Fahrbericht Fiat Multipla

Die Frage der Filmregisseurin Doris Dörrie ist beim Multipla eindeutig beantwortet. Der neue Minivan von Fiat verzichtet freiwillig auf äußere Attraktivität und ist als Sechssitzer mit variablem Innenraum trotzdem äußerst attraktiv.

Noch nie war es so einfach, ein Auto häßlich zu finden, auch wenn das höflichkeitshalber gerne mit „ungewöhnlich“, „seltsam“, „gewöhnungsbedürftig“ umschrieben wird. Der Multipla ist der gelungene Beweis, daß Design aus Italien nicht automatisch die Kurve zu zeitloser Schönheit kriegt. Allerdings ist er nicht Dokument einer akuten geschmacklichen Indisposition, sondern die bewußt geformte Antithese zur Bella Macchina- Kultur.

Der Multipla wirkt optisch wie die Kreuzung einer Seilbahnkabine und einer breiten, flachen Wanne. Die unmittelbaren Berührungsstellen wurde vorne mit einer Bandage kaschiert. Für jedes Argument notorisch italophiler Schöngeister haben die Marketing- und Design- Verantwortlichen selbstverständlich die entsprechende Antwort parat. Aber muß man sich, bei allem Verständnis für schnörkellose Funktionalität und Moduldesign, von drei Scheinwerferpaaren anglotzen lassen wie von einem sechsäugigen Alien, wenn man auf den Fiat Multipla zugeht? Man muß. Aber bevor die Nebelscheinwerfer in den Stoßfängern, die Abblendlichter in der Motorhaube und das Fernlicht in jenem Bauchwickel, der die Gürtellinie ersetzt, vielleicht auch noch zu schielen beginnen, sollte man sich dorthin zurückziehen, wo das Äußere tatsächlich bloß eine Äußerlichkeit ist, die draußen bleibt.

Nach innen. Kaum ist die Karosserie nämlich aus dem Blickfeld, glänzt der Multipla mit einer Raumaufteilung, die ebenso revolutionär ist wie die Vierer- Abwehrkette im Libero-orientierten deutschen Fußballsystem. Die Entscheidung zur Design- Provokation im Punk-Stil ist bedenklich, weil das Konzept des Multipla im krassen Gegensatz dazu steht. Der 3,99 Meter lange Fronttriebler verbindet die Idee des Mini-Busses mit den Anforderungen des Nutzfahrzeugs und der Variabilität eines Freizeitmobils zu einer Tris – einer Dreierkombination italienischer Pasta-Spezialitäten –, deren fein abgestimmte Würze ein kräftiges Gesamtaroma ergibt. In die Kabine passen sechs Personen auf zwei Sitzreihen. 

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Eckhard Eybl

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