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Ford Escort 1.3

Mein Kumpel aus der Fahrschule

Ford Escort 1.3, Heckansicht Foto: Hardy Mutschler 12 Bilder

Die erste Liebe vergisst man nie, das erste Auto auch nicht. Meines war, na ja offiziell, der Ford Escort 1.3 meiner Fahrschule. Er wurde schnell ein verlässlicher Freund. Nun treffen Mag kleinlich sein, aber: sie treffen sich ja gar nicht wieder.

11.08.2014 Michael Harnischfeger Powered by

Die Gnade der späten Geburt, sehr geehrter Herr Alt-Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, mag es in Ihrer Welt gegeben haben. Mir wurde sie nicht zuteil, denn zwei Kurzschuljahre spülten mich in Schulklassen und folglich Freundeskreise und Jugendorganisationen, in denen ich immer der jeweils Jüngste war.

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Fahrbericht Fahrschulauto Ford Escort 1.3
auto motor und sport 15/2014
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Ford Escort 1.3 als Fahrschulauto

Das ist nicht lustig. Zum Beispiel dann ganz und gar nicht, wenn man Mitte der 1970er neben einer Freundin im Kadett B ihres Vaters sitzt. Rechts neben ihr, wohlgemerkt. Der Tacho pendelt knapp über 100 und der Motor dreht sich einen Wolf. Endlich fasse ich mir ein Herz und merke an, dass da noch ein vierter Gang sei. Annabelle (Name vom Autor aus verständlichen Gründen geändert, wir sehen uns noch gelegentlich) erwidert spitz, bei etwa 110 km/h sei doch dieser rote Strich. Der zeige das Ende des dritten Gangs an. Und ihr Vater, ein sehr guter Fahrer im Übrigen, habe ihr eingebläut, erst hochzuschalten, wenn die Tachonadel den jeweiligen Strich (es gab auch welche für den ersten und zweiten Gang) erreicht habe. Da ist schlecht argumentieren als Nicht-Führerscheininhaber. Ich litt also leise mit dem geschundenen Material und dachte: Das kann ich besser. Und bald beweise ich es auch.

Dass das Fahren auf echten Straßen doch nicht ganz so leicht ist, wie ich es mir nach einigen illegalen Fahrten auf abgelegenen Feldwegen und auf ADAC-Verkehrsübungsplätzen gedacht hatte, lehrt mich dann mein Fahrlehrer, ein rundlicher Gemütsmensch, glücklicher Vater dreier Töchter. Auch privat muss er also Nerven wie Kardanwellen haben. Jedenfalls ist er die Ruhe selbst, als er mich zur ersten Fahrstunde abholt. Es ist bitterkalt an diesem frühen Wintertag, der Schnee liegt hoch.

Das Auto, nein: mein Auto, ist ein sehr, sehr gelber Ford Escort 1.3 mit schwarzem Vinyldach. Der Mann vom Escort-Service heißt Herr Balster. Als er vor dem Haus stoppt, habe ich natürlich schon seit zehn Minuten abfahrbereit am Fenster gestanden. Bloß keine Minute verpassen! Also rein in den heckgetriebenen Escort 1.3 mit schwitzigen Händen und vor Aufregung roter Birne, Sitz einstellen und los. 54 PS unter der Haube, klarer Fall von Raketenantrieb. Und so tobe ich vom Parkstreifen mit gefühlt leicht ausbrechendem Heck, hangele mich in die höheren Gänge und fahre gen Ortsausgang („Wenn ich nichts sage, geradeaus“, hatte Herr Balster erklärt), um dort dann mal richtig Gas zu geben.

Ford Escort 1.3 mit Vierzylinder-Motor

Herr Balster bremst mich bald ein, dirigiert mich auf einen Parkstreifen mit dem Ford Escort 1.3. „Mach mal den Motor aus“, sagt er. Dreht sich zu mir und erklärt freundlich, aber bestimmt, dass es durchaus sinnvoll sei, vor dem Start die Spiegel einzustellen. Dass ich durchaus etwas stärker beschleunigen dürfe (Was, noch stärker?) und dass ich den Schalthebel ruhig richtig in die Hand nehmen dürfe. Drei Fingerspitzen am Knauf seien doch arg mädchenhaft. „So ein Schalthebel ist ein massives Teil. Der bricht nicht ab“, sagt er mit großer Autorität, der ich allerdings nicht so ganz vertraue. Denn er kennt offenbar den alten abgerockten Hundeknochen-Escort meines Freundes Peter nicht. Peter hatte sehr wohl einmal den ganzen Schalthebel in der Hand mit allem Gebamsel unten dran. Auf einer Kreuzung, zwischen erstem und zweiten Gang. Ich saß neben ihm.

Nun, gut 36 Jahre nach dieser ersten Fahrstunde und den etwa zehn folgenden, meint es der Zufall gut mit mir und spült mich erneut in so einen Ford Escort 1.3. Eine Zeitmaschine in sanftem Beige, die mit ihren zierlichen Dachsäulen und dem leise raschelnden Vierzylinder Erinnerungen weckt an diese Zeit zwischen Mitfahrerexistenz und prallem Selbstfahrer-Sein. Das wird 1978 mit jeder Fahrstunde kompletter, auch räumlich. Dieses Glücksgefühl, als der Schalthebel nach Passieren des Ortsausgangsschilds zum ersten Mal im vierten Gang einrastet, diese Magie von Aktion und Reaktion beim Gasgeben und Bremsen. Die stille Freude, wenn das Auto den Lenkbewegungen folgt und das Blinkerrelais dazu leise klickert: Es war wohl damals schon die Faszination der Interaktion zwischen dem Menschen und der Maschine, die nicht das Ankommen, sondern den Weg zum Ziel machen kann.

Natürlich war ich damals schon ein Petrol-Head. Hatte ab dem 14. Geburtstag Zeitschriften ausgetragen und in den Ferien für lächerliche Stundenlöhne im Tiefbau gearbeitet. Oder beim Steinmetz gegenüber. Fensterbänke und Mörtel in die achte Etage geschleppt, aber auch Grabsteine gesetzt auf dem Friedhof, Frühstückspause neben dem frischen Grab inklusive.

Auf die Autobahn? Jetzt? Ja

Das alles nur, um meinen Mobilitätshunger zu stillen. Mit 15 das rote Puch-Zweigang-Mofa, mit 16 eine grüne Zündapp KS 50 Watercooled (die älteren Freunde fuhren da schon Honda CB 450 oder Yamaha XS 650, wie bitter). Dann blieb nur noch der letzte große Schritt hin zum echten Führerschein der Klassen 1 und 3, auf dem mich dieser Escort so wunderbar begleitete. Unvergessen die Nervosität vor der ersten Nachtfahrt, die natürlich bei fiesem Dauerregen stattfindet. Oder der freudige Schreck, als Herr Balster (der sich nicht wie andere Fahrlehrer in unserer Stadt duzen lässt und auch nicht Zeitung liest, um seine Coolness zu beweisen) mich ohne Vorwarnung plötzlich mit dem Ford Escort 1.3 auf die Autobahn jagt. Jetzt? Ja. 130 km/h, der Wahnsinn. Und unterm dünnblechigen Escort-Gaspedal ist noch Luft für mindestens weitere 30 km/h!

Das Kurvenfahren („Langsam rein, dann Gas!“), das richtige Überholen mit gelassener Voraussicht, guter Vorbereitung („Nimm mal den dritten Gang“) und dann viel Gas und auch so schreckliche Dinge wie Einparken lehren mich Herr Balster und der gelbe Ford Escort 1.3. Der schrumpft in meiner Wahrnehmung schon bald vom Straßenkreuzer-Format auf Normalmaß, irgendwann weicht der Respekt einem selbstverständlichen Vertrauen in seine Integrität. Er wird mich nicht reinreißen, mir nie eine Falle stellen. Wenn etwas schiefgeht, geht es schief wegen des Blödmanns am dünnen Lenkrad und nicht wegen des Autos. Diese Gedanken und Gefühle, sie sind wieder da an diesem vom Zufall geschenkten Escort-Tag. Der Antrieb ist gar nicht mehr so raketig, der Verkehr von heute so viel schneller als damals. Doch diese Freude am Fahren, die ist die alte.

Technische Daten
Ford Escort 1.3 GL
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4058 x 1596 x 1398 mm
Hubraum / Motor1297 cm³ / 4-Zylinder
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