Fiat Bravo: Erster Fahrbericht

Mit weichem, coupéhaft angehauchtem Design und bewährter Technik soll der neue Fiat Bravo seinen glücklosen Vorgänger Stilo vergessen machen.

Nach langen Jahren der Flaute läuft es bei Fiat spätestens seit dem Erscheinen des Grande Punto wieder rund. In Zahlen: 21 Prozent mehr Umsatz weltweit, Steigerung des Marktanteils in Europa um 1,1 Prozent. Logisch, das man zackig einen weiteren Hoffnungsträger vom Stapel lässt. Und das in Rekordzeit, der neue Bravo entstand in nur 18 Monaten - dank der bekannten Stilo-Bodengruppe sowie eines virtuellen Konstruktionsprozesses, der statt auf reale Prototypen größtenteils mit Computersimulationen arbeitete.

Golf-Klässler mit einem Touch Dynamik

Heraus kam ein Golf-Klässler mit Italo-Charme inklusive Fiat-Familiengesicht. Der neue Bravo identifiziert sich den ersten Blick als großer Bruder des Grande Punto, obwohl er noch Gene des verblichenen ersten Bravo (Rückleuchten) und des Stilo (Technik) in sich trägt.

Neu sind dagegen die ansteigende Gürtellinie, die breiten Schultern sowie die prägnante Verjüngung der Karosserie im Heckbereich. Letzteres geht allerdings zu Lasten des Raumgefühls im Fond. Sowohl Kopf- als auch Schulterfreiheit fallen relativ knapp aus. Auch vorn bietet der Bravo körpernahen Schnitt mit einem Touch Dynamik. So beschreibt der Armaturenträger einen eleganten Schwung, stecken die Rundinstrumente in alfaesken Röhren. Hinzu kommen griffsympathische, verschiedenfarbige Kunststoffe sowie eine saubere Verarbeitung. Die Bedienung kommt Fiat-Erfahrenen bekannt vor - Lenkstockhebel, Klimaregelung oder das große Infotainment-System Connect Nav+ ähneln dem Vorgänger. Gleiches gilt für die umlegbare Rückbank mit der kleinen Stufe, die ein Maximalvolumen von 1.175 Litern (Standard 400 Liter) zulässt.

Es röhrt und scheut

Und sogar die leichtgängige, jedoch etwas indifferent agierende elektrisch unterstützte Servolenkung glaubt man noch aus dem Stilo zu kennen. Daran kann selbst der bei der Version Sport serienmäßige gleichnamige Knopf wenig ändern. Er reduziert die Servounterstützung und lässt zudem den Motor direkter ansprechen.

Stichwort Motoren: Hier setzt Fiat zum Marktstart am 24. März auf Bekanntes: einen 1,4-Liter Benziner mit 90 PS sowie zwei 1,9 Liter-Diesel, als Zweiventiler mit 120 PS und als Vierventiler mit 150 PS. Im Herbst kommt dann ein neuentwickelter 1,4-Liter Turbobenziner mit 120 oder 150 PS. Letzterer legt ordentlich los, missfällt weder mit einem ausgeprägten Turboloch noch überraschendem Leistungseinsatz. Er röhrt vernehmlich los, scheut jedoch die ganz hohen Drehzahlen, mag mit dem mäßig exakten Sechsgang-Getriebe in mittleren Lagen ziehen.

Das Fahrwerk mit der Verbundlenkerachse hinten entspricht im wesentlichen dem Stilo, wurde allerdings unter anderem durch eine etwas straffere Auslegung modifiziert. Es spricht auf kurze Unebenheiten eher zögerlich an, um auf langen Wellen sanft nach zuschwingen. ESP ist in allen Varianten ebenso Serie wie sieben Airbags. Für den Einstieg in die Bravo-Welt muss man rund 15.400 Euro kalkulieren.

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Jörn Thomas

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