Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Fünf Motorräder auf Tagestour

Den Fahrspaß voll im Griff

Motorrad, Einsteigermodelle Foto: Achim Hartmann 30 Bilder

Fünf Motorräder, fünf Motorradfahrer, eine Tagestour rund um Stuttgart: Mit Elektroroller, Retro-Bike, Supermoto, Allrounder und Einsteigermodell lässt sich die Freude am Motorradfahren entspannt und abwechslungsreich genießen.

02.08.2014 Heinrich Lingner

Der britische Volksmund sagt ja, dass vier Räder den Körper bewegen, zwei Räder jedoch die Seele. Vermutlich dachte man dabei eher an zwei Räder, die an den Enden eines Norton-Featherbed-Rahmens hängen, und weniger an die, auf denen der voll elektrifizierte BMW C Evolution durch die Gegend rollert. So betrachtet, ist es vielleicht ein wenig leichtfertig, die fünf Zündschlüssel locker unter meinen vier Mitfahrern zu verteilen.

Kompletten Artikel kaufen
Einsteigermotorräder im Fahrbericht Fünf Motorräder auf Tagestour
auto motor und sport 15/2014
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 6 Seiten)

Testwagen-Manager Rudi Seufert (fährt Ducati und BMW) schnappt sich schnell den Hyperstrada-Schlüssel, Service-Redakteur Henning Busse ("Ich bin zu groß für die kleinen Motorräder") nimmt die BMW R nineT, Anna Matuschek ("Meine Kombi passt nicht zum Roller") greift zur Honda NC 700 S, und Motor Klassik-Chef Hans-Jörg Götzl ("Meine Laverda hat auch drei Zylinder") zieht den Yamaha-Schlüssel vom Tisch. Den Hinweis, es sei nicht die dreizylindrige MT-09, sondern eine MT-07 mit nur zwei Zylindern, kontert er mit: "Meine Triumph und meine BMW haben auch je zwei Zylinder." Bleiben also der BMW C Evolution und ich. Okay, auf den Elektro-Großroller bin ich ohnehin neugierig. Er ist erst in der Früh aus München angereist, jetzt teilt er sich in der Tiefgarage den Platz an den Steckdosen mit seinem großen Vierrad-Bruder i8.

Elektroroller mit 100 km Reichweite

Die anderen lassen die Motoren warmlaufen, rollen aus der Tiefgarage. Beim BMW C Evolution muss erst das Kabel eingerollt und im Kofferraum unter der Sitzbank verstaut werden. Dann surrt er los, die Reichweitenanzeige im Cockpit steht auf 115 km. Ansonsten wirkt das Display so emotional wie ein Spielkonsolen-Bildschirm. Die Sitzposition ist ungewohnt, der Lenker sehr flach, die Handgelenke kollidieren beim Abbiegen fast mit den Knien. Doch das Eingewöhnen geht schnell mit dem großen Roller. Trotz seines hohen Gewichts (fahrfertig 265 Kilogramm – meine Harley Superglide war nur 30 Kilo schwerer) lässt er sich schon nach wenigen Minuten spielerisch durch die Stadt manövrieren.

Was Sie sonst noch vom C Evolution wissen wollen? Er ist das teuerste Zweirad dieser Geschichte, die Reichweite kommt auch im wahren Leben auf rund 100 Kilometer, und das Fahren mit den unmittelbar zupackenden 72 Newtonmetern am Hinterrad macht mehr Spaß, als man vorher glaubt. Das Zirpen des E-Antriebs, die katapultartigen Ampelstarts und natürlich das gute Umweltgewissen – das alles ergibt ein Zweiradvergnügen der besonderen Art. Henning, der beim ersten Zwischenstopp die BMW R nineT gegen den Roller eintauschen muss, will das erst auch nicht glauben. Doch wenig später düst er mit dem C Evolution davon. Das Retro-Bike, zum 90. Geburtstag der BMW-Motorradgeschichte präsentiert, ist von ganz anderem Kaliber. Die BMW R nineT sorgt für anerkennende Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer, brabbelt und prustet sich mit ihrem Zweizylinder-Boxer durchs Drehzahlband und vibriert sich mit heftigem Antritt ins Herz.

"Der Motor ist nicht der sanfteste", hatte Henning gewarnt. Zu Recht, die BMW wirkt lebendig, direkt, unmittelbar, so ganz anders als die sehr kultivierten Boxer der R-1200-Baureihe, von der sie abstammt. 110 PS zerren beim Beschleunigen an den Handgelenken, der sehr weit nach hinten versetzte Sitzplatz und der breite Lenker zwingen den Fahrer in eine etwas gewöhnungsbedürftige Haltung. Sieht aber von außen sehr cool aus.

Ruhige, entspannte Honda

Nach der wilden, aufregenden BMW ist die NC 700 S das richtige Beruhigungsmittel, was hier durchaus sehr positiv gemeint ist. Motorräder von Honda zeichnen sich ja gemeinhin durch eine sehr gute Balance, hervorragende Qualität und einfache Bedienung aus. Weshalb viele Menschen, die beruflich Bike fahren müssen, wie Kuriere oder Fahrlehrer, gern zu dieser Marke greifen. Das gilt auch für die Honda NC 700 S, trotz ihres sehr günstigen Preises von rund 5.800 Euro. Wäre sie ein Auto, müsste sie sich als Crossover bezeichnen lassen.

Sie vereint in einem genial einfachen Konzept die Vorzüge von Naked Bike, Enduro und Roller. So sind das Helmfach in der Tankattrappe sehr praktisch, die Sitzhöhe niedrig und das Gewicht gering. Genau richtig für Anna: "Die Honda ist so wie ein Unisize-Hotel-Bademantel", sagt sie, "passt zwar nicht perfekt, aber man fühlt sich trotzdem wohl." Unaufgeregt brummelt sie mit ihren 48 PS über die Landstraße, das Fahrwerk ist agil und dennoch komfortabel, die Bremsen haben Biss.

Aufregende Ducati mit nur 48 PS

Natürlich ist die Ducati Hyperstrada aufregender, sie kostet mit über 12.000 Euro aber auch mehr als doppelt so viel. Und mit der Drosselung auf A1-Führerschein-gerechte 48 PS verliert sie mehr als die Hälfte ihrer Leistung. "Mir egal", sagt Rudi, "ich bin Ducati-Fan, ich mag die Hyperstrada." Auch das stimmt, er kaufte sich ein Zweitmotorrad, nur damit er bei unsicherer Wetterlage seine Monster in der Garage lassen kann.

Klar ist das stabile, kurvenfreudige Fahrwerk mit dem stark eingebremsten Motor unterfordert, aber wie die Ducati durch die Kurven pfeilt, sich superexakt anbremsen und in Schräglage kippen lässt, das ist grandioses Italo-Kino. Dazu poltert der 90-Grad-V2 unterm Tank, als wollte er alle seine Schrauben abschütteln. Sie bleiben dran, auch darin unterscheidet sich eine neue Ducati von einer etwas älteren. Hans-Jörg wartet schon auf die Hyperstrada. Von der Yamaha MT-07, dem billigsten Modell hier, trennt sich der Zweirad-Routinier (besitzt sieben Motorräder, Insider sprechen von einer Dunkelziffer) überraschend ungern: "Ein tolles Motorrad, das es Anfängern leicht macht und Profis nicht enttäuscht."

Da ist was dran, die kleine, zierliche Yamaha lässt sich kinderleicht dirigieren, der 700er-Paralleltwin hängt sauber am Gas und wirkt nicht zu weichgespült. Es gibt ihn mit 48 oder 75 PS, beides funktioniert gut. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die sehr weit vorgeschobene Sitzposition, was ebenso wie das Rahmendesign und das unten liegende Federbein an die Sportmotorräder der verblichenen Harley-Tochter Buell erinnert. Nur viel billiger ist sie – mit gerade mal 5.600 Euro. Inzwischen sind wir an der Solitude angekommen, es sind nur noch ein paar Kilometer zurück in die Stadt. Nach dem Gruppenfoto werden wieder Schlüssel verteilt. Ich nehme den Roller, 30 Kilometer Restreichweite verspricht er mir. Das sollte reichen. Dann zirp mal los, C Evolution!

Fazit

Überraschende Vielfalt

Natürlich kann es bei so einem subjektiven Fahrspaß-Vergleich keinen Sieger geben. Doch sehr erstaunlich ist die Bandbreite, die der sich wieder erholende Motorradmarkt für Neu- und Wiedereinsteiger in der Preisregion zwischen 5.000 und 15.000 Euro bereithält: am oberen Ende die Retro-BMW für Ästheten und der E-Roller für Avantgardisten. Die hochwertige Ducati bietet was für Auge und Herz, und die einfachen Einsteiger- Bikes von Honda und Yamaha zeigen, wie komplett und sicher heute Motorräder der 5.000-Euro-Klasse sind. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere schöne, elegante, kultige oder wilde Bikes aus Deutschland, Österreich, Japan, England und Italien.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden