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Fahrbericht Lamborghini Aventador Roadster Carbonado

Unterwegs mit 1.250-Mansory-PS

Mansory-Lamborghini Aventator Carbonada, Frontansicht, Marcus Peters Foto: Arturo Rivas 30 Bilder

Wie ein Fortbewegungsmittel aus einem Endzeit-Film randaliert der Carbonado durch das Fichtelgebirge – ein auf 1.250 PS getunter Lamborghini Aventador Roadster von Tuner Mansory namens Carbonado.

13.06.2014 Marcus Peters

Sollte es im Fichtelgebirge zwischen Bayreuth und Marktredwitz tatsächlich einen sagenumwobenen Waldschrat gegeben haben – und derartige Geschichten ranken sich um jede waldreiche Region –, wird er fluchtartig das Weite gesucht haben: aufgeschreckt vom infernalischen Gebrüll eines ungedämmten Zwölfzylinders. Das Gebrüll eines von Mansory wild getunten Lamborghini Aventador Roadster Carbonado mit 1.250 PS. Es ist einer von nur drei gebauten.

Eintausendzweihundertfünfzig Pferdestärken – selbst leistungsverwöhnte Sportfahrer dürften bei dieser gigantomanischen Angabe erst einmal innehalten, um sie sacken zu lassen. Tuner Mansory nennt sein Werk Carbonado, und der Name ist Programm: Der Zweisitzer wurde über und über mit kohlefaserverstärktem Kunststoff beplankt. Schon alleine das macht ihn zu einer Besonderheit – da bräuchte es die Leistungs-Eskalation gar nicht.

Dass Lamborghini beim Design des Supersportwagens Anleihen an einem Tarnkappenbomber nahm, spielt dem Tuner geschickt in die Karten: Er überspitzt die Idee geradezu mit einer Carbonmaserung in Form der typischen deltaförmigen Flügel des Kampfjets. Sie überzieht den Roadster mit unzähligen Brandzeichen. Alle Teile wurden in den hauseigenen Autoklaven gebacken und sind erstaunlich hochwertig produziert. Hier bewährt sich, dass Mansory bereits seit Jahren als Zulieferer der Automobilindustrie Erfahrung gesammelt hat.

Carbonado wurde weiter extremisiert

Natürlich wurde die Karosserie gleich weiter extremisiert: Vorn ging der Lamborghini Aventador Roadster Carbonado im Bereich der Radhäuser um 40, hinten sogar um 50 Millimeter in die Breite. Auch die Felgengröße wuchs um jeweils ein Zoll auf vorn 20 und hinten 21. Als wäre das Streitrad-Design noch nicht spektakulär genug, sind die fünf grob gezackten Speichen hälftig mit Carbon verziert.

Schon beim serienmäßigen Lamborghini Aventador Roadster will die aggressive Optik als Warnung vor der überbordenden Kraft verstanden werden. Und im Falle des Mansory kann die Mahnung zur Vorsicht gar nicht laut genug sein. Ein Mitarbeiter des Hauses empfiehlt vorsorglich, die Reifen auf Temperatur zu bringen, bevor man zum ersten Mal voll durchlädt – ein Hinweis, den wir ernst nehmen, daher lassen wir den Wagen niedertourig vom Hof rollen.

Selbst das geht nicht ohne Getöse, denn die einzige nennenswerte Schalldämmung sind die beiden Turbolader von Garrett im Abgastrakt. Sie bilden die Grundlage der exorbitanten Leistungssteigerung des Mansory-Lamborghini Aventador Roadster Carbonado; daneben wurden der Zylinderkopf sowie die Kolben samt Pleuel und Kurbelwelle getauscht. Das Ergebnis ist ein Triebwerk, das unter 3.000/min nur unwillig mitspielt – aber darüber explosionsartig in Richtung roter Bereich dreht.

Das Zischeln beim Aufbau des Ladedrucks ist dabei als Vorwarnung zu verstehen – etwa wie das Knurren eines Hundes, bevor er zubeißt. Und bei beiden gibt es den Punkt, nach dem sich die Ereignisse nur noch gut vorbereitet beeinflussen lassen. Im Falle des Lamborghini Aventador Roadster Carbonado von Masonry heißt das: Wer im zweiten Gang vollen Ladedruck beschwört, sollte – vorher! – die Finger am Schaltpaddel haben und rechtzeitig ziehen. Andernfalls stottert der V12 einen Wimpernschlag später im Begrenzer.

Der Leistungseinsatz ist so schlagartig, dass man ihn zunächst nur auf einer menschenleeren Geraden erleben sollte. Dabei sind nicht nur die enormen Kräfte, die auf den Körper einwirken und ihn in den Sitz zentrieren, gewöhnungsbedürftig, sondern auch die Erfordernisse an die Streckenlänge bis zur nächsten Biegung – sie sollte ausreichend dimensioniert sein, denn der Lamborghini Aventador Roadster Carbonado springt scheinbar in Hundertmetersätzen vorwärts.

Mansory-Lamborghini Aventador Roadster mit 1.250 PS

Umso mehr muss die Dosierung via Gaspedalstellung beim Lamborghini Aventador Roadster bewusst trainiert werden. Das bereitet insofern kindliches Entzücken, als der Zwölfzylinder beim Schaltvorgang unter Last eine derart tiefe Salve durch die Endrohre schießt, dass jegliches Wild im Umkreis von mehreren hundert Metern vor Schreck davonrennen dürfte.

Zulassungsfähig ist eine derartige Ode an die Lautstärke in Deutschland nicht – wir haben den Lamborghini Aventador Roadster Carbonado mit einem Kennzeichen für Erprobungsfahrten bewegt. Kourosh Mansory verkauft seine Gewaltumbauten denn auch eher selten hierzulande. Oligarchen und Öl-Milliardäre zählen zu den Stammkunden des rührigen Persers, und die erkaufen sich eine Legalisierung im eigenen Land notfalls. Der Geldadel schätzt an den getunten Boliden den Einzelstück-Charakter.

In betuchten Kreisen zählt irgendwann sogar ein Bugatti Veyron als normal, weshalb die gelangweilte Klientel nach einer Steigerung des bisherigen Maximums verlangt. So hat Mansory gerade eine Hyper-Version des Lamborghini Aventador Roadster mit 1.650 PS in Auftrag gegeben. Vermutlich dürfte der Preis dieser automobilen Attraktion jegliches Vorstellungsvermögen sprengen. Schon der hier gefahrene Carbonado mit 1.250 PS soll nur gegen aufgerundet 1,6 Millionen Euro den Eigentümer wechseln.

Mansory hat 200 Angestellte

Den Bewohnern des Fichtelgebirges sichern die automobilen Prunkstücke Arbeitsplätze: Mansory ist eines der größten Unternehmen im strukturschwachen Gebiet – 55 der weltweit insgesamt 200 Angestellten sind im Stammsitz in Brand beschäftigt, und damit genießt der Tuner einen sehr guten Ruf in der Umgebung. Außer vielleicht beim Waldschrat; er dürfte spätestens bei unserer Testfahrt Reißaus genommen haben.

Technische Daten
Mansory Lamborghini Aventador Carbonado
Grundpreis1.547.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4780 x 2030 x 1136 mm
Hubraum / Motor6498 cm³ / 12-Zylinder
Leistung919 kW / 1.250 PS (900 Nm)
Höchstgeschwindigkeit380 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h2,6 s
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