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Ferrari 458 Italia im Fahrbericht

Wir fahren uns selbst um die Ohren

Ferrari 458 Italia Foto: Rossen Gargolov 22 Bilder

Der Ferrari 458 Italia will mehr sein als eine F430-Weiterentwicklung: Der Mittelmotor-Zweisitzer mit 570 PS soll die Tür zu einer neuen Dimension aufstoßen. Wie weit er diese Tür aufstößt, klärt unser Fahrbericht vom Ferrari 458 Italia.

11.05.2010 Marcus Peters

Es sind die gleichen Korkenzieher-Kurven, die gleichen Brutalo-Bodenwellen hier oben in den Hügeln über Maranello. Nur der Asphalt ist schmieriger als bei der letzten Ausfahrt im Ferrari 430 Scuderia. Damals waren wir begeistert. Jetzt sind wir fassungslos. Übertrieben formuliert: Wir fahren uns zu unserem Fahrbericht im Ferrari 458 Italia selbst um die Ohren in dieser weltverlassenen Gegend. Ferraris neuer Mittelmotor-Zweisitzer erteilt auch eine Lektion in Querdynamik.

Mehrlenker für den Ferrari 458 Italia

Dabei weigert sich der Ferrari 458 Italia zu rutschen oder wenigstens zu versetzen, lässt sich vom Herbstlaub kaum aus dem Tritt bringen. Selbst dann nicht, als bei 6.000/min 540 Nm über die Hinterachse herfallen. Der Gegenlenk-Reflex lässt bereits die Hände zucken, aber es gibt nichts zu tun. Das muss der Verstand erst einmal begreifen. Ebenso, dass hier eine neue Hinterachs-Konstruktion erfolgreich um Renommee kämpft. Die doppelten Dreiecks-Querlenker sterben aus. Es gibt etwas Besseres, erstmals bei Ferrari im California eingesetzt: den Mehrlenker. Was sie in Maranello mit dieser Großserien-Erfindung angestellt haben? Ein Geheimnis. Jedenfalls wird der Italia damit zu einer Art Scuderia-Version des Scuderia, federt aber noch besser als der Ferrari F430.

Fahrbericht: Der Ferrari 458 Italia will neue Maßstäbe setzen

Die Stoßdämpfer des Ferrari 458 Italia ähneln denen des Ferrari 599 GTB Fiorano. Allerdings hat Zulieferer Delphi daraus eine serienreife Komponente des autonomen Fahrens entwickelt: Schneller als der Pilot begreift der Italia die Straße, will neue Maßstäbe bei der Mensch-Maschine-Beziehung setzen – der Ferrari denkt vor, was sein Pilot mit ihm anstellen könnte. Fahren als unheimliche Geistesgegenwart. Von Modell zu Modell hat das Engineering sukzessive den Mythos eingeholt. Was es jetzt für zugegeben sündteure 194.000 Euro gibt, ist sein Geld wert – und wirft provozierende Fragen auf: Wer wird der Fahrwerks-Finesse des Ferrari 458 Italia Paroli bieten? Wer nimmt es mit dem achtzylindrigen Emotions-Vulkan auf?

Der V8-Motor des Ferrari 458 als emotionaler Höhepunkt

Der Motor des Ferrari 458 Italia ist eine Weiterentwicklung des F430-V8, jetzt mit 4,5 Liter. Wenn seine drei Drosselklappen öffnen, die Direkt-Einspritzung ihren doppelten Strahl platziert und die Ventile variabel den 9.000/min entgegenfiebern, dann entspricht das in der Explosivität einem massearmen Rennmotor. Doch gleichzeitig lässt sich der Ferrari 458 Italia ruck- und lärmfrei bei Leerlaufdrehzahl durch die Stadt rollen, wie wir es für unseren Fahrbericht gemacht haben. Und er legt dank seinem Drehmoment-Verlauf schon im mittleren Drehzahlbereich mit der Wucht eines Sumo-Ringers los. Außerdem klingt er deutlich melodischer als der F430. In einem Moment der Reflexion wird klar: Dieser V8 ist ein emotionaler Höhepunkt in der Geschichte des Verbrennungsmotors.

Zwei Stellungen im Ferrari 458 Italia beeindrucken: CT off und Race

Wie schon im F430 beeinflusst das Manettino, der Hebel am Lenkrad, Motor, Getriebe, Stoßdämpfer, E-Differenzial, ABS, Traktionskontrolle und ESP. Zwei Stellungen beeindrucken im Ferrari 458 Italia: CT off und Race. Letzteres wird zum Ideallinien-Lehrer, lässt genau so viel Leistung auf die Hinterachse los, wie die Kurve verträgt. Ohne Gängelband. Die nächste Stufe, genannt CT off, deaktiviert die Traktionskontrolle und versetzt ESP für Rennstrecken-Akrobaten in den Drift-Modus – erst kurz vorm Dreher pfeift die Stabilitäts-Hilfe das Heck zurück. Der Ferrari 458 Italia lässt Dinge mit sich anstellen, die frühere Mittelmotor-Renner schon mal in die Leitplanke befördert hätten. Lastwechsel-Reaktionen? Pah. Überlenken? Na und. Vollgas im Scheitelpunkt? Auch das macht der Ferrari 458 Italia in unserem Fahrbericht mit. Nur wer es bei abgeschalteter Traktionskontrolle darauf anlegt, bringt den Ferrari 458 Italia aus der Ruhe. Dann allerdings ist nach wie vor ein feinfühliger Gasfuß gefragt, denn 570 gereizte PS können heftig überreagieren.

Die Lenkung des Ferrari 458 Italia funktioniert rein hydraulisch

Immerhin verharren beide Hände im Sinne maximaler Kontrolle am Lenkrad, der Multifunktions-Einheit mit Ursprung Formel 1; Kern-Bedienelemente wie Blinker, Lichthupe, Scheibenwischer, Stoßdämpfer-Knopf und Setup-Verstellung liegen im Daumen-Bereich. Wichtiger noch ist das Spitzkehren-Verhalten der neuen Rennwagen-Übersetzung. Grobmotorisches Umgreifen war gestern, heute wird spitzfingerig gezirkelt, woran man sich gewöhnen muss. Die ersten Kurven verbiegen sich zu Schlangenlinien, weil das gelernte Einlenken zu stark ist. Gleiches gilt übrigens für den Gegensteuer-Reflex beim Driften und kann in einem unfeinen Konter enden. Was den Lernprozess andererseits einfach gestaltet: Die Lenkung des Ferrari 458 Italia funktioniert rein hydraulisch und bietet uns im Rahmen dieses Fahrberichts ein echt Gefühl.

Vom Lenkrad aus lässt sich auch das Getrag-Getriebe mittels Paddel dirigieren. Wir schätzen es bereits seit dem Ferrari California, es serviert seine sieben Gänge im Direktschalt-Verfahren, also ohne erkennbare Pause. Natürlich, das kann ein VW Golf mit DSG prinzipiell auch. Aber nicht so wie ein Ferrari 458 Italia. Denn Ferrari hat das Schaltgefühl der sequenziellen F1-Box des Scuderia einprogrammiert – das Knall-Geräusch, wenn sich nach der Zündunterbrechung unverbrannter Kraftstoff im Abgaskrümmer entzündet. Eine Art akustischer Ruck, der die Nervenbahnen kitzelt.

Die Zeit der Handschaltung ist für Ferrari vorbei

Vom Fuß hervorgerufene Kupplungsrucke wird es künftig übrigens nicht mehr geben. Die Zeit der Handschaltung ist im Ferrari 458 Italia vorbei, ihr Tod auch für die übrigen Modellreihen beschlossene Sache. Angesichts des Direktschalters, so die Argumentation der Ingenieure, sei die Kulisse nicht mehr als ein Anachronismus. Wie kaltherzig. Um Wärme machen sich die Entwickler andere Gedanken. Wiederum aus der Formel 1 stammt die Idee der Temperatur-Überwachung, dort Monitoring genannt. Ein skizziertes Auto im linken Display des Harman-Infotainments zeigt dem Fahrer farblich an, ob sich Motor, Bremsen und Reifen bereits für die anstehende Attacke erwärmt haben. Grün steht für ideal und vermittelt beim zackigen Einlenken oder schmissigen Herausbeschleunigen ein beruhigendes Gefühl.

Dankbar registriert man diese vertrauensbildende Maßnahme, wenn es im vernieselten November ins Kurven-Dickicht hinter Maranello geht. Dort hakt sich der Neue wie auf Spikes ins rutschige Parkett ein, carvt trotz fast zwei Meter Karosseriebreite zwischen Felsen und Abhang hindurch. Je verworrener die Strecken, desto begieriger. Bis etwas rot leuchtet – nicht der Abendhimmel, sondern der Fahrer. Der Ferrari 458 Italia hat ihn durchgeglüht.

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Technische Daten
Ferrari 458 Italia
Grundpreis199.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4527 x 1937 x 1213 mm
KofferraumvolumenVDA230 L
Hubraum / Motor4499 cm³ / 8-Zylinder
Leistung419 kW / 570 PS (540 Nm)
Höchstgeschwindigkeit325 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,4 s
Verbrauch13,3 L/100 km
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