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Ferrari 458 Speciale im Fahrbericht

Spezial-Auftrag aus Maranello

Ferrari 458 Speciale, Seitenansicht, Driften Foto: Hans-Dieter Seufert 26 Bilder

Kann es so etwas wirklich geben – eine Art Sport-ESP, das Driften unterstützt? Der Ferrari 458 Speciale soll genau das bieten. Er ist die Extremversion des 458 Italia und damit noch ambitionierter. Wir haben ihn im Fahrbericht.

18.01.2014 Marcus Peters Powered by

Wir müssen zugeben, dass wir noch nie so neugierig wie diesmal auf einen Ferrari waren. Noch nie so begierig, ihn zu fahren. Irgendwie aufgeregt und voller kindlicher Vorfreude. Denn der Ferrari 458 Speciale soll etwas können, das bislang undenkbar schien: den Fahrer beim Driften unterstützen. Da steht sie in der Boxengasse von Fiorano, der Teststrecke von Ferrari, die kompromissloseste Variante der V8-Reihe mit Mittelmotor. Und läuft im summenden Leerlauf warm.

Ferrari 458 Speciale tritt Nachfolge von F430 Scuderia an

Wie schon der 360 Challenge Stradale sowie der 430 Scuderia ist der Neue die Straßen-Version der Rennwagen-Version der Straßen-Version. Doch die Änderungen übersteigen diesmal das gewohnte Maß deutlich: Der Ferrari 458 Speciale ist die größte Evolution auf einem bestehenden Modell bei Ferrari bislang. „Am Ende waren der Umbau so gewaltig und das Auto so speziell, dass uns der Name nicht schwerfiel: Speciale“, erklärt Entwicklungsdirektor Roberto Fedeli. Den normalen Ferrari 458 Italia hatten wir bereits im sport auto-Supertest.

Der Ferrari 458 Speciale hat seine Muskeln deutlich auftrainiert – etwa an den ausgestellten Kiemen der Frontschürze und an den zusätzlichen Lufteinlässen. Neben den Frontscheinwerfern wirken sie wie Mini-Sixpacks. Das brutalisiert den Speciale enorm. Doch wirklich stolz ist Fedeli darauf, dass die Karosserie ohne Flügel auskommt: „Beim Italia haben wir mit dem Durchströmen der Karosserie begonnen, jetzt perfektionieren wir die Aerodynamik mit aktiven sowie passiven Elementen.“

Der Luftwiderstand bewegt die vorderen Flaps, ein computergesteuerter Elektromotor die Klappe im Diffusor – je nachdem, ob an der Hinterachse mehr oder weniger Abtrieb benötigt wird.

Eingebaute Drift-Hilfe im Speciale

Trotz dieses zusätzlichen E-Motors wurde der Zweisitzer unter dem Strich 80 Kilogramm leichter – 30 Prozent davon durch Ausräumen des Innenraums, 40 durch leichtere Anbauteile außen wie etwa gewichtsreduzierte Scheiben und den Rest durch einen geänderten Auspuff, filigranere Felgen sowie eine neue Bremsanlage. Als Trockengewicht des Ferrari 458 Speciale gibt Ferrari nun 1290 Kilogramm an, wobei sogar der Motor noch acht Kilogramm verloren hat – und 605 PS leistet.

Weniger Gewicht, mehr Leistung, höherer Abtrieb und dazu Sportreifen – da müssten doch die Rundenzeiten in Fiorano purzeln. „Verglichen mit dem Italia ist der Ferrari 458 Speciale um 1,5 Sekunden schneller, schafft eine Zeit von 1:23,5“, bestätigt der Ingenieur, um hinzuzufügen: „Und selbst Normalsterbliche kommen bis auf vier Sekunden an die Vorgabe unseres Testfahrers heran.“

Dabei helfen natürlich wieder ausgefuchste Regelsysteme wie etwa das mit dem F430 eingeführte und im Scuderia perfektionierte elektronisch geregelte Differenzial samt Traktionskontrolle F1-Trac. Damit haben die Ingenieure bereits bewiesen, wie ein modernes ESP einen Sportwagen auf der Rennstrecke schneller machen kann. Das hat schon schwer beeindruckt; doch erst der Ferrari 458 Speciale verlässt die Grenzen der fahrerischen Vorstellungskraft: Sein Side Slip Angle Control System (SSC) soll eine Art eingebauter Drift-Lehrer sein.

Lenken mit dem Gaspedal beim Ferrari 458 Speciale

Bei so einem Versprechen ist Skepsis angebracht. Wie soll das gehen: eine Drift-Hilfe? Normalerweise versucht die Regel-Elektronik, Quersteher bereits im Keim zu ersticken, oder lässt im Falle des Sport-ESP im Ferrari 458 Speciale nur einen kaum nennenswerten Schwimmwinkel an der Hinterachse zu – Driften kann man das noch lange nicht nennen. Fedeli registriert das Stirnrunzeln und erklärt: „Wir wollen das Lenken mit dem Gaspedal vereinfachen, weil Mittelmotor-Sportler im Grenzbereich nicht ganz ohne sind.“

Auf Stellung Race des Manettinos am Lenkrad sorgt SSC dabei ähnlich wie bisher für perfekte Performance, also effektive Traktion und Stabilität, lässt aber am Kurvenausgang bereits mehr Schlupf zu; es schneidet weniger Leistung ab als beim Italia. Bewusstes Übersteuern soll das System im Ferrari 458 Speciale dann in der Stellung CT off erlauben – was wir natürlich sofort überprüfen wollen.

Längst ist der Achtzylinder im Ferrari 458 Speciale heiß gelaufen; ein netter Kollege hat auch bereits die Reifen auf Temperatur gebracht. Wir müssen also keine einzige Runde an das Aufwärm-Prozedere verschwenden, hechten aus der Box und stürmen mit kehlig-kreischenden 9.000/min auf die Rechtskurve nach der Geraden zu. Sie geht im zweiten Gang und weitet sich auf – gute Voraussetzungen für einen ersten Versuch.

Wir fahren also neutral rein, vermeiden Untersteuern, balancieren über den Scheitelpunkt und gehen progressiv ans Gas – erst schleppend, dann fordernder. Sanft reckt der Ferrari 458 Speciale seine Nase, setzt sich auf die Hinterläufe, rammt sein Profil erst in den Asphalt, gibt dann in den Blöcken leicht nach, ohne wegzuknicken. Ab jetzt vergrößert das Heck den Kurvenradius sukzessive – der Ferrari driftet, doch er macht es weich.

Gefühlt besteht eine direkte Verbindung zwischen dem Gaspedal und dem Driftwinkel. So, wie es die Redewendung vom Mit-dem-Gaspedal-Lenken suggeriert, es einem aber in der harten Mittelmotor-Wirklichkeit nie vorkommt. Da schnappt die Hinterachse im Grenzbereich meistens weg, und beim Fahrer bricht die Gegenlenk-Hektik aus. Nicht beim Ferrari 458 Speciale: Er ermutigt zu mehr, wirkt nie kippelig.

Wir testen das System auch mit offensichtlichem Missbrauch

Längst haben wir per Paddelzug die dritte Welle angefordert – im Drift, wohlgemerkt –, und der Ferrari 458 Speciale zuckt nicht einmal beim Gangwechsel. Am Kurvenausgang trollt sich das Heck wie von selbst wieder auf die Ideallinie zurück. Wir setzen weich, aber bestimmt in die Vierte-Gang-Links um. Was jetzt passiert, ist für Außenstehende nur schwer zu fassen: Der Ferrari 458 Speciale wiederholt die Choreografie von eben – kommt bei deutlich höherem Tempo quer, aber wiederum sanft und verlässlich. Highspeed-Overstearing nennen das die Engländer, und es endet häufig im Abflug, weshalb hier das ESP in fast jedem Auto sofort die Reißleine zieht.

Beobachter reißen die Augen auf, befürchten bereits Schlimmstes, doch der Ferrari 458 Speciale gleitet samtig im konstanten Schwimmwinkel über die Piste. Erneut endet der Drift so weich, wie er begonnen hat, erneut hat ESP nicht gemaßregelt. Ob es überhaupt arbeitet? Wir machen den Missbrauchs-Test, lenken in der Spitzkehre ein und geben tapsig Vollgas. Das Heck zuckt in den Ausfallschritt – und schon regelt die Elektronik das Drehmoment weg; der Speciale zieht an der Sicherheitsleine. So, wie es sein muss.

In diesem Moment wissen wir auch, was Vorstandschef Amedeo Felisa meinte, als er uns beim letzten Besuch erklärte: „Der Ferrari 458 Speciale soll den Fahrer nicht überfordern, sondern das Gefühl vermitteln, er hätte ihn wirklich unter Kontrolle.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Datenauslese wie bei einem Renn-Team

Gegen Aufpreis bietet Ferrari beim 458 Speciale eine Art Telemetrie an: Man kann im 458 Speciale seine Hausstrecke beim Abfahren ins bordeigene System einlesen – und künftig seine Zeiten vergleichen. Das geht dann so weit, dass das System Parameter wie Bremspunkte und Linienwahl, Gaspedal- und Drosselklappenstellung überwacht. Die Daten lassen sich auf einen USB-Stick auslesen und anschließend in Form von Graphen darstellen. Der Fahrer kann den Schlupf sowie eventuelle Eingriffe der Regelelektronik des Ferrari 458 Speciale beurteilen. Wer also häufiger auf abgesperrten Strecken unterwegs ist, hat damit fast einen Kommandostand à la DTM dabei.

Fazit

Es ist kaum zu glauben: Ferrari bringt tatsächlich als erster Hersteller der Welt eine Form des Sport-ESP in Serie, die das Driften unterstützt – und dennoch eine Art Sicherheits-Reißleine bietet, um Dreher zu verhindern. Doch selbst ohne dieses Feature ist der 458 Speciale erstaunlich einfach zu fahren – für einen Mittelmotor-Supersportwagen mit 605 PS.

Technische Daten
Ferrari 458 Speciale
Grundpreis232.530 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4571 x 1951 x 1203 mm
KofferraumvolumenVDA230 L
Hubraum / Motor4497 cm³ / 8-Zylinder
Leistung445 kW / 605 PS (540 Nm)
Höchstgeschwindigkeit325 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,0 s
Verbrauch13,3 L/100 km
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