Fahrbericht Hyundai ix55 3.0 V6 CRDi : Neuer Siebensitzer-Oberklasse-SUV mit V6-Dieselmotor

Hyundai ix55

Hyundai adaptiert seinen US-SUV Veracruz als ix55 für Europa. Gänzlich neu im Premium-SUV ist dabei ein drei Liter großer, kultivierter V6-Dieselmotor mit 239 PS. 

Das hat den Koreanern gerade noch gefehlt: ein Premium-SUV mit kultiviertem V6-Diesel. Voilá, da ist er. Ab Mitte Mai grummelt der iX55 3.0 V6 CRDi als Ableger des aus Nordamerika und Korea bekannten Veracruz über deutsche Straßen.

Diesel statt Benziner

Zuerst musste aber dessen 3,8-Liter-Benziner raus. Seinen Platz nimmt ein Dreiliter-Diesel ein, Premiere bei den Koreanern. Der V6 orientiert sich klar an der europäischen Konkurrenz, schließlich stammt er aus dem konzerneigenen Dieselkompetenzzentrum in Rüsselsheim. Mit Common-Rail-Einspritzung samt Piezo-Injektoren und einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie sowie 239 PS nebst 451 Newtonmetern Drehmoment besitzt er die wesentlichen Merkmale zeitgenössischer Selbstzünder.

Lernfähiges Automatikgetriebe

Ebenfalls Genre üblich: sein Sechsstufen-Automatikgetriebe, das sich dem Fahrstil anpasst - nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis. Manchmal sogar etwas zu eifrig, etwa wenn es nach einem zügigen Überholmanöver unnötig lange hohe Drehzahlen verordnet oder im Stadtverkehr nach Zwischenspurts etwas unschlüssig die Stufen wechselt. Insgesamt harmoniert der Automat mit seiner tendenziell weichen Wandlerauslegung und den sanften Schaltvorgängen dennoch sauber mit dem quer eingebauten V6-CRDi. Der entfaltet seine Kraft entspannt und gleichmäßig, verkneift sich Drehmoment-Drohgebärden, bleibt akustisch weitgehend im Hintergrund.

Üppige Zuladung möglich

Speziell bei hohen Tempi - der Hyundai ix55 3.0 V6 CRDi wird bei 200 km/h abgeregelt - tritt der Motorsound hinter die Windgeräusche zurück. Im Normalfall lässt der Dreiliter seine Kraft ausschließlich auf die Vorderräder los, erst bei Schlupf greift die elektromagnetisch betätigte Mehrscheibenkupplung des so genannten Interactive Torque Management ein und leitet bis zu 50 Prozent des Moments Richtung Hinterachse. Per Knopfdruck lässt sich dieser Kraftschluss auch permanent zuschalten, allerdings nur bis zu einem Tempo von 38 km/h. Sinnvoll etwa beim Rangieren schwerer Lasten, von denen der ix55 bis zu 2.500 Kilogramm an den Haken nehmen darf (bis acht Prozent Steigung sind es sogar 3.200 Kilogramm.

Abgeleitetes Santa Fe-Fahrwerk

Andererseits scheut er auch vor zügiger Fahrweise nicht zurück, profitiert dabei von der europäisch geprägten Abstimmung von Fahrwerk, Lenkung und Bremsen, die ebenfalls aus Rüsselsheim stammt. So arbeitet die Lenkung nicht zu leichtgängig, bietet aus der Mittellage genug Gefühl für präzise Manöver, ohne nervös zu wirken. Das vom 16 Zentimeter kürzeren Hyundai Santa Fe abgeleitete Fahrwerk mit Multilenker-Hinterachse offenbart ebenfalls einen europäisch geprägten Charakter. So unterbindet die straffe Abstimmung zwar störende Wank-und Schaukelbewegungen, im Gegenzug dringen die Stöße miserabler Fahrbahnoberflächen etwa auf Flickstellen oder Kopfsteinpflaster kaum gefiltert zu den Passagieren durch.

Einfache Bedienung und ordentlicher Sitzkomfort

Diese logieren in der Premium-Version des 4,84 Meter langen 2,3-Tonners auf knackig gepolsterten Ledersitzen und registrieren neben einfacher Bedienung einen ordentlichen Sitzkomfort sowie saubere Verarbeitung. Exakte Spaltmaße und metallisch anmutenden Applikationen zeugen vom Bemühen um standesgemäßes Ambiente, selbst wenn die etablierte Oberklasse-Riege um BMW X5, Mercedes ML und Co. noch eine Portion mehr Finesse bietet.

Sieben Sitze und günstiger Preis

Dafür tunnelt der Hyundai ix55 den Einstandspreis der SUV-Platzhirsche um rund 10.000 Euro. So kostet die Basisversion (Comfort) inklusive Zweizonen-Klimaautomatik und Infinity-Stereoanlage samt i-Pod-Anschluss 42.290 Euro. Feudal wird es im Premium für 46.990 Euro. Hier öffnet die Heckklappe auf Knopfdruck elektrisch, strahlt Xenonlicht und spannt sich Leder über die sieben Sitze. Sieben? Genau, unterm Gepäckraumboden lauern serienmäßig zwei Extra-Plätze, die sich nach Zug am Griff leichtgängig auffalten. Der Zustieg nach ganz hinten gelingt wegen der nach vorne gleitenden Rückbank auch Menschen mit einer vier im Turnen.

Der Sitzkomfort in der letzen Reihe genügt für mittellange Touren, wobei die Beinfreiheit dort von der Toleranz der Mittelbank-Passagiere und der Bankposition abhängt. Insgesamt geht es im ix55 aber luftig zu. Lediglich die Kopffreiheit hinten dürfte für Großgewachsene üppiger ausfallen. Der Gepäckraum sollte für alle genügen: er fasst zwischen knapp 598 und 1.746 Litern, unter dem Wagenboden wartet überdies noch ein vollwertiges Ersatzrad. Bleibt abzuwarten, ob die Chancen des ix55 ebenso strahlend ausfallen wie seine LED-Rückleuchten - Hyundai hofft in Deutschland jedenfalls auf einen Absatz von 1.300 Stück pro Jahr.

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Jörn Thomas

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