Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Ford Gran Torino

Bay City Rollers

Foto: DEFD 15 Bilder

Jetzt passt mal gut auf, ihr Ganoven: Ihr habt euch da mit den ganz Falschen angelegt. Die Detectives Starsky und Hutch rollen Bay City mächtig auf. Den beiden und ihrem roten Ford Gran Torino kommt ihr besser nicht in die Quere.

08.12.2008 Sebastian Renz Powered by

Also, ihr Schnuckis, das hier ist es: das Ford Gran Torino Hardtop Coupé. Und bevor jetzt gleich ein paar von euch auf Schlaubi-Schlumpf machen: Ja, in der Serie ist es einer von 1975 und kein ´73er wie der hier. Aber wichtig ist nicht, ob der Torino den 73er oder 75er Kühlergrill trägt. Wichtig ist die Farbe: Rot muss er sein, tornado-rot mit weißen Zacken. Viel auffälliger geht es kaum. Höchstens das Filmauto Tschitti Tschitti Bäng Bäng wäre noch ungeeigneter für Undercover-Einsätze als der Ford Gran Torino von Detective David Starsky. Aber er und sein Partner, Detective Kenneth Hutchinson, den alle nur Hutch nennen, sind in Bay City ohnehin so bekannt wie Ford in Dearborn.

In vier Staffeln und 92 Folgen spielen Paul Michael Glaser und David Soul „Starsky und Hutch“. Von 1975 bis 1979 schlagen sie sich dabei mit jeder Art von Verbrecher herum: Erpresser, Räuber, Entführer, Drogenhändler und besonders häufig mit geistesgestörten Killern, die es fast immer auch auf die beiden Polizisten abgesehen haben. Aber sich mit Starsky und Hutch anzulegen, das gibt Ärger, richtig Ärger. Die beiden finden jeden Gauner und bringen ihn zur Strecke. Dabei hilft ihnen meist Huggy Bear, ein Informant und Spelunkenbesitzer mit Standleitung in die Unterwelt. In „Starsky und Hutch“ geht es also um Gerechtigkeit, um Freundschaft, um Fairness und ein bisschen um US-Gefühlsduselei. Doch vor allem geht es um eins: Das rote Ford Gran Torino Hardtop Coupé mit den weißen Zacken so quer und spektakulär wie nur möglich durch die Kulissen zu prügeln. Das Coupé gehört Starsky, deswegen fährt auch immer er.

Der Motor: Ein Neandertaler mit schlechten Manieren
 
So bleibt Hutch bei Verfolgungsjagden meist nur die Aufgabe, das Rotlicht aufs Dach zu klemmen und sich bereitzuhalten, fliehende Verbrecher am Ende zu Fuß einzuholen, wenn die mangels Können mit ihrem Auto in eine Würstchenbude gedengelt sind. Vor Starskys Ford kann das Böse fliehen, es kann ihm aber nie entkommen. Unter der Gran Torino-Motorhaube mit der Grundfläche einer Tokioter Dreizimmerwohnung haust nämlich ein 429 Kubikzoll großer Monolith. In den Eisenbrocken hauen die Ford-Boys acht Höhlen. Das sind keine Brennräume, sondern Brennhallen. Und jeder Einzelhubraum ist größer als das Gesamtvolumen des Smart Fortwo-CDI-Triebwerks. Das große V8-Monstrum wiegt gleich mal vier Zentner mehr als der Torino-Basismotor – ein 4,1-Liter-Reihensechszylinder, der auch schon mehr an eine Steinmetzarbeit als an Motorenbau erinnert. Der 429er ist ein Neandertaler unter den Motoren.

Nach dem Start gurgelt er im Leerlauf mit einem Schluck Benzin, der einem Kleinwagen für eine ganze Woche reichen würde. Wenn er sich dabei verschluckt, rülpst er so heftig, dass das ganze Auto wackelt. Hat er sich wieder gefangen, brüllt er nur noch lauter. Weil er seine ganze Energie mit Brüllen und Rülpsen verschleudert, bleiben für den Antrieb nur noch 204 PS übrig. Aber auch knapp 440 Newtonmeter. Mit denen geht das schaukelige Fahrwerk eine Beziehung weit über seine Verhältnisse ein. Der Wumms des 429 sorgt dafür, dass sich die Hoch-Querschnitts-Hinterreifen mit Profilblöcken, wie sie heute nicht mal mehr SUV tragen, im Kampf um Traktion komplett aufreiben. Liegt nur ein Fingerhut voll Wasser auf der Straße, drehen sie schon beim Einparken durch. Das macht euch Angst? Dann lasst es lieber gleich bleiben mit dem Torino V8.

Der ist dann zu Gran für euch. Glaubt ihr etwa, Starsky und Hutch würden sich vor einem Auto fürchten? Die zucken doch nicht mal, wenn ihnen die ganze Drogenmafia von Bay City an der Stoßstange klebt. Da werden sie sich bestimmt nicht in die Hose machen, wenn die Räder ihr Profil verqualmen. Starsky jedenfalls geht deswegen sicher nicht vom Gas. Also dem Gran Torino entschlossen entgegentreten. Sich beim Einsteigen nicht davon irritieren lassen, wie schwer die fensterrahmenlosen Türen öffnen. Denn an einem Auto, bei dem allein die Klimaanlage 47 Kilo wiegt, dürfen die beiden Einstiegsportale auch so groß und gewichtig ausfallen wie die Weidegatter einer texanischen Ranch.

Innen wirkt der Torino dann nicht mehr böse, sondern ganz im Gegenteil fast ein bisschen tantig – massiv kreuzschlitzverschraubt, ohne Drehzahlmesser, aber mit Lenkradwählhebel und mit der durchgehenden Dreier-Sitzbank. Die überzieht, wie auch die das Trio-kompatible Knautschsofa im Fond, ein atmungs- und seitenhaltpassiver Bezug, der vorgibt, Leder zu sein. Auf das vorschriftsmäßige Anschnüren der fiddeligen Statikgurte weist der Torino mit einem Krach hin, gegen den moderne Gurtpiepser schüchtern klingen. Doch er hat ja recht. Denn kommt ein ungesicherter Fahrer in einer Linkskurve auf dem Sitz ins Rutschen, ist er ein gutes Stück unterwegs, bis er in den Copiloten rummst.
 
Fahrverhalten: Ur-amerikanisch – Motor: infernalisch
 
Sich also festzurren, mit dem Beifahrer auf eine für beide erträgliche Längsposition der Sitzbank einigen, dann erst den Motor starten. Wie der sich aufführt, hatten wir ja schon. Jetzt fest auf das Bremspedal im Backblech-Format drücken und den Automatik-Wählhebel, der zum Armdrück-Duell fordert, bis nach D niederkämpfen. Fuß von der Bremse. Der Torino rollt los.Für die ersten Übungsfahrten empfehlen sich dreispurige Straßen schon deswegen, weil nur sie die gefühlte Breite des Torino aufnehmen können.

Der Fahrer sitzt tief im Westen. Gerade noch in Rufweite siedelt der Beifahrer am östlichen Ende der Fahrgastzelle. Hinter der Panorama-Frontscheibe erstreckt sich nach Norden bis zum Horizont die weite Ebene der Motorhaube. Im Süden dann liegt das für den Fahrer wegen der breiten C-Säulen und der kleinen hinteren Scheibe weit gehend unerforschbare Heckgebiet des Torino.Die Stadt zwängt den Ford ein. Seine Dreigang-Box kommt hier kaum einmal über die erste Stufe hinaus. Das Lenkrad lässt sich so leicht drehen, als sei es gar nicht mit dem Lenkgetriebe verbunden. Selbst ausuferndes Kurbeln hat keine deutlichen Richtungsänderungen zur Folge. Zentimetergenaues Zirkeln gelingt nur schwer.

Legt sich der Torino endlich in Kurven, dann umrundet er sie wogend und mit viel Schlagseite. Beim Bremsen taucht er vorn so weit ein, dass man fürchtet, er würde sich die ohnehin angeschrappte Stoßstange noch weiter aufkratzen. Draußen, vor der Stadt, da passt es dann mit dem Gran Torino. Auf der vorderen Couchgarnitur sitzt es sich nun sehr lässig, während der V8 herb anschiebt und sein Schrei kleine Vogelnester aus den Bäumen pustet. Dabei lässt sich das Coupé trotz seiner Schlachtschiff-Dimensionen ganz einfach fahren, obwohl sein Hintern in jeder Kurven, nach außen schliddert. Also unterschätzt dieses Auto nicht. Erweist ihm Respekt. Und wenn der quäkende Funk Starsky und Hutch zum Einsatz ruft, Hutch sich um das Rotlicht kümmert, während Starsky schleuderwendet, dann hofft inständig, dass sie nicht hinter euch her sind. Denn das Ford Gran Torino Hardtop Coupé ist unschlagbar – wie Starsky und Hutch. Merkt euch das. Und jetzt zischt ab, ihr Flitzpiepen.

Technische Daten
Ford Gran Torino Coupé
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5285 x 2015 x 1320 mm
Hubraum / Motor7033 cm³ / 8-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Neues Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk