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Ford Mustang im Fahrbericht

Turbo-Muscle-Car zum Kampfpreis

Ford Mustang, Frontansicht Foto: Ford 18 Bilder

Kaum sind 50 Jahre vorbei, schon verschifft Ford den neuen Mustang der Generation VI auch nach Europa. Schluss mit Importen auf eigene Faust, aber auch Schluss mit mindestens sechs Zylindern. Der Einstiegs-Mustang erhält einen Vierzylinder-Turbo. Macht da das Reiten noch Spaß?

20.10.2014 Alexander Bloch

„Revolutions per minute“ prangt ausgeschrieben auf dem Drehzahlmesser des neuen Ford Mustang. Gemeint sind die Touren des Motors, denn Revolutionen, also wirklich systemändernde Innovationen, hat das Pony Car nur eine einzige in seinen 50 Jahren erlebt: die jetzige zur Generation VI mit Vierzylinder-Turbomotor, elektromechanischer Lenkung und Einzelradaufhängung an der Hinterachse. Selbst eine uramerikanische Ikone ist nicht gefeit gegen Downsizing und moderne Technik. Hartgesottene Fans stürzt das in eine tiefe Sinnkrise wie alkoholreduzierter Bourbon-Whiskey. Ein Redaktionskollege schreibt erschüttert unter ein Facebook-Bild des Neuen: „Ohne Starrachse ist er kein Mustang mehr!“

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Fahrbericht Ford Mustang
auto motor und sport 21/2014
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Autosalon Genf 2014, Ford Mustang Cabrio
Ford Mustang in Genf 2014 1:23 Min.

Ford Mustang gibt es in 120 Ländern

Wie viel Neuerung verträgt dieser uramerikanische Bolide, ohne seine Identität zu verlieren? Bisher hatte sich der Ford Mustang souverän aus den direkten Vergleichen mit der europäischen Konkurrenz herausgehalten und selbst zum Teil schräge Designwirrungen wie den Ford Mustang III oder IV überstanden. Offiziell wurde er nicht nach Europa importiert und pflegte so unbedrängt seinen Sonderstatus als großer US-Cruiser. Ein Mutterschiff der Blubberer.

Wer ihn auf eigene Faust über den Teich holte, liebte ihn so kumpelhaft, wie er ist: cool, kultig, emotional und trinkfest. Stoisch ertrug der Ford Mustang den etwas unfairen „Geht mit seinem Kutschenfahrwerk nur geradeaus gut“-Spott. Aber zur Erinnerung: Ford stattete den Granada schon Mitte der 70er-Jahre mit kompletter Einzelradaufhängung aus.

Ab Mitte nächsten Jahres verschifft Ford Mustang den in Flatrock, Michigan, gebauten US-Sportler nun offiziell in 120 Länder und damit auch nach Europa. Jetzt beginnt eine neue Zeitrechnung für den Mustang. Eine definitiv gute, was das Design betrifft. Aus dem eher kraftvoll kantigen Vorgänger hat Ford einen modernen Kopfverdreher-GT geschaffen. Einen mit fließenden, athletischen, ja stimmigen Linien. Und einem Heck, das, ohne sich anzubiedern, eine gelungene Reminiszenz an die End-60er-Fastbacks ist. Das schönste Ende aller Mustangs. Als Cabrio gibt es ihn auch.

Ford Mustang mit 314 PS

Der neue Ford Mustang legt aber selbst in der EcoBoost-Basis auf rund 1,6 Tonnen zu, mehr als bisher mit V6. Diese Pfunde beschäftigen die 314 PS des neuen Vierzylinder-Motors spürbar. Ein quasi halbstarker Achtzylinder, den ein Turbolader künstlich beatmet. So liegt schon ab 3.000 Touren das volle Drehmoment von 434 Nm an. Nicht dass darunter Ebbe wäre, der 2,3-Liter-Motor ist ein durchaus drehmomentstarker Langhuber. Wer aber Rodeo beim Ponyreiten braucht, muss fleißig schalten. Dann drückt der Direkteinspritzer mit variabler Ventilsteuerung einen recht kehligen Ton aus den beiden Endrohren und schiebt dynamisch, wenn auch nicht euphorisch an. Machen wir uns nichts vor, der neue EcoBoost erledigt seinen Job überzeugender und effizienter als der etwas phlegmatische V6-Sauger. Der wird noch gebaut, kommt aber nicht nach Europa.

Blubbern kann eben nur der V8

Der Neue bleibt jedoch ein Vierzylinder und keiner der sparsamsten. Ob die Ford-Mustang-Fans damit leben können, wird die Millionen-Dollar-Frage. Acht Millionen Facebook-Fans liebten ihn bisher mit mehr Zylindern. 9,2 Millionen haben ihn ohne Turbo gekauft. Wobei spontan befragten Passanten in Los Angeles diese Zahlen ziemlich schnurz sind.

Es gibt ja auch noch den leicht überarbeiteten (optimierte Entdrosselung) und in Europa 418 statt 435 PS leistenden Achtzylinder im Ford Mustang. Der brabbelt schon im Standgas aus der Tiefe seines Hubraums. Damit bollert er seinen größten Vorteil in den Asphalt: Den Coyote-V8 musst du nicht triezen, um die Unterarmhärchen vor Freude zu spannen. Seine Stärke liegt nicht nur im breiteren Drehzahlband, dem willigeren Power-Oversteering und dem feisteren Durchzug, sondern im entspannten Cruisen, wenn das wohlige Blubbern die Petrolhead-Seele massiert und dir zuruft: Kauf mich jetzt, es ist vielleicht deine letzte Chance, einen neuen und bezahlbaren V8-Sauger zu bekommen.

Was das Handling betrifft, wird er vom halbstarken Bruder jedoch überholt. Das geringere und über den weniger weit über der Vorderachse sitzenden Vierzylinder besser verteilte Gewicht lässt den Turbo leichtfüßiger einlenken. Wobei auch der neue Ford Mustang kein superknackiger Agilitäts-Hero geworden ist. Er fährt sich weiterhin mit einer für amerikanische Boliden typischen coolen Schwere. Was gut ist, denn wer einen Cheeseburger bestellt, möchte nicht, dass dieser nach Schnitzelbrötchen schmeckt.

Der Sprung zum Vorgänger des Ford Mustang, was Präzision und Spurführung besonders auf welligem Untergrund angeht, ist trotz der in der amerikanischen Version zu spürenden leichten Unterdämpfung gewaltig. Und weil die durchaus komfortable Einzelradaufhängung hinten so neu ist, nennen wir sie beim vollen Namen: Integrallenker mit Querstabilisator, Spiralfedern und Doppelrohrdämpfern (EcoBoost) oder Einzelrohrdämpfer (V8).

Auch die neue elektromechanische Lenkung im Ford Mustang – spart Sprit und ermöglicht drei Modi – pflegt immer noch etwas die typisch amerikanische Indirektheit beim Einlenken. Die Straßen sind eben sehr breit dort. US-Car-Fans werden das mehr mögen als BMW-Fahrer, die mit einem Umstieg liebäugeln.

Beim Interieur hat Ford den Hartplastik-Einkäufern des Vorgängers ein paar Dollar in die Hand gedrückt und sie zur Shopping-Tour mit einem guten Modeberater geschickt. Sicher geht es nicht ohne ein paar Fake-Chrom-Inseln, aber dieses Ensemble aus weichen Materialien, kultigen Kippschaltern, Zusatzinstrumenten und serienmäßigem Acht-Zoll-Farbdisplay macht verdammt was her. Die genialen Recaro-Sitze im Ford Mustang sowieso. Selbst der Hebel der Getrag-Sechsgangschaltung liegt gut in der Hand, wehrt sich jedoch mit erhöhtem Kraftaufwand gegen allzu hektische Schaltmanöver.

Preis liegt bei 40.000 Euro

Übertriebene Hektik war sowieso noch nie das Ding des Ford Mustang. Da bleibt er sich auch in der neuen, modernisierten Generation treu. Klappt’s so auch mit den Fans? An der Einzelradaufhängung hinten wird es jedenfalls genauso wenig scheitern wie am Preisniveau: Der neue Mustang soll selbst als V8 nur um die 40.000 Euro kosten – was eine Kampfansage eines so kultigen und emotionalen Automobils ist. Manchmal sind Revolutionen eben dann am besten, wenn man sie nicht bis zum bitteren Ende durchzieht.

Fazit

Nur echt mit V8

Optisch ist der neue Ford Mustang ein Hammer, der sofort Haben-will-Reflexe auslöst – sowohl innen wie außen. Aber bei der Technik wird er die Fans spalten wie keiner zuvor. Ein Vierzylinder in einer US-Ikone? Okay, der Turbo verbraucht etwas weniger, aber ist das der entscheidende Punkt, wenn ich für den V8 nur rund 5.000 Euro drauflege? Es lebe das Blubbern, solange es noch echt ist.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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