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E-Auto aus China - Fahrbericht BYD e6 (2016)

Wie fährt das Elektroauto aus China?

BYD e6, Elektroauto, Fahrbericht, 05/2016 Foto: Bernd Conrad 8 Bilder

Der BYD e6 hat eine fast so große Batterie wie Teslas Model S, kostet weniger als 60.000 Euro und bekommt dennoch keine E-Auto-Prämie. Aber es gibt ihn in Deutschland. Probefahrt mit dem 5-Sitzer.

04.05.2016 Bernd Conrad

BYD e6, nie gehört? Die Abkürzung steht für Build Your Dreams. Das chinesische Unternehmen mit dem hochtrabenden Namen ist der weltweit größte Hersteller von Akkus, in den meisten Smartphones steckt ein Stromspeicher von BYD. Erst 1995 startete man mit 20 Mitarbeitern, heute stehen nach Unternehmensangaben über 180.000 Menschen bei BYD in Lohn und Brot. Einige davon bauen auch Autos. Seit BYD im Jahr 2003 einen chinesischen Autobauer in Schieflage aufkaufte, entstehen Fahrzeuge unter dem eigenen Logo. Manchem dürfte BYD auch bekannt sein, weil Daimler ein Joint Venture mit dem Konzern hat, aus dem das E-Auto Denza hervorgegangen ist, eine simplifizierte B-Klasse mit riesiger Batterie im Fahrzeugboden.

Auf dem Heimatmarkt bietet BYD als Vollsortimenter unzählige Modellreihen von der Kompaktlimousine bis zum unvermeidbaren SUV an. Einige davon auch mit Elektroantrieb, wie den e6.

BYD e6, Elektroauto, Fahrbericht, 05/2016Foto: Bernd Conrad
Kein Motor, sondern ein Elektroantrieb steckt beim BYD e6 unter der Haube.

BYD e6 mit unterirdischer Innenraumgestaltung

Dieses Modell strahlt optisch den Charme eines typisch asiatischen Vans der späten 1980er Jahre aus, was auch der Grund ist, warum das Auto selbst niemandem groß auffällt, wenn man nicht gerade fotoknipsend den Verkehr aufhält. Der 4,56 Meter lange, 1,82 Meter breite und 1,63 Meter hohe e6 ist ein Fünfsitzer mit ordentlichem Raumangebot auf unbequemen Sitzen, die mit wunderbar rutschigem Kunstleder bespannt sind. Das Hartplastik-Armaturenbrett könnte vergilbten Renault- und Toyota-Prospekten entsprungen sein. Eine zentrale Anordnung von Digitalarmaturen ist fast schon Retro, aber nicht unbedingt prima ablesbar.

Gar nicht rückwärtsgewandt ist der Antrieb des e6. Es gibt ihn ausschließlich als Elektroauto, so ist er von Grund auf entwickelt worden. Die Lithium-Ionen-Akkus nutzen schweres Eisenphosphat als Kathodenmaterial anstelle des gebräuchlicheren Cobaltoxids. Die Batteriepacks sind im Fahrzeugboden untergebracht, was auch die zu flache Sitzposition erklärt – wer jemals eine Mercedes A-Klasse der ersten Generation gefahren hat, wird sich daran erinnert fühlen.

Leiser Antrieb, aber Nebengeräusche

80 kWh Akkuleistung versprechen die Chinesen bei der neuesten Version des e6 – selbst das Model S hat in seiner stärksten Version nur 10 kWh mehr. Die Reichweite nach Herstellerangaben liegt damit mit 400 Kilometern auch auf Tesla-Niveau. An Schnellladesäulen sind die Akkus nach zwei Stunden voll.

BYD e6, Elektroauto, Fahrbericht, 05/2016Foto: Bernd Conrad
Alte Schule: Das Cockpit erinnert an Gameboys aus den 1990er-Jahren.

Maximal 90 kW Leistung (122 PS) und 450 Nm Drehmoment stemmt der e6 auf den Asphalt. Ganz lautlos macht er das aber nicht. Vom Antrieb selber ist nichts zu hören. Aber gerade diese Ruhe lässt aufhorchen. Und erkennen, dass BYD zwar weiß, wie man Batterien baut, bei der Konstruktion und Fertigung von Autos aber durchaus noch Hausaufgaben zu machen sind – sagt das deutsche Ohr. Dem chinesischen Kunden sind eine lautstark arbeitende Servopumpe beim Rangieren, rubbelnde Bremsscheiben oder ein hochfrequentes Sirren des Generators beim Durchdrücken des Fahrpedals sicherlich besser zu vermitteln.

Etwas steifbeninig stakst der e6 durch den städtischen Verkehr. Im Rahmen dieses ersten Kurz-Kontaktes ließ sich das Fahrverhalten auf der Landstraße und der Autobahn leider noch nicht in Erfahrung bringen, auch die versprochene Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h bleibt vorerst ein theoretischer Wert. Klar ist jedoch schon auf den ersten Metern, dass der e6 nicht die brachiale Beschleunigungsgewalt bietet, mit denen viele andere Elektroautos begeistern. Das mag auch am hohen Gewicht liegen. Trotz Aluminiumkarosserie (die Heckklappe ist aus Kunststoff) ist der e6 mit 2.420 Kilo ein schwerer Brocken.

BYD-Europastart ohne Händlernetz

Ein Debakel wie bei Landwind oder Brilliance, die durchaus medienwirksam einen Europastart versuchten und grandios entweder an der Crashwand oder am Widerstand der Kunden zerschellten, möchte sich kein chinesischer Autobauer mehr erlauben. BYD wagt den Markteintritt so auch durch die Hintertür. Die hemdsärmelige Art und Weise überrascht dann doch.

Eine Firma im niederbayerischen Deggendorf, Spezialgebiet stationäre Stromspeicheranlagen und LED-Leuchten, übernimmt den Vertrieb des e6 e6 in den Postleitzahlgebieten 8 und 9 sowie in Österreich, einen weiteren Stützpunkt gibt es in Baden-Württemberg. Händlernetz? Weder vorhanden noch aktuell geplant. Was auch zeigt, wer mit dem elektrischen Wagen angesprochen werden soll. Weniger der Privatkunde, mehr der Betreiber von Taxiflotten, Hotelshuttles oder Firmen mit lokalem Außendienst wie z.B. Elektriker oder Heizungsbauer.

Autorenbild Bernd ConradFoto: Bernd Conrad
Bernd Conrad betreibt die Website autonotizen.de und schreibt gelegentlich für auto-motor-und-sport.de

Werkstätten speziell für BYD? Fehlanzeige!

Das Servicekonzept erklären Mitarbeiter Deggendorfer Händlers so: Wenn z.B. ein Taxiunternehmer zwei, vier oder zehn BYD e6 kauft (Leasing oder Finanzierung sind aktuell nicht möglich), hat dieser Kunde bestimmt eine Werkstatt seines Vertrauens. Bei diesen Mechanikern kann er seinen e6 dann warten oder instandsetzen lassen, Ersatzteile sollen binnen 48 Stunden geliefert werden. Nur: Was ist, wenn diese Vertrauenswerkstatt bisher die örtliche Mercedes-Benz-Niederlassung war, die das chinesische Auto gar nicht in die Halle lassen will?

Das Henne und Ei-Problem also. Wenn sich ein Großkunde findet, wird BYD sicherlich eine weitere Serviceadresse nebst Ersatzwagenangebot eröffnen. Nur müssen solche Kunden eben erst gefunden und überzeugt werden. Bisher fahren lediglich vier e6 in Deutschland, davon zwei im Eigentum des Importeurs.

Dass es schnell mehr werden können, zeigt der Blick ins benachbarte Ausland. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol parken zwischen all den Tesla-Taxen auch eine Handvoll e6, auch in Brüssel gibt es bereits BYD-Taxis. Und in London kann man durchaus einmal am Tag einen e6 als neumodisches „Black Cab“ sehen.

Fazit

49.990 Euro kostet der BYD mit seiner 80 kWh-Batterie aktuell in Deutschland. Netto, also ohne Mehrwertsteuer. Auch das spricht vor allem für die kommerzielle Nutzung, bei der der Nettopreis entscheidet. Denn welcher Privatmann soll rund 59.500 Euro für ein solch eher reizloses Auto mit drögem Design ausgeben, wenn es sich nicht lohnt?

Zumal der Anschaffungspreis nicht durch die E-Auto-Prämie gemindert wird, obwohl der e6 unter dem Luxus-Auto-Limit bleibt – BYD beteiligt sich nicht am Förderprogramm. Immerhin: Der Hersteller garantiert auch nach 4.000 Ladezyklen mindestens 75% Batteriekapazität. Zwei Jahre Garantie bis 150.000 Kilometer beträgt die Garantie auf das Gesamtfahrzeug, die genannte Zahl der 4.000 Ladezyklen muss nach den 24 Monaten aber noch nicht aufgebraucht sein.

Technische Daten
BYD e6
Grundpreis59.488 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4560 x 1822 x 1630 mm
Leistung75 kW / 102 PS (450 Nm)
Höchstgeschwindigkeit140 km/h
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