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Fiat 850 Coupé im Test von 1965

Der charmante Sportler

Fiat 850 Coupé, Seitenansicht Foto: Archiv 10 Bilder

Der Fiat 850 war ein populäres Auto in drei attraktiven Karosserievarianten. Das war das große Talent von Fiat in den 60er Jahren. Vom Heckmotor-850 gab es eine Limousine, einen Spider und ein hübsches Coupé für die Dame. Manfred Jantke stellte dem temperamentvollen Zweipluszwei mit den sicheren Fahreigenschaften ein gutes Zeugnis aus.

22.11.2012 Manfred Jantke Powered by

Früher als erwartet kamen die ersten Vorführwagen vom neuen Fiat 850 Coupé nach Deutschland. Wir räumen dem Wagen schon jetzt große Verkaufschancen ein, weil sich seine Attraktivität nicht nur auf die Form beschränkt.

Hübscher Fastback-Stil des Fiat 850 Coupé kommt gut an

Der gute Start beweist, dass sich eine schöne Form nach wie vor gut verkauft, speziell dann, wenn sie wie hier auf solider Basis geboten wird. Denn die enge Verwandtschaft mit einem Großserientyp macht exklusive Wagen erfahrungsgemäß mechanisch unproblematisch und natürlich billiger. Fiat hat jedoch gut daran getan, die Verwandtschaft formal so weit zu verwischen, dass man im Fiat 850 Coupé keine gestützte 850 Limousine, sondern einen kleinen Sportwagen erkennt. 2 + 2 heißt nicht 4. Das Coupé präsentiert sich als 2+2-Sitzer im aktuellen Fastback-Stil.

Für ein Coupé dieser Größenordnung bietet es einen erstaunlich großen Innenraum, der zwei stattlichen Figuren bequemen Ein- und Ausstieg, ideale Sitzverhältnisse und genügend Bewegungsfreiheit gewährt. Obwohl man etwas tiefer sitzt, ist das Einsteigen nicht beschwerlicher als bei der Fiat 850 Limousine. Die muldenförmigen Sportsitze verfügen über einen weiten Verstellbereich, der den Sitz beim Zurückschieben gleichzeitig etwas absinken lässt. Dadurch finden kleine wie große Fahrer eine günstige Fahrposition.

Der Rücksitzraum, obwohl gut gepolstert und mit Haltegriffen sowie Aschenbecher ausgestattet, genügt nur Kindern. Für Erwachsene stellt er nur einen Notsitz dar, denn es mangelt sowohl an Kopf als auch an Kniefreiheit. Das kann man dem kleinen Fiat 850 Coupé freilich nicht ankreiden, großen geht es genauso.

Das kleine Coupé glänzt mit funktionalem Interieur

Im Fiat 850 Coupé muss man die Rückbank als Hauptgepäckraum betrachten, der durch den kleinen Kofferraum unter der Fronthaube ergänzt wird. Zwei Personen können darin ihr großes Feriengepäck unterbringen.

Der Innenraum wurde mit wenigen sportlichen Zutaten so geschickt möbliert, dass man darüber den braven Fiat 850 vergisst. Unverkennbar befindet man sich in einem italienischen Sportwagen. Besonders die hübsch modellierten Sportsitze, ein kleines Lenkrad mit glänzenden Metallspeichen, große, mattschwarze Rundinstrumente sowie eine (imitierte) Holzleiste am Armaturenbrett lassen den Innenraum sportlich und attraktiv erscheinen. Erfreulicherweise verzichten italienische Autoarchitekten auch bei kleinen, preiswerten Sportwagen nicht auf solche Attribute, deren Reiz man nicht unterschätzen soll.

Der Spieltrieb hat jedoch vor der Zweckmäßigkeit stets rechtzeitig haltgemacht: So wurden von der Fiat 850 Limousine die praktische Ablage unter dem Armaturenbrett und die drehbaren Frischluftdüsen unter der Frontscheibe übernommen. Die Instrumentierung ist übersichtlich, und Hebel und Schalter liegen gut zur Hand. Für den linken Fuß, dem der große Radkasten leider wenig Bewegungsfreiheit lässt, wurde eigens eine Blechstütze montiert, damit er es wenigstens in Ruhestellung bequem habe. An den Sitzlehnen im Fiat 850 Coupé fanden wir aufwendige Vorklappsicherungen, die wir lieber gegen eine einfache Lehnenverstellung eintauschen würden.

Sportliche Karosserie und solide Mechanik

Wie in der Fiat 850 Limousine stört auch im Coupé das laute elektrische Heizgebläse. Raucher vermissen einen Zigarettenanzünder. Erfreulich ist, dass das Fiat 850 Coupé mit den massiven Scheibenwischern der großen Fiat-Typen ausgerüstet wird, die hervorragend arbeiten. Unter der sportlichen Karosserie verbirgt sich die solide Mechanik des Fiat 850.

Trotzdem ist das Fiat 850 Coupé kein Blender: Denn sowohl Fahrwerk als auch Motor der Limousine wurden, soweit es sich mit den Gesetzen der Großserie und der Zuverlässigkeit vereinbaren ließ, nach sportlichen Gesichtspunkten frisiert. Im Motorraum deuten ein Weber-Doppelvergaser und ein kühn geschwungener Vierfach-Auspuffkrümmer die höhere Leistung an.

Eine Sektion der Maschine würde noch folgende Unterschiede zum Limousinenmotor zu Tage fördern: Eine Sportnockenwelle, größere Ventilquerschnitte, härtere Ventilfedern und eine höhere Verdichtung. Diese Maßnahmen haben die Zylinderfüllung und das Drehzahlniveau der Maschine gesteigert und die Leistung auf 47 PS bei 6.200 U/min erhöht. Aus der relativ hohen Nenndrehzahl geht schon hervor, dass es sich im Fiat 850 Coupé um ein hochtouriges Maschinchen handelt.

Der kleine Vierzylinder mag Drehzahlen

Laut Markierung auf dem Drehzahlmesser sind 6.200 Umdrehungen erlaubt, und wer flott fährt, darf sich nicht scheuen, diese Grenze auszunutzen. Denn der Fiat 850 Coupé-Motor ist zwar drehzahlfest, aber nicht sehr elastisch. Bis 7.000 U/min - die man natürlich nur selten ausnutzen sollte - beschleunigt der Motor einwandfrei, aber unter 4.000 U/ min ist nicht viel drin. Natürlich kann man auch mit 2.000 bis 3.000 U/min ruckfrei fahren, doch der beste Leistungsbereich liegt zwischen 4.000 und 6.000 Umdrehungen.

Vom Fahrer verlangt der 47-PS-Motor also mehr Aufmerksamkeit als der normale Limousinenmotor. Doch dafür entschädigt er einen mit überdurchschnittlichen Fahrleistungen. Besonders die Höchstgeschwindigkeit ist für einen 850er beachtlich. Sie lässt auf eine strömungsgünstige Karosserieform schließen, die sich übrigens auch im Benzinverbrauch andeutet. Denn gemessen an den Fahrleistungen erwies sich das Fiat 850 Coupé als äußerst sparsam. Mit seiner Spitze von 146 km/h kann das Fiat-Coupé jederzeit in der Mittelklasse mitmischen. Doch sollte man bei fröhlicher Autobahnjagd gelegentlich daran denken, dass man in einem Kleinwagen sitzt - 146 km/h liegen nämlich schon im "verbotenen" Bereich bei 6.500 U/min.

Fiat 850 Coupé ist laut, aber spritzig

In vielen Situationen, besonders beim zügigen Überholen, kommt einem der weite Drehzahlbereich der Gänge zustatten. Den dritten Gang haben wir uns oft noch eine Spur länger gewünscht, um einen besseren Anschluss an den vierten zu bekommen. Auf Grund der Motorcharakteristik halten wir einen Drehzahlmesser in dem Fiat 850 Coupé für sehr wichtig und würden Fiat empfehlen, ihn in die serienmäßige Ausstattung aufzunehmen. Der große Tourenzähler, den unser Testwagen hatte, ist nur auf Wunsch und gegen Aufpreis vorgesehen.

Nicht weniger konsequent als der Motor wurde das Fahrwerk des Fiat 850 Coupé "auf Leistung gebracht". Es begann mit Scheibenbremsen an den Vorderrädern. Weil diese in den 12-Zoll-Felgen der Fiat 850 Limousine nicht unterzubringen waren, bekam das Coupé 13er-Räder, und als diese anfänglich das Fahrverhalten verschlechterten, wurde auch die Felgenbreite von 4 auf 4 1/2 Zoll vergrößert.

Fiat 850 Coupé schafft den Spagat: Hecklastig und doch gutmütig

So präsentiert sich das Fiat 850 Coupé mit der Reifengröße 5,20-13 und hübschen Lochfelgen, die die Bremsen kühlen und das Auge freuen. Härtere Stoßdämpfer und ein stärkerer Querstabilisator an der Hinterachse vervollständigen die Fahrwerks-Frisur. Das Ergebnis ist ein erstaunlich gutmütiges Fahrverhalten. Erstaunlich deshalb, weil man es mit einem extrem hecklastigen Auto (Gewichtsverteilung 62:38) zu tun hat.

Das Kurvenverhalten des Fiat 850 Coupé ist nahezu neutral. Nur bei sehr hohen Kurvengeschwindigkeiten drängt das Heck leicht und kontrollierbar nach außen. Das Coupé übersteuert weniger als die Limousine und auch weniger als die ersten Exemplare, die wir in Turin gefahren hatten. Auch die Nickschwingungen, die man bei der Limousine beobachtet, sind beim Coupé abgeschwächt, was wohl der härteren Dämpfung zuzuschreiben ist.

Wie beim Motor ist es auch beim Fahrwerk gelungen, der biederen Fiat 850-Mechanik einen sportlichen Anstrich zu geben. Auf kurvenreichen Strecken kann man, wenn man nicht gerade leistungsverwöhnt ist, mit dem kleinen Fiat 850 Coupé sogar sportliche Befriedigung finden. Die guten Bremsen sind dabei ein sicherer Rückhalt.

Verarbeitung deutlich besser als bei der Fiat 850 Limousine

Fiat hat auf das 850 Coupé viel Sorgfalt verwendet - mehr, als es bei Liebhaberfahrzeugen dieser Größenordnung gewöhnlich der Fall ist. Diese Sorgfalt macht sich auch in der Verarbeitung bemerkbar, die ungleich besser ist als in der Limousine. Bei unserem Testwagen berührte zwar bei vollem Lenkeinschlag der Reifen leicht den Radkasten und ein Türschloss sperrte nicht einwandfrei, aber sonst hat alles die Solidität der Großserie.

Im Test des Fiat 850 hoben wir den angenehmen Fahreindruck hervor, den das unscheinbare Auto im täglichen Gebrauch hinterlässt. Auch beim Coupé fanden wir jene Eigenschaften, die diesen Eindruck hervorrufen: die leichtgängige Lenkung, die exakte Schaltung, die geringen Pedaldrücke für Kupplung und Bremse, die guten Sichtverhältnisse, den kleinen Wendekreis, kurz die Handlichkeit und mühelose Bedienbarkeit eines perfekten Kleinwagens. Der Federungskomfort wird durch die harten Sitze etwas geschmälert, doch die Federung selbst ist ausgewogen und von sportlicher Härte weit entfernt.

Fiat 850 Coupé ist mehr als ein Spielzeug

Auch das Motorgeräusch des Fiat 850 Coupé klingt völlig zivil und wirkt selbst auf langen Fahrten nicht lästig. Lediglich im Bereich um 100 km/h tritt ein stärkerer Brummton auf, der sich bei höherem Tempo wieder abschwächt. Bemerkenswert gering sind die Windgeräusche bei schneller Fahrt. Man kann dabei sogar mit geöffnetem Seitenfenster fahren, ohne dass störende Geräusche oder starker Zug auftreten.

Das Fiat 850 Coupé ist mehr als ein Spielzeug. Zwei Personen finden darin alles, was ein guter Kleinwagen bieten kann. Es herrscht keine Enge wie in einem Sportwagen, und für Gepäck ist reichlich Platz; die Mechanik ist solide, die Unterhaltskosten sind gering.

Und in der Karosserieform wie auch in der Innenausstattung ist das Fiat 850 Coupé zweifellos das sportlichste und reizvollste unter den sportlichen Wagen dieser Hubraumklasse. Die meisten Traumwagen des kleinen Mannes haben erfahrungsgemäß den Haken, dass ihr Anschaffungspreis nicht im rechten Verhältnis zu den Unterhaltskosten steht.

Das Fiat 850 Coupé könnte hier eine erfreuliche Ausnahme bilden, wenn es in Deutschland nicht wesentlich teurer wäre als in Italien: Dort liegt sein Preis unter 6.500 Mark.

Fiat 850 Coupé/Spider heute

Natürlich ist mal wieder das offene Auto weit beliebter und teurer. Der Fiat 850 Spider kostet in gutem Zustand mit 16.000 Euro mehr als doppelt so viel wie das Coupé. Bei Coupé und Spider sind die selteneren, noch entzückenderen Modelle der ersten Serie bis 1968 ohne den Zusatz "Sport" begehrter, aber nur wenig teurer.

Die kleinen sportlichen Fiat sind eine feine Alternative zu Triumph Spitfire, Austin-Healey Sprite oder MG Midget. Sie sind qualitativ besser, aber das Angebot ist viel geringer. Von 1965 bis 1972 wurden 132.546 Spider und 347.896 Coupés gebaut.

Am ehesten könnte man noch in Italien und Spanien fündig werden. Ersatzteilprobleme gibt es dank des großen Fiat-Baukastens kaum, vor allem für die Technik ist gut gesorgt.

  • Preise 2012 (Classic-Car-Tax): Für ein Fiat 850 Sport Coupé, Baujahr 1969, im guten Zustand sind rund 7.500 Euro fällig. Mäßige Fahrzeuge kosten etwa 1.900 Euro.
Clubs und Spezialisten

  • Fiat 850 e. V., Verein für Freunde des Fiat 850, Dr.-Klein-Straße 9, 75387 Neubulach bei Calw, Telefon +49 (0)7053 699620, www.FIAT850.info
  • Fiat 850 Interessengemeinschaft, Martin Koschig, Oberbornweg 1, 55430 Oberwesel, Telefon +49 (0)171 8918510
  • Holtmann & Niedergerke GmbH, Fiat-Ersatzteile, Am oberen Feld 4, 32758 Detmold, Telefon +49 (0)5231 61790, www.holtmann-niedergerke.de

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