Fahrbericht des neuen VW Golf GTI: Erste Fahreindrücke vom VW-Kompaktsportler

VW Golf VI GTI

Der VW Golf GTI geht mit neuem Motor und ausgeklügelter Traktionskontrolle in die sechste Generation. Seinen Pragmatismus und die sympathischen Retro-Elemente hat sich der Volkssportler zum Glück bewahrt.

Eigentlich unfair. Mit dem Golf GTI ausgerechnet den Col de Turini hochzustürmen, einen der engsten und kurvenreichsten Pässe der französischen Seealpen, Schauplatz unzähliger Driftorgien in der langen Rallye-Monte-Carlo-Geschichte. Dabei will der GTI doch gar kein echter Sportwagen sein. Wie schon sein Urahn 1976 soll auch Generation sechs wieder Fahrspaß und Alltagsnutzen unter eine Großserienhülle bringen. Doch er schlägt sich richtig gut.

VW Golf GTI mit Zweiliter-Turbo

Serpentine um Serpentine nimmt er die Witterung der WRC-Meute auf, synchronisiert sich präzise und leichtfüßig mit dem Takt des Anstiegs: Spitzkehre, kurze Gerade, Spitzkehre. Zudem verlangt der VW Golf GTI im Fahrbericht nicht einmal besonderes fahrerisches Talent: Dank Turboschub seines Zweiliters und dem breiten nutzbaren Drehzahlband verzeiht er auch mal einen falschen Gang, schiebt in zu hastig angegangenen Serpentinen nur kurz über die Vorderräder, um sich per Gaspedallupfer doch noch freudig ums Eck zu zirkeln.

Und selbst wenn der VW Golf GTI-Fahrer in einer Haarnadelkurve viel zu früh aufs Gas steigt, verkneift er sich haltlos durchdrehende Räder. Fronttriebler-untypisch kontert er stattdessen sogar mit kräftigem Vortrieb. Für den wuchtigen Antritt aus engen Kurven sorgt erstmals bei VW eine XDS getaufte Funktion, die ein mechanisches Sperrdifferenzial per ESP-Elektronik simuliert. Je nach Krafteinsatz und Lenkwinkel wird bei fehlendem Grip nicht wie sonst einfach nur Gas - und damit Agilität - entzogen, sondern gezielt das kurveninnere Vorderrad eingebremst. Doch XDS ist nicht die einzige Neuerung am VW Golf GTI VI: Obwohl sich fast alle Motordaten identisch lesen, hat der Direkteinspritzer wenig mit dem des Vorgängers gemein.

Genügsame VW-Familie

Die aktuelle Generation, zu der auch der 1,8-Liter-TSI im Passat gehört, verspricht Genügsamkeit ohne Spaßeinbußen. Modifizierte Kolben und Kolbenringe reduzieren interne Verluste ebenso wie die optimierten Öl- und Einspritzpumpen. Obwohl der Motorblock noch deutlich mehr Leistung verträgt, fiel das Plus zum Vorgänger mit zehn PS überschaubar aus. Die zur PS-Gewinnung nötigen höheren Ladedrücke hätten zu stark auf das Trink- und Abgasverhalten durchgeschlagen. So bescheinigt VW dem handgeschalteten Euro-5-Motor im VW Golf GTI einen Normverbrauch von 7,4 L/100 km, rund zehn Prozent weniger als bisher. Zudem soll noch Luft für den Ende des Jahres zu präsentierenden R-Golf mit 270 PS und Allradantrieb gelassen werden. Der dürfte in Sachen Motorsound jedoch kaum mehr zu bieten haben.

Wie schon beim Vorgänger resoniert der VW Golf GTI seine Ansauggeräusche über ein Verbindungsrohr in den Innenraum. Und zwar wohl dosiert: Ganz alltagskompatibel sind bei zurückhaltender Fahrweise kaum Lebenszeichen aus dem Maschinenraum zu vernehmen. Unter Volllast brüllt er jedoch tiefkehlig los - nur unterbrochen von einem kurzen Lust-Röhrer beim Gangwechsel des jetzt nochmals schneller klickenden Sechsgang-DSG.

Auch das Fahrwerk mit den aus dem Serien-Golf bekannten adaptiven Dämpfern kennt zwei Tonarten: In Stellung Komfort absorbiert es selbst kurze, abrupte Unebenheiten erstaunlich geschmeidig, um auf Sport spürbar ruppiger abzurollen. Als Gegenleistung lässt es dafür in Kurven weniger Seitenneigung zu. Da zudem die Servounterstützung im Sport-Modus geringer ausfällt, vermittelt die VW Golf GTI-Lenkung mehr Fahrbahnkontakt als die seiner zivilen Brüder.

Golf GTI mit Karosserieschmuck

Mindestens ebenso zum VW Golf GTI-Mythos wie das agile Handling gehört der typische Karosserieschmuck, der in den neunziger Jahren vernachlässigt und mit der Generation V wiederbelebt wurde. So werden Fans erleichtert feststellen, dass auch der neue VW Golf GTI den rot gefassten Waben-Kühlergrill, einen mächtigen Dachspoiler sowie angriffslustige Schürzen und Schweller samt Diffusor-Optik am Heck trägt. Im Innenraum greift der Fahrer ein unten abgeflachtes Sportlenkrad mit roten Ziernähten, tritt auf rutschfest gummierte Alu-Pedale und wird von sehr bequemen Sportsitzen in Position gehalten. Wer auf Leder verzichtet, bekommt zudem den atmungsaktiveren Stoffbezug mit kultigem Schottenkaro-Muster. Außerdem profitiert auch der GTI vom aufgewerteten Golf-VI-Innenraum mit seinen handschmeichelnden Kunststoffoberflächen, präzise rastenden Bedienelementen und der schmucken Instrumentierung.

Auch beinhaltet bereits das Basismodell des VW Golf GTI für 26.650 Euro (DSG plus 1.875 Euro) mehr als nur das Nötigste: Über die 1.000 Euro Mehrpreis zum Vorgänger trösten unter anderem Sitzheizung, Parkpiepser, CD-/MP3-Radio, Mittelarmlehne, Zweizonen-Klimaautomatik und die 17-Zoll-Aluräder in aufwendiger Hohlkammertechnik hinweg. Inklusive sind auch die drei GTI-Traditionsfarben Rot, Weiß und Schwarz, in denen bereits das Gros der Ur-Modelle lackiert war. Und wer möchte, bekommt den VW Golf GTI,  der nach Ostern in den Handel kommt, selbstverständlich auch als Viertürer.

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Dirk Gulde

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