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Fiat 1500

Der Schwarm

Foto: Arturo Rivas 11 Bilder

Es muss am Äußeren liegen: Dort, wo ein Fiat 1500 Cabriolet auftaucht, zieht es sämtliche Blicke auf sich. Doch der schicke wie schlichte Zweisitzer aus den sechziger Jahren verfügt ebenso über innere Werte.

18.09.2008 Michael Schröder Powered by

"Als Boulevardauto und Junggesellenhilfe ist dieser offene Wagen ideal"

Zu diesem Urteil kam Gert Hack in auto motor und sport, Heft 22/1964, nachdem er eine ausgiebige Testfahrt im Fiat 1500 Cabriolet absolviert hatte.

Ganz offensichtlich schien dem Redakteur aufgefallen zu sein, dass dieses auf den ersten Blick vergleichsweise unscheinbare und schlicht gezeichnete Cabriolet eine nicht unerhebliche Wirkung auf die Damenwelt ausstrahlt. Hat ein italienisches Auto ein größeres Kompliment verdient? Wohl kaum.

Pininfarina hatte sich diesen schicken Zweisitzer ausgedacht. Das war 1958 und bereits der zweite Versuch des Designers für Fiat in Sachen Cabriolet. Nummer eins, der 1100 Transformabile, war in der Gunst der Kunden mit Pauken und Trompeten durchgefallen. "Zu pummelig um die Hüften" lautete beispielsweise einer von zahlreichen Kritikpunkten. Der Meisterzeichner hatte sich vermutlich zu sehr an seinem eigenen, einzigartigen Design des Lancia Aurelia orientiert, von dem nicht wenige sagen, es sei Pininfarinas schönstes Auto überhaupt. Doch beim Transformabile passte vieles irgendwie nicht zusammen.

Pininfarina hatte nun also etwas gutzumachen. Und Fiat brauchte unbedingt ein Auto, das es mit dem Alfa Romeo Giulietta Spider und den allmählich schwer in Mode kommenden britischen Roadstern vom Schlage eines Austin Sprite oder eines MGA aufnehmen konnte.

Modern gezeichneter Sportwagen mit bravem Großserienmotor

Was der Mailänder Konzern im Frühjahr 1959 auf dem Genfer Salon schließlich präsentierte, war zumindest optisch ein echter Sportwagen. Und gleichermaßen eine Absage an die rundliche Pontonform und die "Hüftschwung"-Ära. Das Fiat 1200 Cabriolet wirkte aus jedem Blickwinkel modern und sachlich. Und gefiel von Anfang an. Das Geheimnis von Pininfarina? Gerade Linien und der Verzicht auf überflüssigen Zierrat.

Unterm Blech des 10.950 Mark teuren Autos werkelte jedoch das 58 PS starke Triebwerk der 1200-Limousine. Damit war die Sache mit dem Sport erledigt. Außer man griff gegen Aufpreis von rund 2.000 Mark zu einem der Cabriolets, die durch einen von den Gebrüdern Maserati konstruierten Motor befeuert wurden. Dieses 1500er-Triebwerk von OSCA (Officine Specializzate Construcioni Automobili) mit zwei obenliegenden Nockenwellen leistete im Renntrimm bis zu 140 PS. Obwohl Fiat diesen Treibsatz zu Gunsten der Haltbarkeit arg in seinem Temperament beschnitt, boten die 75 PS des 1500 Cabriolets (später 1500 S) deutlich mehr Fahrspaß und Dynamik als die hubraumschwächere Ausgabe.

Doch während die OSCA-Version (damals wie heute) Raritätenstatus genießt, fand das 1200 Cabriolet rund 11.800 Fans. Grund genug für Fiat, 1963 den Wagen optisch im Frontbereich leicht zu überarbeiten und ihn zumindest ansatzweise mit etwas mehr Temperament auszustatten. Der Motor der zuvor eingeführten 1500 Limousine kam da wie gerufen. Dieses langhubig ausgelegte ohv-Aggregat (Typ 115) leistete immerhin 67 PS und galt als überaus zuverlässig.

Fiat 1500 als Startplatz-Garant

Auf die Haltbarkeit der Maschine schwört auch Bernd Karrer aus Balingen. Knapp 20.000 Kilometer hat der Unternehmer mit seinem Fiat 1500 Cabriolet (Baujahr 1965) in den vergangenen sechs Jahren zurückgelegt. Die meisten davon nach Feierabend auf der Schwäbischen Alb. Technische Sorgen? Nicht der Rede wert. Dach auf, Warmfahren und genießen. "Jede Ausfahrt in diesem unproblematischen Auto ist wie ein Kurzurlaub."

Karrer setzt den Fiat zudem regelmäßig bei Rallyes wie der Südwest- oder Schwarzwaldklassik und erstmals bei der Silvretta-Classic ein. "Mit dem Wagen erhält man immer einen Startplatz", erklärt der engagierte Fahrer - und freut sich insgeheim darüber, dass sein vergleichsweise günstiger wie seltener Fiat zumindest in diesem Fall gegenüber der Mercedes-SL- oder 911-Armada von Porsche bevorzugt wird.

Bereits nach wenigen Kilometern hinter dem steil stehenden Lenkrad wird Karrers Begeisterung für dieses Cabrio verständlich. Der Fahrer sieht auf ein harmonisch gestaltetes Armaturenbrett mit zwei großen Rundinstrumenten: rechts ein Tacho, links die Anzeige für Wassertemperatur und Tankinhalt. Dazwischen eine Uhr, während die Konstrukteure einen Drehzahlmesser für überflüssig gehalten haben. Kurze Schaltwege ebenso. Sport? Dafür war auch der 1500 nicht unbedingt vorgesehen.

Dieser Wagen wurde ganz offensichtlich für ein mondänes Leben an der Riviera erdacht. Die Besatzung sitzt bequem und nicht beengt. Andere Fahrzeughersteller hätten auf einer Bodenplatte dieses Cabriolets vermutlich noch eine zweite Sitzreihe untergebracht. Man muss sich bei Reisen nicht einmal mit dem Gepäck einschränken. Ein so geräumiger Kofferraum findet sich in dieser Fahrzeugkategorie vermutlich kein zweites Mal.

Weil man sich auf Anhieb wohlfühlt, verzeiht jeder dem Fiat sofort den wenig eindrucksvollen Klang des Motors im Standgas und lange darüber hinaus. Erst ab geschätzten 4.500 Touren kommt ein rotziger, fast schon angriffslustiger Unterton ins Spiel.

Und so, wie sich der Wagen benimmt, kann man es auf kurvigen Landstraßen schon mal laufen lassen. Das straffe Fahrwerk verträgt mühelos höhere Kurvengeschwindigkeiten, obwohl es mitsamt der schmalen 3,5-Zoll-Felgen noch vom 1200 stammt und schon damals nicht mehr dem Stand der Technik entsprach.

Immerhin wurden diesem Cabriolet zumindest vorn die Scheibenbremsen der 1500er-Limousine spendiert. Sie verzögern so, wie es sich gehört und verstärken zusätzlich das Gefühl, es jederzeit locker mit diesen zweisitzigen Aufschneidern aus Old England aufnehmen zu können.

Aber irgendwie passt so ein Gehabe nicht zu diesem gediegenen Wagen. Er gehört auf den Boulevard, will repräsentieren und gefallen. Beides beherrscht er ziemlich perfekt. Wer an seinem Junggesellenleben hängt, sollte wohl besser einen Bogen um dieses Auto machen.

Technische Daten
Fiat 1500 Cabriolet
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4085 x 1520 x 1290 mm
Hubraum / Motor1481 cm³ / 4-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit156 km/h
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