besitzt einen Radstand von 2,45 Metern und 1,43 Meter breite Spurweiten. Da zudem die Servolenkung aus dem Compact noch um eine Spur direkter gewählt wurde, stellt sich der Z3 als äußerst begabter Kurvengänger dar.

Dies nicht nur auf glatter Fahrbahn, sondern auch über rauhen Asphalt, wo Autos seiner Gattung oft das Fahrwerkszittern befällt. Nicht so der BMW: Die Karosserie hinterlässt einen überaus steifen Eindruck, wohl mit ein Verdienst des üppig dimensionierten Frontscheibenrahmens. Die Abstimmung des Fahrwerks ist sportwagentypisch straff, dem Z3 wurde aber ausreichend Komfort bewahrt, auch auf schlechten Pisten kommt er nicht an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit seiner Federung. Bei einem Fahrzeuggewicht von 1175 Kilogramm erweist sich der 140 PS starke 1,9 Liter- Vierventiler wohl als beste Wahl für künftige Z3-Fahrer, die sich ab und zu daran erinnern wollen, dass Roadster früher die Sportwagen par excellence waren. Immerhin soll der so motorisierte Z3 eine Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h erreichen.

Doch der Vierzylinder beherrscht auch die Tugenden gemächlichen Reisens ausgezeichnet und kann schaltfaul in großen Gängen gefahren werden – obwohl die Arbeit in den Schaltebenen des Fünfganggetriebes höchstes Vergnügen bereitet: kurz die Wege, exakt die Rastung. Trotz eines nominell um 25 Kilo niedrigeren Gewichts ist der 115 PS-Motor eher ein Antrieb für den Grandseigneur am Volant, der beschaulichen Genuss des Offenfahrens bevorzugt. Die Talente des offenen Z3 werden durch nichts beeinträchtigt. Ein wahrer Roadster kommt hier ab März 1996 auf Deutschlands Straßen, mit soviel Sturm im Cockpit wie es Windschott, Seitenscheiben oder die Frisur der Begleiterin zulassen, und mit einem Verdeckmechanismus, der in Sekundenschnelle den Open-air- Auftritt in traute Zweisamkeit umkehrt.

Bis etwa 140 km/h lässt das dünne Verdeck auch Unterhaltungen in gesitteter Lautstärke zu. Natürlich wird es vom Z3 auch eine sportive Version der M GmbH geben, und ebenso denkt BMW darüber nach, von diesem Roadster ein kleines Coupé abzuleiten. Der neue Roadster hinterlässt aber schon jetzt einen so vorzüglichen Eindruck, dass BMW die Philosophie des Z3 nicht aus den Augen verlieren sollte: Dieses Auto lebt vom Verzicht auf Entbehrliches.

Technische Daten
BMW Z3 1.8
Grundpreis22.752 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4025 x 1692 x 1288 mm
KofferraumvolumenVDA180 L
Hubraum / Motor1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung85 kW / 115 PS (168 Nm)
Höchstgeschwindigkeit194 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,5 s
Verbrauch7,7 L/100 km
Testverbrauch9,0 L/100 km
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