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Mercedes Vito 4x4 Rallye Aïcha des Gazelles

Der rasende Kastenwagen

Mercedes Rallye-Vito Aicha des Gazelles im Fahrbericht Foto: Torsten Seibt 28 Bilder

Auf der Rallye Aïcha des Gazelles in Marokko war der Mercedes Vito erneut Klassensieger. Wir durften jetzt exklusiv hinters Lenkrad des Gewinnerautos.

15.08.2016 Torsten Seibt Powered by

Am Ende waren es 50 Meter. So viel Vorsprung vor den Zweitplatzierten brachte dem Team Viola Hartmann und Vanessa Wagner am Ende den Klassensieg auf der diesjährigen Rallye Aïcha des Gazelles. Denn auf dieser Rallye, exklusiv für weibliche Teilnehmerinnen, geht es um die perfekte Navigation, nicht um die beste Zeit. Nur mit Karte und Kompass (GPS und andere Navigationselektronik sind verboten) geht es darum, die vorgegebene Wertungsstrecke auf sieben Etappen so genau wie möglich abzufahren.

Hartmann/Wagner gewannen die Rallye in ihrer Klasse mit einer Abweichung von lediglich 189 Metern. Auf über 1.000 Kilometern in Wertung, insgesamt führt die Rallye über rund 2.500 Kilometer. Die Besonderheit: Sie waren nicht etwa mit einem Wettbewerbs-Geländewagen unterwegs, sondern mit einem Kastenwagen. Einem Mercedes Vito. Klingt ungewöhnlich? Ist es auch.

Mercedes Rallye-Vito Aicha des Gazelles im FahrberichtFoto: Torsten Seibt
Überraschend zivil die Armaturenlandschaft. Lediglich die nachträglich angebrachten Wegstreckenzähler und ein paar Extra-Schalter ergänzen das originale Cockpit.
Mercedes Rallye-Vito Aicha des Gazelles im Fahrbericht
Das Siegerauto der Aïcha des Gazelles 55 Sek.

Mercedes Vito Rallye

Umgebaut wurde der Rallye-Vito direkt bei Mercedes, die Schwaben haben die Rallye Aïcha des Gazelles schon seit Jahren im Kalender, starten stets mit einem mehrköpfigen Team samt Servicetruck. Und gewinnen regelmäßig die Crossover-Wertung.

Nicht ganz so warm wie in Marokko, dafür aber fast so sandig, findet unser Besuchstermin beim Siegerauto statt. Auf dem Gelände der FKVV Horstwalde, etliche Hektar groß, haben nicht nur unsere Supertests Tradition. Auch Mercedes selbst nutzt das weitläufige Areal für Erprobungen und schult hier unter anderem die Rallye-Teilnehmerinnen vor ihrem Einsatz in der Wüste.

Also praktisch ein Heimspiel für den bunt beklebten Rallye-Vito, der vor dem ersten festen Anfassen aber erst einmal auf die Hebenbühne muss. Schon aus Supertest-Tradition, denn der von-unten-Check stand stets am Beginn eines solchen Testmarathons.

Beim Mercedes Rallye-Vito bringt er die Erkenntnis, dass hier mit Sachverstand und dem Wissen aus etlichen Wettbewerben an die Sache herangegangen wurde. Herzstück des Umbaus ist ein eigens für den Vito entwickeltes Höherlegungsfahrwerk mit Spezialdämpfern. Die haben in ihrem externen Reservoir einen größeren Ölvorrat und sind damit nicht so hitzeanfällig wie Standard-Dämpfer. Der Rest der Umbauten am rahmenlosen Vito betrifft alleine ein Thema: Schutz. Tank, Getriebe, Motor, selbst das Hinterachsdifferential sind mit stabilen Alublechen verkleidet.

Dazu kommen eingeschweißte Schwellerrohre, die nicht nur beim Felsenklettern eine gute Figur machen, sondern auch ein willkommener Ansatzpunkt für den Wagenheber sind. Ein Blech befindet sich sogar unter dem Heckstoßfänger, der vor dieser Maßnahme an steilen Kuppen gerne mal abgeworfen wurde. Jetzt hält es, ebenso wie das seitlich außerhalb der „Schusslinie“ herausgeführte Endrohr des Auspuff. Learning by Erfahrung.

Mercedes Rallye-Vito Aicha des Gazelles im FahrberichtFoto: Torsten Seibt
Umgebaut wurde der Rallye-Vito direkt bei Mercedes, die Schwaben haben die Rallye Aïcha des Gazelles schon seit Jahren im Kalender, starten stets mit einem mehrköpfigen Team samt Servicetruck.

Serienmäßiger Antrieb

Der Rest der Technik ist: Serie. Korrekt betitelt handelt es sich um einen Vito 119 CDI BlueTEC 4x4 mit 7G-Tronic-Automatik. Viel Hightech für einen Handwerkerbus. Doch es scheint zu funktionieren, nächstes Jahr geht der Rallye-Vito erneut an den Start, zum dritten Mal. Ohne jede Revision von Motor oder Getriebe, wie die Daimler-Gesandten beim Fahrtermin versichern.

Stichwort Fahrtermin, die Inspektion ist abgeschlossen und der Fahrerinnen-Sitz geentert, heute mal keine Damenwahl am Lenkrad. Innen ist der Mercedes Rallye-Vito komplett entkernt. Ein kunstvoll geformter Überrollkäfig ersetzt die Innenverkleidungen, eine Zarges-Box die Mittelkonsole. Starre Carbon-Recaros, 5-Punkt-Gurte, Helm-Gegensprechanlage – so würde ich gerne mal Pakete ausfahren.

Überraschend zivil dagegen die Armaturenlandschaft. Lediglich die nachträglich angebrachten Wegstreckenzähler und ein paar Extra-Schalter ergänzen das originale Cockpit, sogar das Multifunktions-Lederlenkrad stammt aus der Serie. Allerdings wurden alle Airbags entfernt.

Also schnell den serienmäßigen Zündschlüssel ins serienmäßige Zündschloss und nach dem Start des serienmäßigen OM 651 die Fahrstufe eingedipt – am serienmäßigen Lenkerhebel. Jetzt noch auf manuelle Schaltung gestellt und es kann losgehen, die Gänge werden mit den Schaltpaddeln gewechselt.

Mercedes Rallye-Vito Aicha des Gazelles im FahrberichtFoto: Torsten Seibt
Nicht ganz so warm wie in Marokko, dafür aber fast so sandig, findet unser Besuchstermin beim Siegerauto statt. Auf dem Gelände der FKVV Horstwalde, etliche Hektar groß, haben nicht nur unsere Supertests Tradition.

Kein martialisches Gebrüll

Der brave Vierzylinder klingt kein Stück spektakulär, aber er kann ordentlich anreißen. 190 PS und 440 Newtonmeter sind schon eine Ansage, auch in einem etwas größeren Gehäuse wie dem Vito.

Mit Speed in die Tiefsandstrecke und volle Kraft voraus – das kann sich schon sehen lassen. Ein volley genommener Abzweig auf die parallel laufende Waldstrecke, Vollgas, Sprunghügel, lupf, juhu! Auch die anschließend mit optimistischem Tempo angegangenen Waldwege stellen den Rallye-Vito vor keine echte Herausforderung. Handlich und kompakt genug ist er, außerdem wunderbar auf rüde Fahrweise mit miesem Untergrund abgestimmt.

Die Abschlussfahrt des Tages gehört dem langen Sandhang. Nicht wenige Geländewagen sind hier schon verhungert, der Vito fräst sich (mit etwas Anlauf) unbeeindruckt nach oben. Nur nicht den Schwung verlieren, denn die hohen Geländereifen zehren an der Kraft. Was im Schleichgang nicht funktioniert, muss eben beherzt befahren werden.

Fazit

Der Rallye-Vito liefert einen beeindruckenden Beweis, was alleine ein Spezialfahrwerk und ordentliche Reifen aus einem Auto machen können, das im zivilen Alltag Blumen transportiert oder Fahrgäste befördert. Im kommenden Jahr wird dieser ziemlich besondere Vito wieder die marrokanische Wüste unsicher machen.

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