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Ferrari 456 GT Fahrbericht

Concerto Grosso mit V12

Ferrari 456 GT, Frontansicht Foto: Archiv 5 Bilder

Seit 40 Jahren schreibt Klaus Westrup über Autos in auto motor und sport. Für Motor Klassik blättert er in seinem alten Notizbuch und erinnert sich, diesmal an einen Ferrari-Klassiker, den 456 GT.

30.01.2013 Klaus Westrup Powered by

Frühling 1994, wieder einmal gastiert ein Ferrari in der Redaktion. Der 456 GT ist ein mächtig wirkendes Frontmotor-Coupé, der klassische Zweipluszwei und damit auch optisch eine deutliche Abkehr von den formal wilderen Mittelmotor-Konstruktionen.

5,5-Liter-V12 mit 442 PS

Der Ferrari 456 GT mit den charakteristischen Klappscheinwerfern und der stattlichen Länge von genau 4,73 Meter trägt, wie üblich bei der italienischen Rassemarke, sein Einzelzylindervolumen als Typen-Kennzeichen. Zwölf Zylinder hat der 65-Grad-V-Motor unter der vorderen Haube. Wir rechnen nach und kommen auf 5.474 Kubikzentimeter. Seit den frühen Tagen des Superfast aus den Fünfzigern hat kein Serien-Ferrari die magische Fünf-Liter-Grenze geknackt.

Der Ferrari 456 GT tut es völlig ungeniert, liefert 442 PS bei 6.200 Umdrehungen und 550 Newtonmeter Drehmoment. Der Vierventiler ist ein wahres Monster, höchst elegant und seriös verpackt unter einer Pininfarina-Karosse, deren Linie an den berühmt gewordenen GTB/4, besser bekannt als Daytona, aus den Siebzigern erinnert.

Der wahre Nachfolger des Ferrari 365 GTB/4 „Daytona“

Es gehört nicht viel Phantasie dazu, im Ferrari 456 GT den wahren Nachfolger des Daytona zu sehen – schneller, fahrsicherer, einfach besser. Alle Autos haben ja an Temperament inzwischen zugelegt, sogar der 2 CV. Ein Ferrari darf da natürlich nicht zurückstehen. Genau 274 km/h erreicht der Daytona im Test 1973, nicht weniger als 301 sind es beim 456 GT, exakt 21 Jahre später.

Noch beeindruckender sind die Gang-Bereiche des über eine offene, verchromte Kulisse zu schaltenden Sechsganggetriebes im Ferrari 456 GT. Schon der Zweite reicht bei den erlaubten 7.200 Umdrehungen bis 125 km/h, der Dritte bis 175, Nummer vier bis 225, und ganz Eilige können bei 275 km/h noch einmal hochschalten, vom Fünften in den Sechsten.

Der Ferrari 456 gibt sich lammfromm

Sie können, aber sie müssen nicht im Ferrari 456 GT. Die zwölfzylindrige Bestie gibt sich beim normalen Herumfahren lammfromm, legt mit ihrer elektronisch geregelten Bosch-Benzineinspritzung schon ab 1.000 Umdrehungen kraftvoll zu und beeindruckt mit ihrem Minimaltempo im sechsten Gang. Etwas weniger als Stadt-Tempo sind mit diesem Motor möglich, ganze 48 km/h.

Die Leistungsentfaltung wird im Ferrari 456 GT erlebt als ein Musterbeispiel an Stetigkeit. Schön kontinuierlich nimmt die Potenz des hubraumgewaltigen Zwölfzylinders zu, zwischen 5.000 und 7.000 Touren werden die Kräfte geradezu gigantisch. Hinzu kommt eine akustische Untermalung, deren Reinheit und Unverfälschtheit auch einem Placido Domingo schmecken dürfte. Keine künstlichen Klappen steuern das Konzert, alles ist echt, sozusagen naturbelassen – Zwölfton-Musik vom Allerfeinsten.

1,8 Tonnen sind zu bewegen

Nicht weniger als 1,8 Tonnen muss der kurzhubig ausgelegte Vierventiler mit seinen insgesamt vier obenliegenden Nockenwellen in Bewegung versetzen, und auch das gelingt mit Bravour. In 5,2 Sekunden ist der Ferrari 456 GT auf Tempo 100, in nur 18 Sekunden auf 200. Auch die ganz Schnellen in seinem Umfeld haben das Nachsehen.

Nicht weniger als 10 Liter Öl pulsieren durch die Mega-Maschine, immerhin 6 Liter weniger als beim Daytona. Alle 10.000 Kilometer sind sie zu wechseln, der Ventilspiel-Ausgleich erfolgt automatisch. Dass die Nockenwellen im Ferrari 456 GT per wartungsintensivem Zahnriemen angetrieben werden, ist schwer verständlich. Ein Wechsel kostet rund 1.200 Euro – der Motor kann drinbleiben.

Interieur – feines Leder überall

Es gibt ein hübsches Werkzeug-Set, eine Art Erste-Hilfe-Kasten für den V12, mit dem die Mehrzahl der 456er-Käufer wohl wenig anzufangen wüssten. Wer den Innenraum des Ferrari 456 GT erlebt hat, mag sich schraubende Finger ohnehin nicht vorstellen. Feines Leder allüberall, dazu ein Ausstattungs-Stil der großen, teuren Auto-Welt. Ganz auffällig, gerade auch im Unterschied zu einem Jetztzeit-Ferrari, die Schlichtheit der Darbietung und die Funktionalität der Bedienung.

Das Lenkrad mit seinem lederummantelten Kranz und dem dezenten Ferrari-Pferdchen in der Mitte, keine Tasten, keine Hebel. Davor, schön groß, Tachometer und Drehzahlmesser, ein wenig versetzt in Richtung Konsole fünf kleine Instrumente, darunter gerade mal eine Handvoll Schalter. Dahinter, ganz dominierend, der Schalthebel mit seinem runden Knauf aus Leichtmetall. Sonst wäre der Ferrari 456 GT noch schwerer geworden.

Tempo und Komfort

Wer den fabelhaften Geradeauslauf des GTB/4 je erlebt hat, ist beim Ferrari 456 GT nicht mehr überrascht, wie mühelos und anspannungsfrei hohe Autobahntempi möglich sind. Auch der Federungskomfort ist tempoabhängig – je schneller, desto besser. Die Dämpferhärte kann man verstellen, aber wie so oft bei solchen Optionen erscheint die Normalposition als die geeignetste.

Gegenüber dem alten Daytona und auch gegenüber dem einstigen Rest des Ferrari-Programms zeigt der Ferrari 456 GT ein klares Plus in Sachen Federung, zieht vor allem auf der Autobahn mit guten Limousinen gleich. Es sind die echten Gran Turismo-Qualitäten, die sich hier zeigen – in einer betörend eleganten Verpackung und einem brillanten Antrieb. Verblüffend immer wieder, wie schlupfarm die hohe Leistung auf den Boden gebracht und wie wenig ein Vierrad-Antrieb vermisst wird.

Ferrari fahren und Geld verdienen

Auch der Benzinverbrauch profitiert von diesem Verzicht, doch auch so will der riesige Zwölfzylinder gut mit Super Plus versorgt sein. Unter 15 Liter pro 100 Kilometer läuft gar nichts, das Maximum reicht an 30 Liter heran, im Testmittel sind es für den Ferrari 456 GT 19,5.

Sparsamer als der berühmte und teuer gewordene Daytona ist der Ferrari 456 GT also nicht, wohl aber erheblich billiger. Während der kultisch verehrte GTB/4 ganz aktuell mit rund 250.000 Euro taxiert wird, ist ein gut erhaltener Ferrari 456 GT schon zwischen 40.000 und 60.000 Euro zu haben. Das klingt nicht nur nach Zwölfzylinder, sondern auch nach Investment. Ferrari fahren und Geld verdienen – ganz ausgeschlossen scheint das mit einem 456 GT nicht.

Technische Daten
Ferrari 456 GT
Grundpreis187.388 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4730 x 1920 x 1300 mm
Hubraum / Motor5474 cm³ / 12-Zylinder
Leistung325 kW / 442 PS (550 Nm)
Höchstgeschwindigkeit302 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,2 s
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