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VW CrossBlue bzw. Atlas (2017) im Fahrbericht

Was kann der Riesen-SUV für die USA?

VW CrossBlue Foto: VW 33 Bilder

VWs größtes Fahrzeug auf MQB-Basis ist der SUV Atlas für den US-Markt. Wir haben ihn als Prototyp noch mit dem Namen der Studie CrossBlue Probe gefahren. Er soll ab 2017 verlorenes Terrain in Nordamerika zurückerobern. Was kann er?

01.09.2016 Gregor Hebermehl 1 Kommentar Powered by

Nie aufgeben, immer wieder aufstehen, immer weiterkämpfen: Dieses besonders bei US-Amerikanern hochgeschätzte Credo hat sich auch VW Nordamerika auf die Fahnen geschrieben. Schließlich kommt VW als einer der größten Autobauer der Welt in den USA nicht so richtig in den Tritt und die Diesel-Affäre ist ein zusätzlicher Knüppel zwischen den Beinen der Wolfsburger. Jetzt möchte sich VW ins Zentrum des aktuellen amerikanischen Autogeschmacks mümmeln.

Und die Amis lieben Midsize SUVs. Ein großes für drei Erwachsenen-Sitzreihen geeignetes SUV hatte VW bisher nicht im Programm. Also haben sich die Wolfsburger Ingenieure hingesetzt und lange am größten Fahrzeug entwickelt, was es bisher auf Basis des Modularen Querbaukastens (MQB) gibt. Als Studie hieß der über fünf Meter lange Wagen CrossBlue, wie das Serienfahrzeug auf dem amerikanischen Markt heißen wird, verrät VW noch nicht. In China wird der SUV unter dem Namen Terramont verkauft. Wir sind den Prototyp des großen VW-Hoffnungsträgers für den US-Markt auf einer Schotterpiste gefahren.

Mächtige Front beim B-Segment-SUV

Optisch versucht der CrossBlue gar nicht erst, seine Größe zu verstecken: Große viereckige Scheinwerfer erhellen die Straße, der mächtige von zwei breiten Chromstreben geteilte Grill steht beinahe senkrecht im Wind. Ein Auftritt, der der vielbeschworenen Soccer Mom als möglicher Kundin ein sicheres Gefühl verleihen sollte. Wir konnten einen ungetarnten Vorserien-Wagen bei einem Werkrundgang im VW-US-Produktionsstandort Chattanooga sehen – die von uns gefahrenen Prototypen waren vorne und hinten noch mit dicken schwarzen Gummimatten verhüllt. Auch das Armaturenbrett und die Mittelkonsole waren noch mit Matten getarnt, bei einem Teil der sichtbaren Innenverkleidung fehlte noch die Narbung. Aber darum geht es auch gar nicht – der Innenraum des neuen B-Segment-SUV hat einiges zu bieten.

Gute Übersicht, massig Platz

Besonders die A-Säulen des CrossBlue sind recht schlank ausgefallen, so dass der Fahrer einen extrem guten Blick nach vorne und zu den Seiten genießt. Auch sonst erfreuen große Fensterflächen und eine für so einen großen Wagen fantastische Rundumsicht die Insassen. Kommt noch das riesige Panoramadach hinzu, erwartet die Fahrgäste ein mit freundlichem Tageslicht gefluteter Innenraum. Die zweite Sitzreihe lässt sich in Längsrichtung verschieben – um wie viele Zentimeter genau, kommuniziert VW noch nicht. Da der CrossBlue beinahe zwei Meter breit ist, lassen sich auf der zweiten Reihe drei Kindersitze per Isofix nebeneinander befestigen.

VW CrossBlueFoto: VW
Soll VW in Nordamerika endlich hohe Verkaufszahlen bescheren: Der neue Midsize SUV, der als Studie CrossBlue heißt.
VW CrossBlue
Hier fährt VWs größtes SUV 2:05 Min.

Tolle dritte Reihe im CrossBlue

Und zur dritten Sitzreihe gelangt man in keinem anderen SUV einfacher als im CrossBlue: Mit einem Griff lässt sich die geteilte Rückbank nach vorne schieben – dabei kippt die Sitzfläche ein wenig nach unten und die Rücklehne stellt sich schräg nach vorne. Somit ergibt sich ein großzügig bemessener Ausschnitt, über den Erwachsene sehr leicht die dritte Reihe entern können. In der dritten Reihe angekommen, stellen wir fest, dass hier zwei 1,90-Meter-Menschen Platz finden. Der Kopf stößt nicht an die Decke, die Kopfstützen lassen sich beinahe bis zur Decke, also weit genug, herausziehen und die Knie berühren nicht die Rücklehne der zweiten Reihe, auch wenn diese maximal nach hinten verschoben wurde – so dass auch in der zweiten Reihe locker große Erwachsene sitzen können. Und ganz auf die Bedürfnisse amerikanischer Kunden zugeschnitten, sind die Sitze des CrossBlue etwas größer und weicher als bei europäischen Fahrzeugen. In Sachen Infotainment, Connectivity, Assistenzsysteme und Sicherheit verspricht VW für den CrossBlue ein außergewöhnlich hohes Niveau – testen konnten wir das noch nicht. Aber hier kommt einer der Vorteile des MQB zum Tragen: Viele elektronische Komponenten müssen nicht extra neu entwickelt, sondern können von anderen Konzern-Baureihen übernommen werden.

VW CrossBlueFoto: VW
Die Allradversionen des CrossBlue kommen problemlos mit verschlammten Pisten zurecht.

Straff federn, leicht lenken

Bei der Fahrt durch den Prentice Cooper State Forest in der Nähe von Chattanooga/Tennessee spüren wir die europäisch straffe Federung des Midsize SUV. Übles Kurvenwanken kam für die Ingenieure offenbar nicht in Frage, obwohl der Amerikaner in einer kurvigen Straße eher vorsichtiger unterwegs ist, da er sie als gefährlich empfindet. Uns gefällt das Feder-Dämpfer-System, allerdings spüren wir auch das harte Abrollen der 18-Zoll-Räder – kleinere Reifen gibt es für den großen Ami-Wagen nicht. So spüren und hören wir kurze ausgewaschene Querrillen an Vorder- und Hinterachse. Wie sich der Wagen auf gutem und schlechtem Asphalt schlägt, müssen spätere Tests zeigen. Mit der für europäischen Geschmack leichtgängigen Lenkung lässt sich präzise arbeiten. Und zumindest für die Allradvarianten des CrossBlue steht ein Fahrprofil-Drehregler zur Verfügung. Wer diesen auf Sport stellt, wird mit einer wacheren Gasannahme und einem erhöhten Lenkwiderstand belohnt – in dieser Einstellung ist die Lenkung für uns perfekt.

VW CrossBlueFoto: VW
"Der Fünfmeter-Brocken fühlt sich beim Fahren erheblich kleiner an, als er ist.", so Redakteur Gregor Hebermehl zum neuen VW CrossBlue.

Vier- oder Sechszylinder

Der CrossBlue kommt als Vier- und Sechszylinder-Benziner auf den US-Markt, den Allradantrieb gibt es nur für das Sechszylinder-Modell. Auf anderen Märkten wird auch die Vierzylinder-Variante mit Allradantrieb angeboten und in Russland darf unter der Haube des SUV auch ein 2,0-Liter-Diesel arbeiten. Der 2,0-Liter-Vierzylinder für den US-Markt leistet 238 PS und generiert ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern zwischen 1.600 und 4.400/min. Damit geht der große Wagen ordentlich los. Der Frontantrieb reicht für die trockene Schotterpiste locker. Unser 3,6-Liter-V6-Prototyp war mit Allradantrieb ausgerüstet – auch ihn gibt es als Fronttriebler. 280 PS und ein Drehmoment von 360 Newtonmetern bei 2.750/min sorgen hier fürs zügige Vorwärtskommen – jetzt sind natürlich auch spaßige Schotterdrifts möglich. Schließlich fühlt sich der Fünfmeter-Brocken beim Fahren erheblich kleiner an, als er ist.

Acht Gänge automatisch

Die Schaltarbeit übernimmt im CrossBlue immer eine Achtgang-Automatik. Das vom japanischen Zulieferer Aisin gebaute Getriebe verrichtet seinen Job unauffällig und verstärkt somit den komfortablen Gesamteindruck, den der CrossBlue hinterlässt. Allerdings erlaubt es auch das in den USA übliche heftige Anfahren und beim Zwischenbeschleunigen gönnt es sich eine Gedenksekunde, bevor es die Antriebsmomente über den richtigen Gang fließen lässt.

Fazit

Was findige Ingenieure aus vielen VW-Golf- und Passat-Teilen machen können, wenn sie die Möglichkeiten des MQB größenmäßig ausreizen, beweist der neue CrossBlue: Der Midsize SUV ist bis in seine dritte Reihe einfach zu entern, geräumig, übersichtlich, modern ausgestattet und gut motorisiert. Mit dem neuen B-Segment-SUV rückt VW von der Vorstellung ab, dass Fahrzeuge, die den Europäer überzeugen, auch zwangsläufig auf dem US-Markt funktionieren. Der gelungene CrossBlue könnte ein wichtiger Baustein in dem neuen VW-Ansatz sein, Wagen zu entwickeln, die der US-Kunde einfach mag: Praktisch, bequem und nicht zu teuer. VW verspricht für sein großes SUV einen wettbewerbsfähigen Einstiegspreis von zirka 30.000 Dollar (26.896 Euro). Allerdings nehmen die Amerikaner gerne sehr gut ausgestattete Wagen, was im Falle des CrossBlue und seiner Konkurrenten auf einen Nettopreis von rund 40.000 Dollar ( 35.866 Euro) hinauslaufen würde.

Zu sehen gibt es den neuen CrossBlue auf der L.A. Auto Show (18. Bis 27. November 2016). Der Verkauf startet erst im zweiten Quartal 2017 – schließlich brauchen die 625 US-VW-Händler direkt zum Marktstart gefüllte Lagerhallen, da der Amerikaner nicht bereit ist zu warten, sondern gerne seinen gerade gekauften Wagen sofort mitnimmt. Also müssen bereits vor dem Marktstart einige tausend CrossBlue produziert werden. Nach Deutschland kommt der größte MQB-VW nicht – „zu groß“ meint Volkswagen.

Neuester Kommentar

Im B-Segment regieren immer noch Polo, Corsa und Fiesta. Vielleicht hätte der Redakteur mal kurz nachdenken können, und die US-Segmentklassifizierung erklärt? Oder zumindest "US B-Segement" als Unterscheidungsmerkmal zu der hiesigen Klassifizierung schreiben können?

Samus_Aron 1. September 2016, 10:48 Uhr
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