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Fiat 500 C: Fahrbericht des Fiat 500 Cabrio

Per definitionem ist der Fiat 500 C eine Cabrio-Limousine. Aber wisst ihr was: Vergesst all das besserwisserische Der-ist-kein-echtes-Cabrio-Blabla. Mit dem C wird’s mal wieder richtig Sommer.

Der Fahrtwind säuselt durch den Innenraum des offenen Cinque und flüstert dir süßen Unfug ins Ohr: dass deine Frau die Bedeutung von Urlaubsgepäck für überschätzt hält, deine Kinder Kniefreiheit im Fond inakzeptabel spießig finden, du heute ganz besonders große Ähnlichkeit mit George Clooney hast und der Sommer niemals enden wird.

Fiat 500C - Faltschiebedach statt Vollcabrio

Es gibt ein paar Sachen, die Italien grundsätzlich eher nicht vermag. Das Einhalten von Flugplänen gehört dazu oder das Verständnis für Vorfahrtsregeln jeglicher Art. Aber dann stehst du vor dem Fiat 500 C - dem neuesten Auto der Firma, die uns noch vor ein paar Jahren den Palio Weekend und den Marea angetan hat - und du weißt, dass niemand außer Fiat so ein wunderbares kleines Auto hinbekommen hätte. Das liegt auch daran, dass die Turiner es nicht übertrieben haben. Der offene Cinque ist kein Vollcabriolet, sondern bekommt ein Faltschiebedach.

Wer Fiat vorwirft, der 500 C sei nur ein Marketing-Lifestyle-Abklatsch des Originals, vergisst, wie sich andere Firmen ihre Historie zurechtdengeln und Autogenerationen zwangsverbandeln, die nicht mehr gemeinsam haben als Markenzeichen und Farbe.

Faltdach macht den Fiat 500 C 2.800 Euro teurer

Der offene 500 zitiert seinen Ahnen authentisch. Historisch korrekt bleibt der Dachaufbau stehen, die Stoffmütze bewegt sich dazwischen vom Scheibenrahmen bis zum Kofferraumdeckel - elektrisch allerdings und nicht mehr mechanisch. 2.800 Euro kostet das Softtop. Und ja, das wirkt schon wucherig für den geringen Aufwand, den ein Faltdach verlangt. Beim Smart Fortwo (zum Fahrbericht) kostet der Cabrio-Bausatz mit abnehmbaren Dachsäulen kaum mehr (3.040 Euro), Mini verlangt für das aufwendigere Cooper-Cabrio (zum Fahrbericht) 3.300 extra.

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Das Faltdach ist jeden Euro wert

Doch schon die ersten Meter mit dem 500 C machen dir klar: Spar’ dir alle anderen Extras, verzichte auf den ganzen Klimbim der 2.000 Euro teuren Ausstattungsversion Lounge, wracke, wenn es anders nicht reicht, ungefragt das Auto deiner Schwiegermutter ab - aber bestell’ dieses Faltdach. Es fährt bei jedem Tempo auf Knopfdruck am Frontscheibenrahmen bis zur Dachkante zurück. Bis Tempo 60 klinkt sich das zusammengeschobene Softtop auf einen zweiten Knopfdruck von der Kante aus. Die gläserne und beheizbare Heckscheibe legt sich dann auf die Hutablage, darauf krempelt sich die Stoffbahn. Dabei türmt sie sich hoch auf, so dass die Farbe ihres Innenstoffs die einzige Information ist, die sich noch im Innenspiegel erheischen lässt. Das bleibt der einzig wirkliche Kritikpunkt am C-Cinque.

Die Karosserie wirkt steif

Die 40 Extra-Kilo für die Versteifungen - etwa im vorderen Dachträger - fallen ebensowenig ins Gewicht wie das um drei Liter verringerte Kofferraumvolumen. Da stört schon eher, dass sich die kleine Heckklappe nicht öffnen lässt, falls das Dach ganz zurückgeschoben ist. Erst wenn es sich bis zur Dachkante hochgezogen hat, entriegelt das Schloss. Mehr Umständlichkeiten leistet sich der 500 C nicht und verlangt auch beim Komfort keine Einschränkungen. Das zweilagige, gut gedämmte Dach verursacht selbst bei hohem Tempo kaum störende Windgeräusche. Die - auf kurzen Unebenheiten keineswegs ausgeprägten - Federungsqualitäten entsprechen denen der Limousine (zum Fahrbericht). Auf die Festigkeit der Karosserie hat das Softtop keinen negativen Einfluss, selbst wüste Pisten verführen sie nur zu einem leichten Zittern.

Der Fiat 500 C ist ein Viersitzer

Bei geschlossenem Dach wirkt sich der Cabrio-Umbau nicht negativ auf das Platzangebot aus, macht den 500 aber komplett geöffnet zu einem tauglicheren Viersitzer. Dann haben Erwachsene statt des drückenden Dachhimmels nur noch Himmel über sich. Ohnehin reist es sich im Fond angenehmer als auf den Rücksitzen von Vollcabrios. Bei zügiger Fahrt wuschelt der Wind nicht allzu stürmisch durch die Haare, zudem bietet Fiat ein Windschott an, das hinter den Fond-Kopfstützen eingesetzt werden kann.

Über die verschiedenen Öffnungsvarianten und die vorderen Seitenscheiben lässt sich der Luftstrom fein von hauchend bis pustig regulieren. Weil er sich ganz geöffnet selbst auf der Autobahn nicht zu Tornado-Turbulenzen hinreißen lässt, mögen wettergegerbte Roadsterfahrer den 500 C für ein Heißduscher-Cabrio halten. Sollen sie eben. Mit den ganzen Blechdach-Windschott-Nackenpuster-Fenster-hoch-Cabrios samt ihren weit nach hinten gezogenen A-Säulen kann es der Cinque bei der Windintensität jedenfalls locker aufnehmen.

Das Fiat 500 Cabrio fährt nicht anders als die Limousine

Der Faltmützen-Cinque fährt sich nicht anders als der mit festem Dach – warum sollte er, bei den wenigen Änderungen? Also lenkt er zügig, aber nicht gierig ein und bleibt in Kurven unproblematisch. An der geringen Mitteilungsfreudigkeit der Lenkung ändert auch der Abruf einer strafferen Kennlinie über den Sport-Knopf nichts. Er reduziert nur die Servo-Unterstützung und hypersensibilisiert das Ansprechverhalten des Gaspedals.

Der kleine Benziner braucht Drehzahlen

Dabei lässt sich der Cinque auch von dem 100 PS starken 1,4-Liter-Benziner nicht zur Hektik drängen. Der Vierzylinder motorisiert den über eine Tonne schweren Kleinwagen erst bei hohen Drehzahlen quirlig, das exakt schaltbare und gut abgestufte Sechsganggetriebe kompensiert dabei die verhaltene Durchzugskraft. Optional bietet Fiat den nach Euro 5 abgasgereinigten Motor mit einer Start-Stopp-Automatik an, die den Verbrauch um 0,3 L/100 km senken soll. Außerdem gibt es für den C die beiden anderen 500er-Motoren: den 1,2- Liter-Zweiventiler mit 69 PS und den 1,3-Liter-Turbodiesel mit 75 PS - beide ebenfalls sauber nach Euro 5.

Am 3. September beginnt der erste Sommer des 500 C bei uns. Und wahrscheinlich können sie noch immer nicht so ganz damit umgehen, die Fiat-Händler, dass sie mit dem 500 inzwischen ein Auto im Programm haben, das man ihnen nicht wegen, sondern trotz des Preises abkauft. Mindestens 13.800 Euro sind es beim offenen 500. Viel Geld für so ein kleines und familienuntaugliches Auto, mag dein Kopf dir sagen. Aber hör’ nicht auf ihn. Hör’ auf den süßen Unsinn, den der Wind dir ins Ohr flüstert.

Umfrage Fiat 500 Cabrio: Welcher ist schöner - alt oder neu?
Sebastian Renz
Von am 6. September 2009
Heft 15 / 2009
5 4 3 2 1 3,0731707317073 5 41
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