Ferrari Scuderia Spider 16M: Die limitierte Cabrio-Version im Fahrbericht

Ferrari Scuderia Spider 16M

Wer im Ferrari Scuderia Spider 16M einem Tunnel ausweicht, verpasst ein Surround-Sound-Erlebnis. Die auf 499 Stück limitierte offene Version des Ferrari 430 Scuderia verliert den letzten Dämmstoff - das Dach. Und selbst das Dezibel-Messgerät ist am Limit.

Es ist mehr als eine Hörprobe im Tunnel: eine Art Abschiedskonzert. Die offene Version des Ferrari 430 Scuderia, der Ferrari Scuderia Spider 16M, sei der letzte Ferrari, der seine Lebenslust unzensiert herausschreien darf, heißt es resigniert in Maranello. Die EU drohe mit rigiden Beschränkungen und wolle den Lautstärkeregler blockieren. Wir danken für diesen Hinweis - und gönnen uns das akustische Spektakel, solange es noch möglich ist. Röhren wir also durch die Röhre, bis der Putz von der Decke rieselt.

Ferrari Scuderia Spider 16M gehört bald zum alten Eisen

Ein Cabrio im Tunnel entspricht einem Open-Air-Festival in der Halle. Für eine Gage von 255.350 Euro haben sich die derzeit fanatischsten Rocker der Leichtmetall-Gemeinde angekündigt: die acht Zylinder-Hitzköpfe aus Maranello. Zusammen 4,3 Liter groß, 510 PS beziehungsweise 470 Nm stark und mit einem Hang zu Drehzahl-Exzessen bis 8.500/min. Dass sie ab Herbst, wenn auf der IAA 2009 der Nachfolger des Ferrari 430 vorgestellt wird, zum alten Eisen gehören sollen, stachelt sie auf ihrer letzten Tournee geradezu an.

Jähzorniger Achtzylinder-Mittelmotor im Ferrari Scuderia Spider 16M

16M trägt der scuderisierte Ferrari 430 Spider im Namen. Das M steht für Mondiali, also Weltmeisterschaft, die 16 für die Anzahl der Konstrukteurs-Titel in der Formel 1. Und tatsächlich kommt das Ferrari Cabrio Felipe Massas Rennwagen näher als das Ferrari Coupé - auch Monoposti sind offen. Der Ferrari Scuderia Spider 16M markiert Höhepunkt und Finale der Ferrari 430-Baureihe - und ist eine blechgewordene Begründung dafür, warum die Mythos-Marke aus der Sportwagenwelt herausragt: ein offener Mittelmotor-Zweisitzer mit einschüchterndem Auftritt, jähzornigem Achtzylinder, explosivem Fahrverhalten und brutalem Sound. Nicht zu vergessen mit einer Erlebnis-Intensität, die allenfalls Motorradfahrer kennen. Mehr Ferrari bietet derzeit kein anderes Modell.

Ferrari Scuderia Spider 16M ist auf 499 Stück limitiert

Das alles schürt Begehrlichkeit, und Verknappung heizt sie bis hin zur Begierde an. Anders als das Ferrari Coupé 430 Scuderia ist das Ferrari Cabrio Scuderia Spider 16M limitiert: 499 Stück will Ferrari bis Ende dieses Jahres bauen, bestätigt eine Plakette auf dem Armaturenbrett wie zur Vergewisserung, dass es nicht doch das Dreifache der angekündigten Menge wird. So wie damals beim Supersportwagen Ferrari 40. Etwa zehn Prozent werden übrigens die deutschen Straßen mit ihrer Verbrennungs-Musik beschallen. Und für Sound-Fetischisten ist es Gnade, wenn sie einen Ferrari Scuderia Spider hören dürfen. So wie jene Motorradgruppe, die am Ausgang des Tunnels rastet und gespannt die Ohren spitzt, als Donner grollt. Kurz nach der akustischen Lawine rollt der Ferrari Scuderia heran, und die Biker sind verdutzt. "Wir dachten, es kommen mehrere Rennmaschinen", stammeln sie.

Ferrari Scuderia Spider 16M mit 131,5 dbA Schalldruck im Fahrbericht

Als sich das Schallgewitter verzogen hat, bestätigt das Schalldruck-Messgerät, was die klingelnden Ohren vermuten lassen: Es war laut. Sehr laut. Unfassbare 131,5 dbA hält das Display für die Vorbeifahrt im Tunnel fest. Stellt sich die Frage: Ist der Wert im geöffneten Auto genauso hoch? Schließlich liegt das Einzige, das die Schallwellen dämpfen könnte, zusammengefaltet hinter den beiden Sitzen: das elektrisch betätigte Stoffverdeck. Zweiter Versuch. Nun befindet sich das Messmikrofon auf Ohrhöhe am Windschott. Wieder bildet der Scuderia eine Klangwolke, verdichtet sie, bis sie sich blitzschnell entlädt und die Schallwellen an den Tunnel-Enden herausdrückt. Und erneut zeigt das Display 131,5 dbA an - so laut wäre auch ein Düsenflugzeug in 100 Meter Entfernung.

Das Ferrari Cabrio wiegt 90 Kilogramm mehr als das Coupé

Doch man darf den Ferrari Scuderia Spider 16M nicht als Sound-Generator abtun: Genauso wie der Ferrari 430 Scuderia ist er ein GT-Rennwagen, nur eben offen - und das macht die Streckenwahl so schwierig. Fährt man über den Pass, ist das Klangerlebnis nur halb so intensiv. Entscheidet man sich für den Tunnel, verpasst man die Bergwelt mit ihren Serpentinen. Das wäre fatal. Denn dass das Ferrari Cabrio 90 Kilogramm mehr wiegt als das Ferrari Coupé, merkt man nur an den Rundenzeiten (Fiorano: 1.26,5 statt 1,25 Minuten), nicht jedoch beim Fahren selbst. Da bleibt der Ferrari Spider ganz Scuderia. Und der ist eine Fahrmaschine. Mit unstillbarer Gier wirft sich der Ferrari Scuderia Spider 16M in die Kurve. Schlupffrei katapultiert er sich aus dem Scheitelpunkt heraus. Hemmungslos peitscht die Drehzahl nach jedem Schaltvorgang erneut hoch, bis die LED-Blitze am Lenkrad den Begrenzer anzählen.

Der Ferrari Scuderia Spider 16M gleicht Fahrfehler aus

Und trotz aller Besessenheit besitzt der Ferrari Scuderia Spider die Langmut, Fahrfehler großzügig auszugleichen. Denn so sehr er sich wie ein Rennwagen gibt - das elektronisch gesteuerte Sperrdifferenzial samt Traktionskontrolle F1-Trac hat ein wachsames Auge auf die ausbruchsgefährdete Hinterachse. So verliert das Mittelmotor-Konzept seinen Lastwechsel-Schrecken, und es bleibt der Intensivgenuss der spielfreien Bewegung in Wechselkurven. Beim Piloten kommen Heldengefühle auf, obwohl das Können mehrheitlich auf Seiten der ausgefuchsten Elektronik liegt.

Unaufhaltsam: Der Ferrari Scuderia Spider 16M

Ohne schützendes Dach über dem Kopf lässt der geöffnete Ferrari Spider seine Passagiere noch inniger an der Dramatik des Fahrens teilnehmen als das Ferrari Coupé - weil mehr Äußerungen über die hohe Gürtellinie dringen: etwa der Geruch der heißgewalkten Sportreifen Pirelli PZero Corsa. Oder das Klicken der ausglühenden Keramikbremsen. Nicht zu vergessen die dumpfen Schaltsalven, wenn das sequenzielle Sechsganggetriebe F1 die Gänge im 60-Millisekunden-Stakkato in den Antriebsstrang rammt. Und schon wären wir wieder bei der martialischen Akustik. Liebe Dezibel-Bremser der EU: Den Ferrari Scuderia Spider 16M könnt Ihr uns nicht mehr nehmen. Ihr kommt zu spät.

Kommentare
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Marcus Peters

Autor:

auto motor und sport, Heft 14 / 2009

131,5 dbA im Tunnel - Der Ferrari Scuderia Spider 16M ist fast so laut wie ein Düsenflugzeug. Was halten Sie von solch einem Schallgewitter?
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