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Toyota RAV4 Hybrid 4WD Fahrbericht

Ist das der bessere Lexus?

Toyota RAV4 Hybrid 2016 Fahrbericht Foto: Toyota 22 Bilder

Toyota sortiert die Dieselmotoren aus. Nächster Kandidat: der RAV4. Das SUV soll nun vor allem als Hybrid punkten. Wir haben ausprobiert, ob das die richtige Entscheidung ist.

14.01.2016 Torsten Seibt Powered by

Mehr als nur ein Facelift

Die vierte Generation des japanischen Erfolgs-SUV machte spätestens 2013 Schluss mit kuschelig – ein gehöriges Größenwachstum im Vergleich zur Vorgängergeneration sortiert den RAV4 seitdem eine halbe Klasse höher ein, machte einen vollwertigen Reisedampfer aus dem ehemaligen Kurz-und-knuffig-Kurvenräuber.

Nun also das Facelift, und das hat es in sich. Nicht nur optisch, wobei man den Designern zumindest einigen Mut attestieren kann. Wo andernorts ein bisschen Wimperntusche an den Scheinwerfern und ein neuer Ausschnitt im Kühlergrill für Abwechslung sorgt, ist beim RAV4, Jahrgang 2016, die komplette Front umgestaltet. Und das Heck auch ein bisschen.

Toyota RAV4 Hybrid 2016 FahrberichtFoto: Toyota
In 8,3 Sekunden beschleunigt der Hybrid-RAV4 auf Tempo 100

Schöner wohnen im RAV4 Hybrid

Innen wurde zwar nicht neu möbliert, aber die Tapeten gewechselt. Die Softtouch-Oberflächen auf dem Armaturenbord fassen sich angenehmer an als zuvor, neue Instrumente mit einem Farbdisplay in der Mitte bringen eine optische Aufwertung. Dazu tritt nun die heute unvermeidliche Armada an Sicherheitsberatern an. Mit dem Toyota Safety Sense System bekommt der RAV4 neben Fernlicht- und Verkehrszeichen-Assistent einen Spurwechselwarner, adaptiven Tempomat und das Pre-Collision-System, das bei einem drohenden Auffahrunfall eine Notbremsung einleitet. Es soll, verspricht Toyota, auch Fußgänger erkennen können.

Dass Toyota auf die Hybridtechnik setzt und Pkw-Selbstzünder nur dem europäischen Publikum zuliebe anbietet, ist nicht neu. Eher, dass dort nun auch im SUV-Bereich der Dieselmotor ganz unverblümt aus dem Schauraum gemobbt wird. Mit dem Facelift beschränkt Toyota das Diesel-Angebot auf eine einzige Variante: 143 PS, Schaltgetriebe, Frontantrieb (es ist der bei BMW zugekaufte Motor). Wer mehr Leistung, Allrad oder Automatik möchte, darf sich für den Zweiliter-Benziner (152 PS, ab 27.990 Euro) oder eben den Hybrid entscheiden. Und damit die Entscheidung pro Hybrid noch ein bisschen leichter fällt, ist der Allrad-Automatik-Benziner mit einem CVT-Getriebe gezeichnet. Da muss man kein Hellseher sein: Ein Verkaufsschlager wird diese Variante nicht.

Der Hybrid-RAV4 könnte es hingegen werden, rund 70 Prozent Anteil soll er künftig am Gesamtverkauf haben. Der neue Teilzeit-Elektriker setzt auf die Technik, die Toyota mit dem Lexus NX300h bereits in Deutschland eingeführt hat: ein 2,5-Liter-Benziner mit Unterstützung durch einen E-Motor, die beide auf ein stufenloses Planetenradgetriebe einwirken. Wird die Option Allrad in der Bestellliste angekreuzt (was üppige 3.000 Euro kostet), gesellt sich noch ein weiterer E-Motor hinzu, der an der Hinterachse auf Antriebseinsatz wartet und im Schiebebetrieb als Generator jobt.

Bessere Abstimmung als im Lexus

Was das mit dem stufenlosen Getriebe bedeutet, wissen wir seit dem Prius: eine etwas rustikale Geräuschkulisse des bei maximaler Drehzahl festgenagelten Benziners, sobald der Kapitän volle Fahrt voraus befiehlt. Das Gejodel mag nicht jeder. Dabei ist die Abstimmung im Vergleich zum Lexus NX300h jedoch spürbar besser geraten. Auch bei etwas eiligerer Fahrt belässt es die Steuerelektronik bei einigermaßen zivilen Drehzahlen, erst bei beherztem angasen gibt es das bekannte Verhaltensmuster. Doch die umweltbewegte Hybridkundschaft meidet solche Fahrzustände ohnehin, gönnt sich allenfalls einmal ein keckes Überholmanöver und lässt den Doppelherz-Antrieb ansonsten an der langen Leine, im entspannten Flow.

ModellRAV4 Hybrid 4WD
Länge/Breite/Höhe4.605/1.845/1.705 mm
Radstand2.660 mm
Kofferraumvolumen501-1.633 l
MotorR4-Benziner u. 2x Elektr.
Hubraum2.494 ccm
Systemleistung197 PS
GetriebeStufenlose Automatik
Normverbrauch5,0l S
0-100 km/h8,3 s
vmax180 km/h
Leergewicht1.690 kg
zul. Gesamtgew.2.270 kg
Anhängelast1.650 kg
Preis Comfort34.990,- Euro
Preis Edition35.890,- Euro
Preis Executive39.090,- Euro

Da ist man beim RAV4 Hybrid an der richtigen Adresse. Er macht seinen Job im Alltag erfreulich leise. Gute Geräuschdämmung, ein im Tagesgeschäft selten aufgeregter Benziner, verbindliches Fahrwerk. Zum gediegenen Fahrkomfort gesellen sich bequeme, ordentlich konturierte Sitze, nur die Lenkung könnte gerne einen Tick mehr Realitätsbezug vermitteln.

Im Gegensatz zu anderen Herstellern setzt Toyota mit voller Überzeugung auf Hybridtechnik ohne externe Plugin-Lademöglichkeit. Das ermöglicht den Verzicht auf eine nach wie vor sehr teure große Traktionsbatterie und macht den RAV4 mit einem Einstandspreis von rund 32.000 Euro (2WD) zum günstigsten Hybrid-SUV auf dem Markt. Die Erfahrungen mit dem Prius, bei dem die teure Plugin-Variante bislang auf wenig Gegenliebe bei der Kundschaft stieß, scheinen das zu bestätigen. Ohnehin betonen die Toyota-Techniker immer wieder, dass es ihnen nicht um das rein elektrische Fahren, sondern um das möglichst effektive Zusammenspiel von Verbrenner und Elektroantrieb geht. Bei voller Batterie lassen sich in jedem Fall auf Landstraßen ganze Ortschaften elektrisch durchsegeln, im innerstädtischen Verkehr trumpft die Hybridtechnik richtig auf. Rund zwei Kilometer elektrische Fahrstrecke sind im Idealfall machbar.

Was der RAV4 in der Hybrid-Allrad-Ausführung allerdings noch schlechter kann als bisher, ist der Betrieb abseits befestigter Straßen. Zum Limit durch die schwache Bodenfreiheit kommt bei ihm, dass es sich beim Elektromotor an der Hinterachse letztendlich eher um einen Hilfsantrieb handelt. Auf rutschigem Untergrund tut er zwar, was er kann. Doch das reicht nicht, um die Vorderräder bei vollem Engagement am wilden Durchdrehen zu hindern. Wie sich das Ganze im harten Leben bewährt – zum Beispiel auf einer verschneiten, glatten Bergstraße – wird ein ausführlicher Test zeigen müssen. Einen echten Permanent-Allrad, soviel zeigt schon der Erstkontakt anlässlich des Fahrberichts, ersetzt das System nicht.

Im Test wird sich auch messbar herausstellen, wie weit der RAV4 Hybrid im deutschen Straßenalltag an den Normverbrauch heranreicht. Realistischer als der Normwert dürften die 7,3 Liter sein, die der Bordcomputer nach einem Fahrtag meldete. Das jedenfalls kann ein Diesel besser. Doch ansonsten hat der Hybrid in Sachen Komfort und Lässigkeit klar die Nase vorn.

Toyota RAV4 Hybrid 2016 FahrberichtFoto: Toyota
Das Surround-Kamerasystem ist ebenfalls neu und hilft beim parken.

Fazit:

Im RAV4 ergibt der neue Hybridantrieb tatsächlich Sinn. Ein großer Geländekönner war er ohnehin noch nie. Auffällig ist die insgesamt sympathischere Abstimmung von Getriebe und Motorsteuerung im Vergleich zum Technik-Bruder Lexus NX 300h. So ist man im normalen Einsatz sehr nervenschonend und leise unterwegs. Beim Verbrauch erzielt er – abgesehen vom innerstädtischen Betrieb – aber keine Fabelwerte. Angesichts der verbauten Technik und des Ausstattungslevels ist der Preis für ein SUV dieser Größe fair.

Fazit

Im RAV4 ergibt der neue Hybridantrieb tatsächlich Sinn. Ein großer Geländekönner war er noch nie. Auffällig ist die insgesamt sympathischere Abstimmung von Getriebe und Motorsteuerung im Vergleich zum Technik-Bruder Lexus NX 300h. So ist man im normalen Einsatz sehr nervenschonend und leise unterwegs. Beim Verbrauch erzielt er – abgesehen vom innerstädtischen Einsatz – aber keine Fabelwerte.

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