An verwindungssteifen Ideen mit atemberaubenden Fahrleistungen hat es Ferrari noch nie gefehlt. Die Autos aus Maranello erwiesen sich oft als zierlich zusammengefügte Träume von Kraft und Herrlichkeit, eingebettet in das Kunsthandwerk ihrer malerisch eleganten oder bizarr funktionellen Karosserien. Und sie forderten ihren Tribut: Schnell gefahren, ließen sie ihre Fahrer oft in einem Maße leiden, das den imaginären Rahmenbedingungen zur Anerkennung als Legende Genüge tat. Der offene Zweisitzer mit der Modellbezeichnung F 50, den Ferrari jetzt gewissermaßen als selbstgemachtes Geburtstagsgeschenk zur Feier von fünf Jahrzehnten Renn- und Sportwagenbau 349 mal produzieren will, läßt sich mit diesem Maßstab jedoch nicht mehr messen. Er ist den bisher im Hause gehegten Werten eine Runde voraus und wird damit zu einem in den Farben Rennrot, Dunkelrot, Gelb, Schwarz und Nürburgring-Grau lieferbaren neuen Meilenstein der Firmengeschichte.
Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo verspricht als Gegenwert für den Europapreis von 350 000 ECU plus landesüblicher Steuern – nach derzeitigem Kurs rund 750 000 Mark – nicht nur den gewaltigsten Ferrari der Firmengeschichte mit 325 km/h Höchstgeschwindigkeit, sondern auch ein angenehm zu fahrendes Auto; keinen heulenden Derwisch, der seine erschreckten messer bei Sonnenschein gern den Blicken des Piloten entzieht. Der Fahrer hat ohnehin alle Hände voll mit Hochschalten zu tun. Das ist im F 50 eine Lust: Trotz des langen, mit vier Gelenken versehenen Schaltgestänges läßt sich das Getriebe so präzise bedienen, daß ihm schon fast ein Lob als Selbstwähldienst gebührt.



