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VW T5 4Motion Seikel Extreme

Ein VW-Bus zum Welt erobern

12 Bilder

Portalachsen kannte man bislang vor allem vom Unimog. Die Firma Seikel will mit dieser Technik nun auch beim VW T5 4Motion hoch hinaus

05.04.2007 Powered by

Wie der VW -Bus in den 50er Jahren zu seinem Kosenamen "Bulli“ kam, ist heute nicht mehr zweifelsfrei festzustellen. Doch diesen Namen, der sich - so die gebräuchlichste Erklärung - aus den Worten "Bus" und ­"Lieferwagen" zusammensetzen soll, wurde das Wolfsburger Multi­talent nie wieder los.

Dass der große Kasten auch im Gelände nicht zu verachten ist, zeigte die 16-Zoll-Allradversion der T3-Baureihe, heute längst ein gesuchter Klassiker. Denn was danach kam, konnte speziell das eingefleischte Trüppchen von Expeditionsreisenden und Baustellenfahrern nur mäßig begeistern. Der T4 wie auch der aktuelle T5 sind in ihren Allradversionen wegen der mickrigen Bodenfreiheit allenfalls schlecht­wegetauglich und von alten ­Ruhmestaten weit entfernt. Ein Manko, das den hessischen VW-Spezialisten Seikel schon eine ganze Weile beschäftigt. Und so bietet er wie bereits für den seligen T3 seit langem auch für T4 und T5 entsprechende Umbaufahrwerke an, um die Nutzfahrzeuge auf ausreichende Bodenfreiheit und geländetaugliche Reifen­größen zu hieven.

Radikaler Umbau mit Portalachsen

Beim neuen Projekt T5 Extreme ging Seikel nun noch weiter als gewöhnlich: Ein radikal um­konstruiertes Fahrwerk, üppige ­Sohlen und jede Menge Zubehör verwandeln den braven Transporter in einen wilden Alles­könner, der sich auch hinter wettbewerbsmäßig aufgemotzten Extrem-Geländewagen nicht zu verstecken braucht. Kernstück des Projekts ist der Umbau auf Portalachsen, die zweierlei bewirken: Durch das Radvorgelege ­erhöht sich die Bodenfreiheit, außerdem kommt es durch das integrierte Getriebe zu einer ­Verkürzung der Übersetzung.

Als ­Bereifung dienen 235/85 R 16er, das entspricht in etwa der ­Se­rien­größe bei einem Land Rover ­Defender und sieht am T5 richtig scharf aus. Besonders dann, wenn - wie beim Testwagen - grobstollige MT montiert sind - der Show-Effekt ist gewaltig, sobald der geliftete Klein­laster die Bühne betritt. Generell lässt sich jeder T5, der den 4Motion-Antrieb an Bord hat, mit dem Seikel-Umbau ausstatten. Dazu werden die Ori­gi­nal­­teile komplett gegen die in Zusammenarbeit mit 25 Ent­wick­­lungsfirmen ­konstruierten Teile ausgetauscht.

Jeder 4Motion-T5 kann umgebaut werden

Ob - wie bei unserem Test­wagen - eine robuste DoKa-­Pritsche als Basis dient oder eine teure und luxuriöse Caravelle, spielt überhaupt keine Rolle. Und natürlich ­lassen sich auch Camper wie der T5 California zum Extrem-Wohnmobil um­rüsten.Beim Pritschenwagen wirkt das Konzept dennoch am schlüssigs­ten - ein Fullsize-Pick-up mal anders. Der bewährte 2,5-Liter-TDI in seiner 130-PS-Ausführung hat mit dem Gute-Laune-Laster trotz des auf den ersten Blick nicht gerade überschäumenden Temperaments keine Mühe.

Das liegt zum einen am braven Ansprechverhalten auch in niedrigen Drehzahlbereichen, zum ­anderen an den Radvorgelegen: Sie verkürzen die Übersetzung um 33 Prozent und kompensieren die größeren Reifen sehr gut. Der Zustieg ist nun höher, doch im Innenraum ist dann vom teuren Umbau nichts zu bemerken - statt hemdsärmeligem Baustellen-Charme die gewohnt gediegene T5-Atmosphäre.

Eine Geländeuntersetzung wird kaum vermisst

Eine Getriebeuntersetzung wird nicht benötigt: Der erste Gang des Transportergetriebes fällt bereits sehr kurz aus, die geänderte Achsübersetzung des Umbaus bringt eine weitere Reduktion um 18 Prozent. Und dann die Radvorgelege: Dem T5 Extreme genügt Standgas (das die Motorelektronik unter Last noch etwas anhebt), um in echter Schrittgeschwindigkeit auch ernsthafte Steigungen zu bewältigen. Zum Anfahren ist der Erste nur im schweren Gelände geeignet - ein reiner Kriechgang.

Der sorgt auch dafür, dass es bergab sehr gesittet und ohne überstürzte Hast zugeht. Schlamm, Felsen, Steil­hänge? Alles kein Thema. 380 Millimeter minimale Boden­freiheit - da unterhält man sich mit Unimog-Piloten auf gleicher Augenhöhe. Allerdings weniger bei Verschränkung, die ist ­systembedingt vergleichsweise schwach, was jedoch durch eine Hinterachssperre, die in unserem Testwagen installiert war, teilweise wieder wettgemacht werden kann.

Neue Bremsen für den extremen T5 von Seikel

Für die Bremsarbeit ist übrigens ebenfalls gut vorgesorgt: Beim T5 Extreme beißen sich vorn wie hinten neu entwickelte Vierkolbenfestsättel in die innenbelüfteten Scheiben. Dies ist auch nötig, denn das Fahrzeuggewicht ist durch den Umbau um rund 180 Kilo gestiegen, außerdem wirkt durch den stark erhöhten Abrollumfang der großen Reifen auch ein erheblich größeres Hebelmoment. Die Räder sehen mit ihrer extremen Ein­press­tiefe gewöhnungsbedürftig aus. Weil die Radvorgelege viel breiter bauen als die Serienradaufhängung, wird durch diesen Trick dennoch eine seriennahe Spurweite erzielt.Der T5 Extreme ist nicht nur ein erstklassiger Wühler, Seikel hat weitere Accessoires im Programm, die den Nutzwert steigern.

Etwa eine verdeckt eingebaute Seilwinde, ein perfekt geformter Ansaugschnorchel, der nicht am erstbesten querhängenden Ast den Abflug probt, sowie ein kräftig dimensionierter Schwellerschutz, falls der beachtliche Rampenwinkel von 25 Grad - bei kurzem Radstand sind es 29 Grad - nicht reicht. Dass der T5 Extreme in unseren Breitengraden wohl ein Exot bleiben wird, ist vor allem den Kosten geschuldet: Mit 29400 ­Euro plus Steuer liegt allein das ­Umbau-Kit auf der Höhe des T5-DoKa-Neupreises. Das lohnt sich tatsächlich nur für Anwender und Institutionen, die diese Technik wirklich brauchen. ­

Die Alltagstauglichkeit wird geringer

Unter dem Umbau leidet die All­tags­tauglichkeit beim Straßeneinsatz. Wegen der verkürzten Übersetzung reduziert sich die Höchstgeschwindigkeit je nach Motorisierung auf maximal 150 km/h. Andererseits stören die deutlich höheren Fahrgeräusche, die von den lauteren Reifen und der Zahnradkaskade in den Radvorgelegen kommen. Wie sich jedoch auf einem abschließenden Straßenkurs zeigte, fährt sich der T5 Extreme mit überraschend hohem Federungskomfort - und angesichts der insgesamt 21 Zentimeter Höherlegung äußerst zivil und sicher.

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