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Peugeot 308 Facelift (2017) im Fahrbericht

So fährt das aufgefrischte Kompaktmodell

Fahrbericht Peugeot 308 Facelift Foto: Peugeot 19 Bilder

Peugeot hat den 308 nach knapp vier Jahren aufgefrischt. Das sieht man von Außen eigentlich nicht – was nicht heißt, dass es nichts Neues gibt. Gibt es. Aber die Neuerungen betreffen fast ausschließlich die Technik. Fahrbericht.

08.06.2017 Roman Domes

Ja, richtig dumm gelaufen ist das für Peugeot. Da haben sie einen Heidenaufwand betrieben, alle Testwagen ins idyllische Bayern gekarrt, ein großes Zelt für die Pressekonferenz aufgestellt und sich richtig geniale Routen für die Fahrvorstellung des facegelifteten 308 ausgedacht. Und dann fällt alles ins Wasser. Regen wie in Thailand zur Monsun-Zeit. „Ja, offenbar sind wir in den Verhandlungen mit Petrus gescheitert.“

Mehr als 760.000 mal verkaufte Peugeot den 308 bisher

Immerhin den Humor haben sie bei Peugeot behalten. Warum auch nicht: Die vergangenen Jahre liefen blendend für die Franzosen, zu denen sich jetzt auch Opel zählen darf. Gesteigerte Marktanteile, durchweg gute Verkaufszahlen und ein frisches Modell-Lineup. Nachdem der 308 im Jahr 2013 auf den Markt kam, hat Peugeot sich nach vier Jahren dazu entschieden, den Kompaktwagen zu überarbeiten und die Motoren- sowie Getriebe-Palette zu aktualisieren. Und was ist neu?

Design und Farben

Auf den ersten Blick: nicht viel. Gut, die Lichtkanten auf der Motorhaube sind jetzt gestreckter, die Tagfahrlichter leuchten jetzt immer mit LED-Technik und die Front- und Heckschürzengrafiken wurden leicht verändert, die Rückleuchten sind jetzt dunkler eingefärbt. Und – ganz wichtig: Der Tankdeckel wurde neu designt und beherbergt jetzt auch den Einfüllstutzen für's AdBlue (bei Dieselmotoren).

Bei der Auswahl an Lackierungen wurde die Farbe „Aluminium-Grau“ gestrichen, hinzu kam „Pyrite-Beige“. Zusätzlich steht das Top-Modell, der 308 GTi als zweifarbiges „Coupé Franche“ aus Blau und Schwarz zur Wahl.

Dieselmotor mit 1,5 Liter Hubraum

Der komplett neu entwickelte 1,5-Liter-Turbodieselmotor leistet 130 PS und 300 Nm maximales Drehmoment. Soweit, so unspektakulär – auch beim Fahren. Wir haben den neuen Dieselmotor im 308 SW ausprobiert, in Kombination mit dem alternativlosen und etwas knöchernen Sechsgang-Schaltgetriebe. Das Verhältnis Leistung zu Gewicht passt: 130 PS treffen auf 1,3 Tonnen.

Fahrbericht Peugeot 308 Facelift Foto: Peugeot
Neu und sparsam: Der 1,5-Liter-Dieselmotor leistet 130 PS und 300 Nm und dürfte mit weniger als drei Litern Treibstoff auskommen.

Resultat: Trotz des großen Kombi-Aufbaus tritt der neue Dieselmotor gut an, drückt seine 300 Nm ab etwa 2.000/min gut ab (auf dem Prüfstand schon bei 1.750/min), beschleunigt zügig auf Landstraßen-Tempo und erledigt all das recht zurückhaltend und ohne laut zu werden. Angenehm. Vor allem überzeugt das dieseltypisch hohe Drehmoment bei mittleren Drehzahlen.

Längsdynamische Wunder darf man bei 130 PS natürlich nicht erwarten – und so tut sich der 308 bei höheren Autobahntempi ab 150 km/h etwas schwerer, was aber niemanden der potenziellen Kunden stören dürfte. Für die Autobahn reicht's trotzdem: 204 km/h schnell wird der 308 am Ende.

Peugeot 308 packt Euro 6c schon 2017

Das eigentlich Besondere am neuen Motor ist, dass er schon jetzt die ab 2020 geltende Euro 6c-Norm packt und dementsprechend wenig Schadstoffe ausstößt. Um das zu erreichen betrieb Peugeot einiges an Aufwand und verbaute ein neues Abgasreinigungssystem, neue Wärmetauscher und spezielle Kolben, die in ihrer Geometrie denen des LeMans-Autos 908 ähneln.

Den Verbrauch des neuen HDi-Motors konnte uns Peugeot allerdings noch nicht nennen – die Homologation war zum Zeitpunkt der Testfahrt noch nicht abgeschlossen. Wir tippen auf einen Normverbrauch von weniger als drei Litern auf 100 Kilometer – der 120 PS starke Vorgänger verbrauchte 3,1 Liter im NEFZ.

Neue Automatik mit acht statt sechs Fahrstufen

Für Kunden, die es gerne etwas sportlicher mögen, bietet Peugeot den facegeliftet 308 auch mit dem 180 PS starken Zweiliter-Dieselmotor an. Auch das Top-Modell, das ausschließlich als GT verfügbar ist, packt die Euro 6c-Norm. Für das stärkste Dieselmodell gibt's nur eine Getriebe-Option: eine Automatik – und die ist neu.

Zusammen mit dem japanischen Getriebe-Spezialisten Aisin hat Peugeot den Achtstufen-Wandlerautomat entwickelt. Es hat sich gelohnt: Der starke Dieselmotor harmoniert nahezu perfekt mit der Automatik und ihrer Abstufung.

Fahrbericht Peugeot 308 Facelift Foto: Peugeot
Segeln möglich: Im Eco-Modus kann die neue Achtstufen-Automatik den Antriebsstrang entkoppeln und dahingleiten.

Hing man früher beim Anfahren oft noch irgendwo in den Untiefen des Drehmomentwandlers fest, huscht der 308 jetzt zügig, aber nicht ruppig vom Fleck. Gleiches Spiel bei den Schaltvorgängen, die beim alten Sechsstufen-Automaten oft etwas länger dauerten und gelegentlich auch etwas weniger sanft waren: Das EAT8 getaufte Getriebe macht all das wesentlich besser. Bei gemütlicher Fahrt wechselt es tatsächlich die Fahrstufen, ohne, dass der Fahrer das spürt. Und weil selbst der 180 PS starke Dieselmotor im Teillastbereich recht ruhig zu Werke geht, hört man das auch kaum.

Alternativ zum völlig automatischen Modus bietet der 308 auch noch das Schalten per Wippen am Lenkrad an. Problem dabei: Obwohl sich die Schaltwippen mit ihrer Alu-Ummantelung gut anfühlen, sind sie etwas kurz geraten. Heißt: Die Finger greifen schon mal ins Leere, wenn man in einer leichten Kurve die Fahrstufe wechseln will. Sei's drum – die Automatik-Kunden nutzen nach Angabe von Peugeot nur ganz selten die Möglichkeit, selbst einzugreifen.

Praktische Assistenzsysteme

Wie so mancher Hersteller rühmt sich auch Peugeot damit, die neuesten und besten Assistenzsysteme entwickelt zu haben. Der neue 308 erhält nun die gesamte Palette jener Systeme, die bereits im 5008 ihre Pflicht tun. Zu den praktischen gehört der Park-Assistent, der selbstständig vorwärts in Parklücken fahren und parallel einparken kann.

Fahrbericht Peugeot 308 Facelift Foto: Peugeot
Alles beim Alten: Das Cockpit hat sich nicht geändert. Nur das Infotainment samt Navi arbeitet mit einer neuen Software und unterstützt Mirrorlink, Apple Carplay und Android Auto.

Gut gedacht ist auch der Geschwindigkeits-Assistent, der Verkehrsschilder scannt und das höchstens zulässige Tempo (etwa 50 km/h im Ort) vorschlägt. Das lässt sich leicht pfriemelig per Tempomat aktivieren – und man fährt höchstens 50. Gekoppelt mit der automatischen Abstandserkennung folgt der 308 dem voraus fahrenden Verkehr, bremst selbstständig ab und beschleunigt wieder.

Mit Automatikgetriebe bremst er sogar bis zum Stillstand ab und beschleunigt anschließend wieder – beim Schaltgetriebe deaktiviert sich das System unterhalb von 20 km/h. Problem an der ganzen Sache: Hier in Deutschland fährt niemand in der Stadt Strich 50, sondern 54 oder 55 km/h. Oder anders: Das System würde sich perfekt für die Schweiz eignen, wo Temposünden drastischer geahndet werden.

Und weniger praktische Assistenzsysteme

Der Spurhalte-Assistent gehört zu den latent nervigen Systemen, da er schon vom Verlassen der Spur warnt, wenn man sich der gestrichelten oder durchgezogenen Linie auch nur etwas nähert. Das geht auf der Autobahn in Ordnung, nervt aber spätestens dann, wenn man auf die Landstraße wechselt.

Besonders auf engen Sträßchen blinkt das Symbol quasi im Sekundentakt – und: Das System greift auch schon mal unerwartet ein. Irgendwann willst du's dann ausschalten, aber ein simpler Knopfdruck genügt nicht, man muss schon länger als drei Sekunden draufbleiben.

Was wir nicht testen konnten

Wir hätten auch gerne den neuen Benzinmotor mit 1,2 Liter Hubraum und 130 PS Probe gefahren, doch leider stand der moderne Direkteinspritzer noch nicht zur Verfügung.

Fahrbericht Peugeot 308 Facelift Foto: Karl-Heinz Augustin
Die neuen Unbekannten: Peugeot hat für den neuen 130 PS starken Benziner ein neues Sechsgang-Handschaltgetriebe entwickelt. Beides konnten wir noch nicht erproben.

Zu seinen Besonderheiten zählt ebenfalls die aufwendige Abgasnachbehandlung sowie eine bessere und sauberere Verbrennung. Gekoppelt wird der neue Turbobenziner an ein neu entwickeltes Sechsgang-Schaltgetriebe.

Das baut genauso kompakt und leicht wie ein Fünfgang-Getriebe und soll flüssigere und knackigere Gangwechsel erlauben.

Preise und Termine für den neuen Peugeot 308

Die Preise für den neuen Peugeot 308 starten bei 18.700 Euro für die Limousine mit 110 PS starkem Benzinmotor und Access-Ausstattung. Bei den Dieselmodellen ist der Einstieg etwas teurer: Der 100 PS starke 308 HDi kostet mindestens 20.750 Euro. Als stark motorisierter GT kostet der Peugeot 308 mindestens 30.600 Euro.

Der Marktstart für den neuen Peugeot 308 ist im September 2017.

Fazit

Peugeot hat den 308 sehr dezent überarbeitet. Die wichtigsten Neuerungen sind die Assistenzsysteme und der neue, sehr sparsame 130-PS-Dieselmotor, der vor allem im Flottengeschäft Verwendung finden dürfte, sowie die Achtstufen-Automatik. Einerseits konsequent, denn mit Dieselmodellen machen die Franzosen Masse und die Automatik hatte eine Überarbeitung dann doch ziemlich notwendig. Insofern ist die Mission „Facelift“ geglückt.

Andererseits verwundert es aber, dass Peugeot kein einziges Wort zum Thema Hybrid-Antrieb verliert, der in der Kompaktklasse durchaus an Bedeutung gewinnen dürfte. Schade auch, dass es für den 308 kein digitales Cockpit gibt, wie es der 5008 schon bieten kann.

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