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Ford Mustang Hardtop-Coupé im Fahrbericht

Der Reiz der Basis - 289er Ford Mustang Coupé

Ford Mustang Hardtop Coupé Foto: Hardy Mutschler 10 Bilder

Das Ford Mustang Hardtop Coupé ist die meistgebaute und günstigste Variante des Pony-Cars. Während sich die Szene am Mustang Convertible oder am Bullit-Fastback berauscht, fristet das Basismodell des Mustang ein Schattendasein. Dabei beeindruckt der tiefgründige Charme eines 67er Hardtop-Coupés selbst jene, für die US-Cars bisher nicht unbedingt die erste Adresse ihrer Autoleidenschaft waren.

16.07.2010 Alf Cremers Powered by

Er wollte seinen Ford Mustang genau so. Ohne aufregende Features, weder erstes Baujahr noch Big Block-V8, Shelby-Clone oder Gulf-Lackierung. Trotzdem hat er lange gesucht. Das Lastenheft von Bruno Werndl für seinen Traum-Mustang liest sich bescheiden. Er hat nicht den Drang, wie so viele in der Szene, eine kunstvoll zurechtfrisierte Rarität zu besitzen. Ein Hardtop-Coupé sollte es unbedingt sein, nicht nur aus Preisgründen, aber ein originales, sauber restauriertes Exemplar.

Massenmodell mit besonderer Anziehungskraft

Die mit Abstand meistgebaute und billigste Ford Mustang-Variante gefällt dem 43-jährigen Werbegrafiker aus Ulm am besten. Nein, bloß kein Sechszylinder - der kleine 289er-V8 in seinem 1967er Ford Mustang Hardtop Coupé genügt ihm - 4,7 Liter, so um die 156 PS netto. Der V8-Sound ist ihm wichtig, nicht die Leistung. Aus dem Burnout-Alter ist er raus. Automatik? Ja, unbedingt, T-Bar auf der Mittelkonsole. Nur so lässt es sich entspannt zwischen Nacht-Tanke, Burger King und Lara's Diner an der Autobahn-Raststätte cruisen.

Ganz wichtig war dem USA-Fan, der vor vielen Jahren als Einstiegsdroge einen milden 79er Chevrolet Malibu besaß, ein 67er Modell. Wegen der vielen liebevoll gemachten Details, die später verschwanden. Weil der 67er Ford Mustang imposanter wirkt als das feminine Ponycar der frühen Jahre. Weil die Kühlermaske noch aus dem Vollen gefräst scheint. Und weil das chromverzierte Dreispeichen-Lenkrad den Fahrer viel netter begrüßt als das geschmacklose Plastik-Ruder der späteren Modelle. Werndls Ford Mustang ist Limettengrün, im Original heißt es Lime Gold, und der recht bunte, progressive Siebziger-Jahre-Farbton passt perfekt zum schwarzen Kunstleder-Interieur. Auch die üppige Chromzier des hinreißend sexy gestylten Ford Mustang Hardtop Coupés hebt sich kontrastreich ab. Dieser Mustang, nennen wir ihn Limegold, ist kein Burner, kein Blockbuster, der US-Car-Fans um den Verstand bringt. Er ist leise und authentisch, genau das macht ihn für Kenner so eindrucksvoll.

"Im Überschwang der Gefühle habe ich ihn ein bisschen zu sehr verziert. Die Versuchung ist groß, das Teileangebot riesig und preiswert", gibt Werndl zu. Er kann sich vorstellen, die verchromten Metall-Schmutzfänger wieder abzuschrauben und dass die eigentlich ganz hübschen Siebenzoll-Styled-Steel-Wheels wieder den schlichteren Edelstahl-Radkappen weichen. Ursprünglich hatte sein Ford mustang Hardtop Coupé in Limegold noch ein schwarzes Vinyldach, das aber "nur von der skulpturhaften Linienführung des Mustang ablenkt". Der Wagen empfängt uns mit fürstlicher Opulenz, vorn gibt es Raum in Hülle und Fülle, die Sitzposition hinter dem großen, steil stehenden Dreispeichen-Lenkrad passt vorzüglich. In der hübschen hochglanzverchromten Uhrensammlung sucht man einen Drehzahlmesser vergebens. Der V8 zündet sofort, er läuft weich und geschmeidig, blubbert im mittleren Drehzahlbereich bestens gelaunt vor sich hin. Dabei ist es für den Ford Mustang-Novizen zunächst nicht leicht, dieses Schiff auf Kurs zu halten. Die optionale Servolenkung ist um die kurvensensible Mittellage so leichtgängig wie gefühllos. Erst wenn sich der Fahrer daran gewöhnt hat, traut er sich, mehr Gas zu geben und in Kurven die Grenzen des ausgeprägten Untersteuerns auszuloten.

Kurz übersetzte Cruise-O-Matic

Oberhalb von gefühlten 3.000 Touren funkelt das Feuer, dann erwacht der zahme Windsor zu jenem hämmernden Stakkato, wie wir es von den Verfolgungsjagden in amerikanischen Krimiserien kennen. Die Dreigang Cruise-O-Matic ist nach amerikanischer Manier relativ kurz übersetzt, das unterstreicht die bullige Elastizität des stoisch brabbelnden, gusseisernen OHV-Achtzylinders. Der zeigt zwar keinerlei konstruktive Raffinessen, glänzt jedoch mit lässiger Kraftentfaltung und mäßigem 15-Liter-Verbrauch. Doch für den Oscar-prämierten Charakterdarsteller des amerikanischen Road Movies ist Leistung nicht so wichtig, auch an der uninspirierten Großserientechnik aus dem Ford-Baukasten nahm niemand Anstoß. Allein die Form zählt, das ist auch die Devise von Limegold mit seinen gerade einmal 156 echten DIN-PS. Sie ist rassig, europäisch, kompakt und wohlproportioniert. Lee Anthony Iacocca, der Spiritus Rector des Mustang-Projekts, brachte es in seinen Memoiren "Iacocca - An Autobiography", 1984 auf den Punkt: "Das Styling hat letztlich den Ausschlag für den gigantischen Erfolg des Mustang gegeben. Mehr noch als das Marketing, der günstige Preis von anfangs 2.268 Dollar, die Vielzahl der Modellvarianten oder der geniale Name."

Ford Studio-Leiter Joe Oros und sein Assistent Dave Ash schufen ein 1:1-Tonmodell eines Hardtop-Coupés auf Falcon-Basis. Es sah in seiner katzenhaften Eleganz schon im Stand dynamisch und sprungbereit aus. Sie nannten es Cougar wie den späteren Mercury, und in den Frontgrill war ein stilisierter Puma modelliert. "Niemand im Styling-Kommitee konnte sich diesem elektrisierenden Reiz entziehen. Der Oros-Ash-Entwurf machte das Rennen", schrieb der 1979 bei Henry Ford II in Ungnade gefallene Iacocca, der gleich nach seinem Sturz als Chrysler- Retter voll durchstartete. Aus Cougar wurde schließlich Mustang. "Der Name gefiel uns allen, er vermittelt Weite bis zum Horizont und ist geradezu archetypisch amerikanisch. Die Assoziation an das berühmte Jagdflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg spielte keine Rolle mehr", erinnert sich der Ex-Ford-Präsident.

Das Prärie-Wildpferd mit der galoppierenden Silhouette sollte sogar zur eigenständigen Marke werden

Später, ab Modelljahr 1968, sollte das Prärie-Wildpferd mit der galoppierenden Silhouette sogar zur eigenständigen Marke werden, die Ford-Buchstaben auf der Motorhaube verschwanden. Unser medium-motorisiertes, nur zart geschminktes Hardtop-Coupé von 1967 trägt sie noch mit Stolz. Es stammt aus der zweiten Mustang-Serie, die eine sanfte Evolution darstellt. Denn das zierliche Ponycar der ersten Serie hat sich in knapp drei Jahren zu einem muskulösen Hengst gemausert, ohne seine Ur-Ästhetik zu verleugnen. In Länge, Breite und Spur bei gleichem Radstand deutlich gewachsen, zeigt vor allem die stärker gepfeilte Frontpartie mit den tief liegenden Scheinwerfern mehr Strenge und Autorität.

Der Mustang machte sich fit für seine neuen GM-Konkurrenten Chevrolet Camaro und Pontiac Firebird. Das hübsche Teenager-Gesicht verwandelte sich in den entschlossenen Ausdruck eines Muscle Cars. Richtig böse wird das Auto erst mit dem 69er Facelift, den Zusatzscheinwerfern im Kühlergrill und oder der Boss-respektive Mach 1-Kriegsbemalung. Doch damit verleugnete er letztlich sein Konzept und verlor seine brave Kundschaft, die einfach nur einen schönen Wagen fahren wollte. "Unser sehniges Rennpferd verwandelte sich in ein pummeliges Schwein", stellt Iacocca wehmütig fest. Bis 1969 liefen in den drei Mustang-Werken Dearborn in Michigan, San José in Kalifornien und Metuchen in New Jersey 2,76 Millionen Exemplare vom Band, allein 1967 waren es 356.271 Hardtop-Coupés. Limegold stammt aus San José, er trägt als Luxusversion den Body-Code 65B. Allmählich spiegelt sich die Abendsonne in seinen Flanken mit den markanten Lufteinlässen. Sie allein sind schon Symbol genug. Bruno Werndl sehnt sich nicht nach einem Vierfach-Vergaser oder der Power eines 351er-Cleveland-V8. Er sieht im Ford Mustang vor allem die Design-Ikone.

Technische Daten
Ford Mustang Hardtop Coupé
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4665 x 1800 x 1310 mm
Hubraum / Motor4728 cm³ / 8-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit185 km/h
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