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Ford Fiesta M Sport Edition im Fahrbericht

Turbo-Bumms und WRC-Akustik

Ford Fiesta M-Sport Edition - Fahrbericht - Kleinwagen Foto: Ford M-Sport 9 Bilder

Das frühere Ford-Rallye-Werksteam M-Sport macht aus dem Serien-Fiesta ST in der Kleinwagenklasse einen echten Favoritenschreck. Wir sind den 215 PS starken Racker gefahren.

15.01.2016 Markus Stier Powered by

Die Briten lieben Underdogs. Egal ob im Fußball in der Premier League oder in der Talentshow "Britain’s Got Talent". Nichts bringt die Insel der Working Class Heroes so aus dem Häuschen, als wenn der Kleine es den Großen so richtig zeigt. Im Rallyesport ist es ein Jahrzehnt her, dass eine kleine Firma im ebenso pittoresken wie verschlafenen Örtchen Cockermouth die Weltherrschaft an sich riss.

Die vom früheren Rallye-Profi Malcolm Wilson gegründete Firma M-Sport holte als Werksmannschaft von Ford zweimal die Marken-WM nach Dovenby Hall. Die Queen ernannte den Unternehmer Malcolm Wilson zum "Member of the Order of the British Empire" - die erste Stufe auf dem Weg zum Ritterschlag.

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Fahrbericht Ford Fiesta M Sport Edition
sport auto 02/2016
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Rallye-Ableger des Ford Fiesta ST

Nur auf eine Idee ist der Geschäftsmann Malcolm Wilson MBE erst jetzt gekommen: ein Straßenauto zu bauen. Tapfer ignorierend, dass Ford sich Ende 2012 aus der Rallye-WM zurückgezogen hat, tritt er weiter in der Marken-WM an. Vom World Rally Car mit 320 PS, Turbo und Allradantrieb bis zum preiswerten Markenpokal-Renner mit Frontantrieb ist alles dabei. Kein Rallyeteam hat je ein so großes Kundenprogramm gefahren - nur ein Straßenauto hat Wilson in einem vollen Vierteljahrhundert noch nie angeboten.

Dabei gibt es neben Siegen ihrer Helden wenig, was Rallyefans so umtreibt wie Alltag gewordene WRC. Regelmäßig bevölkern Bastler mit auf World Rally Car gepimpten Karossen die Sportwochenenden. Clevere Rallye-Hersteller wie Citroën und VW haben den Bedarf erkannt: Die einen brachten einen 207 PS starken DS 3 in der Sébastien-Loeb-Edition, die anderen einen Polo R WRC mit 220 PS und blau-grauer Kriegsbemalung. Das Empire muss zurückschlagen, sagten sich die Männer von der Tarnock Garage, einer Ford-Vertretung in Somerset. Wenn M Sport selbst keine Kapazitäten habe, um einen Straßen-Fiesta zu bauen, dann würden sie eben den Job für Wilson erledigen. Die Idee ist so simpel wie clever: Man gehe die langjährigen Technik-Partner von M-Sport durch und bediene sich einfach aus deren Regalen.

Zulieferer aus der Rallye-WM

Die halbe Rallye-WM rollt auf OZ-Felgen, also stecken 17-Zöller im WRC-Design unter den Radhäusern. Die Bremsen bezieht M Sport von Alcon, und so verzögert das Straßenauto mit Scheiben aus dem R2-Rallye-Fiesta. Ein Sperrdifferenzial vom langjährigen Partner Quaife verbessert Traktion und mildert das im Grenzbereich klare Untersteuern des Kraftzwergs. Dessen Agilität steigert ein straffer Federsatz von Eibach, in einer weiteren Ausbaustufe ist ein komplettes Bilstein-Fahrwerk in Vorbereitung.

Für den rechten Klang sorgt ein Sportauspuff von Chris Tullett. Selbstredend trägt die ausschließlich in den klassischen M-Sport-Farben Weiß und Dunkelblau erhältliche Sonderserie eine dem Dach einen an das WRC angelehnten Flügel und unten Spritzlappen mit M-Sport-Logo. Das ist auch in die Recaro-Sitze eingestickt und in das aus drei Ledersorten mit eingearbeitetem Carbon liebevoll gestaltete Lenkrad.

Herzstück der Ertüchtigungsmaßnahmen ist ein Motoren-Kit von Mountune, auch ein M-Sport-Vertragspartner. Der schon in der Serie mit 182 PS nicht eben fußlahme 1,6-Liter Ecoboost kommt mit modifiziertem Steuergerät und Sportluftfilter auf 215 Pferdestärken, und die atmen deutlich vernehmbar durch die geweiteten Nüstern. Anhaltendes Durchbeschleunigen fällt beim Fahrtermin auf durchweichten walisischen Landsträßchen schwer, das Ohr befiehlt dem rechten Fuß immer wieder, die Zehen vom Gas zu lassen, das Zwitschern des Abblasventils ist einfach zu schön.

Vom Chef persönlich getestet

Beim nächsten Pedaleinsatz ist dann das Ansaugschnaufen aus dem Luftfilter zu hören. So muss es sein: Turbo-Bums in allen Lebenslagen und eine Akustik wie im WRC. Malcolm Wilson verzieht grinsend das Gesicht: "Das ist ja gar nicht so meins. Aber ich glaube, ich bin hier nicht wirklich die Zielgruppe." An junge Wilde zwischen 20 und 30 Jahren richtet sich das Angebot, und die müssten nach derzeitigem Wechselkurs plus deutscher Mehrwertsteuer etwa 28.000 Euro für das Komplettfahrzeug hinlegen, Bilstein-Fahrwerk und Auspuff kommen obendrauf, deren Preis soll im Frühjahr kalkuliert sein. Bis dahin soll auch das Händlernetz stehen. Zu fünf ausgewählten Ford-Händlern auf der britischen Insel soll es auch einen Stützpunkt in Good Old Europe geben, wo dann linksgelenkte Versionen inklusive Garantie zu beziehen sind.

Auch wenn M-Sport den wilden Fiesta nicht selbst gebaut hat, so hat ihn der frühere britische Rallyemeister Wilson selbstredend getestet und für gut befunden: "Sonst würde ich unseren Namen dafür nicht hergeben", sagt der 59-Jährige. Der M-Sport-Fiesta ist nicht limitiert, und so könnte demnächst ungeplante Extra-Arbeit auf Wilson zukommen. Denn leichtsinnigerweise hat er entschieden, dass jedes Exemplar hinter der Sonnenblende seine Signatur tragen soll - in Gold und von Hand geschrieben natürlich.

Auch wenn sein WRC-Team im Konzert der reinen Werksteams 2015 nur den vierten Platz belegt hat, macht Wilson tapfer weiter. Immerhin standen seine Fahrer dreimal auf dem Podium, der junge Waliser Elfyn Evans gewann um ein Haar in Korsika und wurde am Ende Zweiter. Nie war das M-Sport-Team mehr Underdog als heute.

Der Straßen-Fiesta liegt mit 215 PS nur 5 PS hinter dem VW Polo R WRC und 8 PS über dem DS 3, in Sachen Drehmoment wuchtet er 320 Newtonmeter auf die Vorderachse. Der WRC-VW kommt jedoch auf deren 350, der Citroën jedoch lediglich auf 275 Nm. So heult der Kleine mit den großen Wölfen und hat schon jetzt das Zeug zum Publikumsliebling. Und Wilson ist durch die Initiative der Tarnock-Freunde auf den Geschmack gekommen: "Ich würde gern mal einen richtig schönen Focus bauen, mit Allradantrieb."

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