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Fahrbericht Ford Explorer Platinum 3.5 V6 4WD

Das ist der Golf unter den US-SUV

Ford Explorer 3.5 V6 4WD Platinum, Fahrbericht, SUV, USA, 01/2016 Foto: Ford USA 14 Bilder

Seit 25 Jahren führt der Ford Explorer die SUV-Zulassungsstatistik in den USA an. Wie fährt sich Bestseller mit 365 PS starkem Biturbo-V6-Triebwerk?

01/14/2016 Jens Dralle Powered by

Unendliche Weiten. So wirkt es zumindest, wenn du, gerade auf den Fahrersitz des Ford Explorers geklettert bist und nach hinten blickst. Viel Platz für vier weitere Sitze, in zwei Reihen angeordnet – und sogar noch Raum fürs Gepäck, umgerechnet 590 Liter. Wirklich? Schon möglich, denn dort, wo sonst die elektrisch versenkbaren Sitze ruhen, gähnt eine tiefe Mulde. Doch zurück hinters Lenkrad.

Statt amerikanischem Barock fanden die Designer offenbar, dass eine schlichte, fließende, moderne Formensprache auch dem US-Publikum gefallen muss. In der Platinium-Variante pusten einige Applikationen in Edelholz-Optik noch etwas konservativen Staub ins Cockpit. Wem das nicht gefällt, der sollte zur kühleren Sport-Variante greifen.

Deren Ausstattung fällt allerdings weniger üppig aus, denn im 55.355 Dollar teuren Testwagen steckte alles, wirklich alles, so wie die angesprochene Sitzkonfiguration, ein Panorama-Glasdach, ein 500 Watt-Audiosystem, Navigation und 20-Zoll-Räder.

Ford Explorer 3.5 V6 4WD Platinum, Fahrbericht, SUV, USA, 01/2016Foto: Ford USA
Konservativ: Das Cockpit mit Wurzelholzeinlagen und cremigen Sitzen.

Ford Explorer 3.5 V6 4WD mit ruppiger Federung

Die großen Räder sorgen wohl auch für den überraschend herben Abrollkomfort, der bereits auf den ersten Metern auffällt. Das Fahrwerk selbst nämlich bietet modernen Standard weit ab jeglicher Starrachsen-Blattfeder-Planwagen-Folklore: McPherson-Federbeine vorne, eine Mehrlenker-Achse hinten, jeweils mit Stabilisatoren bestückt. Doch immer mal wieder teilt die Konstruktion beim Überfahren gröberer Unebenheiten heftige Stöße aus. Adaptive Dämpfer? Luftfederung?

Nein, so üppig ist die Ausstattung dann doch wieder nicht. Besser gesagt: Es gibt weder das eine noch das andere für den Explorer.

Der ist auf seinem Heimatmarkt trotz 5,04 Meter Länge eher im mittleren Segment angesiedelt, muss daher auf ein anderes Preisniveau kommen als beispielsweise Audi Q7 und BMW X5. Jedenfalls wiegt der mäßige Federungskomfort deshalb so schwer, weil man sich sonst gerne an den Explorer gewöhnen mag.

Ford Explorer 3.5 V6 4WD Platinum, Fahrbericht, SUV, USA, 01/2016Foto: Ford USA
Unendliche Weiten: Der Kofferraum bietet im Normalfall bis zu 590 Liter Volumen.

Endlich mit Turbopower!

Die Sechsstufen-Automatik lässt den V6-Motor gerne knapp über 2.000 Umdrehungen herumbummeln, sein maximales Drehmoment von 474 Newtonmeter entwickelt er bei Biturbo-untypisch hohen 3.500/min. Dennoch wirkt das 3,5-Liter-Aggregat durchzugsstark, lässt sich nicht so schnell von 2,2 Tonnen Masse beeindrucken, und klingt selbst beim Ausdrehen eher tief-kernig als dröhnig.

Ein souveräner Antrieb also, der seine Kraft über einen elektronisch geregelten Allradantrieb in beste Traktion umwandelt. Über einen Drehschalter auf der Mittelkonsole lassen fünf Modi wählen: Normal, Schnee, Matsch, Sand und Berge. Dabei passt sich auch die Charakteristik des Antriebs den Bedingungen an. Von Sport ist hier nirgendwo die Rede, was zugleich auch den Fahreindruck prägt, denn trotz des wuchtigen Motors fährt der Explorer geradeaus am lässigsten.

Ford Explorer mit unpräziser Lenkung

Und in Kurven? Hier stören eigentlich weniger die Seitenneigung oder die Tatsache, dass der schwere SUV erwartungsgemäß untersteuert, sondern vielmehr die etwas vage Lenkung. Na ja, und eigentlich auch der mäßige Seitenhalt der bequem gepolsterten Sitze. Wenn jedoch die Lieblingsmusik aus dem Soundsystem drückt, das Navigationssystem mit klarer Kartendarstellung zuverlässig den Weg weist und frische Luft aus dem geöffneten Panoramadach den Innenraum flutet, rückt das tantige Handling in den Hintergrund.

Ein Abstandsregeltempomat erleichtert das Mitschwimmen auf dem Highway, eine Kühlergrilljalousie und Air Curtains sollen jetzt den Verbrauch senken. Den gibt Ford mit 10,7 Litern an – auf dem Highway, was dem europäischen Landstraßenverbrauch nahe kommen dürfte. Innerstädtisch steigt der Benzinkonsum laut Hersteller auf 14,7 Liter an.

Ford Explorer 3.5 V6 4WD Platinum, Fahrbericht, SUV, USA, 01/2016Foto: Ford USA
Zu groß: Der Explorer kommt nicht nach Europa. Einen adäquaten Diesel gäbe es sowieso nicht.

Ford Explorer kommt nicht zu uns

Ansonsten wirft der Explorer noch einen Einparkassistenten, Front- und Rückkamera inklusive Reinigungsanlage sowie Spurhalte-, Totwinkel- und Querverkehrassistent in die Waagschale. Platz genug dafür hat er ja. Und tatsächlich auch für sechs handelsübliche Erwachsene. Den Platz allerdings, den dieser SUV benötigt, kann ihm das enge Europa nicht bieten. Und Ford möglichen Kunden keinen entsprechenden Dieselmotor. Deshalb bleibt der Explorer den unendlichen Weiten der USA vorbehalten.

Schade eigentlich, denn mit dem Saug-V6 gibt es den geräumigen 6-Sitzer in den USA bereits ab umgerechnet rund 27.500 Euro. Ein Touran 1,4 TSI kostet 30.000 Euro.

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