Vanartige Kleinwagen im Fahrbericht

Toyota Verso-S gegen Citroen C3 & Hyundai ix20

Citroen C3 Picasso Hdi 90, Hyundai ix20 Blue 1.4 CRDi, Toyota Verso-S 1.4 D-4D, Gruppe, Frontansicht

Mit dem Verso-S kehrt Toyota in die Klasse der vanartigen Kleinwagen zurück, in der der japanische Hersteller einst Vorreiter war. Wie schlägt sich der Neue gegen Citroen C3 Picasso und Hyundai ix20? Fahrbericht der 90-PS-Diesel.

Rückblick: Gegen Ende der neunziger Jahre drängen variable Van-Konzepte vermehrt in die kleineren und preisgünstigeren Regionen vor. 1999 startet der Opel Zafira in der Kompaktklasse, während der Toyota Yaris Verso mit Großraum-Heck und versenkbaren Rücksitzen im Kleinwagensegment für Aufsehen sorgt.

Die Idee überzeugt, sowohl als praktischpreiswerter Erst- oder Zweitwagen für die Familie wie auch als bequem zugängliche Limousinen-Alternative, wenn die Beweglichkeit nachlässt.

Toyota Verso-S Diesel ab 17.000 Euro

Obwohl andere Hersteller im Laufe der Jahre nachziehen, verzichtet Toyota auf einen Nachfolger für den Pionier – und überlässt das Feld seit 2005 der Konkurrenz. Eine fragwürdige Entscheidung, die nun endlich mit dem neuen Toyota Verso-S korrigiert wird.

Toyota packt in den variablen Vier- Meter-Mini zu dem üblichen Sicherheitspaket noch einen Knieairbag für den Fahrer und bietet den Toyota Verso-S mit 90-PS-Diesel je nach Ausstattungsvariante zu Preisen zwischen 17.300 und 20.650 Euro an. Angesichts der Konkurrenz dürfte es jedoch nicht einfach werden, verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Der Ende letzten Jahres präsentierte, elf Zentimeter längere Hyundai ix20 wurde weitgehend in Europa entwickelt und mutet ähnlich wie der Toyota Verso-S eher wie ein erhöhter Kleinwagen als ein kleiner Van an. Zudem bietet er nicht nur eine geteilte, in der Neigung verstellbare Rücksitzlehne, sondern auch eine in Längsrichtung verschiebbare Bank – praktisch, falls mehr Knie als Kofferraum benötigt wird.

Rekordverdächtige fünf Jahre Garantie für Hyundai ix20

Darüber hinaus lockt der Hyundai ix20 mit einem üppigen Sorglos-Paket aus fünf Jahren Garantie inklusive Übernahme der Wartungskosten für denselben Zeitraum. Dennoch beginnen die Preise für den gleich starken Hyundai ix20 1.4 CRDi bereits bei 16.490 Euro. Und selbst in der getesteten BlueVersion mit Start-Stopp-Automatik für 400 Euro Aufpreis kostet der ix20 noch weniger als der Toyota Verso-S.

Der Citroen C3 Picasso HDi 90 steht dagegen erst ab 19.850 Euro in der Preisliste, wobei der Serienumfang mit Klimaanlage, CD-Radio, Tempomat und Nebelscheinwerfern wesentlich umfangreicher ausfällt. Auf ein vergleichbares Niveau gebracht, sind die beiden asiatischen Kontrahenten dennoch bis zu 1.000 Euro günstiger.

Dreiecksfenster im Citroen C3 Picasso vor der A-Säule

Optisch wirkt der Citroen gegenüber Toyota Verso-S und Hyundai ix20 wie ein Paradiesvogel zwischen zwei grauen Mäusen – nicht nur wegen der Farben. Seine schwarz abgesetzten Stoßflächen sorgen für Kontrast, wenngleich sie wegen ihrer lackierten Oberflächen keinen besseren Schutz vor Remplern bieten. Der eigentliche Clou ist jedoch die Frontscheibe des Citroen C3 Picasso. Bei ihm sitzt das seitliche Dreiecksfenster vor und nicht hinter der breiten A-Säule. Dadurch entsteht auf den Vordersitzen ein deutlich luftigeres Raumgefühl, und – viel wichtiger – in Linkskurven schränkt kein dicker Dachpfosten die Sicht auf den Gegenverkehr ein.

Beim besonders freundlich gestalteten Interieur weicht der Citroen C3 ebenfalls ab. Allerdings sind die zentral an der Frontscheibe platzierten Digitalanzeigen nicht sonderlich gut ablesbar. Auch die Radiobedienung erfordert mehr Aufmerksamkeit als nötig. Zu großer Form läuft der Citroen C3 Picasso auf, wenn Flexibilität und Kinderfreundlichkeit im Mittelpunkt stehen. Auf Wunsch liefert Citroen klappbare Tischchen und Sonnenrollos für die Kleinen im Fond, die man mit einem separaten Innenspiegel stets im Blick behält und per elektrische Türensicherung vor dem unkontrollierten Aussteigen bewahrt.

Dem Toyota Verso-S fehlt es an Details

Eine Durchreiche und eine flach umklappbare Beifahrersitzlehne erweitern die ohnehin schon gute Variabilität dank geteilt vorklapp- und verschiebbarer Rückbank die ohnehin schon gute Variabilität. Solche Details sucht man im Hyundai ix20, vor allem aber im Toyota Verso-S vergeblich. Toyota verzichtet sogar auf eine verschiebbare Rückbank, wenngleich das Raumangebot im Fond auch bei ihm für zwei erwachsene Mitfahrer problemlos ausreicht und das Gepäckabteil mit 430 Liter sogar noch etwas größer als beim Citroen C3 ausfällt.

Einen in zwei Ebenen einsetzbaren Ladeboden haben alle drei, so dass bereits durch Vorklappen der Rücksitzlehne eine ebene Ladefläche entsteht. Die lappige Hutablage trübt jedoch den Qualitätseindruck ebenso wie die blechern klingenden Türen.

Keine Rätsel geben die eng ums Lenkrad konzentrierten Bedienelemente auf. Auch im ebenfalls konventionell eingerichteten Hyundai findet man sich schnell zurecht. Im ix20 genießen die vorderen Passagiere neben der größten Innenbreite auch den besten Sitzkomfort. Grosszügig bemessen und ordentlich konturiert, bieten sie in Kurven mehr Halt als die Sitze der Konkurrenz. Zudem lässt sich die Lehnenneigung per Drehrad stufenlos einstellen. Ein weiterer Pluspunkt sind die praxisgerecht dimensionierten Ablagefächer in der Mittelkonsole, wo sich auch die serienmäßigen Anschlussbuchsen für externe Audioquellen befinden.

Toyota Verso-S punktet beim Fahren

Sobald der Zündschlüssel den Motor startet, schlägt die Stunde des bis dahin unauffälligen Toyota. Obwohl alle drei Turbodiesel mit ähnlichen Eckdaten aufwarten – 90 PS aus 1,4 Liter Hubraum, verteilt auf vier Zylinder –, geht keiner so temperamentvoll zu Werke wie der einzige Zweiventiler in der Runde. Hohe Last bei tiefen Drehzahlen quittiert der Toyota Verso-S zwar mit Brummen und spürbaren Vibrationen, doch dafür treibt er den Verso-S subjektiv noch flotter voran, als es die Messwerte belegen. Dabei ist das über den erhöht positionierten Schalthebel präzise zu bedienende Sechsganggetriebe weder besonders kurz übersetzt, noch fällt das maximale Drehmoment auf dem Papier höher aus als bei den anderen – ganz im Gegenteil.

Eine Erklärung liefert jedoch ein Blick auf die Waage: Der ToyotaVerso-S ist mit 1.168 fast 200 Kilogramm leichter als der Citroen C3, der Schwerste im Feld. Auf der Messstrecke schlägt sich das vor allem beim Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 nieder, für den der Citroen C3 Picasso 2,1 Sekunden länger braucht. Im Alltag kaschiert der Citroen dies mit einer gelungenen Abstufung des nur fünf Gänge aufweisenden Getriebes, so dass sich der Franzose subjektiv ausreichend spritzig anfühlt. Mit der unexakten Schaltung bereiten die Gangwechsel jedoch wenig Freude.

Temperamentloser Hyundai ix20

Im Hyundai ix20 verhält es sich genau spiegelbildlich. Laut Messprotokoll hat er gegenüber dem Citroen C3 leicht die Nase vorn, doch angesichts seiner zähen Leistungsentfaltung mag man das kaum glauben. Wegen einer ausgeprägten Anfahrschwäche entwickelt der Vierventiler erst ab 2.000/min spürbaren Vortrieb, was in der Praxis häufig den Griff zu der etwas knochigen Sechsgangschaltung nötig macht. Immerhin übt der Hyundai ix20 nicht nur beim Temperament, sondern – außer beim Kaltstart – auch bei der Geräuschentwicklung und beim Verbrauch Zurückhaltung.

Mit 6,3 Liter pro 100 Kilometer liegt der Hyundai ix20 auf dem Niveau des Toyota Verso-S, während sich der Citroen C3 Picasso im Durchschnitt einen halben Liter mehr genehmigt. Eine weitere Schwäche des Hyundai ix20 offenbart sich, wenn er eine mit Löchern und Wellen gespickte Landstraße unter die Räder nimmt. Dann kommt die sonst manierlich arbeitende Federung an ihre Grenzen. Kräftige Stöße dringen bis zu den Insassen durch und sorgen für heftige Vertikalschwingungen, die in Kurven zu einem Versetzen der Hinterachse führen können.

Beste Bremsen im Citroen C3

Im Citroen C3 ergeht es den Passagieren etwas besser, wobei auch hier eine synthetisch ansprechende Lenkung den Kontakt zur Fahrbahn nicht eben fördert. Unter solchen Ausnahmebedingungen beweist der Toyota Verso-S einen hohen Reifegrad. Selbst üble Wellen und kurze Stöße verschwinden in den Federn, ohne den Toyota allzu sehr aus der Ruhe zu bringen. Eine Sänfte ist er trotzdem nicht, ebensowenig ein Kurvendynamiker, wenngleich er in diesem Bereich seine Konkurrenten klar im Griff hat. Nur die durchschnittlichen Bremsen passen nicht ins Bild – hier setzt der Citroen C3 den Maßstab. Der muss sich in der Eigenschaftswertung nur dem Toyota Verso S geschlagen geben.

Unter Berücksichtigung der Kosten kann der Hyundai ix20 mit seinem üppigen Garantiepaket zwar noch mit dem Citroen C3 Picasso mithalten, nicht aber mit dem Toyota Verso-S, der am Ende einen hauchdünnem Vorsprung hat.

Fazit

Das Kostenkapitel wirbelt das Ergebnis kräftig durcheinander. Trotz Schwächen bei Antrieb und Fahrwerk holt der Hyundai fast noch den Toyota ein, was er neben seinem Platzangebot vor allem seinem guten Preis-Leistungs-Verhältnis inklusive fünf Jahre Sorglos-Paket zu verdanken hat. Der Toyota übezeugt mit spritzigem Motor und ausgewogenem Fahrwerk, gefolgt vom eigenwillig-sympathischen Citroën, der mit familienfreundlicher Ausstattung, hoher Variabilität und luftigem Raumgefühl glänzt.

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Peter Wolkenstein

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