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Ford Ranger, Nissan Navara, Toyota Hilux, VW Amarok

Mehr Lastkraft wagen

Ford Ranger, Nissan Navara, Toyota Hilux, VW Amarok, Foto: Hans-Dieter Seufert 45 Bilder

Was es Neues gibt bei Ford Ranger, Nissan Navara, Toyota Hilux und VW Amarok? Tja, ähm, ehrlich gesagt, außer der feschen Lampenbrücke am VW: nichts. Wir wollten einfach mal wieder in den Matsch mit den vier Pickups, die aus sperrigem Familienalltag spaßige Abenteuer machen.

09.02.2014 Sebastian Renz

Wir beginnen, es bietet sich mal an, mit Friedrich Nietzsche, der meinte: „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ Na, der bekommt gleich was zu sehen. Hier, wo sich der Geröllpfad in die Tiefe stürzt. Wir haben unseren Mut und vier Pickups eingepackt und sind nach dem Hinweisschild „Hobbysteinbruch“ aufs Gelände des Offroadparks Langenaltheim abgebogen. Eigentlich wollten wir mit Ranger, Navara, Hilux und Amarok nur durchs Gelände matschen. Aber zuvor stellen wir fest: Pickups sind perfekte Familienautos. Man findet ja immer etwas zu transportieren: Getränkekisten, Weihnachtsbäume, Rasenmäher auch (wobei dafür ein Garten nicht schaden würde). Von all dem flattert wenig weg, wenn das Pritschenrollo zugezogen ist. Auf zu einer kleinen Reise durch Abwegigkeiten von Ikea bis Offroadpark.

Toyota Hilux ist gemacht für die Ewigkeit

Wobei alles, was wir mit den vieren anstellen, nur Gedöns ist im Vergleich zu dem, was sie in vierter/fünfter Hand erwartet. Der Amarok rumpelt da durch die Pampa, der Navara quert die Sahara, der Ranger den Busch. Nichts mehr beweisen muss der Hilux, er transportierte den arabischen Frühling. Libysche Rebellen, heißt es, hätten alle Hilux aus Gaddafis Fuhrpark gestohlen, um das Regime zu schwächen. Andere haben den Toyota ins Meer geworfen. Der kroch mit der Ebbe an Land, schüttelte sich kurz, legte den Allrad ein und fuhr einfach weiter.

Bei uns mahnt die Bedienungsanleitung, man möge im Monat zumindest 16 Kilometer mit Allrad fahren. Der Hilux braucht das, also darf er zuerst in den Schotter. Statt Elektrik nutzt er traditionelles Geländebesteck: Allrad und Untersetzung rücken mechanisch über Hebel ein, das Fünfganggetriebe fletscht sich durch die Zahnräder. Das hier ist das letzte Auto vor der Traktorgrenze, das Abenteuer beginnt gleich jenseits der Lufthutze auf der Motorhaube.

Der Dreiliter-Diesel stampft los, ringt Berge nicht im Drehmomentsturm, sondern mit Zähigkeit nieder. Dabei nagelt der Vierzylinderklang durchs Doppelkabinchen.

Die Unzerstörbarkeit des Hilux gründet in Erhaltbarkeit. Wichtiges ist massiv oder kreuzschlitzverschraubt. Alles andere wird in 20 Jahren nicht unbedingt benötigt, ist somit an sich entbehrlich. Die Technik überdauert mit Massivität seit 44 Jahren und sieben Generationen. Der Truck mit dem Überlebenstalent einer Küchenschabe ist hier als Langzeitauto eine Anschaffung fürs Leben – anderswo fürs Überleben.

Nissans Navara trumpft auf

Als der Hilux durchs Gelände büffelt, weniger wie ein Auto, sondern wie eine Maschine, die Fortbewegung produziert, stürzt sich der Navara ins Vergnügen. Seine Historie reicht bis zum Datsun 13 Truck von 1934 zurück. Während man dem Hilux – einem weißen zudem – immer UN-Logos auf die Türen kleben will, bewegt der Nissan das Reitsport- und Baustellengewerbe. Mit nett möblierter Kabine, guten Sitzen, umgänglicher Federung und modernem Infotainment heimelt er sich als Familienlaster an. Ohne offroad nachzulassen: Da kraxelt er unermüdlich, wie die anderen nur gebremst vom knappen Rampenwinkel – wegen des langen Radstands.

Um Allrad und Untersetzung zu aktivieren, reicht ein kleiner Schalterdreh – und rutschige Strecken, sonst verspannt sich der Antrieb. Dabei könnten die Hinterräder auch auf trockener Straße Unterstützung brauchen, wenn 450 Nm auf sie zustürmen. Der 2,5-Liter-Turbodiesel schnaubt auf, schiebt dann so vehement an, dass fast egal ist, welcher der sechs Gänge gerade reinhakelt. Dazu kann der Navara: lenken! Erstaunlich gut und sogar um Kurven.

VW Amarok in neuem Licht

Der Amarok wird wild – und zum grell lackierten Canyon. Ihm schnallen sie für 1.446 Euro vier Flutlichter aufs Dach. Ja, der Fahrtwind verheddert sich dran, und mit 2,09 Meter Höhe droht er, sie sich in Parkhäusern abzuratschen. Doch ohne guckt er eher brav wie ein Up, mit hingegen wie ein echter Pickup.

Er bewahrt seine Tugenden mit viel Platz für fünf, Solidität und eingängiger Bedienung. Die Federung fordert Seefestigkeit der Besatzung, doch bewältigt er neben der Geländeschotterei die größte Herausforderung des Alltags: Ikea am Samstag. Und das mit einer Lässigkeit, die Limousineneltern fehlt. Die versuchen in steigender Panik, Nils und Smilla aus Småland sowie Billy und Ivar vom Abholmarkt ins Auto zu räumen. Derweil schnallst du die Kinder in den Fond und das Neunzig-mal-zwei-Meter-Bett Flaxa auf die Pritsche. Klappe hoch, Diesel an, Fernlichttusch, über den Bordstein rumpeln und ab dafür. Flaxa hängt ein Stück über die Ladebordwand hinaus, der Fahrtwind wirbelt wild um Rollrost und Matratze. Schaut fesch aus, aber der Biturbo dieselt fast zu kultiviert, und ihm geht die Drehmomentarroganz ab, der Sechserbox die Sperrigkeit. Auch weil der Allrad permanent für feste Traktion sorgt, bleibt alles zahm. Vielleicht etwas zu zahm fürs große Abenteuer.

Ford Ranger ist immer der Gute

Doch da kurvt der Ford Ranger um die Ecke, und wir haben unseren Helden. In den Katakomben des Leiterrahmens liegt der Maschinenraum, in dem der 3,2-Liter schiffsdieselt. Der Fünfzylinder ist ein grober, großartiger Metallklotz, der 200 PS bei 3.000 Touren herbeibrüllt, 470 Nm bei 1.500. Damit schikaniert er die Hinterräder (Allrad nur im Rutschigen) und verspottet das sperrige Getriebe für seine sechs Gänge, wo doch vier ausreichten. Ach was: drei. So schliddert der Ford mit der unaufhaltsamen Wucht einer Lawine voran – auch bergauf.

Zwar ist er so starrachsig unterwegs wie die anderen und hoppelt, zeigt aber ein erstaunliches Kurventalent, das er keinesfalls von seinem US-Urvater, dem 1972 erschienenen Courier, geerbt haben kann. Gleichzeitig ist er hier der Wuchtigste, ein Navara verschwindet in seinem Schatten. Der Ranger – ein Fels in der Blechflut.

Für fünf bietet er drinnen das Raumangebot eines Kombis, draußen hängt mit der schwimmbeckengroßen Ladefläche der Rest dieses modernen Planwagens. Angriffe wehrt er ab, schafft beim Euro-NCAP-Crash die Bestnote von fünf Sternen. Wie putzig das ausschaut, wenn ihn die Rollbarriere für den Seitenaufprall in die Flanke knufft.
Damit ist der Ranger unser Tipp für abenteuerlustige Familien, die sich gerne mal von Abgründen anstarren lassen.

Fazit

Wir sind verliebt, der Albig, der Seufert, der Thomas, der Renz: in die rustikale Maschinerie des Hilux, den zornigen Motor des Navara, die Dachlampen des Amarok – und komplett in den Ranger. Als Topversionen sind alle teuer, aber beim Händler um die Ecke steht ein neuer Einfach-Ranger für 22.000 Euro: Abenteuer mal günstig.

Technische Daten
Ford Ranger 3.2 TDCi DoppelkabineNissan Navara Double Cab 2.5 dCi DPFToyota Hilux 4x4 3.0 D-4D Double CabVW Amarok DC 2.0 TDI 4Motion
Grundpreis38.425 €28.899 €38.795 €40.656 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5351 x 1850 x 1821 mm5133 x 1850 x 1762 mm5260 x 1835 x 1850 mm5254 x 1944 x 1834 mm
Hubraum / Motor3198 cm³ / 4-Zylinder2488 cm³ / 4-Zylinder2982 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung147 kW / 200 PS (470 Nm)140 kW / 190 PS (450 Nm)126 kW / 171 PS (343 Nm)132 kW / 180 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit175 km/h180 km/h170 km/h178 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,8 s12,1 s10,6 s
Verbrauch9,5 L/100 km8,4 L/100 km7,7 L/100 km7,5 L/100 km
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